Die Hochmoor-Bodeneule Coenophila subrosea (STEPHENS, 1829) – ein seltenes Relikt auf unseren letzten Hochmooren

Das Recker Moor liegt im Tecklenburger Land an der Grenze zwischen Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Hochmoore sind extreme Lebensräume, in denen sich nur an nährstoffarme, saure und nasse Bedingungen angepasste Tiere und Pflanzen entwickeln können. Die nächtliche Raupensuche mit der Taschenlampe fördert sehr seltene Arten zu Tage.

Im nordwestdeutschen Flachland bildeten sich im Zuge des regenreichen Atlantikklimas einst riesige Hochmoorlandschaften. Aufgrund der schweren Zugänglichkeit konnte der Mensch diese Gebiete über viele Jahrhunderte lediglich an den Rändern in kleinbäuerlicher Weise bewirtschaften. Die dramatischen Veränderungen in der Landnutzung innerhalb des letzten Jahrhunderts, hin zum industrialisierten Torfabbau und mit hohen Stickstoffeinträgen verbundener Intensivbewirtschaftung, führten jedoch zur raschen Verdrängung der Hochmoore aus unserem Landschaftsbild. Heute sind Moore in unserem Arbeitsgebiet bis auf wenige kleine Reliktflächen fast völlig verschwunden. Durch die anhaltend hohe Nährstoffzufuhr über Luft und Wasser, durch zumeist fehlende Pufferzonen hin zu landwirtschaftlichen Intensivflächen, durch weitgehende Isolation und durch mangelnde Pflege aufgrund unzureichender Finanzierung, sind jedoch auch die letzten Moore mittlerweile meist stark degradiert.

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Schwer nachzuweisen und selten – Die Pestwurzeule Hydraecia petasitis DOUBLEDAY, 1847

Falter mit versteckter Lebensweise, die nicht auf Licht oder Köder reagieren und deren Raupen ihre Entwicklung im Inneren der Nahrungspflanze durchlaufen, lassen sich nur durch gezielte Nachsuche finden. Die Pestwurzeule gilt als selten. Nachweise gelingen vor allem im späten Frühjahr durch gezielte Suche nach Fraßspuren und Raupen.

Die Gemeine Pestwurz (Petasites hybridus) säumte in der ursprünglichen Landschaft sicherlich die allermeisten Fließgewässer des westfälischen Flach- und Hügellands, besonders in ehemaligen Luch- und Moorlandschaften wie dem Münsterland. Von dieser natürlichen Landschaft ist nach Jahrhunderten der Bewirtschaftung durch den Menschen und der damit einher gehenden Landschaftsumgestaltung nahezu nichts mehr übrig geblieben. Das westfälische Flachland mit seinen fruchtbaren Böden hat es besonders hart getroffen und somit findet man dort heute nur noch ganz sporadisch Bereiche mit intakter Gewässerbegleitvegetation.

Raupe von Hydraecia petasitis, Münster, 3. Mai 2017 (Foto: Frank Rosenbauer)

Die Gemeine Pestwurz ist jedoch die einzige Wirtspflanze des imposanten und hoch spezialisierten Eulenfalters Hydraecia petasitis DOUBLEDAY, 1847. Aufgrund des enormen Verlusts an Pestwurz ist Hydraecia petasitis mittlerweile eine der bedrohtesten Eulenfalter Westfalens und darüber hinaus. Nachweise waren jedoch schon von jeher rar: Neben der Seltenheit liegt das zum großen Teil an der versteckten Lebensweise der Raupen und der Lichtscheue der Falter, die sich scheinbar nur in Ausnahmefällen und nur unmittelbar an den Pestwurzbeständen nachweisen lassen. Weiterlesen

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Das Geschäft mit der Buchsbaumzünsler-Angst

Der Gartenhandel verkauft aktuell in großem Stil Buchsbaumzünsler-Pheromone und die dazu gehörenden Fallen – mit irreführender Werbung und zu Mondpreisen.

