„Weinschwärmer“ an der Moselloreley

Die Mittelmosel-Exkursion der Arbeitsgemeinschaft fand rund um den „Tag der lebendigen Moselweinberge“ am 20./21./22. Mai 2017 statt. Das Wetter spielte ein wenig verrückt, aber das tat dem Erfolg der Exkursion keinen Abbruch.

Eifel, Mosel, Hunsrück: Blick über die Moselloreley im Februar 2017 (Foto: Armin Dahl)

Langfristig geplante Lichtfang-Exkursionen haben ihre Tücken, ein guter Teil der Termine fällt sprichwörtlich ins Wasser, besonders ärgerlich ist das bei weiter Anfahrt der Teilnehmer. Auch der Startschuss zum ersten Lichtfang an der Moselschleife Piesport / Minheim am Freitag (19. Mai) ging in einem starken Regenschauer unter, gefolgt von aufklarendem Himmel und Temperaturabfall. Mangels Anflug an die Leuchttürme im Piesporter „Falkenberg“ verlegten sich die acht unerschrockenen Teilnehmer des Lichtfangs auf das Absuchen der Vegetation mit der Taschenlampe, und siehe da: Raupen fanden sich in Menge, das Artenspektrum war interessant, und am Ende eines feucht-kühlen Maiabends standen doch immerhin knapp 40 Schmetterlingsarten auf dem Protokoll.
Der Samstag startete dann mit Nebel im Tal, der rasch in einen strahlend schönen Frühsommertag überging. Vom Treffpunkt auf dem Sattel bei der „Moselloreley“ zwischen den Weindörfern Piesport, Minheim und Wintrich ging es in fünfstündigem Exkursions-Schleichgang an der Oberkante des imposanten, 85 Meter senkrecht zur Mosel abfallenden Schieferfelsens entlang, durch Weinberge, Brachen und kleine Streuobstwiesen. Offenbar waren zahlreiche Falter während des Wetterumschwungs frisch geschlüpft, die Temperaturen moderat, so dass sich den Fotografen reichlich Motive boten. Die Liste der beobachteten Arten erschien mit knapp 60 Formen schon einigermaßen zufrieden stellend, darunter fanden sich auch sehr selten gemeldete Formen wie der Große Sackträger Canephora hirsuta (PODA, 1761). Äußerst erfreulich waren während der gesamten Exkursion die hohen Individuenzahlen vom Mauerfuchs Lasiommata megera (LINNAEUS, 1767), der auch überall in den – meist wechselzeilig begrünten – Rebflächen flog.

Über die Region
Nach Jahren der Nutzungsaufgabe und Stilllegung existieren überall an der Mittelmosel ausgedehnte Brachflächen an den Oberhängen, die verschiedenen Pionierwaldstadien sind durch die sehr zahlreichen Wirtschaftswege gut zu erreichen. Die Moselloreley selbst ist allerdings sehr unzugänglich: In der etwa eine Kilometer langen Felswand gibt es nur wenige Stellen an denen man direkt an den senkrecht abfallenden Felsen herankommt.

Die Piesport-Minheimer Moselschleife mit den im Text erwähnten Fundstellen. Quelle: OpenTopoMap

Die Mittelmosel ist keine „Terrassenmosel“ mit einer Vielzahl von Weinbergsmauern und Felsen, die meisten Weinberge sind flurbereinigt und nicht so klein parzelliert wie die spektakuläre Untermosel abwärts von Zell. Die Anbaufläche ist dafür aber umso größer: Piesport ist mit über vier Quadratkilometern Rebfläche die größte Weinbaugemeinde an der Mosel, Minheim wirbt als „Sonneninsel“ für seine 1,6 Quadratkilometer Reben, Wintrich mit seiner Weinlage „Großer Herrgott“ hat einen weiteren Quadratkilometer Wingerte und liegt in Sichtweite.

