Eifel-Exkursion Mitte Juli 2018

Der Hitzesommer 2018 verschiebt anscheinend die Flugzeiten und Arealgrenzen bei einer Reihe von Tagfalter-Arten. Den Teilnehmern der Exkursion nach Dahlem und Blankenheim war es gerade recht so.

Ziemlich vertrocknet: Die Pflegefläche am Sönsberg. 15. Juli 2018. Foto: Maik Palmer

Mitte Juli bei Gluthitze, und auch noch direkt vor dem Finale der Fußball-WM: Die Organisatoren erwarteten nicht allzu viele Teilnehmer bei der Tagfalter-Exkursion in den Steinbruch am Sönsberg direkt an der Bundesstraße 51 in Dahlem (Eifel), im südwestlichsten Zipfel von Nordrhein-Westfalen. Trotzdem fanden am Ende 15 Interessierte den Weg in die Eifel.

Plebejus argus (L.) – Argus-Bläuling. Sönsberg, 15. Juli 2018. Foto: Maik Palmer

Der in Kooperation mit dem Naturwiss. Verein Wuppertal durchgeführte Tagestrip begann in Dahlem, im NSG Kaucherbachtal, einem für seinen Artenreichtum bekannten ehemaligen Steinbruch. Dort hat die Arbeitsgemeinschaft im vergangenen Jahr einen kleinen Pflegeeinsatz durchgeführt, im Rahmen der Exkursion sollte der Erfolg der Maßnahmen untersucht werden.

In einem Gebiet mehr als 20 Tagfalterarten an einem Termin fliegen zu sehen, das ist für Rheinländer und gar für die vom Regen geplagten Wuppertaler immer wie ein Feiertag. Und so kämpften sich die Teilnehmer tapfer durch den heißen Sonntagvormittag, genug Motivation gab es in Form von selten beobachteten Arten, zum Beispiel Speyeria aglaja (LINNAEUS, 1758) – Großer Perlmuttfalter. Der  Silbergrüne Bläuling Lysandra coridon (PODA, 1761) – frisch geschlüpft und häufigster Tagfalter der Exkursion, bot herrliche Fotomotive.  Und am Ende fanden wir dann auch noch die letzten schon stark abgeflogenen Thymian-Widderchen –  Zygaena purpuralis (BRÜNNICH, 1763), die sich auf Distelblüten am Nektar bedienten.

Ansammlung von Lysandra coridon (PODA, 1761) Dahlem, Sönsberg-Steinbruch, 15. Juli (Foto: Uli Retzlaff). Die Falter saugen bei Hitze gerne an Fuchs- oder Marderkot.

À propos Thymian: Die Pflegefläche vom vergangenen Herbst und die Hänge  drumherum mit ihren zahlreichen Thymian-Polstern waren vom 2018er Sommer  ziemlich mitgenommen, das Blütenangebot teilweise schlichtweg vertrocknet, und die Faltersaison dementsprechend schon weit fortgeschritten.

Nach zwei Stunden hatten wir genug gesehen, und der zweite Teil der Exkursion führte nach kurzer Fahrt ins Lampertstal südöstlich von Blankenheim-Ripsdorf. Der Weg durch das Tal ist äußerst kommod auch für ältere Herrschaften, alles findet auf gleicher Höhe statt, die Biotope liegen bequem direkt neben den Wanderwegen, die Talhänge bieten reichlich Blütenangebot, und das Artenspektrum ist phantastisch.

Zygaena purpuralis, Dahlem, Sönsberg-Steinbruch, 15. Juli (Foto: Armin Dahl)

Der Brombeer-Perlmuttfalter Brenthis daphne (BERGSTRÄSSER, 1780)  breitet sich seit ein paar Jahren nach Norden aus, der Klimawandel läßt schön grüßen: Jetzt hat die Art  den Sprung in die Kalkeifel geschafft! Ein auffallend kleines Fünffleck-Widderchen auf einem  Magerrasen: Das kann eigentlich nur Zygaena viciae ([DENIS & SCHIFFERMÜLLER], 1775) – Kleines Fünffleck-Widderchen gewesen sein.

Zygaena (viciae), Blankenheim, Lampertstal, 15. Juli 2018. Foto: Maik Palmer

Einer der seltensten Falter der Eifel ist Erebia ligea (LINNAEUS, 1758) – Weißbindiger Mohrenfalter. Die Art ist in der Eifel nach dem Jahr 2000 nur noch in fünf Meßtischblatt-Quadranten nachgewiesen worden (siehe www.schmetterlinge-nrw.de). Im Lampertstal fliegt E. ligea anscheinend noch in größerer Population, Mitte Juli 2018 hatte das gute Dutzend beobachteter Falter allerdings schon etliche Flugstunden hinter sich. Die an den Hängen des Tales durchgeführten Waldbau-Maßnahmen – Auflichtung des Kiefernwaldes mit zahlreichen Rückegassen – wirken sich mit Sicherheit postiv auf das Vorkommen von Erebia ligea aus: Die Art liebt eher den Halbschatten und Lichtwald.

