Vorstand und Museumslandschaft im Wandel

Die Mitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft in Bonn hat einige neue Gesichter in den Vorstand gewählt: Wir begrüßen Tim Laußmann, Daniel Müller und Jörg Siemers als neue Beisitzer, Brigitte Schmälter übernimmt das Amt des Finanzvorstandes von Klaus Hanisch. Der Rest des Teams wurde -wie gewohnt einstimmig – wiedergewählt. Zu dem Treffen wird es in Kürze noch einen Extra-Bericht geben. Vorab aber schon mal eine Information vom Rande der Tagung, die für die meisten doch ein wenig überraschend kam: Das Zoologische Forschungsmuseum Alexander Koenig  (ZMFK) in Bonn ist mit dem Centrum für Naturkunde (CeNak) der Universität Hamburg zusammengeführt worden. 

Aber das wichtigste zuerst: Durch die drei neuen Mitglieder im Vorstand ist dieser insgesamt stark verjüngt worden, den größten Anteil daran hat der erst 24-jährige „Mister Apollo“ Daniel Müller.

Von links: Daniel Müller (24), Jörg Siemers (58), Tim Laussmann (52)

Die drei „Neuen“ sind natürlich keine Unbekannten und engagieren sich zum Teil seit vielen Jahrzehnten in Schmetterlingsschutz und -forschung. Antrieb und Sachkunde stehen außer Zweifel – wir wünschen Euch viel Erfolg und danken vorab fürs Engagement! Brigitte Schmälter, auf der Sitzung schon mal als „Alter Hase“ tituliert, ist die erste Frau im Vorstand der Arbeitsgemeinschaft, auch ihr viel Erfolg!

Jetzt aber zur Neuordnung der Museumslandschaft, der Zusammenlegung des ZFMK mit dem Naturkundemuseum Hamburg: Die Nordrhein-Westfälische Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen, die auch schon mal Referentin bei der Behörde für Wissenschaft und Forschung in Hamburg war, lässt sich zu dem Thema so zitieren: „Die dadurch entstehenden Synergien werden die internationale Sichtbarkeit und Konkurrenzfähigkeit des erweiterten Forschungsmuseums wesentlich erhöhen und damit die starke Stellung des Wissenschaftsstandorts Bonn weiter ausbauen.

Die Sammlung des Museums Koenig Bonn (ZFMK) ist einzigartig. (Foto: Laußmann)

Auf den angekündigten „Meilenstein für Naturkunde“ dürfen wir gespannt sein. In der freien Wirtschaft haben die bei Fusionen entstehenden Synergien normalerweise einen einfacheren Hintergrund: Es sollen Kosten gespart werden. Was da genau „verwoben“ werden soll ist mir nicht so klar. „Vernetzungen der Infrastruktur“ bedeuten im Unternehmensdeutsch meist langjährige EDV-Probleme. Aber man soll ja nicht immer gleich meckern, vielleicht bekommen wir ja irgendwann noch Hintergrundinformationen und alles wird besser. Geld für allerlei Neubauten und Renovierungen scheint auf jeden Fall schon mal vorhanden zu sein (s.u.), vielleicht treffen wir uns dann zukünftig in Bonn-Poppelsdorf.  Hier der Original-Text der Pressemitteilung vom Juli 2021. Macht Euch selbst ein Bild. Kommentare erbeten!

Start des LIB in Hamburg und Bonn

Das zukünftige Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels (LIB) mit den Standorten Bonn und Hamburg nimmt heute offiziell seinen Betrieb auf. Mit Inkrafttreten des Staatsvertrages zwischen Nordrhein-Westfalen und der Stadt Hamburg wird das Centrum für Naturkunde (CeNak) der Universität Hamburg mit dem Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig – Leibniz-Institut für Biodiversität der Tiere in Bonn zusammengeführt. Kernaufgabe des LIB wird es sein, gemeinsam standortübergreifend den globalen Biodiversitätswandel zu erforschen und die Erkenntnisse aufklärend in die breite Gesellschaft zu tragen.

