Wickler-Arten in Zweigen und Stämmen der Lärche

Meine Raupensuche nach Cydia millenniana (ADAMCZEWSKI, 1967) war bislang stets ein Misserfolg. Lag es an der falschen Herangehensweise? Denn bisher hatte ich in Ostwestfalen-Lippe die Zweige älterer Lärchen abgesucht. Mitte Februar 2019 suchte ich gezielt in jüngeren Lärchenbeständen (Larix decidua) nach den Raupen zweier Wickler-Arten – mit vorläufigem Erfolg!
Junge Lärchen hatte ich in den letzten Jahren vergeblich gesucht, bis ich 2018 auf einer Wanderung auf dem Hermannsweg in Detmold-Hiddesen in 330 m NHN zufällig einen natürlichen Lärchenaufwuchs sah.

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Im Lepiforum zeigt Friedmar Graf Fotos von einem jungen Lärchenaufwuchs in Sachsen in 325 m NHN, in dem er die Raupen finden konnte.
Die Raupen leben zweijährig in jungen Zweigen. An der Stelle der Raupenwohnung tritt Harz hervor, der sich zu kleinen Klumpen formt und so die Anwesenheit der Raupe verrät. Ich fand diese Harzklumpen, an denen nur wenige Kotbällchen klebten, in Astgabeln etwa 40 bis 60 cm von der Zweigspitze entfernt. Die Raupe lebt in einem dicht ausgesponnenen Fraßgang.
Rudolf Bryner weist im Lepiforum darauf hin, dass die Art selten zum Licht kommt. Obwohl ich am o.g. Fundort im letzten Jahr vom 31.05. bis zum 4.7. 2018 viermal geleuchtet hatte, flog kein Falter zum Licht. Der Artnachweis scheint durch eine gezielte Raupensuche deshalb eher zu gelingen.

Hans Retzlaff und Rudi Seliger stellen im Jahr 2002 in der MELANARGIA, 14 (4): 123-125, die Frage, ob der Lärchengallenwickler C. millenniana eine in Deutschland seltene oder nur übersehene Art sei. Am 30.4.2001 gelang nämlich Rudi Seliger bei Zwergen im Diemeltal der Erstnachweis für Hessen. Durch gezielte Nachsuche im Jahr 2002 fanden sie sodann im nordhessischen Diemeltalbereich nur zwei einjährige Raupen und mehrere alte Harzgallen. Weitere Funde in Nordrhein-Westfalen aus Höxter, Ottbergen und Oerlinghausen kamen hinzu. In den Jahren 2004 und 2005 wurden durch Hans Retzlaff Gallen- und Raupenfunde in Stukenbrock, Trendelburg und Willebadessen gemeldet (MELANARGIA, 20 (1): 23.). Rudi Seliger fand 2015 eine Raupe im NP Eifel (MELANARGIA, 28 (1): 24).

Am 17.02.2019 fand Hubertus Trilling an einer älteren Lärche in Hessen, Volkmarsen-Hörle, NSG Iberg, 235 m, nur eine einzige Raupenwohnung an einem unteren Zweig. Es ist sicher so, dass die Raupen bis in die Baumkronen minieren und man diese Stellen dann schlecht sehen kann. Da die unteren Zweige älterer Lärchen i.d.R. stark verholzt sind, kann das vielleicht auch ein Grund dafür sein, dass an solchen unteren Ästen die Art seltener gefunden wird. Zumindest ist das ein Erklärungsversuch, warum in aufwachsendem Lärchenbestand mit seinen frischen Zweigen die Suche effektiver zu sein scheint. Eine Nachfrage bei den Forstämtern, wo ggf. Lärchen gefällt wurden, würde die Gallen- bzw. Raupensuche in den Baumkronen erleichtern und zur Klärung solcher Fragen beitragen.

Ebenfalls an Lärche kommen zwei weitere Wickler-Arten vor, die allerdings in der Rinde leben: Cydia zebeana und Cydia grunertiana. Ein Bohrmehlauswurf im Bereich der Äste verrät die Anwesenheit der Raupen dieser Arten.

C. grunertiana wurde von Josef Bücker am 03.04.2017 erstmals für unser Arbeitsgebiet nachgewiesen, Josef schreibt im Lepiforum u.a. dazu: „An vielen etwas älteren Lärchen fand ich unter zumeist abgestorbenen Ästen Bohrmehlauswurf mit Harztropfen- insgesamt etwa 50 Befunde. Zahlreiche davon waren "besetzt"“. Heinz Schumacher und Josef Bücker fanden sodann in Anzahl weitere Puppen zwischen dem 03. und 24.04.2017. (MELANARGIA, 30 (1): 26). Armin Dahl meldet ebenfalls für 2017 einen Fund (InsectIS-online).

An o.g. Stelle in Hiddesen fand ich mehrere Harz- und Kotklumpen an jungen Lärchen (ca. 15 cm dick) unter einem lebenden (!) Ast in etwa einem Meter Höhe.

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Um welche Art es sich bei meinen Funden handelt, bleibt bis zum Falterschlupf abzuwarten. Bis Anfang April werde ich weitere Bäume absuchen und mit dem Heraussägen der Fraßstelle(n) warten, um einen Zuchterfolg nicht zu gefährden.

Micro-Tagung Oktober in Willebadessen

Mehr über Kleinschmetterlinge, Treffen mit Experten, gemeinsame Exkursion etc. gibt es beim Treffen der Micro-Lepidopterologen vom 11.- 13.10.2019 in Ostwestfalen.

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