Schwarze Löcher, weiße Kugeln: Winterliche Eiersuche nach Thecla betulae

Der Nierenfleck-Zipfelfalter Thecla betulae (LINNAEUS, 1758) ist als Ei viel leichter denn als Falter nachzuweisen. Das können etliche Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft aus eigener Erfahrung bestätigen, auch wenn in der Vereinsdatenbank den „schwarzen Löchern“ nicht anzusehen ist, ob sich hinter den Einträgen von Eierfunde oder aber Faltersichtungen verbergen.

Thecla betulae: „Schwarze Löcher“ auf den Nachweiskarten der Vereinsdatenbank zeigen den aktuellen Kenntnisstand.

Was jedoch bereits in der Färbung der Quadranten erkennbar ist, sind die bevorzugten „Suchgebiete“, die – durchaus nicht zufällig – um die Wohnorte einiger Suchender gruppiert sind. Und wenn man mit dem Cursor online über die Verbreitungskarte fährt, fällt auch auf, wie viele Funde gerade in 2016 und 2017 hinzugekommen sind. Und mit den Dateneinspeisungen für 2018 wird es wieder viele „Farbwechsel“ geben, das steht jetzt schon fest!

Denn mindestens drei Vereinsmitglieder sind nachgerade süchtig nach der Eiersuche und haben teils ihre Ehefrauen bzw. – männer auch infiziert. Wobei sie das Glück haben, dass im direkten Umfeld – wie bei uns sogar im eigenen Garten, jahrzehntelang unbemerkt?! – Thecla betulae vorkommt.

 

Ei von Thecla betulae. (Foto: Hubertus Trilling)

Das Ei von Thecla betulae sieht aus wie ein winziges Seeigel-Innenskelett. Hat man sich erst einmal „eingesehen“, sind die Eier plötzlich fast überall zu finden. (Foto: Hubertus Trilling)

Dabei ist die Eiersuche keineswegs aufwendig. Wenn man ohnehin Ausflüge und Wanderungen unternimmt, man dabei an einem Schlehengebüsch vorbeikommt, dauert die eigentliche Suche oft nur ein paar Minuten. Für den Nachweis reicht das, aber man kann dann natürlich weitersuchen und findet oft noch mehr. Manchmal ist sogar ersichtlich, wo ein Weibchen entlanggeflogen und wo es abgebogen ist. Die Eier sind wirklich leicht zu finden und bescheren schöne Erfolgserlebnisse.

Irgendwann wird man dann die Wanderungen gezielter planen und zuvor, wenn man die Gegend nicht so gut kennt, auf Satellitenkarten nach kleinräumig strukturierten Offenlandgebieten mit vielen Hecken oder auch Waldrändern Ausschau halten. Und ein Schelm, wer Böses dabei denkt, wenn man dabei auch noch im Blick hat, in welchem Meßtischblatt-Quadranten die Gegend liegt … .

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Im Rhein-Sieg-Kreis etwa, wo Thecla betulae auf der Roten Liste von 2011 in Kategorie 3 eingestuft ist, konnten mein Mann Hajo und ich bisher an fast jeder größeren Schlehenhecke die schönen weißen Eier nachweisen. Hauptsächlich, aber nicht nur, wurden die Funde an Schlehenhecken und Gebüschen sonnig-warmer Standorte gemacht, auch wenn die Eier selbst dann oft im Halbschatten waren. Die Fundorte sind meist ganz unspektakulär, zum Beispiel fanden wir die Eier häufig einfach an Wegrändern, an „Straßenbegleitgrün“ von Kreis- bis Schnellstraße, an der gebüschreichen Umzäunung von Sendemasten, Klärwerken oder Wasserbehältern, an Bahndämmen, sogar innerhalb von Dörfern und Städten.
Wie das auch in der Literatur beschrieben wird, werden die Eier meist einzeln, teils auch paarweise oder selten zu dritt abgelegt. Junge, noch nicht deutlich von Flechten bewachsene Zweige von Prunus spinosa werden auch nach unserer Erfahrung bevorzugt. Wir schauen von etwa Kniehöhe so hoch, wie es bequem möglich ist. Bei bedecktem Himmel sieht man sie leichter als bei Sonnenschein – und die Belegfotos werden besser. Häufig sind die jungen Ausläufer von am Rand immer wieder geschnittenen Gebüschen besonders beliebt, nicht so sehr alte vergreiste Bereiche der Gebüsche. Die Eier finden wir meist in den Astgabeln kleiner Nebenzweige oder Dornen, ausnahmsweise auch einfach am Zweig selbst. Es lohnt sich übrigens, auch an Pflaumen- oder Zwetschgenbäumen (Prunus domestica) nachzuschauen, wenn man die Äste erreichen kann – ein paar der Funde haben wir an Pflaumen gemacht.