Klimatisch profitiert die gesamte Region vom Regenschatten der Eifel und dem „Eifelföhn“, und die Mosel verdunstet eine Menge Wasser. Die Folge ist ein fast mediterranes Klima mit schwülwarmen Sommertagen: Beste Bedingungen für eine reiche Schmetterlingsfauna.
Aus Entomologensicht war die Region bisher allerdings „terra incognita“, vor dem Start der Exkursionsplanung im Winter 2016/17 standen gerade mal 15 Arten aus dem Messtischblatt 6107 Neumagen-Dhron in der Landesdatenbank. Lokalfaunen aus diesem Moselabschnitt existieren keine, umfangreichere Aufsammlungen in der weiteren Umgebung stammen aus dem Raum Traben-Trarbach (Ari Walter Kampf, Max Cretschmar, um 1943-44), sowie von Walter Schmidt, der ab den 60 Jahren des vergangenen Jahrhunderts eine größere Sammlung im Raum Wittlich aufbaute.

Schmetterlinge als Schädlinge im Weinbau sind momentan in der Region kaum ein Thema: Die Traubenwickler spielen durch massenhaften Pheromoneinsatz aktuell keine Rolle, schlimmstenfalls wird vereinzelt von Knospenfraß durch den Rhombenspanner Peribatodes rhomboidaria ([DENIS & SCHIFFERMÜLLER], 1775) berichtet. Regelrechten Schaden macht dagegen der Buchsbaumzünsler Cydalima perspectalis (WALKER, 1859), der seit 2016 in der Region marodiert und die herausgeputzten, von Buchs-Kugeln nur so strotzenden Gärten in den Dörfern schon heftig gerupft hat.

Die Bevölkerung lebt mit und von den intensiv betriebenen Weinbergslagen mit ihrem extremen Fungizid- und Düngereinsatz, der allerdings seinen Höhepunkt überschritten hat: Bemerkenswert oft (der Autor dieser Zeilen stammt auch aus einem Mosel-Weinörtchen) während des Exkursions-Wochenendes wurde von Einheimischen auf halbwegs ökologische Anbauformen wie Bodenbegrünung mit Blühmischungen, Verzicht auf Herbizide und Ähnliches hingewiesen. Mauerfuchs und Konsorten werden sich darüber freuen!

Lichtfang in unbekanntem Gelände
Ohne genaue Ortskenntnisse ist beim Leuchtabend immer ein wenig Glück nötig, und das fehlte am Abend des 21. Mai auf der Moselloreley: Die ausgesuchte Stelle zwischen Moselloreley und der so genannten Monzellay erwies sich als ausgesprochen schlechter Platz! Die als „Weinschwärmer-Exkursion“ angekündigte Veranstaltung war von einer lauen Mainacht weit entfernt und verlangte eher nach Mütze und Handschuhen. Der leichte Westwind schob die Kaltluft aus dem Tal hoch, bei klarem Himmel kühlte alles rasch aus, nach Mitternacht ging die Temperatur auf 8°C herunter.
Immerhin ein Leuchtturm lieferte so etwas wie „Anflug“, so dass die etwa 10 angereisten Gäste zumindest eine der moseltypischen Arten zu Gesicht bekamen: Der Nachtkerzenschwärmer Proserpinus proserpina (PALLAS, 1772) kam in vier Exemplaren ans Licht und wurde ausreichend gewürdigt. Die Laune der Experten hielt sich jedoch in engen Grenzen, mit etwa 40 Arten am Licht (inklusive Kleinschmetterlinge) kann man den Leuchtabend an der Moselloreley getrost als „lausig“ bezeichnen. Erst nach Mitternacht kam ein wenig Begeisterung auf, als an einer der Lichtanlagen eine der „Zielarten“ der Exkursion auftauchte: Epatolmis luctifera ([DENIS & SCHIFFERMÜLLER], 1775), der so genannte „Kaiserbär“, der an der Mittelmosel ein Reliktvorkommen hat.

Exkursion auf dem „Kastanienweg“
Der Sonntag entwickelt sich wettertechnisch weitaus besser als die Vortage. Die Exkursionsteilnehmer nutzten die geografischen Gegebenheiten zur weiteren Erkundung des Gebiets, besuchten unter anderem die riesige, toll blühenden Magerwiese rund um den Segelflugplatz in Neumagen-Drohn, wo zahlreich frisch geschlüpfte Zygaenen zu bewundern waren (Adscita statices und Zygaena filipendulae).

