Historie

Die Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen e.V.

Verein für Schmetterlingskunde und Naturschutz

Die Arbeitsgemeinschaft wurde 1930 von 33 Lepidopterologen der entomologischen Vereine Dortmund, Düsseldorf, Essen und Krefeld sowie auch Herren aus entlegenen Teilen der Rheinprovinz und Westfalens gegründet.

Ziel dieser Gründung war die Erforschung der Lepidopterenfauna der damaligen preussischen Rheinprovinz und Westfalens. Bereits im ersten Statut finden sich sehr fortschrittliche und weitsichtige Ideen.

„Die Arbeitsgemeinschaft rheinisch-westfälischer Lepidopterologen bezweckt unter Beachtung des Naturschutzgedankens die Erforschung aller im Rheinland und in Westfalen nachweisbaren Schmetterlingsarten und –rassen in systematischer, ökologischer und tiergeographischer Hinsicht mit dem Ziele der wissenschaftlichen Bearbeitung und Veröffentlichung der Ergebnisse Der Entwicklung und dem Wechsel (Adventiv- und Reliktfauna) der Schmetterlingswelt wird besonders Beachtung geschenkt.“

 Grenzen des Arbeitsgebietes der Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen

Karte: Bundesrepublik Deutschland mit den Grenzen der Bundesländer (punktierte Linien), den Grenzen des Arbeitsgebietes der Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen (stark gestrichelte Linie, außerhalb von Ländergrenzen) und den ehemaligen Provinzgrenzen (rote Linien). 1 = preußische Rheinprovinz (mit den heute in Belgien liegenden Gebieten um Eupen und Malmedy); 2 = preußische Provinz Westfalen; 3 = Fürstentum Lippe; 4 = Fürstentum Waldeck; 5 = Regierungsbezirk Osnabrück; 6 = zum Herzogtum Oldenburg gehörend; 7 = Herzogtum Nassau

Begonnen wurde mit der Abgrenzung des Arbeitsgebietes, das die preussische Rheinprovinz und Westfalen mit ihren naturräumlich angrenzenden Gebieten umfasste – dies entspricht heute dem Gebiet von Süd-Niedersachsen, NRW, westliche Teile Hessens, Rheinland- Pfalz bis zum nördlichen Saarland.

Aus der Erkenntnis, dass ohne eine entsprechende Landessammlung eine exakte wissenschaftliche Bearbeitung der Lepidopterenfauna nicht möglich sei, gingen schon 1934 die ersten Spenden für den Aufbau einer solchen Sammlung ein, die im Löbbecke-Museum Düsseldorf untergebracht wurde.

Heute zählt die Sammlung, die ständig vergrößert wird, sicherlich über 100.000 Tiere. Sie ist Gemeinschaftseigentum der Arbeitsgemeinschaft und des Aquazoo`s – Löbbecke Museum, Düsseldorf, dem offiziellen Sitz der Arbeitsgemeinschaft.

Seit Gründung der AG wurden Beiträge der Mitglieder in verschiedenen Fachzeitschriften publiziert: Von 1977 bis 1989 erschienen Berichte über die Schmetterlinge des Arbeitsgebietes in den „Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft rheinisch-westfälischer Lepidopterologen“ Ab 1989 wurden die „Mitteilungen …“ durch die „Melanargia“ mit den selben Publikationszielen abgelöst. Zusammenfassende Darstellungen zu einzelnen Familien oder Unterfamilien werden als separate Schriftenreihe der Arbeitsgemeinschaft mit dem Titel „die Lepidopterenfauna der Rheinlande und Westfalens“ herausgegeben.

Die Zahl der Mitglieder liegt (Stand 2017) bei etwa 300, die Arbeitsgemeinschaft ist damit einer der größten entomologischen Vereine Deutschlands.

Seit 1975 setzt sich der Verein verstärkt im direkten Naturschutz ein. Viele Naturschutzgebiete wurden durch Untersuchungen und auf Anträge der Mitglieder hin geschaffen. Einige Naturschutzgebiete speziell der Schmetterlinge wegen wie z.B. der Ausoniussteinbruch des Apollofalters und das Nonnenbachtal in der Eifel bei Blankenheim wegen des Blauschillernden Feuerfalters; außerdem das Feuchtgebiet Dreisel/Sieg für den Schwarzblauen Ameisenbläuling, den Großen Moorbläuling und die Schilfeule „Sedina buettneri Herg.“ sowie das NSG Rosbachtal bei Rosbach/Sieg mit ca. 500 hier nachgewiesenen Schmetterlingsarten, von denen ca. 120 Arten lt. Roter Liste NRW gefährdet sind. Hinzu kommt direkte Biotop- und Landschaftspflege: besondere Beispiele sind das frühere Bahnhofsgelände von Ahrdorf, die Pflege der Wälder an der Urft bei Nettersheim, die Rheinbrohler Ley, Trockenhänge bei Schlossböckelheim an der Nahe und der Basaltsteinbruch in Hennef-Eulenberg, um nur einige zu nennen.

Mitarbeit in Landschaftsbeiräten, fachliche Stellungnahmen für das Umweltministerium NRW (MUNLV) und das Landesumweltamt (LANUV) sind heute selbstverständlich. Bei der Erstellung der Roten Listen der gefährdeten Schmetterlinge sowohl von Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, des Saarlandes und der Bundesrepublik waren Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft teilweise federführend.

Auch das „Praxishandbuch Schmetterlingsschutz“, herausgegeben vom LANUV-Vorgänger LÖBF, ist weitgehend von Mitgliedern der AG verfasst und gestaltet worden.

Der große, verdienstvolle Einsatz der Mitglieder in Wissenschaft, Umwelt- und Naturschutz wurde bisher schon mehrfach honoriert. So können wir heute stolz auf 4 Träger des Bundesverdienstkreuzes verweisen, ebenfalls 4 Empfänger des Rheinlandtalers, 3 Albert-Steeger-Stipendiaten des Landschaftsverbandes Rheinland und mehrere Umweltschutz- und Jugend-Forscht-Preise.