Wie weit drei der Suchenden mit dieser Methode schon gekommen sind, ist immer aktuell der Verbreitungskarte von Thecla betulae in naturgucker zu entnehmen, vgl. https://naturgucker.de. Denn Michael Benteler, Hubertus Trilling und ich notieren unsere Funde stets zeitnah und komplett dort. So haben wir in den ersten beiden Monaten 2017 allein in Nordrhein-Westfalen insgesamt über 80 Thecla-betulae-Eier gefunden, und seit September bis Jahresende 2017 sogar 120. Viele davon liegen in „neuen“ Quadranten.

Übrigens stehen in naturgucker den bisher für NRW in 2017 gemeldeten insgesamt, wenn ich richtig gezählt habe, 224 Eiern nur 8 Faltersichtungen gegenüber. Man kann die Falter durchaus entdecken – doch braucht es dazu Geduld und Zeit, wobei vor allem letztere während der Sommermonate lieber in andere Beobachtungen investiert wird.
Und es gibt es immer wieder einmal interessante „Beifänge“. Relativ häufig findet man die ebenfalls weißen, aber anders geformten Eier des Milchweißen Bindenspanners Plemyria rubiginata (DENIS & SCHIFFERMÜLLER, 1775). Nach der kleinen Fundstatistik von meinem Mann und mir seit Januar 2016 kam bei uns ungefähr ein Ei von Plemyria rubiginata auf fünf Eier von Thecla betulae. Die Weißdorn-Eule Allophyes oxyacanthae (LINNAEUS, 1758) ist als Falter nicht selten am Licht oder Köder, Eier haben wir allerdings bisher nur 4 im Arbeitsgebiet gefunden. Und wenn man schon unterwegs ist, kann man natürlich auch nach den Ausfluglöchern des Hornissen-Glasflüglers Sesia apiformis (CLERCK, 1759) in Pappeln schauen, die bei uns ebenfalls leicht zu finden sind.

Absolut begeisternd finde ich jedoch die wirklich seltenen Überraschungen. Dazu zähle ich die Eier des Pflaumen-Zipfelfalters Satyrium pruni (LINNAEUS, 1758), die sowohl vom Michael Benteler als auch von meinem Mann und mir 2017 gefunden wurden, insgesamt vier Stück. Zudem wollte hier im Rhein-Sieg-Kreis augenscheinlich eine Raupe des Eichenspinners Lasiocampa quercus (LINNAEUS, 1758), in unserer Region Rote Liste 2, auf einem Schlehenzweig überwintern. Wollte man die Schlehen ausschließlich nach diesen Arten absuchen, wäre das ein ziemlich frustrierendes Unterfangen. Doch soviel Glück wie Hubertus Trilling, der in seiner Gegend auch Eier von Satyrium spini (DENIS & SCHIFFERMÜLLER, 1775) an Kreuzdorn gefunden hat, kann nicht jeder haben – schließlich ist der Kreuzdorn-Zipfelfalter nur sehr lokal verbreitet.

Wir sind gespannt, wie viele Nachweise von Thecla betulae in dieser winterlichen Suchsaison noch zusammenkommen, schließlich ist sie noch lang – und es spornt durchaus an zu sehen, wie aktiv die anderen sind und was sie gefunden haben. Wir werden dann zu gegebener Zeit darüber berichten.

Wobei das wissenschaftliche Interesse an den Nachweisen sehr schöne Nebenwirkungen hat – es motiviert, auch bei schlechtem Wetter rauszugehen, fördert die Gesundheit, dient dem bessern Kennenlernen der näheren und weiteren Wohnumgebung, regt an, neue Wanderwege auszuprobieren, und hilft, den Blick für die Gebüsche am Wegesrand zu schärfen. Kenntnis von schönen Schlehenbeständen ist schließlich auch für andere lepidopterologische Zwecke nützlich – wenn man etwa im Frühjahr in eher älteren Gebüschen nach Theria primaria (HAWORTH, 1809) oder Theria rupicapraria (DENIS & SCHIFFERMÜLLER, 1775) Ausschau halten will. Also nichts wie raus!

