
Schmetterling des Jahres 2025: Die Spanische Flagge – Euplagia quadripunctaria (PODA, 1761)
Rheinland-Pfalz, Altenahr. 7. August 2014 (Foto: Tim Laußmann)
Schmetterling des Jahres 2025 ist die Spanische Flagge (Euplagia quadripunctaria). Die BUND NRW Naturschutzstiftung und die Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen e.V. haben den bunten Nachtfalter gemeinsam ausgewählt.
Die Spanische Flagge breitet sich seit einigen Jahren immer weiter nach Norden aus. Das haben Bürger*innen über online-Plattformen dokumentiert. Über Webseiten wie Observation.org und mobile Apps wie ObsIdentify können Naturbegeisterte ihre Beobachtungen schnell per Handyfoto festhalten, und liefern so viele Millionen wichtige wissenschaftliche Daten.
Mit Hilfe der Bevölkerung ergibt sich so eine deutlich verbesserter Kenntnisstand, und auch das Bewusstsein für die lokale Artenvielfalt wird über Citizen Science gefördert.
Die Spanische Flagge ist während seiner Hauptflugzeit im August auch tagsüber aktiv. Ihre Flügel sind schwarz-weiß gemustert, wodurch sie leicht zu bestimmen ist. Dennoch ist die Spanische Flagge zwischen Zweigen und Stängeln nur schwer zu entdecken. Sobald sie auffliegt oder ihre Vorderflügel öffnet, werden die leuchtend orangeroten Hinterflügel sichtbar. Diese Warnfärbung tragen auch etliche weitere der zu den „Bärenspinnern“ (wiss. Arctiinae) gehörenden Arten, sie schützt die Schmetterlinge vor Fressfeinden.
Mit gut fünf Zentimetern Spannweite gehört die Spanische Flagge zu den größeren Nachtfalter-Arten. Beim Betrachten des Falters fällt zuerst die schwarze Grundfarbe mit weißen Zeichnungselementen auf, vor allem die drei großen weißen Streifen, einer vorn und zwei weiter hinten, die je nach Individuum ein V bis Y bilden. Mit diesem Muster ist er im Geäst oder Gewirr von Stängeln hoher Stauden gerade bei Sonnenlicht gut getarnt. Wenn er allerdings auffliegt oder die Vorderflügel spreizt, sieht man die orange-roten, selten auch gelben Hinterflügel mit schwarzen Flecken. Auch der Leib ist rot-orange mit schwarzen Flecken. Die rote Farbe dient der Warnung, denn Fressfeinde wie Vögel schrecken einen Augenblick zurück und geben dem Falter damit genug Zeit zur Flucht. Das kann für den Vogel auch von Vorteil sein, denn wie viele Bärenspinnerarten enthält die Körperflüssigkeit des Falters Giftstoffe.
Wasserdost ist die Lieblingspflanze zum Nektarsaugen
Als Nektarpflanze bevorzugt die Spanische Flagge den Gewöhnlichen Wasserdost (Eupatorium cannabinum). Sie findet aber auch an vielen anderen Blüten Nahrung. Mit einer Flügelspannweite von etwa fünf Zentimetern gehört sie zu den größeren Nachtfaltern Europas. Die Spanische Flagge lebt vor allem in strukturreichen Landschaften mit Hecken, Waldrändern und blütenreichen Wiesen, die durch Flächenverbrauch und intensive Landwirtschaft bedroht sind. Die Schmetterlinge kommen auch in naturnahen Gärten vor.

Raupe der Spanischen Flagge – Euplagia quadripunctaria (PODA, 1761)
Rheinland-Pfalz, Reil/Mosel, 23. Mai 2015 (Foto: Tim Laußmann)
Dieser Nachtfalter ist nicht nur nachts unterwegs, sondern auch tagaktiv! Im August, zu seiner Hauptflugzeit, kann man ihn im Sonnenschein an Rändern von Waldwegen, an Säumen von Wäldern oder Gebüschen, am Ufer von Bächen und Gräben oder in ehemaligen Steinbrüchen sehen, wenn er an seinen Lieblingspflanzen Nektar saugt. Denn dieser Bärenspinner hat, anders als etliche seiner Verwandten, einen gut entwickelten Saugrüssel. Der Gewöhnliche Wasserdost als auffällige und bis mannshoch wachsende Staude ist nicht zu übersehen. Es lohnt sich, an den Blüten nach dem Falter zu schauen – wenn man ihn nicht schon umherfliegen sieht und vielleicht zunächst an einen Tagfalter denkt. Er ist jedoch nicht auf den Wasserdost beschränkt – er nutzt auch viele andere Blütenpflanzen und kommt gerne in Gärten mit entsprechendem Angebot.
Rasante Ausbreitung nach Norden
Durch die höheren Temperaturen aufgrund der Klimakrise breiten sich viele wärmeliebende Schmetterlingsarten nach Norden und in höhere Lagen aus. Galt Euplagia quadripunctaria früher als seltener und gefährdeter Bewohner der Wärmegebiete vor allem Süddeutschlands, kommt er inzwischen auch in höheren Lagen und weiter nördlich vor. Die derzeitige nördliche Verbreitungsgrenze liegt in etwa vom Niederrhein über den Harz bis nach Berlin, und verschiebt sich ständig weiter nach Norden.
In den Nachbarländern sieht es ähnlich aus. Die Niederlande weisen Funde bis in die Höhe von Amsterdam auf. In England war der „Jersey Tiger“ bis vor wenigen Jahren auf die Kanalinseln und Teile der Südküste beschränkt. Heute ist der Süden gut besiedelt und Mittelengland erreicht. Generell reicht das Verbreitungsgebiet von Spanien über Süd- und Mitteleuropa, ostwärts bis an den Ural und im Südosten über Kleinasien bis in den Iran.
Die Verbreitung konnte durch das Engagement zahlreicher Bürgerwissenschaftler*innen quasi in Echtzeit dokumentiert werden. Digitale Werkzeuge wie die Plattform Observation.org und die App ObsIdentify ermöglichen es Naturbegeisterten, Funde schnell per Handyfoto zu bestimmen und so wichtige wissenschaftliche Daten bereitzustellen.

Spanische Flagge – Übersichtskarte der aktuellen Verbreitung. Grafik: Sofie Beckerbauer
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Der Klimawandel begünstigt die Ausbreitung
Warum expandiert Euplagia quadripunctaria in Mitteleuropa so stark? Haupttreiber ist sicherlich die globale Erwärmung. Die steigenden Temperaturen befähigen etliche wärmeliebende Falterarten dazu, ihr Areal nach Norden und in die Höhe zu erweitern. Euplagia quadripunctaria ist dabei ein besonders eindrucksvolles Beispiel – das Auftauchen des großen Falters wird bemerkt, er ist leicht zu bestimmen, die Ausbreitung geschieht schnell. Das ist „Klimawandel zum Anfassen“. Dass zugleich viele weitere einheimische Arten abnehmen oder gar verschwinden, geschieht schleichend und im Verborgenen.























