Tolle Mikros in Schwarz-Weiß

Euplocamus anthracinalis

Euplocamus anthracinalis, Brakel, Mühlenberg, 14. Mai 2018 (Foto: Rolf Kirch)

Die Faulholzmotten (Oecophoridae) und Echten Motten (Tineidae) gehören zu den schönsten einheimischen Faltern, weshalb jeder ordentliche Entomologe in seinem Garten einen kleinen Totholzhaufen haben sollte.

Wie der Name der Gruppe vermuten lässt ernähren sich die Raupen der Oecophoriden (Faulholzmotten)  von verrottendem Holz bzw. von den Pilzen die das Ganze abbauen.  Auch die Tineiden (Echte Motten) leben nicht nur von Kleidungsstücken, Teppichen und im Freiland zum Beispiel in Vogelnestern, sondern werden vielfach in Pilzen, Baumschwämmen  und dementsprechend auch bei Pilzexkursionen entdeckt. Warum ausgerechnet diese Gruppe sich mit besonders bunten Farben und starken Kontrasten schmückt weiß ich nicht. Zwei besonders auffällige Arten fliegen aktuell, weitere Daten nehmen wir gerne entgegen.

Euplocamus anthracinalis

Euplocamus anthracinalis, Brakel, Mühlenberg, 14. Mai 2018 (Foto: Rolf Kirch)

Manchmal hilft es, ein wenig herumzubohren, wenn es um Daten zur Verbreitung einzelner bemerkenswerter Arten geht. So hatte ich vor kurzem über eine Diskussion im Lepiforum einige Funddaten eines besonders hübschen Tieres zusammengetragen: Die zu den Echten Motten zählende Anthrazitmotte Euplocamus anthracinalis (SCOPOLI, 1763) ist ein wunderschönes Tierchen, das es sogar auf den Titel des Verzeichnisses der Schmetterlinge Deutschlands geschafft hat. Nachdem mittlerweile auch ein paar Altdaten erfasst werden konnten hat sich die Zahl der Funde in der Datenbank in der letzten Woche mehr als verdreifacht. Und deshalb hier noch ein paar brandaktuelle Bilder als Appetithäppchen, gestiftet von Rolf Kirch.

Eratophyes amasiella, Haan, Spörkelnbruch, 19. Mai 2018 (Foto: Armin Dahl)

Mittlerweile erheblich weiter verbreitet und auch regelmäßig an dem Holzstapel in meinem Garten zu finden ist die Birken-Faulholzmotte Eratophyes amasiella (HERRICH-SCHÄFFER, [1854]). Die Art – ursprünglich aus dem Hinterland der Schwarzmeerküste in der Türkei beschrieben – hat eine erstaunliche Ausbreitung hinter sich. Der Erstnachweis für Deutschland (1983) liegt gerade erst einmal 35 Jahre zurück. Stand Mai 2018 finden sich in der Datenbank der Rh.-Westf. Lepidopterologen schon über 190 Einzelnachweise; Vielleicht ein Beleg für zunehmend „türkische Verhältnisse“ im Klima von Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen.


BIESENBAUM, W. (1989): Erathophyes amasiella HERRICH-SCHÄFFER 1855 (= E. aleatrix DIAKONOFF 1975) neu für Deutschland (Lep., Oecophoridae). Melanargia, 1: 33-34, Leverkusen

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