Buch- und sonstige Empfehlungen:
HERMANN, G. (2007): Tagfalter suchen im Winter – Searching for Butterflies in Winter. – 224 Seiten, Norderstedt (Books on Demand GmbH)

http://www.schmetterling-raupe.de
Hinweise zur winterlichen Suche nach Eiern

http://www.orchids.de/haynold/tkq/KoordinatenErmittler.php
Karten oder Satellitenbilder mit zuschaltbarer MTB-Einteilung

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Tagfalter im Steillagenweinbau: Bachelor und Masterarbeiten an der Mosel

Im Rahmen des Projektes „Biodiversität in Weinbausteillagen“ bietet das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Mosel in Bernkastel-Kues in Kooperation mit dem Senckenberg Deutschen Entomologischen Institut die Möglichkeit zur Anfertigung von Abschlussarbeiten zur Erlangung des Grades Bachelor bzw. Master of Science an.

Die Betreuung vor Ort findet bei allen Arbeiten durch die im Projekt beschäftigte Doktorandin Lea Jäger statt. Die darüber hinaus stattfindende Betreuung und Bewertung der Arbeiten übernimmt Prof. Dr. Thomas Schmitt (Senckenberg Deutsches Entomologisches Institut, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg).

Die Untersuchungsflächen liegen in Pommern (Untermosel), Bernkastel-Kues und Kesten (Mittelmosel).

Details zur Ausschreibung


Termin 25. März 2018: Vortrag von Lea Jäger „Melitaea didyma“ – ein Profiteur des Steillagenweinbaus?“

Bericht über die Mittelmosel-Exkursion im Raum Minheim / Kesten 2017

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Schmetterlinge am Gewöhnlichen Beifuß (Artemisia vulgaris)

Drei Kleinschmetterlings-Arten, die bislang in unserem Arbeitsgebiet nur punktuell und selten nachgewiesen wurden, leben als Raupe an bzw. in den Blättern vom Gewöhnlichem Beifuß: Leucospilapteryx omissella (STAINTON, 1848) (Gracillariidae), Bucculatrix noltei PETRY, 1912 (Bucculatricidae), und Hellinsia lienigianus (ZELLER, 1852) (Pterophoridae). Der Mangel an Nachweisen ist verwunderlich, denn der Beifuß wächst in unserem gesamten Arbeitsgebiet überall. Mit diesem Beitrag möchte ich dazu anregen, künftig auch dieser Pflanze und ihren Bewohnern Beachtung zu schenken.

Leucospilapteryx omissella (STAINTON, 1848)

Willy BIESENBAUM (2010) führt im Faunenband  15 der Lepidopterenfauna der Rheinlande und Westfalen L. omissella noch nicht auf. Der Erstfund der Beifuß-Miniermotte gelang Rudi Seliger 2011 im Bereich Schwalmtal am Niederrhein im Westen des Landes. Angeregt durch die sehr gute Dokumentation von Heidrun Melzer im Lepiforum machte ich mich in meinem heimatlichen Umfeld in Ostwestfalen gezielt auf die Suche, und fand die Art an Pflanzen, die an Straßenrändern und Feldwegen wuchsen.

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Die roten Blasenminen der zu den Echten Miniermotten (Gracillariinae) zählenden, winzigen Art sind sehr auffällig und können bei der herbstlichen Minensuche eigentlich nicht übersehen werden. Und so gelang mir der Nachweis in der Senne an drei Standorten in Stukenbrock (Kreis Gütersloh), Oerlinghausen (Kreis Lippe) und Bielefeld-Sennestadt. Die rötliche Blasenmine darf nicht verwechselt werden mit der Fliegenart Trypeta artemisiae (Fabricius, 1784). Diese Minen sehen schwärzlich aus und sind weniger aufgeblasen. Abbildungen und Hinweise finden sich auf der Webseite bladmineerders.nl/


