Trifurcula immundella (ZELLER 1839)  – ein Minenfund aus dem Bergischen Land

Schon mehrfach wurde hier über Blattminierer berichtet – und dadurch bei vielen Interessierten die Suche danach angeregt. Über die Zwergminiermotten – Nepticulidae hatte Dieter Robrecht uns eine private systematische Zusammenstellung gezeigt – und uns praktischerweise mitgeteilt, was wann woran zu suchen ist.

Das ließen sich mein Mann Hajo und ich nicht zweimal sagen – und nahmen die Ginsterbüsche, die hier an einem warmen Hang des Siegtals zwischen licht stehenden Eichen und Birken mit Heidekraut eingestreut sind, buchstäblich unter die Lupe. Bis Ende März sollten jedenfalls die Raupen von Trifurcula immundella (ZELLER 1839) in den Zweigen des Besenginsters Cytisus scoparius minieren.

Wir hatten Glück, schon nach kurzer Zeit fanden wir eine schwarze Mine im Haupttrieb eines kleinen Ginsterbusches, die uns vielversprechend aussah. Zu Hause wurde der Zweig dann eingehend betrachtet und fotografiert. In der geöffneten Mine fand sich auch reichlich Kot, die Raupe hatte aber die Mine wohl schon verlassen.

Immerhin fanden wir den Fund so überzeugend, dass ich bei Dieter Robrecht mit einigen Fotos anfragte. Er hat die Mine nochmals genau analysiert und seine Analyse festgehalten (Mitteilung per E-mail):

  • „Der Fraßgang verläuft zunächst nach unten, das spricht für immundella.
  • Der Gang sollte gerade sein, auch am Anfang. Das ist er weitgehend: das spricht für immundella.
  • Am Beginn des Fraßganges sollte die Eischale noch haften: Das ist hier nicht der Fall oder auf dem Foto nicht gut erkennbar. Die Eischale dürfte auch nur mit einer 15-fach-Lupe sichtbar sein!
  • Die Raupe ändert dann die Richtung, und der Gang verläuft gerade nach oben: das passt auch zu immundella.
  • Am Ende des Ganges sieht man eine helle Stelle, die Austrittsöffnung der Raupe.
  • Mein Fazit: es sollte T. immundella sein, wobei ich mich bei der Diagnose auf die Literaturangaben beziehe.“

Um ganz sicher zu gehen, hat Dieter dann die Fotos dem niederländischen Experten Erik van Nieukerken vorgelegt, der die Bestimmung bestätigt hat.

Erst nach der Freude über den Fund haben wir überhaupt realisiert, wie selten die Art bisher nachgewiesen wurde. Außer durch Minen ist die Art durch Genitaluntersuchung zu bestimmen, wenn während der Flugzeit von Juni bis August Tiere ans Licht kommen. In der Literatur findet sich wiederholt der Hinweis, dass die Art vermutlich weiter verbreitet ist, als die Fundorte vermuten lassen.

Eine deutschlandweite Gesamtübersicht über die Funde der Gattung Trifurcula gaben Erik J. van Nieukerken, Willy Biesenbaum und Wolfgang Wittland in der Melanargia 2010: „Innerhalb der Nepticulidae ist von den Arten der Gattung Trifurcula am wenigsten bekannt“ heißt es dort, und es wird auf die vielen „Weißen Flecken“ und die „faunistischen Wissenslücken“ hingewiesen. Dort werden von Trifurcula immundella aus Nordrhein-Westfalen nur sechs Funde aufgeführt. Dabei gehörte diese Art noch zu den Arten der Gattung, von der bundesweit relativ viele Fundorte in der Veröffentlichung aufgeführt werden konnten.

Ab 2010 wurden die weißen Flecken auch nur teilweise gefüllt. Einige Beobachtungen hat Rudi Seliger, teils mit Kollegen und dabei vor allem Armin Duchatsch, an verschiedenen Stellen der Eifel gemacht, mitunter in denselben Gebieten auch über mehrere Jahre, vgl. die Online-Datenbank des Vereins. Wie wenige es jedoch trotzdem auch bundesweit noch sind, zeigt etwa die Verbreitungskarte des Portals „Schmetterlinge Deutschlands“. Dort weist das Saarland mit sieben besetzten Meßtischblättern die größte regionale Dichte auf, alles Funde von Andreas Werno. In den angrenzenden Ländern wie Belgien oder sogar den im Mikrobereich in der Regel gut untersuchten Niederlanden sieht es nicht viel besser aus, man vergleiche etwa die Seiten von observation.org bzw. waarneming.nl und waarnemingen.be.

Nach diesen Daten dürfte unser Fund der erste Nachweis aus dem Bergischen Land seit 74 Jahren sein. 1946 fand Albert Grabe die Art im MTB 4610/2 bei Albringhausen, aus dem Norden des Bergischen Landes, während wir im Süden fündig wurden. Zu wünschen ist jedenfalls, dass dieser Art mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird und es nicht bei dieser einen gefundenen Mine bleibt – damit die weißen Flecken weniger werden!

Bedanken möchte ich mich bei Dieter Robrecht für die Anregung zur Suche sowie die genaue Analyse der Mine und bei Erik van Nieukerken für die Bestätigung der Bestimmung.

Literatur:

Nieukerken, E. J. van, Biesenbaum, W., Wittland, W. (2010): Die Gattung Trifurcula ZELLER 1848 in Deutschland mit zwei Erstnachweisen für die deutsche Fauna – Melanargia 22 (1): 1 – 26, Leverkusen

Internet:

Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen: Datenbank http://nrw.schmetterlinge-bw.de/MapServerClient/Map.aspx

Trifurcula immundella im Portal Schmetterlinge Deutschlands:
https://www.schmetterlinge-d.de/Lepi/EvidenceMap.aspx?Id=432219

Observation weltweit: https://observation.org/soort/info/25472

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2 Antworten zu Trifurcula immundella (ZELLER 1839)  – ein Minenfund aus dem Bergischen Land

  1. Karl-Heinz Jelinek sagt:

    Gratulation und vielen Dank für die Anregung!

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