{"id":12791,"date":"2021-07-21T11:40:32","date_gmt":"2021-07-21T09:40:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ag-rh-w-lepidopterologen.de\/?p=12791"},"modified":"2021-09-28T12:35:52","modified_gmt":"2021-09-28T10:35:52","slug":"thaumatotibia-leucotreta-meyrick-1913-tortricidae-lepidoptera-ein-ungebetener-gast-mit-dem-potenzial-zum-daueraufenthalt-in-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ag-rh-w-lepidopterologen.de\/_mGala-16_Thea\/2021\/07\/21\/thaumatotibia-leucotreta-meyrick-1913-tortricidae-lepidoptera-ein-ungebetener-gast-mit-dem-potenzial-zum-daueraufenthalt-in-deutschland\/","title":{"rendered":"<i>Thaumatotibia leucotreta<\/i> (Meyrick, 1913) (Tortricidae; Lepidoptera) ein ungebetener Gast &#8211; mit dem Potenzial zum Daueraufenthalt in Deutschland?"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_12792\" style=\"width: 954px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.ag-rh-w-lepidopterologen.de\/_mGala-16_Thea\/wp-content\/uploads\/Thaumatotibia-leucotreta-Kopie-e1626859723294.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-12792\" data-attachment-id=\"12792\" data-permalink=\"https:\/\/www.ag-rh-w-lepidopterologen.de\/_mGala-16_Thea\/2021\/07\/21\/thaumatotibia-leucotreta-meyrick-1913-tortricidae-lepidoptera-ein-ungebetener-gast-mit-dem-potenzial-zum-daueraufenthalt-in-deutschland\/thaumatotibia-leucotreta-kopie\/\" data-orig-file=\"https:\/\/www.ag-rh-w-lepidopterologen.de\/_mGala-16_Thea\/wp-content\/uploads\/Thaumatotibia-leucotreta-Kopie-e1626859723294.jpg\" data-orig-size=\"944,460\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;4.5&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;37.79&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.0015625&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"Thaumatotibia leucotreta Kopie\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"&lt;p&gt;Thaumatotibia leucotreta (Meyrick, 1913) (&amp;#x2642;): Deutschland, Nordrhein-Westfalen, Bottrop, 02.09.2020; leg. det. und GU. Monika Weithmann. &lt;\/p&gt;\n\" data-large-file=\"https:\/\/www.ag-rh-w-lepidopterologen.de\/_mGala-16_Thea\/wp-content\/uploads\/Thaumatotibia-leucotreta-Kopie-e1626859723294.jpg\" class=\"wp-image-12792 size-full\" src=\"http:\/\/www.ag-rh-w-lepidopterologen.de\/_mGala-16_Thea\/wp-content\/uploads\/Thaumatotibia-leucotreta-Kopie-e1626859723294.jpg\" alt=\"\" width=\"944\" height=\"460\" srcset=\"https:\/\/www.ag-rh-w-lepidopterologen.de\/_mGala-16_Thea\/wp-content\/uploads\/Thaumatotibia-leucotreta-Kopie-e1626859723294.jpg 944w, https:\/\/www.ag-rh-w-lepidopterologen.de\/_mGala-16_Thea\/wp-content\/uploads\/Thaumatotibia-leucotreta-Kopie-e1626859723294-600x292.jpg 600w, https:\/\/www.ag-rh-w-lepidopterologen.de\/_mGala-16_Thea\/wp-content\/uploads\/Thaumatotibia-leucotreta-Kopie-e1626859723294-300x146.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 944px) 100vw, 944px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-12792\" class=\"wp-caption-text\"><em>Thaumatotibia leucotreta<\/em> (Meyrick, 1913) (&#x2642;): Deutschland, Nordrhein-Westfalen, Bottrop, 2. September 2020; leg. det. und GU. Monika Weithmann.<\/p><\/div>\n<p><strong>Durch die Globalisierung der Produktion und des Handels mit Nahrungsmitteln und Pflanzen werden auch leicht Sch\u00e4dlinge von Kontinent zu Kontinent \u00fcbertragen. Sind dann die Lebensbedingungen f\u00fcr den Neuank\u00f6mmling in der neuen Heimat optimal, kann sich die Art etablieren und gro\u00dfe Sch\u00e4den in der einheimischen Flora anrichten. Als Beispiele in den letzten 15 Jahren k\u00f6nnen hierf\u00fcr der Buchsbaum-Z\u00fcnsler <em>Cydalima perspectalis<\/em> (Walker, 1859) oder auch die Kirschessigfliege <em>Drosophila suzukii<\/em> (Matsumura, 1931) dienen.