{"id":16577,"date":"2025-12-11T17:15:38","date_gmt":"2025-12-11T16:15:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.ag-rh-w-lepidopterologen.de\/?p=16577"},"modified":"2025-12-11T17:15:54","modified_gmt":"2025-12-11T16:15:54","slug":"tagfalter-zunehmend-gefaehrdet-mosel-apollofalter-vom-aussterben-bedroht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ag-rh-w-lepidopterologen.de\/_mGala-16_Thea\/2025\/12\/11\/tagfalter-zunehmend-gefaehrdet-mosel-apollofalter-vom-aussterben-bedroht\/","title":{"rendered":"Tagfalter zunehmend gef\u00e4hrdet, Mosel-Apollofalter vom Aussterben bedroht"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die neue Rote Liste der Tagfalter und Widderchen liegt vor, ver\u00f6ffentlicht vom Bundesamt f\u00fcr Naturschutz (BfN) gemeinsam mit dem Rote-Liste-Zentrum (RLZ). Von den 207 in Deutschland etablierten Arten und Unterarten der Tagfalter und Widderchen sind mittlerweile 103, also fast die H\u00e4lfte, bestandsgef\u00e4hrdet oder bereits ausgestorben. <\/strong><\/p>\n<p>Besonders dramatisch ist die Situation beim <strong>Mosel-Apollofalter<\/strong>. Diese weltweit nur in Deutschland vorkommende Unterart des Apollofalters wurde erstmals als \u201eVom Aussterben bedroht\u201c eingestuft.<\/p>\n<div id=\"attachment_14789\" style=\"width: 1510px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-14789\" data-attachment-id=\"14789\" data-permalink=\"https:\/\/www.ag-rh-w-lepidopterologen.de\/_mGala-16_Thea\/2025\/12\/11\/tagfalter-zunehmend-gefaehrdet-mosel-apollofalter-vom-aussterben-bedroht\/apollo_p_o1\/\" data-orig-file=\"https:\/\/www.ag-rh-w-lepidopterologen.de\/_mGala-16_Thea\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/apollo_P_O1.jpg\" data-orig-size=\"1500,1000\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;credit&quot;:&quot;Dr. Tim Laussmann&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;Mosel - Apollofalter 06955 Parnassius apollo (Linnaeus, 1758) Valvig (Mosel) Anfang 07.95, aufgenommen am Apolloweg, Mitte zwischen Parkplatz und Brauselay, nicht am Aussichtspunkt&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;Dr. Tim Laussmann, Leverkusen&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"apollo_P_O1\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"&lt;p&gt;Mosel &amp;#8211; Apollofalter 06955 Parnassius apollo (Linnaeus, 1758) Valvig (Mosel) Anfang 07.95, aufgenommen am Apolloweg, Mitte zwischen Parkplatz und Brauselay, nicht am Aussichtspunkt&lt;\/p&gt;\n\" data-large-file=\"https:\/\/www.ag-rh-w-lepidopterologen.de\/_mGala-16_Thea\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/apollo_P_O1.jpg\" class=\"size-full wp-image-14789\" src=\"https:\/\/www.ag-rh-w-lepidopterologen.de\/_mGala-16_Thea\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/apollo_P_O1.jpg\" alt=\"\" width=\"1500\" height=\"1000\" srcset=\"https:\/\/www.ag-rh-w-lepidopterologen.de\/_mGala-16_Thea\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/apollo_P_O1.jpg 1500w, https:\/\/www.ag-rh-w-lepidopterologen.de\/_mGala-16_Thea\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/apollo_P_O1-600x400.jpg 