Die Hochmoor-Bodeneule Coenophila subrosea (STEPHENS, 1829) – ein seltenes Relikt auf unseren letzten Hochmooren

Das Recker Moor liegt im Tecklenburger Land an der Grenze zwischen Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Hochmoore sind extreme Lebensräume, in denen sich nur an nährstoffarme, saure und nasse Bedingungen angepasste Tiere und Pflanzen entwickeln können. Die nächtliche Raupensuche mit der Taschenlampe fördert sehr seltene Arten zu Tage.

Im nordwestdeutschen Flachland bildeten sich im Zuge des regenreichen Atlantikklimas einst riesige Hochmoorlandschaften. Aufgrund der schweren Zugänglichkeit konnte der Mensch diese Gebiete über viele Jahrhunderte lediglich an den Rändern in kleinbäuerlicher Weise bewirtschaften. Die dramatischen Veränderungen in der Landnutzung innerhalb des letzten Jahrhunderts, hin zum industrialisierten Torfabbau und mit hohen Stickstoffeinträgen verbundener Intensivbewirtschaftung, führten jedoch zur raschen Verdrängung der Hochmoore aus unserem Landschaftsbild. Heute sind Moore in unserem Arbeitsgebiet bis auf wenige kleine Reliktflächen fast völlig verschwunden. Durch die anhaltend hohe Nährstoffzufuhr über Luft und Wasser, durch zumeist fehlende Pufferzonen hin zu landwirtschaftlichen Intensivflächen, durch weitgehende Isolation und durch mangelnde Pflege aufgrund unzureichender Finanzierung, sind jedoch auch die letzten Moore mittlerweile meist stark degradiert.

Die langfristigen Auswirkungen der negativen Veränderungen auf die bestehende Fauna und Flora sind verheerend und von einem dramatischen Schwund der auf Hochmoore spezialisierten Artengemeinschaft begleitet. Es fehlt an politischem Wille diesen Trend umzudrehen und somit werden wir vielleicht eine der letzten Generationen sein, die die seltenen Hochmoor-Schmetterlinge in unserem Arbeitsgebiet überhaupt noch zu Gesicht bekommen.

Halberwachsene Raupe von Coenophila subrosea, Recker Moor, 12. Mai 2017 (Foto: Frank Rosenbauer)

Einer dieser seltenen Hochmoorspezialisten ist die Hochmoor-Bodeneule Coenophila subrosea (STEPHENS, 1829). In unserem Arbeitsgebiet waren nur ganz wenige Vorkommen überhaupt bekannt und lediglich von einem Standort, nämlich dem Elmpter Bruch am Niederrhein, gab es noch Nachweise ab dem Jahr 2000 (http://schmetterlinge-nrw.de). Ich war deshalb umso überraschter und habe mich besonders gefreut, am 12. Mai 2017 bei der nächtlichen Raupensuche im Recker Moor (Nordrhein-Westfalen, Landkreis Steinfurt) fünf halberwachsene Coenophila subrosea Raupen an Besenheide (Calluna vulgaris) fressend zu finden (siehe Bild).

Das Recker Moor ist etwa 5000 Jahre alt und gehört heute zu den „am besten erhaltenen“ Moorgebieten in Nordrhein-Westfalen. „Am besten erhalten“ ist allerdings relativ, denn von der ehemaligen Moorfläche ist aufgrund des Torfabbaus, der Entwässerung und der landwirtschaftlichen Nutzung nur ein kleiner Rest übrig geblieben. Heute steht zumindest dieser Rest unter Naturschutz und darf nur mit Genehmigung betreten werden. Es wurden Regenerationsmaßnahmen begonnen um das Recker Moor wieder in eine typische Moorlandschaft zu entwickeln. Weitere interessante Informationen zum Recker Moor finden sich hier: http://www.antl-ev.de/?page_id=147.

Meine Untersuchung der Schmetterlingsfauna des Recker Moors hat gerade erst angefangen und Coenophila subrosea war von dort bisher noch nicht bekannt. Somit kennen wir jetzt in unserem Arbeitsgebiet erfreulicherweise ein zweites aktuelles Vorkommen dieses seltenen Moorspezialisten.

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Ein Kommentar zu Die Hochmoor-Bodeneule Coenophila subrosea (STEPHENS, 1829) – ein seltenes Relikt auf unseren letzten Hochmooren

  1. Karl-Heinz Jelinek sagt:

    Gratulation, lieber Frank!

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