Chrysoclista linneella (CLERCK, 1759), eine selten nachgewiesene Art im Arbeitsgebiet (Lepidoptera, Elachistidae)

Es wird über den Fund von Chrysoclista linneella (CLERCK, 1759) in Krefeld berichtet. Die Art ist im Arbeitsgebiet der Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen noch recht selten beobachtet worden.

Chrysoclista linneella

Chrysoclista linneella (CLERCK 1759), Nordrhein-Westfalen, Krefeld-Zoo, 20. Juli 2018, det./gen: Monika Weithmann. Foto: Thomas Hörren.

Im Juli 2017 ist es uns (Andreas Bäumler, Veronika Huismann-Fiegen, Andreas Müller und Monika Weithmann) gelungen im Rahmen eines Leuchtabends im Krefelder Zoo die Schmetterlingsart Chrysoclista linneella (CLERCK, 1759) nachzuweisen. Die Leuchttürme waren Ende Juli direkt neben einer sehr alten Lindenallee (Tilia sp.) aufgebaut worden und zwei Falter von C. linneella kamen an diesem Abend ans Licht.

Schon GRABE (1955) hatte die Art für das Ruhrgebiet nachgewiesen. Dort steht: „Falter in 2 Gen. vom 3.6. bis 20.8. in Dortmund, D.-Marten, Hamm und Lippholthausen in großen Mengen an Lindenstämmen.” In den 60-iger Jahren wurde die Art in Essen (Altenessen) von BIESENBAUM mehrfach gefunden. Der letzte veröffentlichte Nachweis für Nordrhein-Westfalen ist in der Online-Datenbank „Naturgucker.de” eingetragen. Dort hat Gaby SCHULEMANN-MAIER eine Beobachtung am 10.06.2010 in Düsseldorf-Flingern mit Fotonachweis gemeldet.

In den Nachbarländern Belgien und den Niederlanden gab es laut der Online-Datenbank „euro.observation.org” für das letzte Jahr (2018) insgesamt 21 Nachweise, davon 13 Meldungen für Imagines. Interessanterweise haben alle eines gemeinsam: Die Fundorte befinden sich hauptsächlich in Städten und nicht auf dem Land.

Die Art ist in Europa zwar weit verbreitet, wird aber selten nachgewiesen und kann mit Chrysoclista lathamella (FLETSCHER, 1936) oder Chrysoclista splendida KARSHOLT, 1997, beide Arten leben monophag an Weide (Salix sp.), verwechselt werden. Jedoch gibt es in Nordrhein-Westfalen für die beiden anderen Arten bisher noch keine Nachweise. (vgl. GAEDICKE et al. 2017)

Dass die Nachweise im Arbeitsgebiet so selten sind, hängt vermutlich mit der Lebensweise der Art zusammen. Die Raupe lebt monophag von August bis Mai unter der Rinde von Lindenbäumen und bevorzugt alte und/oder stark beschnittene Bäume. Dort legt die Raupe Gänge und Kammern an. Im Frühjahr (März bis Mai) ist es besonders leicht, die Raupe zu finden. Der Baumstamm muss nur nach Bohrlöchern mit rötlichen Kotballen abgesucht werden. Zur Flugzeit sitzen die Falter auch an den Stämmen der Bäume.

Alte Lindenbäume sind in NRW sehr selten geworden. Die meisten alten Linden befinden sich in den Parks oder als Straßenbäume in den Städten. Alles Orte, die normalerweise nicht als bevorzugter Leuchtplatz für den Nachweis von Nachtfaltern dienen und kaum beachtet werden. Daher lohnt es sich im Frühjahr die Baumstämme von Linden in Stadtparks und an Straßenrändern, besonders wenn es Lindenalleen sind, genau anzuschauen und nach Lebenszeichen von C. linneella zu suchen.

Einen herzlichen Dank an die Kuratorin Dipl. Biol. Cornelia Bernhard für die Möglichkeit des Leuchtabends im Krefelder Zoo und an Herrn Heinz Schumacher für den Literaturhinweis. Zudem bedanke ich mich für das Foto bei Thomas Hörren und Günter Swoboda für die kritische Durchsicht des Manuskripts.

Literatur:

GAEDICKE et al. 2017:  Tabelle (Druckfassung)  aus: GAEDICKE, R., NUSS, M., STEINER, A. & TRUSCH, R. (Hrsg.) (2017): Verzeichnis der Schmetterlinge Deutschlands (Lepidoptera). 2. überarbeitete Auflage. – Entomologische Nachrichten und Berichte (Dresden), Beiheft 21: 1-362.

GRABE, A. (1955): Kleinschmetterlinge des Ruhrgebietes. — Mitt. Ruhrld.mus. Essen, 177: 99, Essen

KOSTER, S. & SINEV, S. (2003): Momphidae, Batrachedridae, Stathmopodidae, Agonoxenidae, Cosmopterigidae, Chrysopeleiidae. — in: HUEMER, P., KAR5SHOLT, O. & LYNE¬BORG, L. (Hrsg.): Microlepidoptera of Europe, Vol. 5. Momphidae s.l. — S. 86-87, Apollo Books, Stenstrup

Internet:
naturgucker.de/?bild=-1930981536

Nachweise von C. linneella bei euro.observation.org

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1 Antwort zu Chrysoclista linneella (CLERCK, 1759), eine selten nachgewiesene Art im Arbeitsgebiet (Lepidoptera, Elachistidae)

  1. Dieter Robrecht sagt:

    Hallo Frau Weithmann,
    ein schöner Bericht, der mich daran erinnert, nach dieser Art im Juli/August zu suchen.

    Sie schreiben, dass es in NRW für Chrysoclista lathamella bisher keine Nachweise gibt.
    In der MELANARGIA vom 1.4.2018 meldet Josef Bücker allerdings einen Falterfund vom 13.06.2017 in Hohenlimburg bei Hagen, auch im InsectIS-Online ist der Fund vermerkt. Zudem gibt es dort einen Eintrag eines Altfundes aus Düsseldorf von Karl Oertel.

    Viele Grüße
    Dieter Robrecht

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