Neue Miniermotte an Robinie: Parectopa robiniella

An der Robinie leben zwei verschiedene Blattminierer, die sich auch von Laien leicht finden und vergleichsweise einfach bestimmen lassen. Eine davon, Parectopa robiniella CLEMENS, 1863, hat sich im Jahr 2018 anscheinend rasant ausgebreitet.

Herbst ist die richtige Jahreszeit um Blattminiermotten nachzuweisen, zu dieser Jahreszeit sind allenthalben Minen an vielen Laubgehölzen zu finden. Darunter sind ein paar als „Schädlinge“ verrufene Arten wie zum Beispiel die Kastanien-Miniermotte Cameraria ohridella, die an Wuchsorten der Roßkastanie praktisch überall in kürzester Zeit zu finden ist.

Ebenfalls verbreitet, wenn auch lange nicht so häufig ist die Lindenminiermotte Phyllonorycter issikii: Ihre Befallspuren findet man leicht an der Unterseite von Lindenblättern, wo die Raupen in den Achseln der Blattnerven typische, pergamentartige Blattminen hinterlassen.

Brückenpark Mülheim an der Ruhr, 17. September 2018 (Foto: Armin Dahl)

Brückenpark Mülheim an der Ruhr, 17. September 2018 (Foto: Armin Dahl)

Auch an der Gewöhnlichen Robinie (Robinia pseudoacacia) lebt eine auffallende Art, Macrosaccus robiniella (CLEMENS, 1859), auch hier finden sich die kalkweißen Minen mit den darin versteckten, linsenartigen Kokons im Herbst an praktisch allen untersuchten Robinienstandorten. Robinien zu entdecken ist auch keine große Kunst, die auch als Scheinakazie bekannte Baumart wächst an vielen Bahndämmen, Böschungen und sonnigen Hängen. Früher als „Bienenweide“ gepflanzt und wegen ihres extrem widerstandsfähigen Holzes (Rebpfähle!) in den Weinbaugegenden regelrecht angebaut, erfreut sich die Robinie in Naturschutzkreisen heute nur geringer Beliebtheit: Als Pioniergehölz ist sie extrem ausbreitungsstark und bildet gut flugfähige Samen in Massen. Absägen des Stammes ist zwecklos, der Baum antwortet mit rasant wachsendem Stockausschlag. Zudem wehrt sich die Pflanze mit langen Dornen gegen ungebetene Besucher, und sammelt als Schmetterlingsblütler auch noch Luftstickstoff im Boden. Und das alles bevorzugt auf den trocken-warmen, für Insekten attraktiven Standorten, die momentan sowieso Mangelware sind.

Brückenpark Mülheim an der Ruhr, im rechten Bildteil die befallene Robinie. Die Parectopa-Minen fanden sich auf der Schattenseite. 17. September 2018 (Foto: Armin Dahl)

Die Hoffnung, einmal aufgekommene Robinien wieder loszuwerden, ist also gering. In den letzten Jahrzehnten haben sich allerdings ein paar Kleinschmetterlings-Arten daran gemacht, die Robinienblätter in Insekten-Biomasse zu verwandeln, auch wenn das nur winziges „Luftplankton“ ergibt. Die oben erwähnte, heute überall verbreitete Macrosaccus robiniella stammt aus aus Nordamerika und  ist erst seit den 80er Jahren in Europa und Deutschland bekannt, aber mittlerweile überall und häufig.

Mehr oder weniger neu im Arbeitsgebiet ist dagegen der zu den Gracillariiden gehörende Robinien-Blatttütenfalter Parectopa robiniella CLEMENS, 1863. Diese Art scheint sich momentan rasch auszubreiten, vielleicht begünstigt vom heißen Supersommer 2018: Nach ich Anfang September zufällig einen Nachweis an der Mosel erbringen konnte (Lehmen, Ausoniusstein), kamen in rascher Folge einige Funde zusammen.: In Kaifenheim bei Mayen, erbracht durch Violet Middelman und Remco Vos) und Eitorf-Merten (Erstnachweis in Nordrhein-Westfalen, Finder: Brigitte und Hajo Schmälter), sowie ein weiterer unterhalb des Drachenfelses in Bad-Honnef-Rhöndorf (Finder: Heinz Schumacher).
Am vergangenen Wochenende konnte ich dann einen ersten Nachweis im Naturraum Niederrhein beisteuern, im so genannten „Brückenpark“ in Mülheim an der Ruhr. Direkt anschließend dann ein weiterer Nachweis hinter der Landesgrenze zu den Niederlanden in der „Groote Heide“ östlich von Venlo. Der Falter durchläuft nach Literaturangaben mehrere Generationen im Jahr, die auffälligen weißen Blattminen mit den charakteristischen Ausbuchtungen sitzen auf der OBERseite der Robinien-Fiederblättchen. Die wenigen bisher getätigten Nachweise lagen bevorzugt auf der sonnenabgewandten Baumseite, an Schößlingen und niedrig hängenden Ästen.

