Großer Schillerfalter (Apatura iris) in der 2. Generation

Am 11.10.2023 gelang in Kerpen-Buir (NRW, Rhein-Erft-Kreis) ein sensationeller Fund! Der Hobbyfotograf Dirk Olefs konnte in seinem Garten ein Weibchen des Großen Schillerfalters der 2. Generation beobachten und vortreffliche Fotos davon anfertigen. Die Zufalls-Entomologen liefern immer wieder sehr spannende Beobachtungen!

Großer Schillerfalter ♀,  Kerpen-Buir, 11. Oktober 2023 © Dirk Olefs

Bei dem Fund vom 11.10.2023 handelt es sich nach meinem Kenntnisstand um den ersten sicheren Nachweis des Schlupfes eines Weibchens der 2. Generation in unserem Arbeitsgebiet.

Hierzu teilte mir Dirk Olefs mit, dass er ein bisschen „Schnappatmung“ bekam, als er im heimischen Garten diesen Falter zufällig während der Gartenarbeiten entdeckte, allen anderen im Garten befindlichen Personen das „Einfrieren“ auferlegte, damit dieses schöne Exemplar nicht entfleucht, während er eine Kamera holte und dann dieses imposante Tier fotografierte.

Am Ende war es für ihn als Hobbyfotograf ein herausragendes Ereignis – einerseits, weil er einen solchen Schmetterling noch nie zuvor gesehen hatte, andererseits aber auch, weil die iris-Dame sehr geduldig und entspannt seine Verrenkungen mit Kamera um sich herum ertragen hat; am Ende hatte er sogar noch Zeit, eine zweite Kamera mit Makro-Linse heranzuholen 🙂

Im Nachgang hat Dirk Olefs dann durch Recherche im Internet herausgefunden, dass es wohl ein Großer Schillerfalter sein müsse, und wahrscheinlich ein Weibchen in seinem Garten zu Besuch war. Diese Beobachtung hat ihn dann auch dazu gebracht, sich bei der Online-Plattform inaturalist.org zu registrieren und das Bild im Netz zu teilen.

Bei dieser Gelegenheit sollten wir beiden Akteuren, dem Großen Schillerfalter-Weibchen und Dirk Olefs, ein großes Lob aussprechen! Bei Herrn Olefs möchten wir uns noch bedanken, er hat mit seiner Meldung der Wissenschaft einen großen Dienst erwiesen: Bislang sind aus der Region nur vier weitere Funde einer 2. Generation des Großen Schillerfalters bekannt geworden, alle stammen aus dem extrem warmen Ausnahmejahr 2018. Dazu kommt jetzt ein weiterer, hier werden alle fünf noch einmal chronologisch aufgeführt:


Verbreitung in Europa: AktuelleNachweise von Apatura iris bei observation.org

 

 

Dieser Beitrag wurde unter Daten, Phänologie / Klimawandel veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

9 Antworten zu Großer Schillerfalter (Apatura iris) in der 2. Generation

  1. Gilbert von Luck sagt:

    Rein spekulativ: Könnten Nachkommen der zweiten Generation nicht als Eier überwintern?
    Es gibt doch Beispiele für Arten, die in verschiedenen Stadien übewintern oder sogar „Stämme“ ausbilden.

    Bezeichnend fand ich den Hinweis auf die spätere Fällung der Salweide. Ich frage mich, was diese schöne und für den Artenreichtum wertvolle Pflanze verbrochen hat, überall weggepflegt zu werden.

    • Klaus Hanisch sagt:

      Ich kann auch nur spekulativ antworten:
      Zunächst erscheint es mir bei der wohl offensichtlich sehr geringen Verbreitungsdichte der Falter einer 2. Generation dieser Art für wenig ausichtsreich, dass die Falter einen Partner bzw. eine Partnerin finden.
      Wenn wir davon ausgehen, dass es dennoch zu einer Eiablage auf Blättern von Weidenarten im Oktober kommt und aus den Eiern im Herbst keine Raupen mehr schlüpfen, dürften diese Blätter in der Regel im Herbst/ Winter abfallen, auf dem Boden verfaulen oder vertrocknen. Das Ei könnte ggf. zwar überwintern, eine geschlüpfte Raupe findet jedoch keine brauchbare Nahrung mehr, wenn ich davon ausgehe, dass vertrocknete bzw. verfaulte Blätter nicht angenommen werden. Anders könnte es aussehen, wenn ein solches Blatt vertrocknet am Baum hängen bleibt, dann hätte eine geschlüpfte Raupe im Frühjahr vielleicht eine Chance. Ich denke, das dürfte bei Weiden aber weniger der Fall sein. Vielleicht weiß jemand mehr zum diesem Thema.

      „Ich frage mich, was diese schöne und für den Artenreichtum wertvolle Pflanze verbrochen hat, überall weggepflegt zu werden.“
      Dazu wäre die Frage, wer Eigentümer der entfernten Weiden ist und warun diese entfernt worden sind bzw. welches Ziel damit verfolgt wird. Früher hieß es nach meinem Kenntnisstand in der Forstwirtschaft: „Schlagt die Weichhölzer ab.“ Die waren wohl nicht ergiebig genug. Klar, Naturschutz korreliert leider schon einmal mit anderen Interessen. Oder es ist Unwissenheit mit im Spiel.

