Recker Moor: Kälteresistente Moorfalter und -forscher

Regenbogen überm Recker Moor (Foto: Martine Goerigk)

Am Samstag den 25. August 2018 fand in Zusammenarbeit mit der Biologischen Station im Kreis Steinfurt eine Vereinsexkursion inklusive Lichtfang im Recker Moor statt, um dadurch Mitgliedern die Möglichkeit zu geben, seltenste Moorspezialisten der einheimischen Schmetterlingsfauna kennen zu lernen. Wir haben schon lange nicht mehr so gefroren!

Das Naturschutzgebiet Recker Moor befindet sich im nördlichen Landkreis Steinfurt in Nordrhein-Westfalen, an der Grenze zu Niedersachsen, und stellt einen etwa 300 Hektar großen, offenen Hochmoorrest dar. Es ist eines der am besten erhaltenen Moore in Nordrhein-Westfalen, und in den Moorflächen und Feuchtwiesen lebt eine Vielzahl landesweit bedrohter Tier- und Pflanzenarten. Wie es jedoch mit lange im Voraus geplanten Exkursionen oft so ist, war uns der Wettergott nicht wohl gesonnen. Nach einer rekordverdächtigen Hitzewelle mit extremer Trockenheit fast den gesamten Juli und August hindurch, schlug just am Tag der geplanten Exkursion das Wetter um. Angekündigt war ein extremer Kälteeinbruch mit nachts einstelligen Temperaturen, viel Regen und starkem Westwind. Diese ungünstige Konstellation schreckte dann doch etliche Teilnehmer ab und so wurde die ganze Aktion kurzerhand abgeblasen. Nun war es aber so, dass bereits gebuchte Zimmer nicht mehr kostenfrei storniert werden konnten und so entschieden wir uns, die Lichtfangexkursion trotz der widrigen Wetterumstände in kleinem Kreis doch stattfinden zu lassen.

Was soll man sagen, die Wetterfrösche behielten Recht und der vorhergesagte Kälteeinbruch fiel brutal aus. Nachmittags gab es etliche Regenschauer, und bei Dämmerung kam pünktlich zum Einschalten der Lampen der klare Himmel heraus, mit entsprechend rasch in den Keller purzelnden Temperaturen. Der Wind wehte böig und dazu lachte ein tagheller Vollmond mit gefühlter Schadenfreude auf uns herab. Also ungünstiger ging es kaum. Die Lichtfangtücher blieben wie zu erwarten ziemlich leer, der Köder zog schon etwas besser. Was aber den meisten Erfolg brachte, war das Ableuchten der blühenden Besenheidebestände mit der Taschenlampe. Dort fanden sich trotz Kälte und Wind etliche Eulenfalter zur Nahrungsaufnahme ein, und gaben somit Gelegenheit, einige der Raritäten live in ihrem Lebensraum beobachten zu können.

Der unangefochtene Topstar unter den Nachtfaltern des Recker Moores ist Coenophila subrosea (STEPHENS, 1829), die hier eines der letzten beiden gegenwärtig bekannten Vorkommen in Nordrhein-Westfalen besitzt. Die Flugzeit ist eigentlich die zweite Augusthälfte, doch in diesem warmen Jahr wurde sie schon Anfang August in größeren Stückzahlen beobachtet. Trotzdem hatten wir das Glück noch zwei Falter, der fortgeschrittenen Flugzeit entsprechend leider bereits etwas an optischer Pracht verloren, an blühender Besenheide beobachten zu können. Dazu kamen weitere Seltenheiten wie Xestia agathina (DUPONCHEL, 1827) oder die im Raupenstadium an Pfeifengras lebende Amphipoea lucens (FREYER, 1845).

Am Ende der Aktion waren wir dann mit dem Ergebnis doch ganz zufrieden und fuhren mit unterkühlten, aber glücklichen Gesichtern nach Hause…denn eines haben wir wieder mal gelernt: die Falter sind oft wetterresistenter als wir Entomologen und a bissl‘ was geht bei jedem Wetter.


Weitere Informationen:
NSG, FFH- und Vogelschutzgebiet Recker Moor

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Ein Kommentar zu Recker Moor: Kälteresistente Moorfalter und -forscher

  1. Brigitte Schmälter sagt:

    Schöner Bericht, danke! Wir haben am Samstag öfter an Sie und Euch gedacht und und gesagt, wie schade es sei, dass ausgerechnet dann das Wetter solch einen Tiefpunkt erreichte. Ich freue mich, dass doch noch so schöne Falter zu sehen waren und wir hier auf der Seite daran teilhaben dürfen!
    Viele Grüße
    Brigitte Schmälter

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