Wetterfest und wenig beobachtet: Der Herbst-Kreuzflügel – Alsophila aceraria

Lichtfang bei Hundewetter, und das nach dem Nikolaustag, macht das Sinn? Natürlich, die Artenzahl ist zwar gering, aber im Frühwinter sind selten beobachtete Falterarten unterwegs. Eine kurze Exkursionsgeschichte.

Warmfront im Anzug, meldet der Wetterbericht, Sturmböen und Starkregen mit dabei. Die Dame des Hauses schüttelt den Kopf, als ich ins Auto steige. Andere Mensche gehen jetzt auf Weihnachtsmärkte, oder machen es sich zu Hause gemütlich.

Aber der Herbst-Kreuzflügel – Alsophila aceraria stand schon zu lange auf meiner persönlichen Wunschliste, und an Versuchen, die Art hier im Bergischen Land mittels Lichtfang zu erwischen, hat es wahrlich nicht gefehlt. Vor Jahren hatten wir sogar schon mal Pheromone für die Art gekauft, aber alles war erfolglos. Der Wetterverlauf im Spätherbst 2023 war ungewöhnlich, massive Niederschläge, dann ein Kälteeinbruch mit Schnee bis ins Flachland, und nachdem der Frost wieder aus dem Boden ist fliegen hier seit Tagen Kleine Frostspanner in Massen. Also gehe ich lieber zum Lichtfang als zum Glühweinstand.

Herbst-Kreuzflügel – Alsophia aceraria, D-RLP Winningen, 9. Dezember 2023 (Foto: Armin Dahl)

Der kürzeste Weg an die Mosel endet für mich in Winningen, an den südexponierten, bewaldeten Oberhängen des Moseltales gibt es bequem zu erreichende Leuchtplätze, die quasi einen Autobahnanschluss haben. Es dämmert schon, als ich endlich vor Ort bin, schnell die Leuchttürme aufgebaut, es nieselt, das Thermometer zeigt 5°C. Trotzdem sieht man schon überall Kleine Frostspanner an den Bäumen hochklettern, und es flattert überall im Wald.

Es ist noch nicht einmal 18.00 Uhr, der Leuchtturm sitzt schon voller Falter, vor allem Große und Kleine Frostspanner. Aber auch eine ganze Anzahl Kleiner Pappelglucken – Poeciliocampa populi sind darunter. Da passt der Name übrigens nicht, der Leuchtturm steht im Eichen-Hainbuchenwald. Der Wetterbericht hat immerhin gestimmt, jetzt regnet es kräftig.

Und Hurra! da ist er: Der erste Kreuzflügel. Wenige Minuten später sind es schon mehr als ein Dutzend Falter, obwohl ich mittlerweile den einen Turm festbinden musste, weil der Starkwind die Anlage durchschüttelt. Mal ganz abgesehen von dem Regen, der durch den Wald peitscht. Zum Glücke sind meine LEPI-LEDs wasserdicht. Die meisten Kreuzflügel-Männchen haben sich mittlerweile auf dem Dach des Leuchtturmes zum Parademarsch verabredet, und laufen – anders als die Frostspanner – aufgeregt herum. Die Pheromonfallen mit den aceraria-Präparaten die ein paar Meter weiter hängen, interessieren sie offenbar nicht.

Kreuzflügel-Parade bei Regenwetter. Winningen, 9. Dezember 2023 (Foto: Armin Dahl)

Nach einer weiteren halben Stunde – es gießt mittlerweile in Strömen – bin ich völlig durchnässt und trete den Rückzug an. 25 Kreuzflügel stehen auf dem digitalen „Zettel“, am anderen Leuchtturm noch einmal fünf, zusätzlich etwa 50 Pappelglucken, viele hundert Frostspanner sitzen in der Umgebung in der Vegetation. Das hat sich mal gelohnt heute! Auf den Verbreitungskarten für den Herbst-Kreuzflügel kommt an der Mosel ein weiterer Punkt hinzu. Sicher lassen sich noch weitere finden, die Flugzeit hat offenbar erst begonnen. Alle Daten findet Ihr wie gewohnt auf observation.org

Merke: Schmetterlinge gibts zu jeder Jahreszeit, und selten beobachtet heißt nicht, dass die entsprechenden Arten wirklich selten sind. Man muss sich nur ein wenig aufraffen.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Exkursionen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu Wetterfest und wenig beobachtet: Der Herbst-Kreuzflügel – Alsophila aceraria

  1. Wirooks, Ludger sagt:

    Sie ist wegen der späten Flugzeit sicherlich deutlich weiter verbreitet als die wenigen aktuellen Funde im Insecits anzeigen, aber überall kommt sie definitiv auch nicht vor.
    Ich weiß, dass der Jeroen in Holland recht oft und vielerorts die Raupe von Eiche klopft und ich habe sie weder in Aachen noch in Düsseldorf jemals gefunden obwohl ich gerade im Frühling da ja sehr aktiv bin mit Raupenklopfen. Sie könnte allerdings durchaus auch im Raum Aachen und Düsseldorf noch irgendwo vorkommen, nur eben woanders als da wo ich so Raupen suche (und wo andere in seltenen Fällen mal so spät noch leuchten)

    • Armin Dahl sagt:

      also was sich aus den vergangenen Tagen herauskristallisiert, der Lebensraum sind thermophile trockene Wälder mit hohem Eichenanteil. Und die Flugzeit geht offenbar bis nach Weihnachten.

  2. Volker GAYK sagt:

    Hallo, ich habe vor ein paar Jahren mein einziges Exemplar an das Museum Koenig abgegeben. Damals, also im Jahr 2007, galten sie noch als ?verschollen?
    Tagbeobachtung v. 20.12.2007 an der Oberdollendorfer Hardt (Südwestseite), Königswinter.

  3. Karl-Heinz Jelinek sagt:

    Sehr schön! Aber überall verbreitet ist Alsophila aceraria nun wirklich nicht! Aus dem nördlichen Bergischen Land gibt es nur alte Meldungen. Wenn er dort noch wäre, hättet Ihr ihn sicherlich schon gefunden. Ich habe die Art mehrfach zwischen Brühl und Weilerswist beobachtet.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert