Ulmen-Zipfelfalter – im Winter deutlich leichter zu kartieren als im Sommer

Der Ulmen-Zipfelfalter Satyrium w-album (KNOCH, 1782) lässt sich als Imago nur schwer gezielt nachweisen, da sich die Falter überwiegend im Kronenbereich von Bäumen aufhalten. Mitunter werden aus diesem Grund vor allem kleine, individuenarme Populationen übersehen. Es ist somit davon auszugehen, dass die Art in unserem Arbeitsgebiet deutlich weiter und flächendeckender verbreitet ist, als die bisherigen Meldungen erahnen lassen. Möglicherweise wird sogar aufgrund der wenigen vorhandenen Daten die Gefährdungssituation des Ulmen-Zipfelfalters völlig falsch eingeschätzt. So gilt die Art nach den aktuellen Roten Listen in RLP als stark gefährdet und in NRW sogar als vom Aussterben bedroht.

Ein Ei des Ulmen-Zipfelfalters, welches sich an einer Endknospe der Berg-Ulme Ulmus glabra HUDS. befindet. – Klotten, Februar 2017, Foto: Daniel Müller


Um ein genaueres Bild über die derzeitige Bestandssituation des Falters zu bekommen, sollte der Nachweis dieser wahrscheinlich gar nicht so seltenen Art vermehrt im Winter über die Suche nach den Eiern erfolgen. Die größte anfängliche Schwierigkeit besteht meist darin, eine blühfähige Ulme in der kalten Jahreszeit als solche zu identifizieren. Am einfachsten lässt sich dieses Problem lösen, indem man sich bereits im Sommer die Standorte von Ulmen notiert und diese dann im Winter aufsucht. Die Umgebung, in der sich das Wirtsgehölz befindet, scheint im Übrigen für den Falter von geringer Bedeutung zu sein. So kann die Art mitunter auch innerhalb von Städten nachgewiesen werden.
Das für Zipfelfalter ungewöhnlich abgeflachte Ei, welches dunkelgrau gefärbt ist und einen auffälligen weißen Saum besitzt, lässt sich dagegen recht einfach finden. In der Regel werden die Eier von den Weibchen einzeln an die Basis der Endknospe eines Haupt- oder Seitentriebs abgelegt. Seltener dienen jedoch auch die kleineren Seitenknospen oder zuweilen sogar die Blütenknospen als Eiablageort. Mitunter kann ein beachtlicher Teil der Eier parasitiert sein. Diese erscheinen dann in der Grundfarbe eher bräunlich und weisen an der Seite ein kleines Loch auf. Befindet sich jedoch ein größeres, zentral gelegenes Loch im Ei, so kann davon ausgegangen werden, dass aus diesem bereits die Raupe geschlüpft ist.

Parasitiertes Ei des Ulmen-Zipfelfalters an einer Seitenknospe der Berg-Ulme. Gut zu erkennen ist das kleine, seitlich gelegene Ausschlupfloch des Parasiten. – Niederfell, Januar 2018, Foto: Daniel Müller

Vielleicht kann sich nun der eine oder andere für die winterliche Suche nach den Eiern des Ulmen-Zipfelfalters begeistern, sodass wir in einigen Jahren mehr über die aktuelle Verbreitung und Häufigkeit dieser Art wissen.

Literatur
HERMANN, G. (2007):Tagfalter suchen im Winter: Zipfelfalter, Schillerfalter und Eisvögel. Searching for Butterflies in Winter: Hairstreaks, Purple Emperors, Poplar Admiral & White Admirals. – 224 S.; Norderstedt (Books on Demand GmbH).

SETTELE, J., STEINER, R., REINHARDT, R., FELDMANN, R. & HERMANN, G. (2009): Schmetterlinge: Die Tagfalter Deutschlands. 2. Auflage. – 256 S.; Stuttgart (Ulmer).