600w, https:\/\/www.ag-rh-w-lepidopterologen.de\/_mGala-16_Thea\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/apollo_P_O1-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 1500px) 100vw, 1500px\" \/><p id=\"caption-attachment-14789\" class=\"wp-caption-text\">Der Mosel-Apollofalter ist vom Aussterben bedroht. (Foto: Tim Lau\u00dfmann)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der <strong>Loreley-Dickkopffalter<\/strong> gilt nun offiziell als in Deutschland ausgestorbene Art. Zuletzt wurde er 1985 am Mittelrhein gesichtet, s\u00e4mtliche sp\u00e4tere Nachsuchen an ehemaligen Vorkommensorten blieben erfolglos.<\/p>\n<p>In der aktuellen Roten Liste wird die Gef\u00e4hrdung der 207 in Deutschland etablierten Taxa (Arten und Unterarten) aus den Gruppen der Tagfalter und Widderchen bewertet. Neben 10 ausgestorbenen Arten gelten insgesamt 93 von ihnen als bestandsgef\u00e4hrdet (Taxa in den Rote-Liste-Kategorien 1, 2, 3, G). Darunter befinden sich 13 Taxa, die unmittelbar vom Aussterben bedroht sind, 51 gelten als stark gef\u00e4hrdet und 27 als gef\u00e4hrdet. F\u00fcr 2 Taxa konnte die Gef\u00e4hrdungslage nicht eindeutig ermittelt werden. Lediglich 71 Taxa, also rund ein Drittel, gelten derzeit als ungef\u00e4hrdet.<\/p>\n<table border=\"1\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>\n<h3>Mosel-Apollofalter (<em>Parnassia apollo vinningensis<\/em>)<\/h3>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Anfang des 20. Jahrhunderts umfasste das Verbreitungsgebiet dieses in Rheinland-Pfalz endemischen Falters beinahe das gesamte Moseltal zwischen Traben-Trarbach und Koblenz-Moselwei\u00df sowie mehrere Fundorte in den n\u00f6rdlichen Nebent\u00e4lern. Als Lebensraum ist er auf s\u00fcdexponierte Felsh\u00e4nge \u2013 ersatzweise auch auf Trockenmauern in den Weinbergen der Steillagen \u2013 angewiesen. In diesen Lebensr\u00e4umen kommen sowohl die Raupennahrungspflanzen als auch wichtige Nektarpflanzen der erwachsenen Falter in direkter Nachbarschaft vor. Nach anhaltenden R\u00fcckg\u00e4ngen infolge der Nutzungsaufgabe oder Flurbereinigung von terrassierten Weinbergen oder beweideten Halbtrockenrasen in Nachbarschaft der Felsen, galt er schon Mitte der 1980er Jahre als vom Aussterben bedroht. Bis zum Jahr 2011 konnten an mehreren Fundorten aber noch regelm\u00e4\u00dfig Tagespopulationen von \u00fcber 100 Faltern erfasst werden.<\/p>\n<p>Seit 2012 geht die Art weiter stark zur\u00fcck, so dass zuletzt fast nur noch<br \/>\nEinzeltiere beobachtet wurden. Daf\u00fcr ist aus Sicht der Fachleute vermutlich ein<br \/>\nZusammenwirken mehrerer Ursachen verantwortlich: Zum einen f\u00fchren h\u00e4ufigere<br \/>\nD\u00fcrreperioden zu einem Mangel an Nektarpflanzen zur Flugzeit der Falter, zum<br \/>\nanderen beschleunigt der Stickstoffeintrag aus der Luft das Vordringen von Schlehen und Brombeeren in fr\u00fcher offene Hangpartien. Vermutet wird zus\u00e4tzlich ein negativer Einfluss neuartiger Fungizide im Weinbau, denn die aktuelle Abnahme des Falters korreliert zeitlich mit den Spritzmittel-Anwendungen vom Hubschrauber aus.