Bucculatrix noltei PETRY, 1912

Willy BIESENBAUM (2010)  führt in Faunenband 15 der Lepidopterenfauna der Rheinlande und Westfalens zu Bucculatrix noltei an, dass es nur Nachweise aus dem deutsch-niederländischen Grenzgebiet und dem Niederrhein gibt. Er weist darauf hin, dass eine gezielte Nachforschung notwendig sei, da die Art in den Niederlanden sehr häufig ist.
Meine Raupensuche von Anfang September bis Mitte Oktober gestaltete sich stets als sehr ergiebig, denn der Lochfraß an den Pflanzen zeigt die Anwesenheit der Raupen sehr auffällig an. Egal an welchen Standorten ich suchte, viele Pflanzen waren mit Raupen besetzt: Stukenbrock, Gütersloh, Augustdorf, Oerlinghausen, Willebadessen.
Die Raupenzucht gestaltete sich als unproblematisch. Die abgeschnittenen Pflanzenstengel stellte ich in Wasserbehälter und dichtete den Stengel mit Papier rundherum ab, damit die Raupen nicht in das Wassergefäß krabbeln und dort ertrinken. Die Raupen verließen nämlich größtenteils die Pflanze und verpuppten sich am Boden des Zuchtbehälters, in diesem Fall ein 10-Liter-Eimer.

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Hellinsia lienigianus (ZELLER, 1852) – Braunfleckige Beifuß-Federmotte

Eine weitere Art, die bislang selten in unserem Arbeitsgebiet nachgewiesen wurde, ist  Hellinsia lienigianus (ZELLER, 1852). Die Raupe zieht als Schutz vor Fressfeinden und Raupen-Parasiten die Endspitze eines Beifuß-Blattes zusammen, die dann gerollt aussieht. Eher zufällig entdeckte ich zunächst eine Raupe Anfang September, da Bucculatrix noltei an dem Blatt schon gefressen haben musste, jedoch das zusammen gerollte Blatt untypisch war. Die Raupe der Federmotte befand sich dann in dieser Blattrolle. Weitere Raupen konnte ich in Sennestadt, Oerlinghausen und Stukenbrock jeweils Anfang bis Mitte September finden.

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Die Überwinterung der Raupen misslang mir leider. Ein Abkäschern der Pflanzen zur Flugzeit habe ich noch nicht ausprobiert, diese Methode dürfte jedoch erfolgreich sein.


Literatur:

BIESENBAUM, W. (2010): Die Lepidopterenfauna der Rheinlande und Westfalens, Band 15: BUCCULATRICIDAE u. GRACILLARIIDAE . 167 Seiten, 9 Farbtafeln. Leverkusen.

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Bonn / BFN: Artexperten im Bereich Insekten oder Spinnentiere gesucht

Im Fachgebiet „Monitoring“ des BfN zurzeit eine Stelle ausgeschrieben, die sich an Artexperten im Bereich Insekten oder Spinnentiere richtet. Auf Wunsch des BFN, und weil das ein höchst spannender Aufgabenbereich ist, präsentieren wir die Ausschreibung hier: Bewerbungsschluss ist der 05.01.2018.

Stellenausschreibung Kennziffer 136

Das Bundesamt für Naturschutz ist eine Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB). Wir beraten das BMUB in allen Fragen des nationalen und internationalen Naturschutzes und der Landschaftspflege, fördern Naturschutzprojekte, betreuen Forschungsvorhaben und sind zuständige Meeresnaturschutzbehörde für die deutsche ausschließliche Wirtschaftszone sowie Genehmigungsbehörde für die Ein- und Ausfuhr geschützter Tier- und Pflanzenarten.

Für unsere Dienststelle in Bonn-Bad Godesberg suchen wir zum nächstmöglichen Zeitpunkt befristet für die Dauer von 3 Jahren (§ 2 WissZeitVG)

eine/n wissenschaftliche/n Mitarbeiter/in
Vollzeit/Teilzeit
Kennziffer 136

für das Fachgebiet “II 1.3 – Monitoring –“.
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Herbst-Kreuzflügel oder „Advent, Advent, ein Lichtlein brennt“

Während die Liebhaber der Weihnachtsmärkte sich im vorweihnachtlichen Lichterglanz der Großstädte treffen, erleuchten einzelne Schmetterlingskundler immer noch in den Abendstunden den Wald auf der Suche nach Nachtfaltern.