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8 Kommentare zu Ulmen-Zipfelfalter – im Winter deutlich leichter zu kartieren als im Sommer

  1. Klaus Hanisch sagt:

    Liebe Kollegen,
    Ulmenzipfelfalter konnte ich an 6 Stellen im Kölner Raum einschließlich Wahner Heide beobachten, insgesamt etwa 10 Falter, an Blüten sitzend (Distel ,Thymian, Berufkraut und Brombeere). An 5 Stellen handelte es sich um Einzelexemplare, an einer Stelle befand sich jedoch eine kleine Population von mindestens 5 Tieren. Dort konnte ich mir das Flugverhalten incl. Nektaraufnahme näher ansehen. Aufgefallen war mir die Art, als etwa 3 Falter über einer größerer Ansammlung von Berufkraut herumflogen, um sich hier zur Nahrungsaufnahme niederzulassen. An und ab flog ein Falter in die umliegenden Bäume, in eine Höhe von 3-5 Meter. Andere kamen von dort, um sich auf die Blüten des Berufkrautes niederzulassen. Etwa eine Stunde konnte ich dieses Wechselspiel verfolgen.
    In den 60er und 70er Jahren ist mir die Art im Kölner Raum, wo meine Beobachtungen zumeist im Königsforst und der Wahner Heide stattfanden, nie aufgefallen. Dort war zu dieser Zeit Satyrium ilicis eine stellenweise häufige Art und es kann gut sein, dass ich möglicherweise Falter von Satyrium w-album für Satyrium ilicis gehalten habe, da ich mir nicht jedes Tier genau anschauen konnte. Hermann Geiger meldete 1966 zumindest zwei Exemplare von Satyrium w-album aus dem Gebiet von Lohmar, welches an die Wahner Heide angrenzt.
    Von der Mosel habe ich zwei Beobachtungen, in meiner Jugenzeit etwa 1965 aus einem Seitental bei Niederfell. Dort schwirrten ungefähr 6 bis 10 Falter über längeren Zeitraum zwischen Bäumen und einer Randwiese hin und her. Ein Exemplar von dort konnte ich als Nachweis einfangen. Dann konnte ich wieder vor einigen Jahren zwischen dem Fellerbachtal (Nebengewässer der Mosel) und Pommern ein Exemplar finden. Hierzu muss ich allerdings bemerken, dass ich mich zwischen 1965 und 2009 nur wenig an der Mosel aufhielt und von daher vermutlich keine Beobachtungen vorlagen. (Nicht erfasste Daten in Insectis Online werde ich noch nachmelden)
    Viele Grüße
    Klaus Hanisch

  2. Volker Lang sagt:

    Hallo liebe Kollegen,
    in 2009 hatte ich einen abgeflogenen S. w-album in meinem Garten, woraufhin ich in den folgenden 2 Jahren mir Standorte blühender Ulmen in der Umgebung (Leichlingen/Burscheid, Bergisches Land) notierte und zur Flugzeit abklapperte. Selten erwischt man die Falter unten, wo man ein brauchbares Belegbild schießen kann, aber oft sieht man sie im Kronenbereich hin und herfliegen und wenn man sich einmal eingesehen hat und die potenziellen Verwechslungskandidaten (bei mir Faulbaumbläuling und blauer Eichenzipfelfalter) über den Farbeindruck ausschließen kann, gelingen einem schon Nachweise. Mit Feldstecher konnte ich dann manchmal die orange Binde erkennen, was in meiner Gegend allemal und ich denke anderswo auf Ulme ebenfalls ein sicherer Nachweis ist. Jedenfalls fand ich an jedem zweiten Ulmenstandort Falter.
    Oft stehen die Ulmen im Straßenbegleitgrün und die gut flugfähigen Samen breiten sich durch den Fahrtwind entlang der Straßen aus. Rund um den Kölner Ring und abgehender Autobahnen steht die Ulme immer wieder. Auf den auf Stock gesetzten Randböschungen sieht man die Jungulmen oft in Massenbeständen. Hier ist die Ulme unausrottbar und es kommen genug Pflanzen ausreichend lange zur Blüte bevor sie dann vom Pilz dahingerafft werden. Steht schon lange auf meinem Plan, mangels Attraktivität des Habitats nie umgesetzt, aber ich denke entlang dieser Autobahnen kann man Quadranten schwärzen.
    Grüße
    Volker Lang