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Im Vergleich zur vorherigen Roten Liste (2011) ist bei 49 Taxa (23,7 %) eine Verschlechterung ihres Gef\u00e4hrdungszustandes zu verzeichnen, w\u00e4hrend sich die Situation bei 29 Taxa (14,0 %) verbessert hat. Die Zahl der negativen Ver\u00e4nderungen ist also deutlich h\u00f6her als die der positiven. Es gibt auch einige erfreuliche Tendenzen: So konnten sich die Best\u00e4nde vormals gef\u00e4hrdeter Arten wie die des Wei\u00dfen Waldportiers erholen. Auch einige w\u00e4rmeliebende Arten wie der Brombeer-Perlmuttfalter und der Karst-Wei\u00dfling breiten sich deutlich aus. Bei genauerer Betrachtung der Gr\u00fcnde f\u00fcr die Erholung und weitere Ausbreitung zeigt sich allerdings, dass diese Tendenzen h\u00e4ufig auf eine verbesserte Datenlage zur\u00fcckzuf\u00fchren sind. Dar\u00fcber hinaus gibt es Arten, die vom Klimawandel profitieren.<\/p>\n<p>Die neue Rote Liste zeigt: In der Gesamtbilanz hat sich die Situation der Tagfalter und Widderchen weiter versch\u00e4rft. 55 Prozent der Arten und Unterarten sind entweder bereits ausgestorben, bestandsgef\u00e4hrdet oder extrem selten\u201c, warnt Sabine Riewenherm, Pr\u00e4sidentin des Bundesamtes f\u00fcr Naturschutz. \u201e<em>Trotz besorgniserregender Entwicklungen gibt es auch Chancen f\u00fcr den Schutz unserer Schmetterlinge: Wenn landwirtschaftliche Fl\u00e4chen nachhaltig bewirtschaftet, Schutzgebiete besser vernetzt und artenreiche Lebensr\u00e4ume gezielt gef\u00f6rdert werden, k\u00f6nnen wir den R\u00fcckgang vieler Arten stoppen und ihre Zukunft sichern.<\/em>\u201c<\/p>\n<p>In der Roten Liste wurde au\u00dferdem eine erh\u00f6hte Verantwortlichkeit Deutschlands f\u00fcr die weltweite Erhaltung von zehn Tagfalter- bzw. Widderchen-Taxa ermittelt. Diese kommen entweder fast nur hierzulande vor oder die hier lebenden Best\u00e4nde sind sehr isoliert und weit entfernt von anderen Populationen. Viele dieser Arten, darunter mehrere Vertreter von W\u00fcrfelfaltern und Widderchen, haben nur sehr kleine weltweite Verbreitungsgebiete.<\/p>\n<p>Um dem weiteren R\u00fcckgang der in Deutschland vorkommenden Tagfalter und Widderchen entgegenzuwirken, sind gezielte Schutzma\u00dfnahmen dringend erforderlich.\u00a0Rote-Liste-Autor Dr. Martin Musche vom Helmholtz-Zentrum f\u00fcr Umweltforschung erkl\u00e4rt: \u201e<em>Da viele gef\u00e4hrdete Arten Lebensr\u00e4ume des Offenlandes besiedeln, kommt der schmetterlingsfreundlichen Nutzung n\u00e4hrstoffarmen Gr\u00fcnlandes eine besondere Rolle zu. Um nektarbl\u00fctenreiche Vegetationsbest\u00e4nde auf Wiesen und Weiden zu f\u00f6rdern, sollte die Mahdh\u00e4ufigkeit in Teilbereichen reduziert und auf eine zus\u00e4tzliche D\u00fcngung verzichtet werden. Aber auch in den W\u00e4ldern l\u00e4sst sich viel erreichen, zum Beispiel durch die Schaffung lichter Strukturen und die Erhaltung von S\u00e4umen. Au\u00dferdem bedarf es einer Verminderung des Eintrags von Stickstoff und Pestiziden in die Lebensr\u00e4ume der Arten.<\/em>&#8220;<\/p>\n<p>Quelle: Pressemitteilung des BfN\/RLZ, 11.12.2025<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die neue Rote Liste der Tagfalter und Widderchen liegt vor, ver\u00f6ffentlicht vom Bundesamt f\u00fcr Naturschutz (BfN) gemeinsam mit dem Rote-Liste-Zentrum (RLZ). 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