Typische Mine von Parectopa robiniella. Mülheim / Ruhr, 17. September 2018 (Foto: Armin Dahl)

Typische Mine von Parectopa robiniella. Mülheim / Ruhr, 17. September 2018 (Foto: Armin Dahl)

À propos Niederlande: Dort arbeitet eine große Zahl von Beobachtern an der Erfassung von Kleinschmetterlingen, und so ist es wenig verwunderlich, dass seit Juli 2018 dort mehr als 25 neue Beobachtungen von Parectopa robiniella zusammengekommen sind. Einen schönen Bericht darüber liefert Leo Bot in Nature today, die Daten zu den Funden liegen wie üblich bei waarneming.nl.
Auch im Norden und Osten unseres Arbeitsgebietes sind im Spätsommer 2018 zahlreiche Fundstellen bekannt geworden, so in Hildesheim (Daten von Thomas Fähnrich und Tina Schulz) und in Edemissen nördlich von Peine (Daten Bernd Otto Bennedsen).

Parectopa robiniella scheint derzeit den Norden der Bundesrepublik mit hoher Geschwindigkeit zu erobern. Bei gezielter Nachsuche nach den typischen Minen sollten da in der Saison 2018 noch einige Funde hinzukommen. Besonders wertvoll wären derzeit Nachweise aus Westfalen und auch aus höher gelegenen Regionen. Viel Erfolg bei der Suche!


Literatur:

WHITEBREAD, S.E. (1990): Phyllonorycter robiniella (CLEMENS, 1859) in Europe (Lepidoptera, Gracillariidae). — Nota lepidopterologica 12: 344-353.
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3 Kommentare zu Neue Miniermotte an Robinie: Parectopa robiniella

  1. Robrecht, Dieter sagt:

    Hallo Armin,
    Dein Beitrag im Lepiforum löste ja eine Flut weiterer Meldungen zu Parectopa robiniella aus. Das hat mich natürlich angespornt, in Stukenbrock ebenfalls zu suchen, allerdings war das ein sehr mühsames Unterfangen.

    In einem alten Robinienbestand entlang eines Feldweges sowie Waldsaumes habe ich heute viele Büsche sowie herunter hängende Zweige älterer Bäume eingehend abgesucht. Nach etwa 1,5 Stunden hatte ich nur zwei (!) Minen gefunden, die allerdings beide verlassen waren. Immerhin kann ich die Art nunmehr auch für Ostwestfalen melden.

    Viele Grüße
    Dieter

  2. Karl-Heinz Jelinek sagt:

    Vielen Dank für die Anregung! Ich habe mich dann heute auch auf die Suche begeben und im Bereich des ehemaligen Tagebaus Knapsack die Robinien kontrolliert. Durch die Dürre waren sie an vielen Stellen fast entlaubt mit neuen Blattaustrieben nach dem spärlichen Regen der letzten Wochen. Da gab es dann verständlicherweise von beiden Arten überhaupt keine Minen. Anders sah es im Waldgebiet nordöstlich von Erftstadt-Köttingen aus. An schattigen Stellen war das Laub noch in gutem Zustand, so dass ich mindestens 30 unterseitige Minen von Macrosaccus robiniella finden konnte. Nach längerer Suche fand ich dann auch 3 Minen von Parectopa robiniella. Na also! Wieder eine neue Art für den Rhein-Erft-Kreis und es war nicht die einzige am heutigen Tag. Die Funde liegen im TK25 5106 Q4. Ein Foto einer Mine ist vorhanden. Grüße aus Köln, Karl-Heinz Jelinek

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