Sorgenfrei für 39,95: So verdient man Geld mit Unkenntnis. (Foto: Laußmann)

Sorgenfrei für 39,99: So verdient man Geld mit Unkenntnis. (Foto: Laußmann)

„Meine Buchsbäume sind NATÜRLICH zünslerfrei – und das eine ganze Saison lang“: Der große Werbe-Aufsteller in der Baumarktkette OBI verspricht einen sorgenfreien Sommer im Liegestuhl. Das Hintergrundbild zeigt einen Garten wie wir ihn aus vielen Städten kennen, ein teutonisch aufgeräumtes Stück Langeweile, einzige erkennbare Pflanzenart: eine mit der Heckenschere auf Maß getrimmte Buchsbaumhecke.

Man könnte meinen ein jeder bekommt den Garten den er verdient, von Natur ist auf dem Bild sowieso wenig zu erkennen. Wenn da nicht noch der Preis für´s Gartenglück wäre: Stolze 39,99 € verlangt der Gartenhandel für eine Plastikfalle und ein Pheromonpräparat! Das ist nicht nur ärgerliche Beutelschneiderei, gemeinhin auch als Nepp bezeichnet: Auch das Versprechen selbst ist falsch, Lockstoffe als Bekämpfungsmethode für Buchsbaumzünsler funktionieren nicht. Es handelt sich also um irreführende Werbung.
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Ein Sommertag in Schloßböckelheim

Der Pflegeeinsatz der Arbeitsgemeinschaft auf den Felskuppen oberhalb der Nahe war in diesem Jahr eine schweißtreibende Angelegenheit: Bei strahlendem Wetter und Temperaturen deutlich über 20° C erfeuten sich die Teilnehmer nicht nur an der phantastischen Aussicht über den Felsenberg und das Umland: Auch die Entwicklung der Fauna war Anfang April ungewöhnlich weit fortgeschritten, und so war die Artenliste nach Pflegeeinsatz und abendlichem Lichtfang entsprechend lang.

Der April, der macht was er will: In diesem Jahr wollte der April ein wenig Sommer spielen, den 14 Teilnehmern am  Pflegeeinsatz auf dem Felsenberg in Schloßböckelheim war es gerade recht: Das Arbeiten mit Kniepe, Freischneider, Rechen und Gabeln geht einem doch deutlich leichter von der Hand, wenn gleichzeitig die Pflegefläche von Segelfalter, Kleinem Perlmutterfalter und zahlreichen anderen Arten besucht wird. Durch die erfreulich hohe Anzahl von Helfern konnten die geplanten Arbeiten zudem zügig durchgeführt werden, so dass noch Zeit blieb die Landschaft zu genießen, ein paar Fotos zu schießen oder ein wenig zu fachsimpeln.

 

Der abendliche Lichtfang – der Anflug war bei Vollmond und klarem Himmel erwartungsgemäß nicht überragend – brachte dann noch ein Reihe weiterer schöner Nachweise, darunter die am Montpellier-Ahorn (Acer monspessulanus) lebenden Geometride Cyclophora lennigiaria und die Wickler-Art Phaneta pauperana. Der Felsenberg in Schloßböckelheim ist und bleibt einer der besten Schmetterlingsplätze Westdeutschlands, mit aktuell 1166 in der Datenbank nachgewiesenen Arten ist das Meßtischblatt trotz seiner Randlage mit weitem Abstand „Tabellenführer“ im Arbeitsgebiet.
Für die Erhaltung dieser tollen Lebensräume lohnt sich jeder Einsatz. An dieser Stelle Dank an alle Helfer und Organisatoren!

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Gesamtartenliste Schloßböckelheim, Felsenberg, 8./9.  April 2017: 59 Arten

„Mikros“
0000480  Eriocrania subpurpurella
0004310  Incurvaria koerneriella
0011200  Caloptilia fribergensis
0013980  Pseudoswammerdamia combinella
0014800  Ypsolopha mucronella
0015250  Plutella xylostella
0016550  Ethmia bipunctella
0022310  Diurnea fagella
0034085  Stenolechiodes pseudogemmellus
0044090  Acleris literana
0048890  Phaneta pauperana
0060270  Ancylosis cinnamomella

