Schwer nachzuweisen und selten – Die Pestwurzeule Hydraecia petasitis DOUBLEDAY, 1847

Falter mit versteckter Lebensweise, die nicht auf Licht oder Köder reagieren und deren Raupen ihre Entwicklung im Inneren der Nahrungspflanze durchlaufen, lassen sich nur durch gezielte Nachsuche finden. Die Pestwurzeule gilt als selten. Nachweise gelingen vor allem im späten Frühjahr durch gezielte Suche nach Fraßspuren und Raupen.

Die Gemeine Pestwurz (Petasites hybridus) säumte in der ursprünglichen Landschaft sicherlich die allermeisten Fließgewässer des westfälischen Flach- und Hügellands, besonders in ehemaligen Luch- und Moorlandschaften wie dem Münsterland. Von dieser natürlichen Landschaft ist nach Jahrhunderten der Bewirtschaftung durch den Menschen und der damit einher gehenden Landschaftsumgestaltung nahezu nichts mehr übrig geblieben. Das westfälische Flachland mit seinen fruchtbaren Böden hat es besonders hart getroffen und somit findet man dort heute nur noch ganz sporadisch Bereiche mit intakter Gewässerbegleitvegetation.

Raupe von Hydraecia petasitis, Münster, 3. Mai 2017 (Foto: Frank Rosenbauer)

Die Gemeine Pestwurz ist jedoch die einzige Wirtspflanze des imposanten und hoch spezialisierten Eulenfalters Hydraecia petasitis DOUBLEDAY, 1847. Aufgrund des enormen Verlusts an Pestwurz ist Hydraecia petasitis mittlerweile eine der bedrohtesten Eulenfalter Westfalens und darüber hinaus. Nachweise waren jedoch schon von jeher rar: Neben der Seltenheit liegt das zum großen Teil an der versteckten Lebensweise der Raupen und der Lichtscheue der Falter, die sich scheinbar nur in Ausnahmefällen und nur unmittelbar an den Pestwurzbeständen nachweisen lassen.

Die Raupe verbringt ihr ganzes Leben endophag in den Pestwurzpflanzen. Im Frühjahr bohrt sie sich nach der Eiüberwinterung in die Blütenstiele ein und beginnt sie von oben herab auszufressen. Zu dieser Zeit, je nach Witterung Ende April oder Anfang Mai, ist die Art am besten nachzuweisen, denn äußerlich sind die befallen Pflanzen durch leicht welke Blütenspitzen gut zu erkennen. Später wandert die Raupe in die Blattstiele und schließlich in den Wurzelstock ein, wo sie bis zur Verpuppung im umliegenden Erdreich verbleibt. Die Falter schlüpfen im Spätsommer.

Die letzten Nachweise von Hydraecia petasitis aus dem westfälischen Flachland datieren von 1985 aus den Münsteraner Rieselfeldern. Im letzten Jahr hatte ich mir deshalb bei Münster einen vielversprechenden Pestwurzbestand ausgekundschaftet. Am 3. Mai 2017 war es nun so weit: ich fand einige Pflanzen mit den beschriebenen welken Blütenspitzen und schon im zweiten geöffneten Stil saß eine kleine Raupe. Insgesamt konnte ich 8 Räupchen finden, hatte jedoch das Gefühl jahreszeitlich schon etwas spät dran zu sein weil einige geöffnete Pflanzen ausgefressen und mit typischen Kotspuren, jedoch ohne Raupe waren. Vermutlich waren diese schon in andere Pflanzenteile abgewandert. Diese Vermutung wurde dadurch erhärtet, dass ich beim Abpflücken eines Blütenstiels direkt über dem Boden noch das Ende einer Raupe herausgucken sah. Die eindeutige Artzuordnung der gefundenen Raupen zu Hydraecia petasitis – auch andere Arten können in den Pestwurzpflanzen angetroffen werden – erfolgt eine Häutung später: Die Tiere sind dann schmutzig weiß bis grau mit typisch brauner Kopfkapsel (siehe Bild).

Im nächsten Frühjahr werde ich versuchen, weitere Pestwurzbestände auf das Vorhandensein der Pestwurzeule zu untersuchen. Ich hoffe dieser kleine Bericht spornt auch den ein oder anderen an es ebenso zu tun, damit wir endlich mal ein umfassenderes Bild über die tatsächliche Verbreitung von Hydraecia petasitis in unserem Arbeitsgebiet bekommen. Dabei aber bitte von Misserfolgen nicht entmutigen lassen! Ich bin einen ganzen Tag lang im Sauerland herumgefahren um die Art dort in den noch reichhaltig vorkommenden Beständen der Gemeinen Pestwurz zu suchen, am Ende jedoch völlig erfolglos. Aber so verbringt man zumindest mal einen schönen Tag an der frischen Luft, fernab von Hektik und Stress . . . allein das war die Suche wert.

Literatur und Links

KINKLER, H., NIPPEL, F. & SCHMITZ, W. (1969): Hydraecia petasitis im Bergischen Land (Lep., Noctuidae). Entomologische Zeitschrift, Band 79: 106-110, Stuttgart

Is groot-hoefbladboorder wel zo zeldzaam? – Kartieraufruf der niederländischen Kollegen mit zahlreichen Bildern, Mai 2017

Lepiforum: Hydraecia petasitis DOUBLEDAY, 1847 – Pestwurzeule

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Ein Kommentar zu Schwer nachzuweisen und selten – Die Pestwurzeule Hydraecia petasitis DOUBLEDAY, 1847

  1. P. Stüben sagt:

    Solche Berichte spornen an und gehen weit über das hinaus, was man ansonsten in der Literatur findet. Ein Grund mehr, lieber Armin, das zu kopieren und auch in unsere Rüsselkäfer-homepage zu integrieren (Diebstahl auf diesem Niveau ist „Mundraub“). Biology live – science you can touch – und nicht immer wieder diese langweiligen, wenig motivierenden Faunenlisten auf Papier …
    Da hat man gleich Lust selber mal einen Bericht zu platzieren – versprochen, der kommt!
    Gruß
    Peter

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