Alsophila acerara, Villewälder bei Brühl, 6 Dezember 2017 am Licht (Foto: Karl-Heinz Jelinek)

Alsophila aceraria, Villewälder bei Brühl, 6 Dezember 2017 am Licht (Foto: Karl-Heinz Jelinek)

Es gibt sie, die Schmetterlingsarten, die den unwirtlichen Spätherbst als ökologische Nische nutzen, um möglichen Fressfeinden zu entgehen. Neben den bekannten und häufigen Frostspannern (Erannis defoliara, Opheroptera brumata) befinden sich darunter auch einige seltene Arten.
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Melanargia alt und neu

Inhaltsverzeichnis von Jahrgang 28, Heft 4: Klick auf das Bild

Der 29. Jahrgang der „Melanargia“ ist komplett, Heft 4 steckt in der Post und wird die Mitglieder in wenigen Tagen erreichen. 

Das neue Heft enthält wieder einmal ein breites Spektrum der Schmetterlings-Faunistik: Autökologische Angaben von Spitzenarten der Roten Liste aus den letzten Hochmoorstandorten, Erstfunde von Arealerweiterern und bisher übersehenen Arten, zudem Bestimmungshilfe für schwer zu unterscheidende „Mikros“. Schriftleiter Günter Swoboda schafft es seit nunmehr fast 30 Jahren, ein interessantes Heft auf hohem Niveau zu erstellen. Vielen Dank dafür!

Das Internet-Angebot wird weiter ausgebaut, so konnten  bisher – Stand Ende November 2017 – die ersten sechs Jahrgänge der Melanargia (1989-1994) eingescannt werden, sie stehen unter „Veröffentlichungen >> Melanargia“ zur Verfügung. Weitere Jahrgänge werden in Kürze folgen, sobald sie aufgearbeitet sind. Dabei kommen Schätze zu Tage, die jetzt auch für die jüngeren Mitglieder erreichbar sind und gleichzeitig als Futter für Internet-Suchmaschinen dienen. Handgefertigte Karten und mit der Schreibmaschine getippte Text geben zudem schöne Einblicke in das Vereinsleben und die Arbeitsweise vor fast 30 Jahren.

Das Jahr 2017 war insgesamt geprägt von großem Medienecho zum Thema „Insektensterben“, der Wert der Artenvielfalt scheint wieder zu steigen. Diesen Schwung gilt es zu nutzen: Die Artenkenntnis in der breiten Bevölkerung ist nur noch marginal, den Rest besorgt das Glyphosat. Allerdings gibt es auch ein paar positive Ansätze durch die verschiedenen Online-Portale, Schmetterlinge fotografieren und bestimmen ist heute einfacher denn je. Solide Artenkenntnis braucht jedoch etliche Jahre, und ohne Anleitung durch „Alte Hasen“ (und Häsinnen) dauert es noch viel länger und macht weniger Spaß.

Die Arbeitsgemeinschaft hat deshalb im ablaufenden Jahr eine ganze Reihe von Exkursionen durchgeführt, mit spektakulären Beobachtungen an verschiedenen „Hotspots“ der Artenvielfalt.  2017 wird den meisten als ein ganz ordentliches Schmetterlingsjahr in Erinnerung bleiben. Mein ganz persönlicher Jahres-Höhepunkt waren die Lichtfänge und Tagesexkusionen ins Loreleygebiet. Am Mittelrhein rund um Kaub, Dörscheid, Bornich und St. Goarshausen werden wir auch 2018 wieder aktiv sein.

Die Kollegen vom Entomologischen Verein Krefeld, die ihre Funde seit vielen Jahre aufs Gramm genau protokollieren,  haben uns die besondere Bedeutung einer sauberen Dokumentation aller Beobachtungen vor Augen geführt. Jeder Falter zählt, aber nur wenn er auch aufgeschrieben und gemeldet ist! Der Datenbestand der Arbeitsgemeinschaft wächst weiter rasch, das Datenbank-Team ist mit den mittlerweile mehr als 120.000 Beobachtungsprotokollen gut beschäftigt. Das Abarbeiten des Altdaten-Berges ist mühsam, aber genau so wichtig wie die aktuelle Feldarbeit! Zudem steht die nächste Rote Liste auch schon wieder bevor. Jetzt kommen dann die so genannten „langen Winterabende“, vorab der Hinweis: Sauber aufgearbeitete Daten und Tabellen verarbeiten wir gerne, Wunder dauern etwas länger!