      Freundliche Grüße
      Klaus

  2. Hallo, vor 3 Jahren ist bei mir ebenfalls ein Weibchen von Apatura iris im Dezember geschlüpft.

    Ich züchte seit einigen Jahren die Art unter natürlichen Bedingungen. Von mehreren Raupen, die im Juli/August als L1 auf Salweiden gefunden wurden, die später gefällt wurden, entwickelte sich ein Exemplar weiter, ohne im L2 Stadium die Winter- Diapause anzutreten. Das wurde sogar ein Problem bei der Fütterung, da am Ende keine Blätter mehr da waren. Der Falter war dann auch entsprechend klein. Zumindest in diesem Fall halte ich es es für eine Laune der Natur als um eine echte 2. Generation. Eine Generation sollte mehrere Individuen besitzen, keine Einzelexemplare. Vielleicht ist es eine Reaktion auf den Klimawandel? Ich werde es weiter beobachten.

    • Klaus Hanisch sagt:

      Thomas, klar, eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Es ist aber doch so, dass erfahrungsgemäß nur ein sehr kleiner Teil der tatsächlich existierenden Falter gesehen und gemeldet wird. Wenn 1 Falter beobachtet wurde, sind es vielleicht 50 bis 100, die unterwegs waren, wer weiß. Im heißen Jahr 2018 waren es immerhin 4 Beobachtungen. Auch das waren mit Sicherheit nicht alle Tiere dieser Art, die flogen. Davon muss man einfach ausgehen. Klar, eine stabile 2. Generation ist es noch nicht, das wäre weiter zu beobachten.
      Interessant jedoch Deine Schilderung eines Schlupfes im Dezember, so wie ich es sehe, aber unter anderen Bedingungen wie in der freien Natur, wo der Falter vermutlich eingegangen wäre.

      • Schon klar, ich weiß, was du meinst, Klaus. Die Tendenz, dass Apatura iris eine 2. Generation auszubilden versucht, ist schon gegeben. Wie gesagt, ich züchte die Art schon ein Weile und erst ein Exemplar hat sich zum Imago entwickelt anstatt in die Diapause einzutreten. Das ist ja dafür eine Bestätigung. Allerdings ist eine 2. Generation nicht überlebens- & reproduktionsfähig. Die zwingend erforderliche Überwinterung als L2- Raupe benötigt viel Zeit, die die Futterpflanze, Salix caprea, leider nicht zur Verfügung stellt. Die Raupenphase beginnt gegen Ende Juli. Wenn S. caprea die Blätter verliert, muss die Raupe L2 sein. Das ist für Individuen, die erst im Oktober schlüpfen, quasi unmöglich, selbst wenn noch eine Paarung erfolgen würde. Da es sich zudem um eine Art handelt, die Kälte für die Entwicklung der Raupen benötigt und daher schon entsprechende Eiablagestellen aussucht, ist der Klimawandel eher ein Verdrängungsfaktor in nördlichere Regionen. Daher vermute ich, dass diese 2. Generation auf lange Sicht eine „Unvollendete“ bleiben wird.

        Jener außergewöhliche Schlupf im Dezember war demzufolge zwar eine „vollendete“ 2. Generation, aber dennoch ohne Überlebenschance und somit die Reproduktion aus einer solchen Generation gewährsleisten zu können.

        • Klaus Hanisch sagt:

          Danke nochmals für die ausführliche Stellungnahme.
          Ob sich eine partielle 2. Generation in Zukunft entwickeln kann oder es bei Ausnahmeerscheinungen bleiben wird, kann heute wohl niemand vorhersehen. Klar, das wird wohl in erster Linie von der künftigen Erderwärmung abhängen. Ebenso ob ggf. Raupen von Faltern einer 2. Generation sich soweit entwickeln und damit überwintern können, was ggf. durch eine früher beginnende Flugzeit erreicht werden kann, vorausgesetzt, dass die Versorgung der Raupen noch funktioniert, d.h. noch Bätter an den Bäumen vorhanden sind, was in trockenen Jahren nicht immer der Fall ist. Zur Zeit alles noch Spekulation. Beim Kleinen Schillerfalter klappt es, siehe Lepiforum/ Bestimmungshilfe: „Die Raupe, die von der letzten Generation abstammt, überwintert nach der 2. Häutung an einem Zweig ihrer Nahrungspflanze oder in einer Rindenritze.“

  3. Peter Mülhausen sagt:

    Ich konnte am 07.09.2023 auch einen
    Kleinen Schillerfalter- (Apatura ilia),
    auf einer Gemeinschaftswiese in Bonn-
    Vilich/Müldorf, auf dem Anger, an einer Verletzung am Stamm einer Japanischen Kirsche beobachten.
    Wobei ich auch denke das es sich um eine zweite Generation handeln könnte.

    • Armin Dahl sagt:

      Peter, ja beim Kleinen Schillerfalter kommt das ziemlich regelmässig vor.

    • Klaus Hanisch sagt:

      Peter, aus der Rheinschiene, vom Bonner über den Kölner Raum bis in die Düsseldorfer Gegend, habe ich 2023 bisher 14 Beobachtungen einer 2. Generation des Kleinen Schillerfalters ermittlen können und diese festgehalten. Deine Beobachtung aus Vilich/Müldorf ist auch dabei und natürlich danke für die Meldung. Überlegungen sind bei mir zur Zeit im Gange, hierüber eine Arbeit zu schreiben, vielleicht auch in Verbindung mit einem komplexeren Thema.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert