Wiederfund in Hessen nach mehr als 70 Jahren- Eupithecia irriguata

Eupithecia irriguata, FFH Mönchbruch, 10. April 2023 (Foto: Erik Opper)

Am 13. April 2022 konnte der Verfasser drei Exemplare (2x Männchen, 1x Weibchen) von Eupithecia irriguata (HÜBNER, [1813]) in der FFH-Heidelandschaft bei Mörfelden-Walldorf, südwestlich des Frankfurter Flughafens, bei einem Lichtfang nachweisen. Der Helle Eichenhain-Blütenspanner wurde in Hessen zuvor letztmals 1951 unweit von Kassel gesichtet.

Bereits am Folgetag konnte Hermann Falkenhahn ein weiteres Weibchen am Licht an gleicher Stelle beobachten. Auch 2023 gelang in der näheren Umgebung wieder ein Nachweis. Um die Stabilität der Population und das Verbreitungsgebiet der seltenen Art zu untersuchen, hat der Verfasser am  10. April 2023 etwa 800m entfernt von der Fundstelle aus 2022 einen erneuten Lichtfang unternommen. Dabei wurde der Fund von 2022 bestätigt – ein Exemplar von Eupithecia irriguata fand sich gegen 21:15 Uhr am Licht ein. Das Belegfoto wurde am Folgetag von Daniel Bartsch im Lepiforum bestätigt.

Eupithecia irriguata gilt bundesweit als vom Aussterben bedroht (RL1), aktuelle Nachweise liegen nur noch aus Bayern (RL 3) und Baden-Württemberg (RL1) vor. Bemerkenswert ist, dass selbst der in Südhessen lebende „EupitheciaPapst“ Karl Dietze (1851-1935) diese Art nur von Frankfurt kannte. Der letzte mir bekannte Nachweis von E. irriguata in Hessen stammt aus einem Eichenwald bei Heiligenrode im Osten von Kassel, wo Heinrich Reuhl die Art am 1. Mai 1951 beobachtete (REUHL, 1976)

Die engere E. irriguata-Fundstelle ist der ostexponierte Waldrand einer breiten Stromleitungstrasse auf Flugsanddecken. Der Baumbestand besteht aus Kiefern/Buchen-Forsten mit nur einzelnen randständigen älteren Stieleichen-Individuen (30-50 Stammdurchmesser), jedoch dem Dreifachen an nordamerikanischen Eichen (Quercus rubra/palustris).

Fundort von E. irriguata bei Mörfelden (Foto: Erik Opper)

Herauszuheben ist die Wärmegunst der sandigen Energietrasse, die windgeschützt inmitten von Forsten und Wäldern im Oberrheingraben liegt. Dank der regelmäßigen Mahd durch Hessen Forst unter der Anleitung von NSG-Schutzgebietsbetreuern konnte der gesamte Lebensraum für diese sehr seltene Art und eine Vielzahl weiterer Tag- und Nachtfalterarten optimal erhalten bleiben. Diese Art der Pflege gilt es auch zukünftig fortzusetzen.

Ich danke insbesondere meinem geschätzten Kollegen Hermann Falkenhahn für Bestimmung 2022 und die Lebensraumbeschreibung.

Literatur

REUHL, H. (1976): Die Großschmetterlinge („Macrolepidoptera“) Nordhessens VIII. „Heterocera“ (Nachtfalter). 3. Geometridae (Spanner). – PHILIPPIA 111/1: 45-62

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Eine Antwort zu Wiederfund in Hessen nach mehr als 70 Jahren- Eupithecia irriguata

  1. Armin Dahl sagt:

    Das ist in Frankfurt nicht anders als hier in der Region Düsseldorf-Wuppertal. Die besten (Heide-)Flächen liegen unter Strommasten oder über Gaspipelines, dort wo regelmäßig gemäht oder die Verbuschung beseitigt werden muss. Man könnte das auch Niederwaldwirtschaft nennen. Hauptsache keine Landwirtschaft mit Dünger und Pestiziden.

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