„Makros“

0074940  Polyploca ridens
0075050  Watsonalla cultraria
0075120 Cilix glaucata
0075300  Ligdia adustata
0075470  Chiasmia clathrata
0076070  Plagodis dolabraria
0076130  Opisthograptis luteolata
0076410  Selenia dentaria
0076420  Selenia lunularia
0076430  Selenia tetralunaria
0076850  Biston strataria
0077840  Hypomecis punctinalis
0078040  Ematurga atomaria
0078310  Aleucis distinctata
0080220  Cyclophora punctaria
0080130  Cyclophora lennigiaria
0082560  Xanthorhoe fluctuata
0083090  Earophila badiata
0083100  Anticlea derivata
0084000  Horisme vitalbata
0084930  Eupithecia insigniata
0085780  Eupithecia abbreviata
0085990  Gymnoscelis rufifasciata
0086010  Chloroclystis v-ata
0086650  Lobophora halterata
0086680  Trichopteryx carpinata
0087220  Drymonia ruficornis
0087390 Ptilodon cucullina
0087540  Peridea anceps
0087830  Acronicta auricoma
0087870  Acronicta rumicis
0087890 Craniophora ligustri
0092400  Calophasia lunula
0095960  Eupsilia transversa
0096110  Conistra erythrocephala
0096600  Lithophane ornitopus
0096820 Allophyes oxyacanthae (Raupe)
0100380  Orthosia gothica
0100370  Orthosia incerta
0100390  Orthosia cruda
0100410  Orthosia miniosa
0100430  Orthosia populeti
0100440  Orthosia cerasi
0100480  Orthosia gracilis
0100500  Anorthoa munda
0100990 Noctua comes (Raupe)
0100540  Egira conspicillaris
0102240  Cerastis rubricosa
0103720  Colocasia coryli
0103870  Calliteara pudibunda
0104290  Nola confusalis

0104680  Paidia rica (Raupe)
0105720  Diaphora mendica
0106050 Euplagia quadripunctaria (Raupe)

„Tagaktive“
0068430  Macroglossum stellatarum
0069580  Iphiclides podalirius
0069730  Anthocharis cardamines
0069950  Pieris brassicae
0069980  Pieris rapae
0070000  Pieris napi
0070240  Gonepteryx rhamni
0070580  Callophrys rubi
0070970  Celastrina argiolus
0072100  Issoria lathonia
0072280  Boloria dia
0072480  Aglais io
0072500  Aglais urticae
0072580  Nymphalis polychloros

Stand 24. 4. 2017

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Tagpfauenaugen: Zusätzliche Generation!

Die niederländischen Kollegen der Vlinderstichting machen darauf aufmerksam, dass sie im März 2017 ungewöhnlich viele Meldungen von Tagpfauenaugen erhielten. Das Maß ist der Anteil dieser Art an allen Tagfaltermeldungen. Ist das Zufall oder steckt mehr dahinter?

Bestandsschwankungen sind bei Insekten ja nun wirklich nichts Neues. Trotzdem bieten die Niederländer eine interessante Erklärung an. Schon im Spätsommer des vorhergehenden Jahres hat sich in ihren Beobachtungsdaten sehr deutlich eine zusätzliche Generation des Tagpfauenauges abgezeichnet. Dies wird mit einer Graphik illustriert, die den Verlauf der Beobachtungsdaten 2016 mit den gemittelten Daten der Vorjahre vergleicht. Diese zusätzliche Generation soll dafür verantwortlich sein, dass mehr Falter überwintert haben, insbesondere im Vergleich zum Kleinen Fuchs.

Tagpfauenaugen in den Monitoring-Strecken, rot 2016, blau gemittelt 1990-2015 (Quelle: Vlinderstichting)

Angeregt durch eigene Beobachtungen von vielleicht tatsächlich ungewöhnlich vielen Raupen im Spätsommer 2016, die sich besonders an Feldrändern fanden, lässt sich der Gedanke noch ein Stück weiter spinnen. Im September gibt es nach der Ernte kaum noch Einsätze von Insektiziden. Damit könnte sich diese späte Raupengeneration besonders unbehelligt von Agrargiften entwickelt haben. Auch wenn dies als zusätzliche Ursache für die aktuell hohen Beobachtungszahlen spekulativ bleibt, zeigt das Beispiel, dass es auch interessant sein kann, sich den Allerweltsarten zu widmen. Es lohnt sich insbesondere, auch diese häufigen Arten regelmäßig zu melden, was in den Niederlanden schon vorbildlich geschieht. Und sei es nur, um ein einigermaßen verlässliches Vergleichsmaß für den Anteil einer Art an den Gesamtmeldungen zu erhalten. Außerdem eignen sich gerade diese auffälligen Arten dazu, Interesse bei Anfängern zu wecken, indem sich subjektive Einzelbeobachtungen in einen größeren Kontext einfügen lassen.


