Aktuelle Ergebnisse des Klimafolgenmonitorings der Stadt Düsseldorf im Rekordsommer 2018

Die Tag- und Nachtfalterfauna wurde auch im Jahr 2018 wieder in zwei Gebieten in Düsseldorf untersucht: im zur Niederrheinischen Bucht gehörigen Eller Forst und auf dem Golfplatz Hubbelrath im Bergischen Land.
Dabei konnten im Eller Forst sieben, in Hubbelrath acht neue Schmetterlingsarten nachgewiesen werden. Den interessantesten Neufund stellte dabei der Flussauen-Waldrebenspanner Horsime radicaria dar, von dem im Sommer eine Raupe in Hubbelrath nachgewiesen wurde (näheres dazu in der Melanargia XXXI Heft 1). Diese Art breitet sich seit einigen Jahren nordwärts aus und war zuletzt bis Köln gekommen, so dass der Neufund in Düsseldorf also den bisher nördlichsten bekannte Fundort in NRW markiert. Ebenfalls erwähnenswert ist der Erstfund des Südlichen Zwergspanners Idaea rusticata im Eller Forst, der allerdings zu erwarten war nachdem die Art im Zuge ihrer nordwärts gerichteten Ausbreitung in den letzten Jahren Düsseldorf erreicht hatte.

Die Raupe dieses am 25.7.2018 geschlüpften Flussauen-Waldrebenspanners (= Horisme radicaria) war am 29.6.2018 in Düsseldorf-Hubbelrath geklopft worden. Diese wärmeliebende Art war aus dem Süden kommend bisher bis Köln vorgedrungen und hat seit spätestens 2017 nun auch Düsseldorf erreicht. (Foto: L. Wirooks)

Unter den jeweiligen Neufunden waren auch einigen Arten, die offenbar von dem trockenwarmen Rekordsommer profitiert haben und allgemein in weitaus größeren Individuenzahlen auftauchten als in normalen Jahren. Es stellt sich dabei wohl die Frage, ob der normalerweise nur sehr sporadisch und selten nachgewiesene Große Eichenkarmin Catocala sponsa im Eller Forst womöglich schon immer bodenständig war und in den Vorjahren nur unter der Nachweisschwelle lag und ob sein Nachweis auf dem Golfplatz in Hubbelrath überhaupt als dauerhafte Besiedlung angesehen werden kann oder dort nur einen vergeblichen Kolonisationsversuch darstellt. Als solchen kann man auf dem Golfplatz auch das erstmalige Auftauchen der xerothermophilen Bleichen Graseule Mythimna pallens deuten, von der neben Faltern zwar auch eine Raupe gefunden wurde, bei der es aber dennoch fraglich ist, ob die Art dort wirklich langfristig bodenständig werden kann. Auch die Tatsache, dass der vornehmlich im Flachland siedelnde und aus dem Süden stammende Arealerweiterer Dreifleck-Pappelspanner Stegania trimaculata zum ersten Mal auch in Hubbelrath, also etwas höher gelegen, auftauchte könnte eine Folge der Klimaerwärmung und/oder des warmen Sommers sein.

Nähere Informationen können dem Gesamtbericht des Klimafolgenmonitorings der Stadt Düsseldorf 2018 entnommen werden, welcher sich hier herunterladen läßt:
www.ulfschmitz.de/Projekte.htm

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1 Response to Aktuelle Ergebnisse des Klimafolgenmonitorings der Stadt Düsseldorf im Rekordsommer 2018

  1. Armin Dahl sagt:

    Die beiden Untersuchungsflächen werden übrigens seit 2010 jährlich untersucht. Was Horisme radicaria angeht, da finden sich unter dem Artkomplex radicaria/tersata in den öffentlichen Datenbanken etliche Falter die wohl zu radicaria gehören, zum Beispiel aus Ratingen: https://naturgucker.de/?bild=-1552211766 und Duisburg https://naturgucker.de/?bild=-1478511888 . Und in der Bestimmungshilfe des Lepiforum stammen einige Nachweise aus dem Raum Hannover. http://www.lepiforum.de/2_forum_2013.pl?page=1;md=read;id=38082

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