<\/strong><\/p>\n<p>Die Wickler-Art <em>Thaumatotibia leucotreta<\/em> (Meyrick, 1913), deren Ursprungsheimat in Afrika s\u00fcdlich der Sahara liegt, wurde in den letzten Jahren in Europa immer wieder vereinzelt nachgewiesen. Die Art hat das Potential sich langfristig in Europa, besonders im S\u00fcden, in den Obst- und Gem\u00fcseplantagen sich zu etablieren. <em>T. leucotreta<\/em> lebt polyphag an den unterschiedlichsten Pflanzenteilen und ist auch nicht w\u00e4hlerisch bei den einzelnen Pflanzenfamilien. So wurde die Art unter anderem in unterschiedlichsten Citrus spp. (z.B. Zitronen und Orangen), in Capsicum spp. (z. B. Paprika und Chili), in Getreide (Mais und Hirse), in Rosaceaen (z.B. Pfirsiche und Rosen), Malvaceaen (z. B. Hibiscus, Baumwolle, Okraschoten), Quercus ssp. (Eichen) sowie in Coffea spp. (Kaffee) oder in Olea europaea (Oliven) nachgewiesen. Van der Geest et al. (1991) f\u00fchrte in seiner Ver\u00f6ffentlichung 50 Pflanzenarten in 30 Familien auf. <em>T. leucotreta<\/em> gilt weltweit als gef\u00fcrchteter Sch\u00e4dling und wurde auch von der Europ\u00e4ischen Union in der Liste der 20 Quarant\u00e4ne-Sch\u00e4dlinge aufgenommen.<!--more--><\/p>\n<p>Im September 2020 fand ich im Siedlungsbereich in Bottrop an einer UV-Lampe eine unscheinbare, leicht ramponierte Tortricide, die ich nicht richtig zu ordnen konnte. Eine schnelle Durchsicht der Bestimmungsb\u00fccher Tortricidae of Europe von J. Razowski (2002) f\u00fchrten auch zu keinem brauchbaren Ergebnis. Also beschloss ich, den Falter zu pr\u00e4parieren, um sp\u00e4ter f\u00fcr eine genaue Bestimmung eine Genitaluntersuchung durchzuf\u00fchren. Bei der Pr\u00e4paration des Falters fielen die \u201eMacken\u201c an den beiden Hinterfl\u00fcgeln und die farbig abgesetzten Haarb\u00fcschel an den Hinterbeinen auf (siehe Foto). Die beiden Macken an den Hinterfl\u00fcgeln interpretierte ich erst f\u00e4lschlicherweise als eine St\u00f6rung in der Metamorphose bei der Falterentwicklung und schenkte dem Merkmal leider keine weitere Beachtung. Die durchgef\u00fchrte Genitaluntersuchung brachte f\u00fcr mich die n\u00e4chste \u00dcberraschung. Das m\u00e4nnliche Genital hatte zwar sehr gro\u00dfe \u00c4hnlichkeiten mit den typischen Merkmalen von Cydia spp., jedoch gab es keine 100-prozentige \u00dcbereinstimmung mit den GU-Vorlagen aus dem Bestimmungsbuch.<\/p>\n<p>Nach einer anschlie\u00dfenden ausf\u00fchrlichen Recherche in der Bestimmungshilfe des Lepiforums wurde ich tats\u00e4chlich f\u00fcndig und konnte dem Falter endlich den wohlverdienten Namen geben: es war ein <strong><em>Thaumatotibia<\/em><\/strong> <strong><em>leucotreta<\/em> (Meyrick, 1913<\/strong>). Die Art wurde im Jahr 2020 in Deutschland, laut Lepiforum, noch in Niedersachen (Selsingen, Frank Geisler) und in Baden-W\u00fcrttemberg (Blumberg, Hans-Peter Deuring) au\u00dferhalb von Gew\u00e4chsh\u00e4usern nachgewiesen.<\/p>\n<p>Bei der Art <strong><em>T. leucotreta<\/em><\/strong> liegt eindeutig ein Sexualdimorphismus vor. Nur die M\u00e4nnchen haben die beiden Makel auf den Hinterfl\u00fcgeln und ebenso die beiden unterschiedlichen gef\u00e4rbten Haarb\u00fcschel an den Hinterbeinen (siehe Foto). Die Vorderfl\u00fcgel k\u00f6nnen in der Braunf\u00e4rbung variieren. Die Gr\u00f6\u00dfe der Falter wird in der Literatur beim M\u00e4nnchen mit 15 \u2013 16 mm und beim Weibchen mit 19-20 mm angegeben. Eine sehr ausf\u00fchrliche Beschreibung und Fotos der einzelnen Stadien von <strong><em>T. leucotreta<\/em><\/strong> hat die European and Mediterranean Plant Protection Organization herausgegeben ( <a href=\"https:\/\/onlinelibrary.wiley.com\/doi\/epdf\/10.1111\/epp.12580\">PM 7\/137 (1) Thaumatotibia leucotreta (wiley.com)<\/a>\u00a0.