Kaisermantel-Paarung, Blankenheim, Lampertstal, 15. Juli 2018. Foto: Maik Palmer

Nach sechs Stunden im Gelände war die Exkursion vorbei und die von der Sonne verwöhnten Teilnehmer zogen höchst zufrieden vor die Bildschirme, um sich das WM-Endspiel anzuschauen. Bei der Auswertung der zahlreichen Digital-Bilder von der Exkursion gab es dann noch eine weitere Überraschung: Boloria dia (LINNAEUS, 1767) – Magerrasen-Perlmuttfalter, in der Region bisher unbekannt, scheint im Jahr 2018 im Lampertstal und am benachbarten Höneberg eine kleine Population aufgebaut zu haben: Willkommen zurück in NRW!


P.S. Wenn alle Teilnehmer ihre Beobachtungs-Listen abgeliefert haben, werden wir die Artenliste hier hochladen. Das kann jedoch noch ein paar Tage dauern

Und: Natürlich gilt im Steinbruch am Sönsberg normalerweise das übliche Betretungsverbot in Naturschutzgebieten. Dank deshalb an Stefan Meisberger (Biostation) und die Untere Naturschutzbehörde in Euskirchen für die Unterstützung /Erteilung der Betretungsgenehmigung

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5 Kommentare zu Eifel-Exkursion Mitte Juli 2018

  1. Ulrich Haese sagt:

    Die Entdeckung des Brombeer-Perlmuttfalters in diesem Sommer hat bereits eine Vorgeschichte, denn der erste Datensatz im Meldesystem nrw.observation.org stammt für den NRW-Teil der Eifel bereits vom 26.6.2015. Der Fund gelang Valérie Goethals, der die Art aus ihrer belgischen Heimat schon besser bekannt war. Am nächsten Tag gelang es ihr sogar, noch einen zweiten Fundort zu dokumentieren. Am gleichen Tag traf dann bereits eine durch die Fundmeldung alarmierte Gruppe niederländischer Kollegen von der „vlinderstichting“ am ersten Fundort ein, um den noch fehlenden Foto-Beleg nachzuholen, was auch gelang. Erst 2018 gab es dann die nächsten Beobachtungen im Zeitraum vom 15.6. bis 8.7., darunter auch aus dem kurz danach von unserer Gruppe besuchten Lampertsbachtal. Insgesamt gibt es jetzt bei nrw.observation.org bereits Fundmeldungen von 11 verschiedenen Beobachtern aus 6 verschiedenen MTB-Quadranten im NRW-Teil der Eifel, darunter 8 Meldungen mit validierten Fotos. Davon sind allein drei neue Fundorte 2018 wieder von Valérie Goethals entdeckt worden. Das auch zunehmend von deutschen Kollegen genutzte Portal nrw.observation.org erweist sich somit als sehr interessante Datenquelle.

    Der Fund von Karlheinz Böttinger in der Drover Heide liegt deutlich nördlicher und betrifft somit einen 7. MTB-Quadranten in NRW. Beinahe wäre ein ähnlich weit nördlicher Fund aber schon am 2.7.2011 im Wurmtal nördlich von Herzogenrath bei Aachen gelungen, jedoch blieb das Tier leider auf der niederländischen Seite der dortigen Grenze. Dieser Fund von Lei Paulssen gilt in Holland als der erste Fund überhaupt. Seither gab es auch in den Niederlanden nur wenige weitere Funde, aber 2018 hat sich dies mit über 30 Meldungen deutlich geändert. In Belgien gab es dieses Jahr sogar erstmals weit über tausend Fundmeldungen. Die eigentliche Besiedlungswelle baut sich also wohl gerade erst so richtig auf. Daher bleibt jede Meldung spannend, auch die rückblickend noch mitgeteilten.

  2. Klaus Hanisch sagt:

    Brenthis daphne in der Drover Heide

    Karlheinz Böttinger konnte am 03.06.2018 in der Drover Heide, einige km südlich von Düren, Brenthis daphne nachweisen. Er fand dort 2 Exemplare. Die Drover Heide zählt zum Naturraum NRW II. Soweit mir bekannt ist, war das der erste Fund des Brombeer-Perlmutterfalters im Naturraum II, vielleicht auch in NRW. Zudem konnte ich an den Hängen im Lampertstal (NRW) am 06.07.2018 und 08.07.2018 einige Falter dieser Art feststellen.
    Gruß
    Klaus

  3. Klaus Hanisch sagt:

    Auch wir konnten schon am 01.07.2018 (Karl-Heinz Böttinger, 1 Beobachtung) und am 06.07.2018 (Klaus Hanisch, 2 Beobachtungen) Boloria dia im Lampertstal und an den Hängen feststellen, ebenso Brenthis daphne, der schon bis zur Drover Heide (etwas südlich von Düren) vorgedrungen ist. Zudem konnte ich noch an der Straße von Dollendorf nach Ripsdorf, etwa 100 m hinter dem Zugang zum Lampertstal am 06.07.2018 einen Falter von Phengaris arion finden und zum Glück sind uns auch Fotos von B. dia und Ph. arion gelungen.
    Freundliche Grüße
    Klaus

  4. Hallo Armin,

    Das hat sich ja wirklich gelohnt. Tolle Arten habt ihr da zu sehen bekommen. Dass der Magerrasen Perlmuttfalter am Höneberg und im Lampertstal fliegt wusste ich noch nicht. Habe selbst noch keinen gefunden. Der Brombeer-Perlmuttfalter ist natürlich eine super Entdeckung, Glückwunsch 😉
    Herzliche Grüße
    Andreas

  5. Karl-Heinz Jelinek sagt:

    Super und Gratulation!

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