Die Mitgliederzahl ist stabil bis steigend, des Vereins ist auch für Jüngere anscheinend attraktiv. Die Kasse ist gut gefüllt, ebenso der Veranstaltungskalender für die laufende Saison. Das ist die ganz kurze Zusammenfassung der 2026-er Mitgliederversammlung des Melanargia e.V. in Bonn.
Aber der Reihe nach: Am 22. März 2026 versammelten sich knapp 40 Mitglieder und eine Handvoll Gäste im Vortragssaal des Koenig-Museums in Bonn. Der Vormittag gehörte den üblichen Regularien des Vereins, unter anderem: Bericht des Vorstandes, Kassenstand und -prüfung, kleine Satzungsanpassungen. Alle Abstimmungen verliefen ohne Gegenstimmen. Wichtig vor allem der sehr gute Füllstand der Vereinskasse und die Entlastung des Vorstandes.
Manuel König vom Löbbecke-Museum Düsseldorf wurde in Abwesenheit in den Vorstand des Vereins gewählt. Brigitte Schmälter berichtete über die Entwicklung der Vereins-Datenbank und den starken Zuwachs der Online-Zulieferungen. Dazu stellte der 1. Vorsitzende Tim Laußmann noch einmal ausführlich die unappetitlichen juristischen Spitzfindigkeiten um die letzten Vorkommen des Apollofalters an der Mosel vor.
Davon lässt sich aber der Verein nicht wirklich beeindrucken: Schon im April ´26 gibt es zahlreiche Veranstaltungen von Vereinsmitgliedern, öffentliche Leuchtaktionen, Exkursionen in spannende Gebiete und vieles mehr, nachzulesen auf der Terminseite des Vereins
Mindestens ebenso wichtig wie die Tagesordnung sind bei einer solchen Veranstaltung die Pausen. Das Arbeitsgebiet des Melanargia e.V. ist riesig, die meisten Mitglieder können sich nur selten direkt austauschen, oder überhaupt erst mal kennenlernen. Und so wurde in der Mittagspause bei Plätzchen und Kaffee ausgiebig gefachsimpelt, Belege und Literatur getauscht und auf neudeutsch „Networking“ betrieben. Extra aus den Niederlanden angereist war der Micro-Experte Tymo Muus, der im Vorraum sein zweibändiges druckfrisches Buch vorstellte. „Handboek Motten – Alle microvlinders van Nederland en België„ wird sicher einen prominenten Platz in meinem Bücherregal finden!
Der Nachmittag bot dann interessante Vorträge zu verschiedenen Themen:
- Steffen Caspari, Chef des Rote-Liste-Zentrums in Bonn, berichtete über die neue Rote Liste der Tagfalter und Widderchen. Den Schmetterlingen geht es schlecht, den Biotopspezialisten noch schlechter: Von den 207 in Deutschland etablierten Arten und Unterarten sind mittlerweile fast die Hälfte gefährdet oder bereits ausgestorben
- Bernhard Theißen von der Biologischen Station Aachen stellte das LIFE Projekt „Patches & Corridors“ vor, hier wurden und werden mit großem Engagement und Aufwand im Grenzgebiet zu Belgien Lebensräume nicht nur für den Blauschillernden Feuerfalter Lycaena helle wiederhergestellt und gepflegt.
- Anschließens stelle Peter Grobe vom Museum Koenig das Projekt LEPMON vor: Eine beleuchtete Fläche mit einer angebauten Kamera erfasst die anfliegenden Nachtfalter, die Daten werden automatisch ausgewertet: Die Künstliche Intelligenz nimmt in der Feldforschung mittlerweile breiteren Raum ein. Aktuell werden allerdings noch Experten gesucht die die Algorithmen trainieren.
- Den Schlusspunkt setze Max Schiefer mit der Vorstellung seiner Arbeit über die Tagfalter von Bonn. Beim Vergleich mit Altdaten aus seinen Untersuchungsflächen fällt der hohe Verlust an ausbreitungsschwachen Arten auf, selbst bei den weniger empfindlichen Falterarten sind Massenwechsel und Rückgang der Individuenzahlen zu verzeichnen.
Bei schönstem „Heldenwetter“ einen ganzen Tag hinter heruntergelassenen Läden in einem Vortragssal zu sitzen – nicht schön, aber die Tagung war trotzdem spannend und notwendig. Der Verein hat die Nebenwirkungen der Corona-Epidemie anscheinend unbeschadet überstanden.
Unser Dank gebührt Marianne Espeland und Svenja Ahlborn vom Centre for Taxonomy and Morphology Museum Koenig (ZFMK), für die Organisation und die Bereitstellung des Vortragssaales!
P.S.
Das Museum Koenig Bonn (LIB) sucht enthusiastische ehrenamtliche Mitarbeiter für die Lepidoptera-Sammlung. Die Schmetterlingssammlung umfasst weit über 2,5 Millionen Exemplare von Tag- und Nachtfaltern aus Deutschland und der ganzen Welt. Die Aufgaben können individuell mit jedem Ehrenamtler abgesprochen werden und umfassen ein breites Spektrum:
– Digitalisierung der Fundortdaten: Einpflegen der auf den Etiketten der Tiere aufgeführten Daten in Excel-Dateien
– Schädlingskontrolle
– Bei vorhandener Expertise gerne auch die Bestimmung des vorhandenen Materials
– Umstecken der Tiere aus mangelhaften Kästen in neue Kästen mit modularem Schachtelsystem
– Fotografie von Genitalienpräparaten/Faltern zur Digitalisierung der Sammlung
Gerne können auch weitere Aufgaben, die hier nicht aufgeführt sind, abgesprochen werden.
Bei Interesse kontaktiert bitte direkt die Kuratorin Dr. Marianne Espeland (m.espeland@leibniz-lib.de).



