    • Armin Dahl sagt:

      Hallo Volker,
      ich habe aus Stöcken-Bremersheide (an der L 294) ganze zwei Funde von Dir in den Daten. Kannst gerne ein paar nachmelden! 🙂
      Viele Grüße
      Armin

      • Volker Lang sagt:

        Hallo Armin,
        danke der Nachfrage, mea culpa, hab ich gemacht.
        Kleiner Nachtrag: ohne gezieltes Aufsuchen von Ulmen, wird man den Falter nur zufällig und einzeln antreffen.
        Meiner Meinung nach findet man blühfahige Ulmen am einfachsten während der Blütezeit im Frühjahr. Wenn man sich die ein paar mal angeschaut hat, kann man diese, aufgrund der ganz eigenen Farbe und Form der blühenden Äste, problemlos auch bei 100kmh aus dem fahrenden Auto erkennen.
        Grüße
        Volker

  3. Karl-Heinz Jelinek sagt:

    Die Gefährdungsursache des Ulmen-Zipfelfalters ist nicht mit der scheinbaren Seltenheit der Faltersichtungen zu begründen, sondern mit dem Ulmensterben. So lange Ulmen vorhanden sind, gibt es mit Sicherheit auch Falter. Wichtig scheint mir, Forstverwaltung und andere Baumpflanzer davon zu überzeugen, dass trotz Ulmensterbens immer wieder Ulmen nachgepflanzt werden.

    • Daniel Müller sagt:

      Hallo Herr Jelinek,
      meines Wissens nach sind hauptsächlich ältere Ulmen vom Ulmensterben betroffen. Aus diesem Grund findet man in unserer Landschaft auch kaum noch große, alte Bäume aus der Gattung Ulmus. Allerdings sind jüngere Ulmen durchaus in größerer Anzahl vorhanden. Diese werden laut Literatur sogar vom Ulmen-Zipfelfalter zur Eiablage bevorzugt. Ich selbst konnte z. B. schon Eier an einer ca. 3 m hohen Berg-Ulme finden. Wichtig scheint eben „nur“ zu sein, dass die Wirtsgehölze Blüten hervorbringen. Aus diesem Grund ist die Art meines Erachtens aktuell trotz Ulmensterbens deutlich weniger gefährdet, als vielfach angenommen wird.
      Das alles ändert aber nichts daran, dass der Kartierungsstand des Ulmen-Zipfelfalters in vielen Regionen als unbefriedigend anzusehen ist.
      Viele Grüße
      Daniel Müller

  4. Dieter Robrecht sagt:

    Hallo Herr Müller,
    ein weiterer schöner Beitrag zur winterlichen Eiersuche. Ich selbst habe erst zweimal den Falter beobachten und fotografieren können, am 18.7.2010 in Volkmarsen-Hörle und am 21.07.2013 in Trendelburg-Eberschütz.
    Die Art wird sicher in der nächsten RL einen anderen Status erhalten, die vielen Einträge im InsectIS-online unserer AG sprechen dafür.
    Weiterhin viel Erfolg bei der Eiersuche, verbunden mit den besten Grüßen aus Ostwestfalen
    Dieter Robrecht

    • Daniel Müller sagt:

      Hallo Herr Robrecht,
      vielen Dank für das Lob und die Info.
      Den Ulmen-Zipfelfalter habe ich in meiner Heimatregion, dem unteren Moseltal, bislang noch nie als Imago beobachten können. Erst durch die Suche nach den Eiern konnte ich feststellen, dass die Art sogar unweit von meinem Wohnort vorkommt.
      Viele Grüße
      Daniel Müller

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