Prof. Dr. Bernhard Misof, Generaldirektor LIB: „Mit dem LIB und seinen Museen in Bonn und Hamburg bekommen wir die Chance, als Leuchtturm exzellenter, sammlungsbasierter Forschung in die Gesellschaft hinein zu strahlen. Wir erarbeiten standort- und themenübergreifend Wissen und Orientierungshilfen zur Bewältigung großer gesellschaftlicher Herausforderungen wie dem fortschreitenden Verlust der biologischen Vielfalt und Umweltveränderungen auch durch Klimaerwärmung. Zu diesen und weiteren Themen möchten wir mit den Bürgerinnen und Bürgern in den Austausch kommen und unser Leitziel „Biodiversität im Dialog“ leben. Wir alle können uns sehr auf neue Möglichkeiten freuen, Forschung, Sammlung, Ausstellung und Vermittlung eng miteinander zu verweben und gemeinsam an einer ganz neuen Form eines Forschungsmuseums mitzuarbeiten.“

Mit dem Start des LIB sind umfassende Investitionen in die Vernetzung der beiden Standorte und die Erneuerung der Infrastruktur geplant, um eine exzellente standortübergreifende Forschung zu ermöglichen. Bis 2027 werden rund 90 neue Stellen geschaffen, die meisten davon am Standort Hamburg. Dafür stellen der Bund und die Länder jeweils zur Hälfte für die Erweiterung im Endausbau jährlich 8,8 Millionen Euro zusätzlich bereit. Darüber hinaus engagiert sich das Land Hamburg insbesondere für museale Aufgaben mit rund 3 Mio. Euro jährlich. Die Ergebnisse des neuen LIB sollen an beiden Standorten der breiten Öffentlichkeit präsentiert werden. Hierfür plant die Stadt Hamburg ein neues Naturkundemuseum. Die genaue Standortfrage ist noch offen und soll behördenübergreifend beraten werden. Am Standort Bonn soll das Gebäude des Museums Koenig renoviert werden. Zudem wird derzeit am Standort Bonn-Poppelsdorf ein neues Forschungsgebäude für das ZFMK gebaut.

 

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Aktion borelii: Wunderbare Funde in Schloßböckelheim an der Nahe

Karte des Nahegebiets westlich von Bad Kreuznach. Die blauen Linien zeigen die Grenzen der Meßtischblätter 6112 / 6212. Rote Markierung: der Felsenberg. © opentopomap (CC BY-SA 3.0)

Seit 20 Jahren pflegt die Arbeitsgemeinschaft einige faunistisch herausragende Flächen an den Nahe westlich von Bad Kreuznach. Mit fast 1300 nachgewiesenen Lepidopteren-Arten ist der Felsenberg Spitzenreiter in unserem Arbeitsgebiet. Bei goldenem Oktoberwetter wurde 2021 die „untere Pflegefläche“ gründlich entbuscht. Ohne Pflege wären die meisten der Trockenrasen an den Nahehängen schon vom Wald überwuchert.

Endlich wieder eine Aktion an der Nahe, fast wie in guten alten Vor-Corona-Zeiten! Nachdem im vergangenen Jahr der Pflegeeinsatz ausgefallen war, in diesem Frühjahr auch nichts stattfinden konnte, rief Heinz Schumacher jetzt wieder zum Arbeitseinsatz auf – und konnte 12 Aktive meist von weit her anlocken!

Bilder vom Einsatz und Drumherum

Wegen schwankender Wetteraussichten begann ein kleiner Trupp unter der Leitung von Heinz Schumacher bereits am Freitagnachmittag mit den Arbeiten. Es kamen im unteren Bereich der unteren Pflegefläche vor allem die Freischneider zum Einsatz. In den zweieinhalb Jahren seit unserer letzten Aktion dort war der Schlehen-Aufwuchs auf dieser südexponierten, steilen Fläche nach den extrem warm-trockenen letzten Jahren zwar nicht besonders hoch, aber doch dicht und kräftig. Der Herbst ist keine günstige Zeit, um die Schlehen zu schwächen, aber 2021 ging es halt nicht anders. Im nächsten Jahr werden wir dann sehen, in wieweit sie schon wieder ausgetrieben sind.