Der größere Teil der Mitglieder wanderte auf Gemarkung Minheim entlang des ostexponierten „Kastanienwegs“, der sich auf halber Hanghöhe von der Moselloreley zum Örtchen Kesten (Name!) hinzieht. Auch hier gab es etliche schöne Beobachtungen, zum Beispiel ein Raupennest vom Großen Fuchs (Nymphalis polychloros), Raupen vom Königskerzen-Mönch Cucullia verbasci (LINNAEUS, 1758) und vieles mehr.

Der windstille, warme Hang war dermaßen verlockend dass sich der Autor noch einen Tag Verlängerung erbat, um einen Leuchtabend dranzuhängen. Der hatte es dann auch wirklich in sich, drei Leuchttürme beförderten – trotz wiederum einstelliger Temperaturen – über 80 Großschmetterlingsarten ins Protokoll, zwei weitere Kaiserbären am Licht zeigten dass die Art im Gebiet nicht ganz so selten sein kann.

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Zusammenfassung und Ausblick
Ein knappes Dutzend Mitglieder der AG und eine Handvoll Gäste aus der Region nutzten die Gelegenheit, ein entomologisch bisher unterbelichtetes Gebiet an der Mittelmosel zwischen Trier und Bernkastel-Kues zu erkunden. Der Einsatz der Teilnehmer machte die vergleichsweise ungünstigen Wetterbedingungen vergessen, in den drei Tagen kam rund um das Weindorf Piesport eine Artenliste von über 180 Lepidopteren-Arten zusammen. Dabei ist die charakteristische Felsfauna der „Moselloreley“ noch nicht einmal angekratzt worden, ebenso wenig ist über die Sommer- und Herbstfauna bekannt. Hier besteht noch erheblicher Forschungsbedarf, in der kommenden Jahren können wir mit besserer Ortskenntnis und ein wenig Wetterglück noch einiges erwarten.

Danksagung
Vielen Dank an Theo Haart und Elmar Kohl für den freundlichen Empfang, die einführende Rundtour durchs Gebiet und die Überlassung von Funddaten zu Arctia villica, Hyles gallii und anderen Arten, sowie an Günter Swoboda für die Altdaten von E. luctifera.

Artenliste der Mittelmosel-Exkursion vom 19.-22. Mai 2017

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Mittelrhein: Steil, heiß und reich an Faltern

Nach dem tollen Ergebnis der Vereins-Exkursion im Jahr 2015 fand auch Anfang Juli 2017 wieder eine Exkursion der Arbeitsgemeinschaft ins Mittelrheintal statt.  Das Gebiet rund um die Loreley ist nicht nur Weltkulturerbe, sondern gleichzeitig eine der wärmsten Regionen Deutschlands, und deshalb schon seit Anbeginn der Entomologie eine Pilgerstätte für die Liebhaber wärmeliebender Insektenarten. Ein kurzer Bericht aus dem Reich des Segelfalters.

Unvergessen für die Teilnehmer bleibt die 2015er Exkursion in die Dörscheider Heide und die dort herrschenden Temperaturen: Wir hatten uns ausgerechnet den bisher heißesten Tag des Jahrhunderts herausgesucht und es herrschten deutlich über 40°C. Auch am 7./8./9. Juli 2017 knackte das Thermometer wieder locker die 30°-Marke. In der Nacht zuvor hatte es stundenlang stark geregnet, die Falter hatten anscheinend länger auf die Feuchtigkeit gewartet, und so startete der Freitagnachmittag verheißungsvoll mit frisch geschlüpften Segelfaltern (Iphiclides podalirius), Heide-Grünwidderchen (Rhagades pruni) und Schillerfalter, direkt unterhalb des traditionellen „Exkursions-Hauptquartiers“ im Landgasthaus Blücher in Dörscheid.

Der Pflegezustand der berühmten Dörscheider Heide ließ dabei einige Fragen offen, das gesamte Gelände war von Schafen und Ziegen komplett heruntergefressen und praktisch frei von Blüten, Altgras und anderen für Falter attraktiven Strukturen. Auf dem verbliebenen, von den Weidetieren verschmähten „Grünzeug“ dann aber als Überraschung eine weitere Spitzenart: Wolfsmilchschwärmer-Raupen sind auch im Mittelrhein eine Rarität!

Der Lichtfang in den Weinbergsbrachen auf dem Rheinsteig unterhalb der Heide artete dann regelrecht in Arbeit aus: Trotz des strahlenden Vollmondes war der Anflug an die Lampen gewaltig, das Spektrum mit Spitzenarten wie Cyclophora lennigiaria, Catocala fulminea und der Südlichen Felsflur-Erdeule Dichagyris candelisequa ([DENIS & SCHIFFERMÜLLER], 1775) erfüllte alle Erwartungen.

Die Tagesexkursion am Samstag führte die Teilnehmer dann vom Eisenbanhtunnel unterhalb des Loreleyfelsens steil hinauf durch Weinbergsbrachen, Obstwiesen und lichten Wald zum Spitznack, einer Felsformation mit toller Aussicht auf das Mittelrheintal bei Oberwesel. Hier kamen die Tagfalterspezialisten auf ihre Kosten, neben zahlreichen Segelfaltern war unter anderem der Dickkopffalter Thymelicus actaeon und die zweite Generation des Magerrasen-Perlmuttfalters Boloria dia unterwegs. Und auch fürs leibliche Wohl war gesorgt: Die Rheinsteig-Rast Leiselfeld, ein Aussiedlerhof der Gemeinde Bornich, bot Gelegenheit zur Erfrischung und Erholung.

Angestachelt von der herrlichen Aussicht und den tollen Felsformationen wurde der zweite Lichtfang spontan auf den Spitznack verlegt. Und auch diese tolle Vollmondnacht wird den Teilnehmern lange im Gedächtnis bleiben: Zum einen wegen der phantastischen Aussicht über das Tal: Durch die zahlreichen Leuchtanlagen machte der Spitznack zeitweilig den Eindruck von „Rhein in Flammen“. Wenn auch die Artenliste afgrund der hohen Teilnehmerzahl noch nicht komplett zusammengestellt ist, deutlich über 100 Großschmetterlingsarten waren es auf jeden Fall: Gnophos furvata ([DENIS & SCHIFFERMÜLLER], 1775) – Großer Steinspanner, Sphinx ligustri L. – Ligusterschwärmer, Gastropacha quercifolia (LINNAEUS, 1758) – Kupferglucke – auch an diesem Abend gab es reichlich seltenes „Großwild“ zu bestaunen. Den faunistische Höhepunkt der Exkursion bildete jedch ein Eulenfalter: Die Bunte Ligustereule Polyphaenis sericata (ESPER, 1787) begeisterte in mindestens  neun Exemplaren die Teilnehmer des Leuchtabends. Und damit schließt sich der Kreis: P. sericata ist aus dem Mittelrhein / Lahngebiet seit mehr als 150 Jahren bekannt, schon bei RÖSSLER (1881) finden sich Angaben aus Bingen, Wiesbaden und Diez / Lahn, und FUCHS (1889) fand „ein Stück in Bornich (Loreley-Gebiet)“.

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Auch wenn man an einem einzigen Wochenende das Gebiet nur kursorisch erfassen kann: Die Königsetappe des Rheinsteigs zwischen Kaub und St. Goarshausen mit ihren Naturschutzgebieten Spitznack und Dörscheider Heide ist auch faunistisch ein Leckerbissen von höchster Qualität, und die Planung für die Exkursion im kommenden Jahr läuft bereits!


Nachtrag von Brigitte Schmälter, vom 15. Juli 2017
Was für ein Glück, Armin, dass Martine ihr Notizbuch verloren hatte! Und noch viel mehr Glück, dass die Wirtsleute vom Leiselfeld schon auf uns warteten, weil sie es frühmorgens gefunden hatten. Denn so konnten wir ganz entspannt noch einmal dort spazieren gehen, wohin wir nach der langen und „personalstarken“ Tagesexkursion des Vortages sonst nicht noch einmal gefahren wären. Und dann hätten wir Zygaena carniolica (SCOPOLI, 1763) verpasst! Von mir als „da ist noch ein Widderchen“ erblickt, von Martine verhaftet und für Fotos festgehalten (für den roten Ring am Leib und die Hinterflügel) und nachher sehr genau betrachtet, wurde es von Daniel Bartsch im Lepiforum als Zygaena carniolica bestätigt (http://www.lepiforum.de/1_forum_2016.pl?md=read;id=52704). In Insectis online der Rheinland-Pfälzer gibt es überhaupt keinen Nachweis zwischen Bonn und Bingen, und in unserem nur zwei von 1902 und 1964.“

Zygaena carniolica, Bornich, Leiselfeld, 9. Juli 2017 (Foto: Brigitte Schmälter)


LITERATUR
FUCHS, A. (1889): Lepidopterologische Beobachtungen aus dem unteren Rheingau. Erster Artikel. 91 Jahrb. Nass. Ver. Naturkd., 42: 191-224, Wiesbaden
RÖSSLER, A. (1881): Die Schuppenflügler (Lepidopteren) des Kgl. Regierungsbezirks Wiesbaden und ihre Entwicklungsgeschichte. Jahrb. Nass. Ver. Naturkd., 33/34: 1-392, Wiesbaden
STAMM, K. (1981): Prodromus der Lepidopteren-Fauna der Rheinlande und Westfalens. Selbstverlag, 229 S., Solingen

UFZ-Bestimmungsschlüssel für Widderchen: http://www.ufz.de/export/data/6/122268_Widderchen_Bestimmung.pdf

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Die Hochmoor-Bodeneule Coenophila subrosea (STEPHENS, 1829) – ein seltenes Relikt auf unseren letzten Hochmooren

Das Recker Moor liegt im Tecklenburger Land an der Grenze zwischen Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Hochmoore sind extreme Lebensräume, in denen sich nur an nährstoffarme, saure und nasse Bedingungen angepasste Tiere und Pflanzen entwickeln können. Die nächtliche Raupensuche mit der Taschenlampe fördert sehr seltene Arten zu Tage.

Im nordwestdeutschen Flachland bildeten sich im Zuge des regenreichen Atlantikklimas einst riesige Hochmoorlandschaften. Aufgrund der schweren Zugänglichkeit konnte der Mensch diese Gebiete über viele Jahrhunderte lediglich an den Rändern in kleinbäuerlicher Weise bewirtschaften. Die dramatischen Veränderungen in der Landnutzung innerhalb des letzten Jahrhunderts, hin zum industrialisierten Torfabbau und mit hohen Stickstoffeinträgen verbundener Intensivbewirtschaftung, führten jedoch zur raschen Verdrängung der Hochmoore aus unserem Landschaftsbild. Heute sind Moore in unserem Arbeitsgebiet bis auf wenige kleine Reliktflächen fast völlig verschwunden. Durch die anhaltend hohe Nährstoffzufuhr über Luft und Wasser, durch zumeist fehlende Pufferzonen hin zu landwirtschaftlichen Intensivflächen, durch weitgehende Isolation und durch mangelnde Pflege aufgrund unzureichender Finanzierung, sind jedoch auch die letzten Moore mittlerweile meist stark degradiert.

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Schwer nachzuweisen und selten – Die Pestwurzeule Hydraecia petasitis DOUBLEDAY, 1847

Falter mit versteckter Lebensweise, die nicht auf Licht oder Köder reagieren und deren Raupen ihre Entwicklung im Inneren der Nahrungspflanze durchlaufen, lassen sich nur durch gezielte Nachsuche finden. Die Pestwurzeule gilt als selten. Nachweise gelingen vor allem im späten Frühjahr durch gezielte Suche nach Fraßspuren und Raupen.

Die Gemeine Pestwurz (Petasites hybridus) säumte in der ursprünglichen Landschaft sicherlich die allermeisten Fließgewässer des westfälischen Flach- und Hügellands, besonders in ehemaligen Luch- und Moorlandschaften wie dem Münsterland. Von dieser natürlichen Landschaft ist nach Jahrhunderten der Bewirtschaftung durch den Menschen und der damit einher gehenden Landschaftsumgestaltung nahezu nichts mehr übrig geblieben. Das westfälische Flachland mit seinen fruchtbaren Böden hat es besonders hart getroffen und somit findet man dort heute nur noch ganz sporadisch Bereiche mit intakter Gewässerbegleitvegetation.

Raupe von Hydraecia petasitis, Münster, 3. Mai 2017 (Foto: Frank Rosenbauer)

Die Gemeine Pestwurz ist jedoch die einzige Wirtspflanze des imposanten und hoch spezialisierten Eulenfalters Hydraecia petasitis DOUBLEDAY, 1847. Aufgrund des enormen Verlusts an Pestwurz ist Hydraecia petasitis mittlerweile eine der bedrohtesten Eulenfalter Westfalens und darüber hinaus. Nachweise waren jedoch schon von jeher rar: Neben der Seltenheit liegt das zum großen Teil an der versteckten Lebensweise der Raupen und der Lichtscheue der Falter, die sich scheinbar nur in Ausnahmefällen und nur unmittelbar an den Pestwurzbeständen nachweisen lassen. Weiterlesen

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Das Geschäft mit der Buchsbaumzünsler-Angst

Der Gartenhandel verkauft aktuell in großem Stil Buchsbaumzünsler-Pheromone und die dazu gehörenden Fallen – mit irreführender Werbung und zu Mondpreisen.

Sorgenfrei für 39,95: So verdient man Geld mit Unkenntnis. (Foto: Laußmann)

Sorgenfrei für 39,99: So verdient man Geld mit Unkenntnis. (Foto: Laußmann)

„Meine Buchsbäume sind NATÜRLICH zünslerfrei – und das eine ganze Saison lang“: Der große Werbe-Aufsteller in der Baumarktkette OBI verspricht einen sorgenfreien Sommer im Liegestuhl. Das Hintergrundbild zeigt einen Garten wie wir ihn aus vielen Städten kennen, ein teutonisch aufgeräumtes Stück Langeweile, einzige erkennbare Pflanzenart: eine mit der Heckenschere auf Maß getrimmte Buchsbaumhecke.

Man könnte meinen ein jeder bekommt den Garten den er verdient, von Natur ist auf dem Bild sowieso wenig zu erkennen. Wenn da nicht noch der Preis für´s Gartenglück wäre: Stolze 39,99 € verlangt der Gartenhandel für eine Plastikfalle und ein Pheromonpräparat! Das ist nicht nur ärgerliche Beutelschneiderei, gemeinhin auch als Nepp bezeichnet: Auch das Versprechen selbst ist falsch, Lockstoffe als Bekämpfungsmethode für Buchsbaumzünsler funktionieren nicht. Es handelt sich also um irreführende Werbung.
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Ein Sommertag in Schloßböckelheim

Der Pflegeeinsatz der Arbeitsgemeinschaft auf den Felskuppen oberhalb der Nahe war in diesem Jahr eine schweißtreibende Angelegenheit: Bei strahlendem Wetter und Temperaturen deutlich über 20° C erfeuten sich die Teilnehmer nicht nur an der phantastischen Aussicht über den Felsenberg und das Umland: Auch die Entwicklung der Fauna war Anfang April ungewöhnlich weit fortgeschritten, und so war die Artenliste nach Pflegeeinsatz und abendlichem Lichtfang entsprechend lang.

Der April, der macht was er will: In diesem Jahr wollte der April ein wenig Sommer spielen, den 14 Teilnehmern am  Pflegeeinsatz auf dem Felsenberg in Schloßböckelheim war es gerade recht: Das Arbeiten mit Kniepe, Freischneider, Rechen und Gabeln geht einem doch deutlich leichter von der Hand, wenn gleichzeitig die Pflegefläche von Segelfalter, Kleinem Perlmutterfalter und zahlreichen anderen Arten besucht wird. Durch die erfreulich hohe Anzahl von Helfern konnten die geplanten Arbeiten zudem zügig durchgeführt werden, so dass noch Zeit blieb die Landschaft zu genießen, ein paar Fotos zu schießen oder ein wenig zu fachsimpeln.

 

Der abendliche Lichtfang – der Anflug war bei Vollmond und klarem Himmel erwartungsgemäß nicht überragend – brachte dann noch ein Reihe weiterer schöner Nachweise, darunter die am Montpellier-Ahorn (Acer monspessulanus) lebenden Geometride Cyclophora lennigiaria und die Wickler-Art Phaneta pauperana. Der Felsenberg in Schloßböckelheim ist und bleibt einer der besten Schmetterlingsplätze Westdeutschlands, mit aktuell 1166 in der Datenbank nachgewiesenen Arten ist das Meßtischblatt trotz seiner Randlage mit weitem Abstand „Tabellenführer“ im Arbeitsgebiet.
Für die Erhaltung dieser tollen Lebensräume lohnt sich jeder Einsatz. An dieser Stelle Dank an alle Helfer und Organisatoren!

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Alle Pflegetermine, Exkursionen und Vorträge findet Ihr wie immer auf der Terminseite


Gesamtartenliste Schloßböckelheim, Felsenberg, 8./9.  April 2017: 59 Arten

„Mikros“
0000480  Eriocrania subpurpurella
0004310  Incurvaria koerneriella
0011200  Caloptilia fribergensis
0013980  Pseudoswammerdamia combinella
0014800  Ypsolopha mucronella
0015250  Plutella xylostella
0016550  Ethmia bipunctella
0022310  Diurnea fagella
0034085  Stenolechiodes pseudogemmellus
0044090  Acleris literana
0048890  Phaneta pauperana
0060270  Ancylosis cinnamomella

„Makros“

0074940  Polyploca ridens
0075050  Watsonalla cultraria
0075120 Cilix glaucata
0075300  Ligdia adustata
0075470  Chiasmia clathrata
0076070  Plagodis dolabraria
0076130  Opisthograptis luteolata
0076410  Selenia dentaria
0076420  Selenia lunularia
0076430  Selenia tetralunaria
0076850  Biston strataria
0077840  Hypomecis punctinalis
0078040  Ematurga atomaria
0078310  Aleucis distinctata
0080220  Cyclophora punctaria
0080130  Cyclophora lennigiaria
0082560  Xanthorhoe fluctuata
0083090  Earophila badiata
0083100  Anticlea derivata
0084000  Horisme vitalbata
0084930  Eupithecia insigniata
0085780  Eupithecia abbreviata
0085990  Gymnoscelis rufifasciata
0086010  Chloroclystis v-ata
0086650  Lobophora halterata
0086680  Trichopteryx carpinata
0087220  Drymonia ruficornis
0087390 Ptilodon cucullina
0087540  Peridea anceps
0087830  Acronicta auricoma
0087870  Acronicta rumicis
0087890 Craniophora ligustri
0092400  Calophasia lunula
0095960  Eupsilia transversa
0096110  Conistra erythrocephala
0096600  Lithophane ornitopus
0096820 Allophyes oxyacanthae (Raupe)
0100380  Orthosia gothica
0100370  Orthosia incerta
0100390  Orthosia cruda
0100410  Orthosia miniosa
0100430  Orthosia populeti
0100440  Orthosia cerasi
0100480  Orthosia gracilis
0100500  Anorthoa munda
0100990 Noctua comes (Raupe)
0100540  Egira conspicillaris
0102240  Cerastis rubricosa
0103720  Colocasia coryli
0103870  Calliteara pudibunda
0104290  Nola confusalis

