Apollofalter, Verbuschung und Präsenz

Kleiner Schillerfalter – Apatura ilia, Pommern, 28. Juni 2021 (Foto: Dahl)

Die neueste Ausgabe der Melanargia liegt in den Briefkästen oder bereits auf Euren Tischen, 64 Seiten stark und dicht gepackt mit faunistischen Informationen. Wer gedacht hatte, die Schmetterlingsforschung würde mangels Nachwuchs aussterben, der lag gründlich daneben.

Momentan wächst eine ganze Generation hervorragend ausgebildeter und mit reichlich Geländeerfahrung gesegneter Menschen heran, die das „Geschäft“ übernehmen werden. Seit vielen Jahrzehnten von besonderem Interesse ist der Zustand der Populationen des Apollofalters an der Untermosel. „Mister Apollo“ ist aktuell der aus Lehmen stammende Daniel Müller, Jahrgang 1996 (!), der sich schon sein halbes Leben professionell mit den Faltern der Untermosel beschäftigt. Dessen ausführliche Aufarbeitung der Fundortlage lesen wir mit gemischten Gefühlen: Der Apollo, DAS Aushängeschild unserer Arbeitsgemeinschaft, ist in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen. Liegt es am Klimawandel oder an der „Bordeauxbrühe“, der Mischung aus gebranntem Kalk und Kupfersulfat, die im Weinbau reichlich als Fungizide ausgebracht wird? Oder ist es doch die „Lunarerotik“, wie von Aktivisten spekuliert wird? Jedenfalls findet in 2021 ein ausführliches Monitoring der Apollo-Fluggebiete statt, und so ganz schlecht schaut es momentan nicht aus. Bitte meldet Eure Apollo-Sichtungen mit genauen Datums- und Ortsangaben direkt an Daniel Müller oder bei observation.org, die Funde werden dort bis auf weiteres wegen der Seltenheit der Falter nur verdeckt dargestellt, aber zu gegebener Zeit publiziert.

Zwei Hohlwege südlich von Bonn lieferten in den vergangenen 45 Jahren immerhin 573 Schmetterlingsarten, der Schwerpunkt der Beobachtungstätigkeit von Heinz Schumacher und Rolf Mörtter lag zwischen 2017 und 2019. Faszinierend die schier endlose Liste von „Mikros“, hier konnten sich die beiden Experten mal so richtig austoben. Außerdem gibt es erste Hinweise auf die neue Rote Liste für Nordrhein-Westfalen, die unter der Federführung von Heinz Schumacher noch 2021 publiziert werden soll.

Beide oben genannten Arbeiten berichten über einen wichtigen Faktor bei der Entwicklung und Pflege der heimischen Natur(schutz)gebiete: Die weiter zunehmende Verbuschung und Verwaldung,  der man im verregneten Frühsommer 2021 sozusagen „live“ zuschauen kann. Viele Lebensräume werden ohne regelmäßige Pflege immer dunkler, feuchter und dadurch immer kälter, mit verheerenden Folgen für die Fauna. Obwohl das alles seit Jahrzehnten bekannt ist, wird hier von den Verantwortlichen und Behörden erst reagiert, wenn es schon „Fünf vor Zwölf“ ist.

Stigmella prunetorum

Laut Plant Parasites of Europe „so unmistakable“: Mine der Pflaumen-Zwergmotte Stigmella prunetorum an Vogelkirsche, Eitorf-Merten, 1. Juli 2021 (Foto: Brigitte Schmälter)

Zum Schluß noch eine gute Nachricht: Wir können uns wieder treffen! Die Mitgliederversammlung ist auf den 24. Oktober angesetzt und findet hoffentlich in Bonn im Museum König statt. Neben Vorstandswahlen und den üblichen Regularien versuchen wir Euch wieder ein anspruchsvolles Vortragsprogramm zu bieten. Um rechtzeitige Anmeldung bei der Geschäftsführung wird gebeten, es gibt vorerst eine Maximalzahl an Teilnehmern und ein Hygienekonzept. Details findet ihr demnächst unter >> Termine

Wir sehen uns dann! Einen falterreichen Sommer wünscht

Armin Dahl

 

 

 

 

 

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