Plötzlich dichte Rauchwolken, die naheaufwärts hinter der nächsten Flußbiegung hervorquollen, begleitet von den Martinshörnern der aus allen Richtungen anrückenden Feuerwehren: Brannte etwa einer der Hänge? Wie sich später herausstellte, waren wohl durch Brandstiftung 120 Heuballen in Flammen aufgegangen, konnten aber mit vereinten Kräften gelöscht werden.

Der Brandgeruch stieg uns noch den ganzen folgenden Leuchtabend in die Nase. Da war es schon besser, sich auf das Konzert der Weinhähnchen (Oecanthus pellucens) zu konzentrieren! An Licht und Köder konnten zudem viele seltene Arten, die in diesem herausragenden Gebiet ein Refugium haben, bewundert werden. Eine gelungenes Jubiläum – schließlich engagiert der Verein sich seit nunmehr 20 Jahren für den Erhalt der wertvollen Habitate am Felsenberg.

Faunistische Raritäten

Am Samstag wurde im oberen und in den randlichen Bereichen von Hand noch einzeln stehender Gehölz-Aufwuchs herausgenommen, auch von Ginster, Brombeeren und ausläufertreibenden Rosen, und das Schnittgut von der Fläche weggetragen. Der Nachmittag ging dann bei bestem Wetter nahtlos in die Beobachtung interessanter Arten über – ob Italienische Schönschrecke Calliptamus italicus, Rote Röhrenspinne Eresus collari oder Gottesanbeterin Mantis religiosa, es gibt eine wunderbare Welt auch außerhalb der Lepidopteren-Fauna!

Auf einen Pflegeeinsatz auf einer anderen Fläche haben wir  verzichtet – der Aufwuchs dort war sehr viel begrenzter, und wir hätten vermutlich mehr Flurschaden durch das Betreten verursacht als dem Schmetterlingsschutz gedient.

An beiden Nachmittagen kam der Austausch untereinander – und teilweise überhaupt erst einmal das Kennenlernen – nicht zu kurz. Dabei durften wir den köstlichen Kuchen verspeisen, den Frau Schumacher gebacken und ihrem Mann mitgegeben hatte oder den am nächsten Tag das Ehepaar Dahl mitbrachte.

Spannend und für manche der „neueren“ Mitglieder auch eine Herausforderung wurden die Leuchtabende. Das Wetter spielte mit, es war warm und bedeckt, der Wind hatte sich gelegt, also ideale Bedingungen. Die Artenvielfalt selbst Anfang Oktober ist berauschend, so viele Seltenheiten!

Ganz besonders freuten wir uns über insgesamt fünf Individuen der Haarstrangeule Gortyna borelii. Diese FFH-Art ist nach den Anhängen II und IV der FFH-Richtlinie der EU besonders geschützt und eine der Zielarten unserer Pflegeanstrengungen. Sie wurde im Meßtischblatt 6112 Waldböckelheim zuletzt im Jahr 2012 nachgewiesen, im unmittelbar südlich am Felsenberg anschließenden MTB Meisenheim zuletzt 2017. Obwohl etwa Martine Goerigk im den letzten Jahren schon mehrere Versuche unternommen hatte, die Art während ihrer Flugzeit zu Gesicht zu bekommen, war ihr das bisher nicht gelungen. Es waren schon Sorgen aufgekommen …. Doch nun gleich fünf Tiere am Licht, das kann sich sehen lassen! Die nächstgelegenen Fundorte der in Deutschland vom Aussterben bedrohten (RL 1, siehe Literaturangabe) Haarstrangeule liegen entlang des Rheins südlich von Mainz. Dort wächst die Nahrungspflanze der borelii-Raupe, der Echte Haarstrang, allerdings in einem völlig anderen Lebensraum, nämlich in den Auenwiesen und an den Hochwasserdeichen entlang des Rheins (vgl. ERNST, 2005)