0104680  Paidia rica (Raupe)
0105720  Diaphora mendica
0106050 Euplagia quadripunctaria (Raupe)

„Tagaktive“
0068430  Macroglossum stellatarum
0069580  Iphiclides podalirius
0069730  Anthocharis cardamines
0069950  Pieris brassicae
0069980  Pieris rapae
0070000  Pieris napi
0070240  Gonepteryx rhamni
0070580  Callophrys rubi
0070970  Celastrina argiolus
0072100  Issoria lathonia
0072280  Boloria dia
0072480  Aglais io
0072500  Aglais urticae
0072580  Nymphalis polychloros

Stand 24. 4. 2017

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Tagpfauenaugen: Zusätzliche Generation!

Die niederländischen Kollegen der Vlinderstichting machen darauf aufmerksam, dass sie im März 2017 ungewöhnlich viele Meldungen von Tagpfauenaugen erhielten. Das Maß ist der Anteil dieser Art an allen Tagfaltermeldungen. Ist das Zufall oder steckt mehr dahinter?

Bestandsschwankungen sind bei Insekten ja nun wirklich nichts Neues. Trotzdem bieten die Niederländer eine interessante Erklärung an. Schon im Spätsommer des vorhergehenden Jahres hat sich in ihren Beobachtungsdaten sehr deutlich eine zusätzliche Generation des Tagpfauenauges abgezeichnet. Dies wird mit einer Graphik illustriert, die den Verlauf der Beobachtungsdaten 2016 mit den gemittelten Daten der Vorjahre vergleicht. Diese zusätzliche Generation soll dafür verantwortlich sein, dass mehr Falter überwintert haben, insbesondere im Vergleich zum Kleinen Fuchs.

Tagpfauenaugen in den Monitoring-Strecken, rot 2016, blau gemittelt 1990-2015 (Quelle: Vlinderstichting)

Angeregt durch eigene Beobachtungen von vielleicht tatsächlich ungewöhnlich vielen Raupen im Spätsommer 2016, die sich besonders an Feldrändern fanden, lässt sich der Gedanke noch ein Stück weiter spinnen. Im September gibt es nach der Ernte kaum noch Einsätze von Insektiziden. Damit könnte sich diese späte Raupengeneration besonders unbehelligt von Agrargiften entwickelt haben. Auch wenn dies als zusätzliche Ursache für die aktuell hohen Beobachtungszahlen spekulativ bleibt, zeigt das Beispiel, dass es auch interessant sein kann, sich den Allerweltsarten zu widmen. Es lohnt sich insbesondere, auch diese häufigen Arten regelmäßig zu melden, was in den Niederlanden schon vorbildlich geschieht. Und sei es nur, um ein einigermaßen verlässliches Vergleichsmaß für den Anteil einer Art an den Gesamtmeldungen zu erhalten. Außerdem eignen sich gerade diese auffälligen Arten dazu, Interesse bei Anfängern zu wecken, indem sich subjektive Einzelbeobachtungen in einen größeren Kontext einfügen lassen.


Link: Wow! wat een dagpauwogen!

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Neuer Bericht zum Klimafolgemonitoring der Stadt Düsseldorf Online

Die Tag-und Nachtfalterfauna wurde auch im Jahr 2016 wieder in zwei Gebieten in Düsseldorf untersucht: im zur Niederrheinischen Bucht gehörigen Eller Forst und auf dem Golfplatz Hubbelrath im Bergischen Land. Dabei konnten im achten Unterschungsjahr im Eller Forst sechs, in Hubbelrath 16 neue Schmetterlingsarten nachgewiesen werden.

Die insgesamt 312 Arten (292 Nacht- und 20 Tagfalter) umfassende Schmetterlingsfauna des Golfplatzes in Hubbelrath beinhaltet eine Reihe naturschutzfachlich Wert gebender Arten, bei denen es sich bis auf eine Ausnahme nur um Nachtfalter handelt.
Mit dem am 8.8. 2016 gesichteten Mauerfuchs Lasiommata megera gelang sogar der Wiederfund einer im Stadtgebiet von Düsseldorf nach 1982 verschollenen Art.

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