Wundertüte Weidenkätzchen – Neue Erkenntnisse zur Ökologie von Herbsteulen

Xanthia ocellaris lebt als Raupe an Pappelkätzchen

Viele haben sicher schon davon gehört, dass man als Lepidopterologe im Frühjahr Weidenkätzchen sammeln kann um auf diesem Wege an die Raupen gewisser Herbsteulen zu gelangen. Die Kätzchen kann man an geeigneten Stellen vom Boden sammeln, aber auch vom Baum klopfen, wobei meist empfohlen wird männliche Kätzchen zu sammeln, da dort mehr Raupen drin seien. Doch nicht nur Weidenkätzchen, sondern auch Pappelkätzchen können einem so manche neue Art bescheren – so z. B. die als Falter eher selten nachgewiesene Xanthia ocellaris, welche man sogar ausschließlich in Pappelkätzchen finden kann. Welche Raupenart nun in den Kätzchen welcher Pflanzenart haust und ob und warum es dabei Präferenzen für ein bestimmtes Geschlecht gibt hat mich schon immer sehr interessiert und die Literaturangaben dazu sind schon reichlich verwirrend.

Da traf es sich gut, dass im letzten Frühjahr eine Studentin an mich herantrat mit der Bitte, ob ich ihr ein Thema für eine Bachelorarbeit vorschlagen und sie betreuen könnte. So kam es dann, dass wir einmal versucht haben dem ganzen Phänomen einmal mittels gezielter und v. a. quantitativer Erfassung auf den Leib zu rücken. Es wurden kiloweise Kätzchen gesammelt, aber auch fleißig an verschiedenen Laubbäumen im Frühling geklopft und dabei neben den Herbsteulen u. a. auch Wintereulen in Kätzchen gefunden und natürlich jede Menge Frühlingseulen, Frostspanner und sonstige Mitglieder der „Frühjahrsgilde“.

Diese Raupe von Xanthia ocellaris, am 16.4.2017 im vorletzten Stadium fotografiert, war am 11.4.2017 in einer Probe von vom Boden gesammelten und von diversen Büschen in Düsseldorf-Eller Forst geklopften männlichen Pappelkätzchen gefunden worden (Foto: L. Wirooks)

Dabei kam allerlei Interessantes heraus zu den Futterpflanzen bestimmter Arten und zu ihrer Phänologie. Besonders spannend fand ich dabei, dass Xanthia togata und Xanthia icteritia auffallend selten gemeinsam in einer Probe vorhanden waren, was für eine gewisse Konkurrenzvermeidungsstrategie spricht. Wie es in der Forschung aber oft so ist gab es dennoch hinterher fast mehr neue Fragen als dass Fragen endgültig beantwortet werden konnten. So bleibt z. B. die Frage spannend, ob Xanthia icteritia im Gegensatz zu Xanthia togata vielleicht eine Präferenz für höhere Bäume hat und deshalb die Salweide der buschförmig wachsenden Grauweide gegenüber vorzieht, oder ob sie kühlfeuchte Biotope, also diejenigen mit viel Grau- und wenig Salweiden, nicht mag – oder ob die Falter aus gänzlich unbekannten Gründen ihre Eier lieber an Knospen der Salweide als der Grauweide platzieren.

Spannend wäre es übrigens sicherlich auch, im Winter mal nach Eiern zu suchen, die man zum Teil auch ganz gut finden kann.

Für alle Interessierten sei hier auf die als pdf vorliegende Bachelorarbeit verwiesen:

GÜRTLER, S. (2019): Untersuchungen zu Wechselbeziehungen zwischen Phänologie und Futterpflanzenspezifitätvon ausgewählten, sich im Frühjahran Laubgehölzen entwickelnden Makrolepidopteren-Raupen. 

 

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