Auch die übrige Artenliste ist teils ein Who is who der Raritäten: ob der Dunkle Schmuckspanner Crocallis tusciaria, die Mittelrheintal-Frühherbsteule Ammoconia senex, die Graslilieneule Episema glaucina, die Ockerbraune Herbsteule Agrochola laevis, die Dunkelbraune Brombeereule Dysgonia algira oder das sich weiter ausbreitende Purpur-Prachteulchen Eublemma purpurina, das jetzt erstmals auch an der Nahe nachgewiesen wurde. Durch seine schiere Größe allein beeindruckte der Windenschwärmer Agrius convolvuli.

Zu den Funden an Köder und Licht kamen noch zahlreiche Tagfalterfunde und Raupennachweise, etliche Blattminierer und  Sackträgermotten (Coleophoridae) wurden beobachtet, so dass wir insgesamt bisher mehr als 110 Arten von dem Wochenende zusammentragen konnten, davon immerhin 90 „Makros“ inklusive der Tagfalterarten. Einige Mithelfer haben ihre Funde in Observation.org eingegeben, dort können sie inklusive weiterer Belegfotos sowie der „Beifänge“ eingesehen werden.

Tolle Beifänge

Lange Artenlisten mit vielen seltenen Arten sind eine schöne Bestätigung für 20 Jahre kontinuierlicher Betreuung der Fläche durch unseren Verein. Denn im Januar 2001 konnte Heinz Schumacher eine Vereinbarung mit der Gemeinde über die Pflege der Flächen erreichen und die Maßnahmen starten. Ziel ist es, die Verbuschung der blütenreichen, mageren und trockenen Felskuppen zu stoppen und den Lebensraum besonders seltener, vom Aussterben bedrohter Arten wie etwas der Haarstrangeule zu erhalten.

Ein gelungenes Wochenende, allenthalben wird viel Lob verteilt und Vorfreude auf den nächsten Einsatz kundgetan! Ein Großes Dankeschön an alle Helfer, und alle die unter dem Stichwort „Aktion borelii“ ihre Bilder für diesen Beitrag zur Verfügung gestellt haben!


Literatur:

ERNST, M. (2005): Verbreitung der Haarstrangwurzeleule (Gortyna borelii Pierret 1837) in Hessen. Naturschutz und Landschaftsplanung 37 (12): 376-383

Wachlin, V. & R. Bolz (2012): Rote Liste und Gesamtartenliste der Eulenfalter, Trägspinner und Graueulchen (Lepidoptera: Noctuoidea) Deutschlands. Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (3), 197-239.

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Sackträgermotte an Spiersträuchern: Coleophora spiraeella REBEL, 1916

Coleophora spiraeella REBEL, 1916, Raupensack an Spiraea x vanhouttei. Duisburg, 22. September 2021 (Foto: Willi Wiewel)

Spiersträucher stehen in vielen Gärten und Parks. Einige sind von Kleinschmetterlingen „befallen“. Mit ein wenig Glück und Ausdauer kann jede(r) seine persönliche Lepidopteren-Checkliste erweitern.

September ist DIE Zeit für die Fraßspuren- und Minensuche nach Kleinschmetterlingen. Eine bisher nur selten gemeldete Art ist die Spierstrauch-Sackmotte – Coleophora spiraeella REBEL, 1916, über deren Verbreitung im Arbeitsgebiet wir nur sehr wenig wissen. Im Faunenband über die Coleophoriden (Band 7 der Lepidopterenfauna der Rheinlande und Westfalens) ist die Art jedenfalls (noch) nicht aufgeführt. Aktuell haben verschiedene Kollegen in einer regionalen Whatsapp-Gruppe auf die Art aufmerksam gemacht, deshalb an dieser Stelle der Aufruf, einmal die Umgebung nach der Spierstrauch-Sackmotte abzusuchen.