<\/p>\n<p>Ob <strong><em>T. leucotreta<\/em> (Meyrick, 1913)<\/strong> sich hier in Deutschland dauerhaft in der freien Natur ansiedeln kann, oder nur als l\u00e4stiger \u201eGew\u00e4chshaus-Sch\u00e4dling\u201c in Gem\u00fcse- oder Zierpflanzenkulturen h\u00e4lt, wird nur von der tats\u00e4chlichen K\u00e4ltetoleranz der Art innerhalb der einzelnen Stadien abh\u00e4ngen. Zur Zeit wird im Gartenbau davon ausgegangen, dass die Entwicklung der Art unter 10 \u00b0C gehemmt wird und unter 1 \u00b0C alle Stadien absterben. Pro Jahr kann die Art bei optimalen Lebensbedingungen f\u00fcnf Generationen hervorbringen. Bei Temperaturen \u00fcber 16 \u00b0C dauert ein Entwicklungszyklus vom Ei bis zum Falter 40 Tage (EPPO-Global Database). Eine reichliche Auswahl von Futterpflanzen \u00fcber Gem\u00fcse (z. B. Erbsen, Tomaten, Paprika), Mais, Rosen, Eichen oder bestimmte Zierpflanzen (z.B. Hibiscus, Oleander usw.) ist in Deutschland vorhanden. Viele dieser Pflanzen werden im Gartenbau in Deutschland frostfrei \u00fcberwintert.<\/p>\n<p>Zuk\u00fcnftige milde Winter w\u00fcrden die Art ebenfalls unterst\u00fctzen. Im Sommerhalbjahr w\u00e4ren, von den \u00fcblichen Temperaturen her, mehrere Generationen theoretisch m\u00f6glich. In wie weit die Falter mit hei\u00dfen Winden aus den s\u00fcdlichen L\u00e4ndern wie z.B. Italien oder Frankreich oder vielleicht aus den Gartenbau-Gebieten der Niederlande nach Deutschland transportiert werden k\u00f6nnen, kann bis jetzt auch noch nicht beantwortet werden. Das letzte Jahr in Deutschland war von den Temperaturen optimal f\u00fcr die Entwicklung der Art <strong><em>T. leucotreta. <\/em><\/strong>Vielleicht auch deswegen sind die beiden Nachweise im Lepiforum und der eigene quer \u00fcber das Land verteilt. Die n\u00e4chsten Jahre werden es zeigen, ob sich eine Art aus Afrika in Deutschland dauerhaft etablieren kann.<\/p>\n<p><strong>Literatur und Internet (Zugriff: 05.07.2021):<\/strong><\/p>\n<p>COMMISSION DELEGATED REGULATION (EU) 2019\/1702 of 1 August 2019 supplementing Regulation (EU) 2016\/2031 of the European Parliament and of the Council by establishing the list of priority pests; \u00a0Official Journal of the European Union L 260\/8 11.10.2019; <a href=\"https:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/EN\/TXT\/?uri=CELEX:32019R1702\">EUR-Lex &#8211; 32019R1702 &#8211; EN &#8211; EUR-Lex (europa.eu)<\/a><\/p>\n<p>European and Mediterranean Plant Protection Organization: Diagnostics PM 7\/137 (1) Thaumatotibia leucotreta; Bulletin OEPP\/EPPO Bulletin (2019) 49 (2), 248\u2013258; <a href=\"https:\/\/onlinelibrary.wiley.com\/doi\/epdf\/10.1111\/epp.12580\">PM 7\/137 (1) Thaumatotibia leucotreta (wiley.com)<\/a><\/p>\n<p>EPPO Global Database<br \/>\n<a href=\"https:\/\/gd.eppo.int\/taxon\/ARGPLE\">Thaumatotibia leucotreta (ARGPLE)[Overview]| EPPO Global Database<\/a><\/p>\n<p>GBIF\/Global Biodiversity Information Facility: <a href=\"https:\/\/www.gbif.org\/species\/5879783\">Thaumatotibia leucotreta (Meyrick, 1913) (gbif.org)<\/a><\/p>\n<p>Lepiforum: <a href=\"http:\/\/lepiforum.org\/wiki\/page\/Thaumatotibia_leucotreta\">Thaumatotibia leucotreta &#8211; LepiWiki (lepiforum.org)<\/a><\/p>\n<p>Razowski, J.(2003): Tortricidae (Lepidoptera) of Europe. Volume 1 und 2.Verlag F. Slamka, Bratislava.<\/p>\n<p>Van Der Geest LPS, Wearing CH and Dugdale JS (1991) Tortricids in miscellaneous crops.. In L. P. S.van der Geest and H. H. Evenhius, eds. Tortricid Pests: Their Biology, Natural Enemies, and Control. World Crop Pests, Vol. 5.pp. 563\u2013577. Elsevier, Amsterdam.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Durch die Globalisierung der Produktion und des Handels mit Nahrungsmitteln und Pflanzen werden auch leicht Sch\u00e4dlinge von Kontinent zu Kontinent \u00fcbertragen. 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