Blattminierer an Schlangenknöterich – Antispilina ludwigi

Antispilina ludwigi, Schweiz, Berner Jura, 1000 m ü.M., Hochmoor, 2. August 2017, Minen in Blättern von Polygonum bistorta. (Foto: Ruedi Bryner)

Der Schlangenknöterich Bistorta officinalis (Syn. Polygonium bistorta) ist Nahrungspflanze für eine Reihe seltener Schmetterlinge, insbesondere in nährstoffarmen und feuchten Graslandschaften in mitteleuropäischen Bergregionen.

Über den Blauschillernden Feuerfalter Lycaena helle und den Randring-Perlmutterfalter Boloria eunomia ist viel bekannt. Jedoch leben auch höchst interessante Kleinschmetterlinge am Schlangenknöterich. So wurde beispielsweise der Knöterich-Erzglanzfalter Antispilina ludwigi kürzlich in den Ardennen in Belgien, in Frankreich (Zentralmassif und Jura) und der Schweiz (Alpen und Jura) neu entdeckt (Nieukerken et al. 2021).

Locus typicus der von HERING (1941: 19) nach einem einzigen ♂ beschriebenen Art ist das NSG Feuerheck bei Waldaubach, im Lahn-Dill-Kreis (Hessen). Nach den aktuellen Neufunden in den Ardennen ist es jedoch wahrscheinlich, dass A. ludwigi neben dem Hessischen Bergland auch in der Eifel gefunden werden kann.

Antispilina ludwigi ist als Imago ein echter „Mikro“, das zu den Heliozelidae (Erzglanzfalter) zählende Falterchen gehört mit einer Vorderflügellänge von 2,5 mm zu den kleinsten einheimischen Schmetterlingen. Die Fundorte in den Ardennen liegen zwischen 460-640m NN. in Bütgenbach und Rocherath, direkt hinter der Grenze in der deutschsprachigen Region in Belgien. Aber auch weiter südlich in der Wallonie, in der belgischen Provinz Luxemburg gab es frische Nachweise.

Antispilina ludwigi, Schweiz, Berner Jura, 1000 m ü.M., Hochmoor, 2. August 2017, Minen in Blättern von Polygonum bistorta. (Foto: Ruedi Bryner)

Minen und Larven findet man (hoffentlich!) je nach Höhenlage zwischen Juni und September, oft mehrere auf einem Blatt, in braunen Fleckminen entlang der Mittelrippe. Die Falter fliegen von April bis Juni. Beobachtungen sowie einige Fotos von Minen finden sich auch im belgischen Online-Portal unter https://waarnemingen.be/species/180542/

Da in nächster Zeit im Rahmen des „Life-Projekts helle Eifeltäler“ viele Schlangenknöterich-Wiesen unter die Lupe genommen werden, finden sich bei der Gelegenheit eventuell auch die typischen Minen von A. ludwigi.


Literatur

Erik J. van Nieukerken, Steve Wullaert, Bong-Woo Lee, Rudolf Bryner (2021): Antispilina ludwigi Hering, 1941 (Lepidoptera, Heliozelidae) a rare but overlooked European leaf miner of Bistorta officinalis (Polygonaceae): new records, redescription, biology and conservation. Nota lepidopterologica 44: 99-121.
Download: https://nl.pensoft.net/article/63848/

HERING, E. M. (1941): Minenstudien 16. — Deutsche Entomologische Zeitschrift 1941 (1-2): 10-23. Berlin
Download: PDF auf zobodat.at.

LUDWIG, A. (1952): Die Blattminen des Siegerlandes und der angrenzenden Gebiete. Abh. Landesmus. Naturkd. Münster 15 (2): 1-48, Münster
Download: https://www.lwl.org/wmfn-download/Abhandlungen/Abh_15(2)1952.pdf

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1 Antwort zu Blattminierer an Schlangenknöterich – Antispilina ludwigi

  1. Jörg Siemers sagt:

    Danke für die Anregung! Spannend!
    Und auch sonst gibt es noch Minenfund-Potenzial bei den Heliozelidae, besonders bei den drei Heliozela-Arten an Birke, Erle und Eiche: Für diese Arten zeigt die Landesdatenbank einen interessanten Verbreitungsschwerpunkt, ziemlich symmetrisch rund um Hagen! 🙂

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