Link: Wow! wat een dagpauwogen!

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Neuer Bericht zum Klimafolgemonitoring der Stadt Düsseldorf Online

Die Tag-und Nachtfalterfauna wurde auch im Jahr 2016 wieder in zwei Gebieten in Düsseldorf untersucht: im zur Niederrheinischen Bucht gehörigen Eller Forst und auf dem Golfplatz Hubbelrath im Bergischen Land. Dabei konnten im achten Unterschungsjahr im Eller Forst sechs, in Hubbelrath 16 neue Schmetterlingsarten nachgewiesen werden.

Die insgesamt 312 Arten (292 Nacht- und 20 Tagfalter) umfassende Schmetterlingsfauna des Golfplatzes in Hubbelrath beinhaltet eine Reihe naturschutzfachlich Wert gebender Arten, bei denen es sich bis auf eine Ausnahme nur um Nachtfalter handelt.
Mit dem am 8.8. 2016 gesichteten Mauerfuchs Lasiommata megera gelang sogar der Wiederfund einer im Stadtgebiet von Düsseldorf nach 1982 verschollenen Art.

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Narycia duplicella (Psychidae), der Schwarze Motten-Sackträger

Ein Blick in die Online-Version der Vereinsdatenbank lässt vermuten, dass nach N. duplicella nur sporadisch und auch nur von wenigen Mitgliedern gesucht wird. Nur mit geübtem Blick findet man die kleinen Säckchen. Bei gezielter Suche dürfte die Art jedoch an vielen Orten nachgewiesen werden, denn sie besiedelt vielerlei Lebensräume, selbst Zaunpfähle werden besetzt.
Trotz der momentan noch kalten Witterung können schon jetzt die mit Grünalgen vollkommen überzogenen Säcke gefunden werden. Die Raupen leben von der Krätz-Flechte (Lepraria incana), insofern muss in entsprechenden Biotopen gesucht werden.

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Eine Rarität im Vorfrühling – Xylena vetusta – Braune Moderholzeule

Die Überwinterer warten darauf, jetzt beobachtet zu werden. Nicht nur Eupsilia transversa, Conistra vaccinii und andere Schmetterlingsarten sind bei milder Witterung auf der Suche nach Nahrung.

Xylena vetusta (HÜBNER, [1809-1813]) - Braune Moderholzeule. Höxter, Ziegenberg, 27. Februar 2017 (Foto: Dieter Robrecht)

Xylena vetusta (HÜBNER, [1809-1813]) – Braune Moderholzeule. Höxter, Ziegenberg, 27. Febrar 2017 (Foto: Dieter Robrecht)


Eine in unserem Arbeitsgebiet mittlerweile zur Rarität gewordene Art zeigte sich am 27. Februar 2017 am Leuchtturm. Gemeinsam mit Rudolf Pähler besuchte ich in Höxter (Ostwestfalen) den Talbereich des Ziegenberges (95 m üNN). Hier befinden sich einige künstlich angelegte Seen, an deren Ränder u.a. viele Sal-Weiden (Salix caprea) stehen und teils von frischen bis feuchten Wiesen sowie Gebüschen umgeben sind. Am Nachmittag starteten wir zunächst mit der Suche nach den Raupen des Großen Schillerfalters, die leider erfolglos blieb.
13 in Sangria getränkte Schnüre hängten wir etwa eine dreiviertel Stunde vor Beginn der Dämmerung aus. Der Abend war mit 13 – 11 Grad mild, der Himmel bedeckt und ein mäßiger Wind mit leichten Böen sorgte für eine gute Verteilung des Rotweinduftes. Schon mit Beginn der Dämmerung ab 18.30 Uhr saßen viele Falter am Köder, und bis 20.oo Uhr zählten wir u.a. jeweils über 120 Eupsilia transversa sowie 70 Conistra vaccinii .
Gleichzeitig hatten wir einen Leuchtturm aufgebaut, und zu unserer großen Überraschung Weiterlesen

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