Raupensäcke und Fraßspuren der Art finden sich offenbar an verschiedenen Spiersträuchern, zum Beispiel an der Prachtspiere (Spiraea x vanhouttei) und der Kolbenspiere (Spiraea x billardii)  Die letztere Form steht mit auffälligen fliederfarbigen Blüten in vielen Parks und Gärten. Weiterlesen

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Trauermantel-Einflug aus Nordeuropa

Hier nur ein kurzer Hinweis auf ein aktuell interessantes Phänomen: Die Wetterlage Ende August war geprägt von einer ungewöhnlich lange anhaltenden Nord-Strömung. In der Folge sind offenbar in großer Zahl Falter vom Trauermantel Nymphalis antiopa in den Norden der Niederlande gelangt, und auch in Nordrhein-Westfalen gab es nach etlichen Jahren ohne Nachweise mal wieder Funde:

Trauermantel (Nymphalis antiopa), Recke, 4. September 2021 (Foto: Sieglinde Pietsch)

Beim Schmetterlingskurs am Heiligen Meer in Recke, an der Grenze zu Niedersachsen,  konnten die Teilnehmer am 4. September 2021 einen Falter beobachten und sogar in ein Glas sperren, der zusammen mit etlichen Admirälen (Vanessa atalanta) auf dem Boden an heruntergefallenen Vogelkirschen saugte. Der ziemlich zerfledderte Falter hatte offenbar schon ein bewegtes Leben hinter sich. Ein weiteres Tier wurde aus Hünxe gemeldet.

Nachweise vom Trauermantel in den Niederlanden, Quelle: waarneming.nl

Die Recherche in den Internetportalen der Nachbarländer Holland und Belgien ergab für den Zeitraum seit dem 23. August  2021 eine erstaunliche Anzahl von 93 Nachweisorten in den Niederlanden, ab dem 27. August ´21 wurden bislang aktuell sechs weitere Plätze aus Belgien gemeldet. Auch der auf Helgoland beobachtete Falter dürfte auf diesen Einflug aus Norden zurückgehen. Auf Facebook geistern weitere Meldungen aus Schleswig-Holstein herum, an Stellen wo der Falter sicher nicht bodenständig ist.

Vielleicht gibt es weitere Beobachtungen, die am besten in den gängigen Internetportalen (observation.org, naturgucker.de etc.) eingetragen werden sollten, damit sie nicht verloren gehen. Haltet die Augen offen!


[Nachtrag Stand 15.9.2021: auch am 6. September wurde am Heiligen Meer ein Falter beobachtet, das Bild legt nahe dass es sich um ein zweites Exemplar gehandelt hat. Weitere Nachweise liegen aus Detmold, Altenbeken, Krefeld, Solingen und Bad Zwischenahn (westlich von Oldenburg, Nds.) vor]

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Mikro-Suchtipp: Saftschlürfermotte an der Pappel

Die Minen der Pappel-Schneckenmotte Phyllocnistis extrematrix sind aktuell relativ leicht zu finden. Die weiten, leeren Flächen auf der Verbreitungskarte könnten sich bald mit hübschen dunkelbraunen Quadraten füllen. 

Die zu den Gracillariidae gestellte Unterfamilie Phyllocnistinae (Saftschlürfermotten) sind in Deutschland mit acht Arten vertreten, sieben davon minieren als Raupe an verschiedenen Salix– und Populus-Arten. Weiterlesen

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Erst kommt der Regen, dann der Bär

Brauner Bär – Arctia caja. Schmetterling des Jahres 2021. (Foto: Martine Goerigk)

Der lange geplante Leuchtabend im Vorderen Westerwald wäre fast ins Wasser gefallen. Aber nur fast! Trotz einiger Regentropfen zwischendurch und leichten Windböen kamen doch etliche Nachtfalter zum Licht und an die  Köder. Die Exkursion zum „Schmetterling des Jahres“ blieb für die Expertenaugen übersichtlich, das Publikum war trotzdem zufrieden.

Gespannt hatten wir die Wetterberichte verfolgt, die sich die ganze Woche über von Tag zu Tag verbessert hatten – um dann im letzten Moment doch noch umzuschlagen und vor Starkregen zu warnen. Dennoch waren einige Unentwegte mit ihren Leuchttürmen und Köderstreifen angerückt und warteten das plötzlich aufziehende heftige Gewitter erst mal im Auto ab.

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Thaumatotibia leucotreta (Meyrick, 1913) (Tortricidae; Lepidoptera) ein ungebetener Gast – mit dem Potenzial zum Daueraufenthalt in Deutschland?

Thaumatotibia leucotreta (Meyrick, 1913) (♂): Deutschland, Nordrhein-Westfalen, Bottrop, 2. September 2020; leg. det. und GU. Monika Weithmann.

Durch die Globalisierung der Produktion und des Handels mit Nahrungsmitteln und Pflanzen werden auch leicht Schädlinge von Kontinent zu Kontinent übertragen. Sind dann die Lebensbedingungen für den Neuankömmling in der neuen Heimat optimal, kann sich die Art etablieren und große Schäden in der einheimischen Flora anrichten. Als Beispiele in den letzten 15 Jahren können hierfür der Buchsbaum-Zünsler Cydalima perspectalis (Walker, 1859) oder auch die Kirschessigfliege Drosophila suzukii (Matsumura, 1931) dienen.

Die Wickler-Art Thaumatotibia leucotreta (Meyrick, 1913), deren Ursprungsheimat in Afrika südlich der Sahara liegt, wurde in den letzten Jahren in Europa immer wieder vereinzelt nachgewiesen. Die Art hat das Potential sich langfristig in Europa, besonders im Süden, in den Obst- und Gemüseplantagen sich zu etablieren. T. leucotreta lebt polyphag an den unterschiedlichsten Pflanzenteilen und ist auch nicht wählerisch bei den einzelnen Pflanzenfamilien. So wurde die Art unter anderem in unterschiedlichsten Citrus spp. (z.B. Zitronen und Orangen), in Capsicum spp. (z. B. Paprika und Chili), in Getreide (Mais und Hirse), in Rosaceaen (z.B. Pfirsiche und Rosen), Malvaceaen (z. B. Hibiscus, Baumwolle, Okraschoten), Quercus ssp. (Eichen) sowie in Coffea spp. (Kaffee) oder in Olea europaea (Oliven) nachgewiesen. Van der Geest et al. (1991) führte in seiner Veröffentlichung 50 Pflanzenarten in 30 Familien auf. T. leucotreta gilt weltweit als gefürchteter Schädling und wurde auch von der Europäischen Union in der Liste der 20 Quarantäne-Schädlinge aufgenommen. Weiterlesen

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Apollofalter, Verbuschung und Präsenz

Kleiner Schillerfalter – Apatura ilia, Pommern, 28. Juni 2021 (Foto: Dahl)

Die neueste Ausgabe der Melanargia liegt in den Briefkästen oder bereits auf Euren Tischen, 64 Seiten stark und dicht gepackt mit faunistischen Informationen. Wer gedacht hatte, die Schmetterlingsforschung würde mangels Nachwuchs aussterben, der lag gründlich daneben.

Momentan wächst eine ganze Generation hervorragend ausgebildeter und mit reichlich Geländeerfahrung gesegneter Menschen heran, die das „Geschäft“ übernehmen werden. Seit vielen Jahrzehnten von besonderem Interesse ist der Zustand der Populationen des Apollofalters an der Untermosel. „Mister Apollo“ ist aktuell der aus Lehmen stammende Daniel Müller, Jahrgang 1996 (!), der sich schon sein halbes Leben professionell mit den Faltern der Untermosel beschäftigt. Dessen ausführliche Aufarbeitung der Fundortlage lesen wir mit gemischten Gefühlen: Der Apollo, DAS Aushängeschild unserer Arbeitsgemeinschaft, ist in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen. Weiterlesen

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