Selten und schön – die Wiesenrauten-Goldeule Lamprotes c-aureum (Knoch, 1781)

Die Wiesenrauten-Goldeule gehört zu den seltensten Eulenfaltern Nordwestdeutschlands. Ein erneuter Nachweis im Münsterland an der Ems lässt uns hoffen, dass dort eine dauerhafte Besiedlung der versteckt lebenden Art besteht.

Ein guter Freund aus Brandenburg sagte mir einmal: „Alles, was als Raupe an Wiesenraute lebt, ist schön.“ Gerade bei der sehr hübschen Wiesenrauten-Goldeule Lamprotes c-aureum (Knoch, 1781) hat er damit mehr als recht.

Lamprotes c-aureum

Lamprotes c-aureum Männchen aus den Emsauen nördlich Münster,
10. Juli 2026 (Foto: F. Rosenbauer)

Vor nunmehr zwölf Jahren konnte ich gemeinsam mit Jochen Kostewitz Lamprotes c-aureum in den Emsauen nördlich von Münster überraschenderweise nachweisen. Es handelte sich damals um den Erstfund an der Ems und den Wiederfund für Nordrhein-Westfalen sowie das gesamte nordwestliche Deutschland (Rosenbauer & Kostewitz 2014). Die Wiesenrauten-Goldeule lebt monophag an Wiesenrauten-Arten, in unserem Gebiet vermutlich ausschließlich an der Gelben Wiesenraute (Thalictrum flavum) teils oder vollständig beschatteter Standorte in Flußauen und Bruchwaldgebieten.
Aus Nordrhein-Westfalen liegen insgesamt nur wenige vereinzelte Funde vor. Aber auch außerhalb Nordrhein-Westfalens ist die Art äußerst selten: In Rheinland-Pfalz, wo sie klassischerweise aus den Auwäldern des Oberrheins bekannt ist, stammt der letzte dokumentierte Fund aus dem Jahr 2011 (siehe Online-Karte im Melanargia – Schmetterlingsportal). Insgesamt ist Lamprotes c-aureum daher nicht nur eine ausgesprochen attraktive, sondern auch eine sehr lokal vorkommende und durch Veränderungen natürlicher Flussauen stark gefährdete Art.
Seit 2014 war uns kein erneuter Nachweis in den Emsauen gelungen, und ich habe auch von keinem Fund durch andere Entomologen gehört. Ich befürchtete deshalb, dass es sich bei den damals registrierten zwei Faltern lediglich um eine vorübergehende, transiente Besiedlung gehandelt haben könnte.
Am vergangenen Freitag (10.07.2026) gelang mir an derselben Stelle schließlich doch der erneute Nachweis eines Falters am Licht (siehe Foto). Damit kann nun davon ausgegangen werden, dass an der Ems tatsächlich eine dauerhafte Besiedlung besteht.
Da die Falter nur schlecht ans Licht kommen (siehe Steiner in Ebert, 1997), lässt sich die Populationsgröße und die tatsächliche Ausdehnung des Vorkommens an der Ems durch Lichtfang kaum abschätzen. In den kommenden Jahren wird es daher notwendig sein, gezielt nach den Raupen zu suchen – eine Aufgabe, die vermutlich nicht einfach werden dürfte. Zum einen ist der Standort inzwischen deutlich schlechter erreichbar, da ein früherer Weg mittlerweile mannshoch zugewachsen ist. Zum anderen leben die Raupen vor allem innerhalb beziehungsweise am Rand von Bruch- und Auwäldern, die an dieser Stelle nur noch sehr rudimentär vorhanden sind. Somit vermute ich, dass die Raupen an der Ems an Wiesenrauten-Pflanzen in Hochstaudenfluren an Weidengürteln oder anderer Gehölzstrukturen leben, die aufgrund der Bodenfeuchte und des starken Brennnesselbewuchs nur recht mühselig zu untersuchen sind.
Es bleibt also spannend, ob der Nachweis der Raupen gelingt und sich dadurch ein genaueres Bild über die Größe und den Zustand dieser bemerkenswerten Population an der Ems gewinnen lässt.

Literatur + Links

Rosenbauer, F. & Kostewitz, J.: Aktuelles Vorkommen der Wiesenrauten-Goldeule Lamprotes c-aureum (KNOCH, 1781) in Nordrhein-Westfalen (Lep., Noctuidae) – Melanargia 26 (4): 177-181

Ebert, G. (Hrsg.) (1997): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 6: Nachtfalter IV. Eulen (Noctuidae) 2. Teil. Stuttgart (Eugen Ulmer): ISBN 3-8001-3482-9.

Online-Karte von Lamprotes c-aureum im Melanargia – Schmetterlingsportal: https://portal.melanargia.de/Lepi/EvidenceMap.aspx?Id=449561

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