Wintersport Teil III: Suche nach Kardenwickler-Raupen

Die Kleinschmetterlinge oder „Mikros“ sind generell unterkartiert, obwohl sich viele Arten sehr leicht finden und auch bestimmen lassen. Die zu den Wicklern (Tortricidae) zählende Endothenia gentianaeana (HÜBNER, [1799]) lebt in den Blütenköpfen der Karde (Dipsacus fullonum), im Winter findet man die Raupen leicht in den trockenen Blütenständen.

Die Wilde Karde (Dipsacus fullonum) ist an den Ruderalstandortn der Region im Winter nicht zu übersehen. Die trockenen mannshohen Blütenstände mit dem stacheligen Stengel und dem hübschen Blütenstand sind dekorativ und landen oft auch mal in Trockensträußen und Weihnachtsdekoration.
Packt man einmal herzhaft in die gefährlich aussehende Blütendolde, zeigt diese sich überraschend weich und läßt sich mit den Fingern leicht auseinanderreißen. Der Blütenboden ist eine hohle Kammer, die mit faserigem Mark ausgekleidet ist. Aber nur wenn sich nicht eine Raupe als Untermieter darin einquartiert hat! Denn dann hat dieser bleiche „Wurm“, der aussieht wie eine Fliegenmade mit dunklem Kopf, den Blütenboden mit Kotbällchen und Gespinst angefüllt.

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Plötzlich ans Licht gezerrt versucht die Raupe meist sich in den Stengel zurückzuziehen, und es schaut nur noch der Kopf heraus. Dann heißt es zur exakten Artbestimmung auch noch den Stengel aufreißen: Zwei sehr ähnliche Arten leben in der Karde, neben der bereits erwähnten Endothenia gentianaeana findet man auch auch E. marginana, die im Unterschied zur abgebildeten Art am Hinterende eine schwarze Genitalplatte trägt.

Beide Arten dürften bei entsprechender Suche in den niedrigeren Lagen des Arbeitsgebiets nachzuweisen sein. Ob die Februar-Raupen schon ausgewachsen sind, das Freilegen unbeschadet überstanden haben und sich noch erfolgreich zum Falter entwickeln, das werden wir dann im Frühjahr sehen.

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Ein Kommentar zu Wintersport Teil III: Suche nach Kardenwickler-Raupen

  1. Dieter Robrecht sagt:

    Hallo Armin,
    vielfach habe ich im südlichen Ostwestfalen an verschiedenen Lokalitäten die vertrockneten Köpfe der Karde aufgerissen, um den Raupenbesatz zu kontrollieren. Die vertrockneten Fruchtstände waren stets zu einem hohen Prozentsatz mit Raupen besetzt, es war immer E. gentianaeana.

    Bei meinen Zuchten ergab sich allerdings sodann folgendes Problem:
    Um die Art als Raupe sicher anzusprechen, legte ich sie frei. Die Fruchtstände hatte ich sodann wieder mit einem Bändchen verschlossen, Falter schlüpften später allerdings nicht, denn die Raupen waren vertrocknet. Die Fruchtstände hatte ich zum Teil im Freien belassen und regelmäßig mit Wasser besprüht, zum Teil auch im Februar ins Warme geholt.

    Nur zwei Falter habe ich bislang aus mehreren Dutzend ungeöffneter Fruchtstände erhalten. Sodann ergibt sich (nicht nur aus meiner Sicht) die Notwendigkeit einer Genitaluntersuchung, um die Arten sicher zu trennen.

    Insofern bin ich sehr gespannt auf Deine Zuchtergebnisse.
    Dieter

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