Acleris umbrana (HÜBNER, 1799) – Wiederfund für NRW und Erstfund für das Bergische Land

Der Wickler Acleris umbrana (HÜBNER, 1799) gilt nach der Roten Liste für Nordrhein-Westfalen als ausgestorben. In der Literatur waren nur Funde für das Weserbergland aus der Zeit vor 1930 vermerkt. Am 7. April 2019 flog nun ein Exemplar in Eitorf, im Naturraum Bergisches Land, ans Licht.

Acleris umbrana

Acleris umbrana, Eitorf-Alzenbach, 7. April 2019 (Foto: Brigitte Schmälter)

Bei einem Leuchtabend auf einer wechselfeuchten Maculinea-Wiese, zwischen fast verblühten Salweiden auf der einen und einer alten Schlehenhecke auf der anderen Seite, fand sich dieser Wickler als erster und eine Weile lang einziger Falter ein.

Die Fundstelle ist ein passendes Habitat. Im Internet werden als Futterpflanzen der Raupen Prunus-Arten, insbesondere P. spinosa, also Schlehe, zudem Weißdorn, Salweide und andere Laubgehölze genannt. Auch in der historischen Literatur wird Salweide angegeben. Die Falter schlüpfen schon im Sommer (Juli/August), gehen dann bald in ein Winterversteck, so dass sie im Frühjahr noch recht frisch wieder aktiv werden können.

Im Arbeitsgebiet der Rheinisch-Westfälischen Lepidopterologen ist die Art in den letzten Jahren nur wenige Male – ausschließlich in Rheinland-Pfalz – gefunden worden. Publiziert wurden in der Zeitschrift Melanargia drei Funde:
– 14.03.2017, Leutesdorf/Mittelrhein
– 26.06.2017, Erpel/Mittelrhein und
– 02.07.2018, Pommern/Mosel.

Ein weiterer Fund vom 26.06.2017 stammt ebenfalls vom Mittelrhein (Bad Breisig, Fotobeleg und det. Armin Hendrichs, conf. Schumacher). Der fünfte Meßtischblattquadrant, der in unserer Datenbank besetzt ist, verweist auf Funde bei Schloßböckelheim von 2011 und 2009. Aus Observation.org kommt ein Fund weiter moselaufwärts bei Leiwen von 2015 hinzu. In der öffentlichen Datenbank naturgucker.de wird ein weiter entfernter Fund vom 4. März 2019 aus Bruchmühlbach, Landkreis Kaiserslautern, genannt.

In der Roten Liste NRW (Schumacher et al. 2011) wird Acleris umbrana als ausgestorben für NRW genannt. Die letzten Nachweisen beziehen sich auf das Weserbergland von vor 1930 (UFFELN 1930). In den anderen Großlandschaften in NRW galt die Art als nicht vorkommend.

Wiederfundort von Aceris umbrana im MTB 5210,2 / Eitorf.
Quelle: www.schmetterlinge-nrw.de

 

Der Fund hvom 7. April 2019 in Eitorf dürfte damit der erste belegte Fund seit mindestens 90 Jahren in NRW und der erste überhaupt im Bergischen Land sein.

Auch aus den übrigen Bundesländern, soweit rasch verfügbare Daten einen Überblick erlauben, wird Acleris umbrana selten gemeldet. Besetzte Meßtisch-Blatt-Quadranten:

  • in Rheinland-Pfalz abgesicherte Funde in sieben Quadranten (s.o.),
  • in Hessen mindestens einer bei Groß-Gerau südwestlich von Frankfurt (s.

Datenbank Schmetterlinge AG Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen)

  • in Baden-Württemberg 11, davon einer 1996 und zehn seit der Jahrtausendwende
  • Für das kleine Saarland immerhin 9 Quadranten mit 10 Fundstellen, inklusive solcher auf der Landesgrenze zu Rheinland-Pfalz und zu Frankreich, die jeweils auch dort liegen könnten, und alle seit 2006.
  • Die im Aufbau begriffene Seite zu den Schmetterlingen Deutschlands zeigt derzeit aus Bayern nur Altfunde von vor 1900 in 5 Meßtischblättern. Allerdings wurde im Lepiforum ein Fund in München aus 2017 bekannt gemacht.

Jenseits der Bundesgrenzen sieht es nicht besser aus. Egal, ob man Waarneming.nl für die Niederlande (fünf Funde aus 2018) oder Observation.org für Belgien konsultiert, die online abrufbaren Ergebnisse sind überschaubar. Auch in Großbritannien wird die Art als „rare and local“ bezeichnet, wenngleich es in den letzten Jahren einige Funde aus dem Südwesten (Cornwall, South Devon, Sommerset) gegeben hat.

Da stellt sich die Frage, ob die vermehrten Funde aus jüngerer Zeit für einen – temporären? – Anstieg der Population sprechen oder aber – was ich persönlich eher glaube – der zunehmenden Kartieraktivität im Hinblick auf Mikrolepidoptera zuzuschreiben sind.

Literatur

  • Schumacher, H. (2018): Bemerkenswerte Falterfunde und Beobachtungen aus dem Arbeitsgebiet der Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen e. V., 30. Zusammenstellung – Melanargia, 30 (1): 7-31, Leverkusen, Seite 24
  • Schumacher, H. (2019): Bemerkenswerte Falterfunde und Beobachtungen aus dem Arbeitsgebiet der Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen e. V., 31. Zusammenstellung – Melanargia, 31 (1): 10-35, Leverkusen, Seite 29
  • Schumacher, H. (unter Mitarbeit von Vorbrüggen, W., Retzlaff, H. & Seliger, R.) (2012): Rote Liste und Artenverzeichnis der Schmetterlinge – Lepidoptera – in Nordrhein-Westfalen. 4. Fassung, Stand Juli 2010. – in: Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): Rote Liste der gefährdeten Pflanzen, Pilze und Tiere in Nordrhein-Westfalen, 4. Fassung. Bd. 2 – Tiere. – LANUV-Fachber., 36: 239-332, Recklinghausen. 317 (>> Rote Liste der Wickler in NRW)

Historische Literatur, auf die dankenswerterweise Heinz Schumacher hinwies:

  • Bei UFFELN  (1930) „Die sogenannten „Kleinschmetterlinge“ (Microlepidopteren) Westfalens“ ist zu lesen: „Bei Wbg. (Asseln, Iberg) vereinzelt im Herbst und Frühjahr nach der Überwinterung.“ (Wbg. = Warburg)
    Dies belegt einzelne Funde vor 1930 im Weserbergland im heutigen Nordrhein-Westfalen.
  • RÖSSLER, A. (1866) „Verzeichniß der Schmetterlinge des Herzogthums Nassau, mit besonderer Berücksichtigung der biologischen Verhältnisse und der Entwicklungsgeschichte. “erwähnt: „mehrmals in Saalweidenbüschen…. “ bei Wiesbaden. Dies belegt Funde vor 1866 in Hessen.
  • Stollwerck, F. (1863): Die Lepidopteren-Fauna der Preussischen Rheinlande“
    schreibt: „Trier ziemlich selten … im September auf Erlen…“
    Dies belegt Funde vor 1863 (1853) im heutigen Rheinland-Pfalz.

Internetquellen

 

 

 

 

Bilder: Mein Foto mit der dorsalen Ansicht und die Karte von schmetterlinge-de.de

 

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1 Response to Acleris umbrana (HÜBNER, 1799) – Wiederfund für NRW und Erstfund für das Bergische Land

  1. Karl-Heinz Jelinek sagt:

    Gratulation, liebe Brigitte!

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