Und ganz nebenbei haben etliche Mitglieder noch Pflegeeinsätze zum Erhalt einiger Spitzenbiotope durchgeführt, unter anderem in Schloßböckelheim, Dahlem und im Recker Moor. Der ehrenamtliche Naturschutz ist nicht alleine auf die Expertise der Arbeitsgemeinschaft angewiesen, auch die praktische Umsetzung hat eine Menge Spaß gemacht!

Alle Vorträge, Exkursionen und Aktivitäten finden sich wie gewohnt auf der Terminseite! Und der Aufruf des Vorstand in Jahrgang 1 Heft 1 von 1989 gilt nach wie vor:

Wir wünschen uns eine rege Mitarbeit aus den Reihen der Mitglieder und viele interessante Beiträge.“

 

 

 

 

 

 

 

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Großer Fuchs ist Schmetterling des Jahres 2018

Die BUND NRW Naturschutzstiftung hat gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen e.V. den „Großen Fuchs“ (Nymphalis polychloros) zum Schmetterling des Jahres 2018 gekürt. Mit der Auszeichnung möchte die Stiftung auf die schlechte Überlebensprognose der Schmetterlingsart aufmerksam machen.

Foto: R. Manderbach

Großer Fuchs – Nymphalis polychloros. (Foto: R. Manderbach, www.deutschlands-natur.de)

In Deutschland steht der „Große Fuchs“ auf der Vorwarnliste der bedrohten Tiere; in Nordrhein-Westfalen ist er vom Aussterben bedroht. Seine langfristige Bestandsentwicklung schätzt das Bundesamt für Naturschutz als „sehr stark rückläufig“ ein. Der Große Fuchs kommt nicht häufig vor, ist aber weit verbreitet. Er lebt in trockenwarmen halboffenen Landschaften, an sonnigen Waldrändern aber auch in naturnahen Gärten und auf Streuobstwiesen in weiten Teilen Europas und Asiens.
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Zwei an Esche lebende Nachtfalterarten werden häufiger

Sowohl die Ockergelbe Escheneule Atethmia centrago (HAWORTH, [1809]) als auch der Eschen-Zackenrandspanner Ennomos fuscantaria (HAWORTH, [1809]) leben als Raupe an Gewöhnlicher Esche (Fraxinus excelsior). Seit einiger Zeit können beiden Arten in Nordrhein-Westfalen zumindest regional erfreulich regelmäßig beobachtet werden.

Atethmia centrago (HAWORTH, [1809]), Deutschland, Nordrhein-Westfalen, Altenberge, 26.08.2017, Foto: F. Rosenbauer

Die Flugzeiten der wunderschönen Falter erreichen im Spätsommer, meist gegen Ende August bis Anfang September, ihre Höhepunkte. Sie können zu dieser Zeit dann gemeinsam an der Lichtfanganlage beobachtet werden. Am besten kann man sie im direkten Umfeld alter Eschen nachweisen, in günstigen Nächten fliegen sie jedoch auch entfernt von Eschenbeständen die Lampe an. Bei Beobachtungen im Münsterland fiel auf, dass Atethmia centrago meist als einer der ersten Falter ans Licht kommt, wohingegen Ennomos fuscantaria oft erst nach Mitternacht erscheint. Dies könnte erklären, warum Ennomos fuscantaria an einigen Stellen an denen Atethmia centrago vorkommt bisher nicht nachgewiesen wurde.

Ennomos fuscantaria (HAWORTH, [1809]), Deutschland, Nordrhein-Westfalen, Altenberge, 26.08.2017, Foto: F. Rosenbauer


Ein Blick in die online-Verbreitungskarten unserer Arbeitsgemeinschaft (nrw.schmetterlinge-bw.de) verrät, dass Ennomos fuscantaria schon in früheren Zeiten regelmäßig gefunden wurde, dann jedoch über etliche Jahre selten auftrat und sich erst jüngst im Bestand wieder zu erholen scheint. Ganz anders Atethmia centrago, die früher in weiten Teilen unseres Arbeitsgebiets fehlte, sich aber ab den späten 1990er Jahren, mit starker Fundortzunahme ab 2010, deutlich ausgebreitet hat.
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