Jungfernkinder in der Eifel

Zeitgleich mit dem Laubaustrieb bei Birke und Pappel fliegen die ersten tagaktiven Geometriden.

Die einheimischen Jungfernkinder lassen sich nur schwer beobachten. Es sei denn man hat den Dreh heraus – dann gelingen auch Beobachtungen „seltener“ Arten.
Als es am zweiten Aprilwochenende erstmals über 20 Grad warm wurde, habe ich bei einer Fahrradtour in der Eifel zufälligerweise einen für mich neuen, offenbar lohnenden Beobachtungsort gefunden: Wildfutterstellen im Wald, mit ihrem von Hirschgülle gesättigtem Schlamm rund um die Futtertröge.
An drei verschiedenen Stellen, in einem Umkreis von 1,5 km in zwei benachbarten TK-Quadranten, konnte ich das Mittlere Jungfernkind Boudinotiana notha (HÜBNER, [1800-1803]) beobachten, erkennbar an den gekämmten Fühlern der Männchen; an einer der Stellen flog an schlammigen Pfützen auf Waldwegen auch die andere in NRW vorkommende Art, das Birken-Jungfernkind Archiearis parthenias (LINNAEUS, 1761).

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Angesichts dieser einfachen Funde von B. notha trotz ROTE-LISTE-Status 0 im Naturraum Eifel schrieb Armin Dahl spontan, dass diese Art wohl unterkartiert sein müsste.
Und: Mag es sein, dass die Wildfutterstellen im Sommer vielleicht auch ein guter Beobachtungort für Schillerfalter sind? – Ich werde nachschauen!


[Anmerkung A. Dahl: Der letzte bekannte Eifel-Nachweis in unseren Daten stammt von PÜNGELER, 1937: „Umgebung Aachen n. selt.“ und aus dem Brohltal bei Niederzissen, vgl. dazu STAMM 1981: 157]

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3 Kommentare zu Jungfernkinder in der Eifel

  1. Ludger Wirooks sagt:

    das alles ganze wundert mich gar nicht – auch parthenias habe ich noch nie als Falter zu Gesicht bekommen, wohl aber die Raupe.
    Laut Bergmann soll notha wohl etwas lokaler vorkommen als parthenias. „Die Raupe ruht tagsüber zwischen zwei zusammengesponnen Blättern und ist leicht zu finden oder zu klopfen“.
    Also, ran an die Espen! Da findet man ja auch allerhand anderes nettes dran….

  2. Karl-Heinz Jelinek sagt:

    Gratulation! Sicher ist A. notha unterkartiert. Aber sie ist eindeutig erheblich weniger verbreitet als A. parthenias. Die Anwesenheit von Espen besagt da gar nichts. Ich habe während der letzten 30 Jahre in allen Espenbeständen von Abgrabungen im Rhein-Erft-Kreis nach dieser Art gesucht und überall nur A. parthenias gefunden. Mein bisheriger Eindruck ist, dass A. notha feuchtere Stellen benötigt. Der weniger gebräuchliche deutsche Name Auen-Jungfernkind (Schmetterlinge Baden-Württembergs) für diese Art mag als Hinweis dienen . . .

    • Frank Rosenbauer sagt:

      Feuchter…nicht ausschließlich. In Brandenburg fliegt A. notha auch in Espen-Birkenvorwäldern auf staubtrockenen ehemaligen Truppenübungsplätzen, zusammen mit A. parthenias. Vielleicht mag es A. notha generell eher etwas winterkälter.

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