Echte Motten von den Eulen

Das zeitige Frühjahr kann gut genutzt werden, um Vogelnester, Pilze oder auch Eulen-Gewölle zu suchen.  Bekanntlich kommen im Gewölle einiger Eulenarten verschiedene Tineinae (Echte Motten) zur Entwicklung. Meine bisherige Erfahrung zeigt, dass der Zeitaufwand fast durchgehend von Erfolg gekrönt ist.

GAEDIKE (2019) führt dazu aus, dass die Raupen von Tinea steueri im Gewölle der Schleiereulen leben. Er zitiert weiterhin BENGTSON (2017), der von Raupenfunden im Gewölle des Wald- und Habichtskauzes berichtet. Weiterhin führt Reinhard Gaedike aus, dass die Annahme, dass Larven in den Nestern von Hymenopteren leben (PETERSEN 1966a), nicht bestätigt werden konnte.

Auch SOBCZYK et. al. (2018) berichten, dass Leutsch die Falter aus Gewöllen von Schleiereulen zog. Daraus kann abgeleitet werden, dass das wesentliche, wenn nicht einzige Substrat für die Raupennahrung von T. steueri trockene Gewölle von Schleiereulen (Tyto alba), Habichtskauz (Strix uralensis) und Waldkauz (Strix aluco) zu sein scheinen.

Tinea steueri lässt sich habituell einwandfrei bestimmen. Ein Umstand, der zumindest denjenigen Lepidopterologen entgegen kommt, die eine Genitaluntersuchung nicht beherrschen. Bei Betrachtung der „Glaszellen“ in den Vorderflügeln (je ein länglich-ovales durchsichtiges „Glasfeld“ nahe der Basis) ist eine Bestimmung möglich.

Tinea steueri G. PETERSEN, 1966. Deutschland, Nordrhein-Westfalen, Stukenbrock, 110 m, Schleiereulen-Gewölle am 6. Februar 2020 ins Haus geholt, Schlupf 21. März 2020 (leg., det. durch GU & Fotos Dieter Robrecht)

Heinz Schumacher konnte am 14. Mai 2018 in einem ehemaligen Basalt-Steinbruch bei Eulenberg (Rhein-Sieg-Kreis) diese Art erstmals für Nordrhein-Westfalen belegen, indem ein Falter zum Licht flog. Wie er mir schrieb, kommen dort (wohl) keine Schleiereulen vor, wohl aber Uhus, die dort regelmäßig brüten. Es ergibt sich aber auch die Frage, ob im Gewölle der Uhus die Raupen ebenfalls zur Entwicklung kommen. Um das zu klären, sollten Gewölle im Herbst gesammelt werden, damit diese nicht zu lange dem Verwitterungsprozess ausgesetzt sind.

Artspezifisches Merkmal: Das „Glasfeld“ bei Tinea steueri. Foto: Dieter Robrecht

Am 6. Februar 2020 hatte ich Gewölle aus einem Schleiereulenkasten entnommen, der seit Jahrzehnten im Giebel eines benachbarten Bauernhauses hängt und regelmäßig von Schleiereulen als Brutplatz genutzt wird. Der Hofeigentümer hatte bislang stets nach der Brut den Kasten gesäubert und das Gewölle im Mülleimer entsorgt. Mein Wunsch, das Gewölle nach der letztjährigen Brut im Kasten zu belassen, hatte Erfolg! Das Gewölle hatte ich sofort ins warme Zimmer geholt, der erste Falter schlüpfte am 21.m März 2020. Dieser „Zucht“-Erfolg belegt, dass die Raupen bereits im frischen Gewölle leben.

Monopis laevigella ([DENIS & SCHIFFERMÜLLER], 1775); Stukenbrock, aus Schleiereulen-Gewölle, Schlupf am 21. März 2020 (Foto: Dieter Robrecht)

 

Am selben Tag schlüpfte zudem ein Falter von Monopis laevigella. Auch ROMMEL &  PLATT (2005) berichten über die Zucht aus Eulengewölle, und führen für Nordwestthüringen die Arten Nemapogon granella und Monopis laevigella auf. Dieser sehr lesenswerte Artikel gibt hervorragende Hinweise zur Lebensweise und erfolgreichen Zuchten verschiedener Tineidae.

Genitalpräparat von Tinea steueri G. PETERSEN, 1966. Stukenbrock, Schlupf am 21. März 2020 (leg., det. & Foto:  Dieter Robrecht)


Nachtrag vom 13. April 2020

Trichophaga tapetzella (LINNAEUS, 1758) – Tapetenmotte

„Aus dem Gewölle sind seit vorgestern (11. April 2020) mittlerweile vier Falter der obigen Art geschlüpft. Zumindest ist mir ein Foto gelungen, das den Falter auf dem Gewölle mit Puppenhülle zeigt. Das ist sicher nicht alltäglich (!) und hat in Summe etwa 45 Minuten Zeit erfordert bis ein brauchbares Foto entstanden ist.“

Trichophaga tapetzella (LINNAEUS, 1758) – Tapetenmotte, auf einen Schleiereulen-Gewölle. (Foto: Dieter Robrecht)

Exuvie von Trichophaga tapetzella (LINNAEUS, 1758) – Tapetenmotte (Foto: Dieter Robrecht)

Literatur:

BENGTSSON, B.Å. (2017): Anmärkningsvärda fynd av Småfjärilar (Microlepidoptera) i Sverige 2016. — Entomologisk Tidskrift, 138 (1): 1-24.

BUCHNER, P. (2006): Tinea steueri (Tineidae) und Hypsotropa unipunctella (Pyralidae) neu für Österreich (Lepidoptera). — Beiträge zur Entomofaunistik7: 149-151

GAEDIKE, R. (2019): Tineidae II (Myrmecozelinae, Perissomasticinae, Tineinae, Hieroxestinae, Teichobiinae and Stathmopolitinae). — In: KARSHOLT, O., MUTANEN, M. & M. NUSS (2019): Microlepidopteraof Europe 9: I-XXIII, 1-248. Leiden – Boston (Brill).

ROMMEL, R.-P. & H. PLATT (2005): Die Kleinschmetterlingsfauna Nordwestthüringens (Lepidoptera). 2. Beitrag: Familie Tineidae (Echte Motten). — Thüringer Faunistische Abhandlungen 10: 265-283   >> .pdf auf zobodat.at

SOBCZYK, T., STÖCKEL, D., GRAF, F., JORNITZ, H., KARISCH, T. & S. WAUER (2018): Die Schmetterlingsfauna (Lepidoptera) der Oberlausitz. Teil 5: Kleinschmetterlinge (Microlepidoptera) 1. Teil.  – Beiträge zur Insektenfauna Sachsens Band 20. — Entomologische Nachrichten und Berichte (Dresden), Beiheft 22

Web:

Lepiforum vom 20. März 2020: 00681 Tinea steueri: Falter aus Schleiereulengewölle

Kleine Vlinders: Bestimmunsgschlüssel für Tineiden

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Volle Fahrt voraus auf der Datenautobahn

Stigmella aurella/splendidissimella-Mine an Brombeere, Dormagen, 21. Februar 2020.
Bestimmt mit iObs für Apple/Iphone/Ipad (Foto: Armin Dahl)

 

Nichts bleibt wie es ist, auch nicht in der Insektenkunde. Neue Techniken halten Einzug, und die Arbeitsweise verändert sich. Wer sich gegen die Entwicklung stellt, landet wortwörtlich in der Mottenkiste. Ein Zwischenstand aus dem Frühjahr 2020.

Den 5. Juli 2015 werde ich in meinem Leben nicht vergessen. Im bayerischen Kitzingen wurden an diesem Tag 40,3°C gemessen, ein neuer Hitzerekord in Deutschland. Wir waren an diesem Termin auf Tagfalterexkursion am Mittelrhein unterwegs. Nachmittags um 15.00 Uhr hatte sich die Dörscheider Heide oberhalb von Kaub in einen Backofen verwandelt, die Zunge klebte am Gaumen, Falter wurden keine registriert – viel zu heiß!

Kaum vier Jahre hielt der Rekord.  Am 25. Juli 2019 wurde in Lingen im Nordwesten unseres Arbeitsgebiets ein neuer Rekord in Deutschland aufgestellt, die Messstation registrierte unfassbare 42,6 Grad Celsius. An diesem Tag wurden übrigens an weiteren 14 Messstationen Rekordtemperaturen gemessen, die über dem bisherigen Rekord in Kitzingen im Juli/August 2015 lagen. In meinem Garten waren es gemessene 41°,  bei solchen Temperaturen geht der Lichtfang erst um Mitternacht so richtig los, vorher ist es selbst den Motten zu warm.

Entomologisch betrachtet sind das extrem spannende Zeiten, wird doch der allgemeine, unter anderem durch Agrargifte und -methoden, Nutzungsaufgabe und „falschen“ Waldbau hervorgerufene Artenrückgang, zusammengefasst „Insektensterben“, in Teilen vom Klimawandel hinterrücks eingeholt: Einflüge von südlich verbreiteten Arten häufen sich, Arealgrenzen verschieben sich nach Norden, verschollen geglaubte Arten tauchen wieder auf.

Auf meinen Hausgarten im Niederbergischen zwischen Düsseldorf und Wuppertal bezogen bedeutet das: Alleine in den vergangenen zehn Jahren sind vier neue Tagfalterarten hinzugekommen (Cupido argiades, Aricia agestis, Argynnis paphia, Pieris mannii) die sich dort regelmäßig beobachten lassen, und die in der Region offensichtlich etabliert sind. Das ist viel bei insgesamt unter 30 Tagfalter-Arten! In den Sommernächten fliegen hier plötzlich Nachtfalter-Arten wie Spanische Flagge, Labkrautschwärmer und das tropisch-bunte Eulchen Eublemma purpurina an – vor zehn Jahren noch unvorstellbar.

Jeden Tag neue Daten! Selbst im Winter, zumal wenn es keinen Frost gibt wie in der Saison 2019/20. Wintereulen fliegen fast bei jedem Wetter, zudem gibt es Blattminierer, die keine Jahreszeit scheuen, und alles muss festgehalten werden. Blöckchen, Kugelschreiber und Digitalkamera kommen bei der Dokumentation der Tiere immer seltener zum Einsatz, Belegbilder macht jetzt das Smartphone, das gleichzeitig die Falterzahlen registriert, Funde verortet und beim Bestimmen hilft.

Und bevor jetzt jemand aufschreit: Ja, man kann Tag- und Nachtfalter mit dem Handy bestimmen! Die Technik, mit der man eineinhalb Milliarden Chinesen beim überqueren einer Straßenkreuzung voneinander unterscheiden kann, ist auch in der Lage, ein paar hundert Eulenfalter, Graszünsler- und Wicklerarten mehr oder weniger sicher auseinanderzuhalten. Das alles hat mit künstlicher Intelligenz nichts zu tun, ist ein Produkt aus Mustererkennung und Erfahrung, und muss natürlich gelernt werden. Genau wie sich unsereiner die Falter vom Experten beibringen lässt, oder aus dem Bestimmungsbuch oder Lepiforum abschaut, lernen die Maschinen und Algorithmen an vom Menschen vorbestimmten Digitalfotos, und sie lernen fix!

Mal ganz abgesehen davon ist das alles völlig kostenfrei zu haben, man muss sich nur einmal online registrieren, und kann dann die Bestimmungs- und Kartierapps nutzen. Im Auslandsurlaub wie zu Hause, 24 Stunden rund um die Uhr, auch mitten im Wald im Funkloch, mit Smartphone, Tablet oder PC.

Das alles erscheint mir ähnlich revolutionär wie vor wenigen Jahren die neue Möglichkeit, mittels Genomanalyse die Verwandschaftsverhältnisse von Arten, Gattungen und Schmetterlingsfamilien aufzuklären. Auch wenn ich als braver Faunist die High-Tec-Methoden beim Barcoding, Analyse der Mitochondrien-DNA usw. nicht mehr komplett verstehe: Die Methoden sind etabliert, auseinandersetzen muss ich mich  damit, spätestens wenn es mal wieder systematische Umgruppierungen gibt. Jüngstes Opfer der Methode sind die Dickkopffalter, bei denen eine Reihe von Arten der Gattung Carcharodus zukünftig unter Muschampia zu laufen haben, in unserem Arbeitsgebiet zum Beispiel der Loreley-Dickkopffalter Muschampia lavatherae.

Ausschnitt aus ZHANG et al. 2020. Quelle: Zootaxa

Wo stehen wir nun im Frühjahr 2020 als Verein, mit einem etwas angestaubt wirkenden Hobby, in Zeiten von Insektensterben und Klimawandel? Nach meinem Eindruck sind wir vergleichsweise gut aufgestellt! Der EDV-erfasste Datenbestand der Arbeitsgemeinschaft in der Insectis©-Datenbank hat sich in sechs Jahren mehr als vervierfacht, angefeuert von unermüdlichen Mitgliedern in den verschiedenen Landesteilen, die jeder Jahr für Jahr mehrere tausend Einzelbeobachtungen beisteuern. Wir sitzen auf einem riesigen Datenberg, in Deutschland haben nach meiner Einschätzung nur die Kollegen aus dem Karlsruher Museum Zugriff auf ähnliche Mengen an Schmetterlingsdaten von Tag- und Nachtfaltern.

Datenstand der Vereinsdatenbank, Exportdatensätze, Stand 7. März 2020

Das gibt uns gute Möglichkeiten, größere Auswertungen vorzunehmen, der Aufwand dafür ist zwar erheblich, das Ergebnis kann sich dann aber auch sehen lassen. Siehe zum Beispiel die neueste Publikation von Rudi Pähler, der keine Mühen und Kosten gescheut hat um aus dem Konvolut von Beobachtungen 37 häufiger Arten ein lesbares Buch zu erstellen – leider sind die Ergebnisse und Aussichten dabei eher düster. Dass wir mit der Melanargia unter Schriftleiter Günter Swoboda zudem eine solide Publikationsmöglichkeit haben, die in diesem Jahr ihren 32 Jahrgang erlebt, davon träumen andere Vereine und ganze Bundesländer nur!

Die Mitgliederzahl des Vereins ist mit über 300 stabil bis steigend, das ist eine sehr gute Nachricht. Das Interesse an Insekten ist insgesamt in der Bevölkerung stark gestiegen, hier mal nur ein Beispiel als Vergleich: Beim oft gescholtenen Netzwerk Facebook sind alleine in der Gruppe „Einheimische Schmetterlinge“ mehr als 3000! registrierte Nutzer unterwegs, darunter viele professionelle Fotografen mit phantastischen Bildern von seltenen Arten. Naturschutzbegeisterte Laien mit viel Freizeit und Reiselust findet man dort zuhauf, wer regionalen Anschluss braucht, der muss nicht lange suchen. Etliche dieser Nutzer konnten wir in den vergangenen Jahren als Vereinsmitglieder rekrutieren, sei es über Hilfe bei der Bestimmung, Exkursionen oder Veranstaltungen und Vorträge. Selbst die Facebook-Gruppe „Buchsbaumzünsler“ (über 500 Mitglieder, die meisten davon keine echten Insektenfans!) liefert noch wertvolle Informationen, zum Beispiel Hinweise auf Sekundärliteratur wie„Buchsbaumzünsler – Die Natur schlägt zurück“.

Insgesamt gesehen nimmt der Umgang mit dem Internet einen immer breiteren Raum ein, niemand kann z.B. heutzutage über Eifel-Falter publizieren, ohne einen (neidischen) Blick in die observation-Datenbanken der westlichen Nachbarländer zu werfen. Das hat uns natürlich keine Ruhe gelassen, und seit wenigen Wochen haben wir jetzt die Möglichkeit, Daten von observation „per Knopfdruck“ (jedenfalls fast) in unsere Insectis-Anwendung zu übertragen. Das gleiche gilt für alle, die ihre Daten und Digitalbilder unter naturgucker.de aufbewahren. Dank geht hier vor allen an das „Konvertiten“-Team Uli Retzlaff, Brigitte & Hajo Schmälter sowie Jörg Siemers.

Beobachtungsstatistik aus observation.org: Es gibt ja nicht nur Schmetterlinge!

Wo der Vorteil dieser Online-Datenbanken liegt, das muss jeder für sich selbst ausprobieren. Nutzerfreundlich, schnell, und zudem viel genauer als die Datenerhebungen aus der Vergangenheit sind sie allemal. Als Nutzer hat man einen tagesgenauen Überblick über das, was die Kollegen so machen, Fotos werden bei den Beobachtungen abgelegt und angezeigt, Statistiken und Verbreitungskarten angeboten. Technisch ist das ziemlich ausgereift, auch was die immens wichtige Qualitätskontrolle angeht. Wer wie ich (und übrigens auch Heinz Schumacher!) seit 10 Jahren Tipp- und Eingabefehler aus Excel- oder Access-Tabellen heraussucht, sagt schon jetzt Danke!

Nur ein Beispiel, an dem man erkennt, wie das Hobby zur Last werden kann: Die Erstellung der Roten Listen frisst momentan bei einigen Mitgliedern erhebliche Zeit, die man/frau auch gerne für andere Dinge verwenden würde. Den Schwarzen Peter als Koordinator hat dabei Heinz (-Peter) Schumacher, der sich mit endlosen Excel-Listen aus verschiedensten Naturräumen herumschlagen darf, alles für die Ehre natürlich. Das schreit förmlich nach einer vernünftigen EDV-Lösung, bei der man mit verschiedenen Menschen parallel an einem Projekt arbeiten kann. Den Internet-Datenbanken gehört dabei meines Erachtens die Zukunft!

Schnelle Übersicht: Nachweise von Zimmermannia liebwerdella aus NRW, Stand 5. März 2020, Quelle: nrw.observation.org

 

 

Das alles bedeutet übrigens keineswegs, dass wir vom Klassiker Insectis als Vereinsdatenbank abrücken. Es gibt Euch jedoch die Möglichkeit, Daten auch in die modernen Online-Systeme abzulegen. Einarbeiten und eingewöhnen muss man sich allerdings überall. Ich selbst habe ein komplettes Jahr auf beiden Systemen meine Funde eingegeben. Ich möchte die online-Versionen nicht mehr missen, werde 2020 meine Daten ausschließlich dort eingeben und von dort nach Insectis exportieren. Wer mithelfen will, zum Beispiel die Vorbestimmungen bei den „Mikros“ zu überprüfen, der möge sich gerne melden, es werden noch Administratoren gesucht.

Á propos melden: Bitte teilt mir oder irgend jemand anderem aus dem Melanargia-Vorstand alle Termine, Vorträge, Exkursionen rund um das Thema Schmetterlinge rechtzeitig mit, wir übernehmen diese dann in den Terminkalender der Webseite.

Die Mitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft musste in diesem Frühjahr leider wegen der allgemeinen Coronavirus-Verunsicherung ausfallen. Sie wird irgendwann im Sommer nachgeholt, eventuell in Verbindung mit einer Exkursion. Der Termin steht noch nicht fest, Vorschläge erbeten! Bis dahin allen eine falterreiche Saison 2020!

 

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PÄHLER, DUDLER & HILLE (2019): Das stille Sterben der Schmetterlinge

Alle reden vom Insektensterben! Allerdings sind die wenigsten Wissenschaftler und Autoren in der Lage, die abnehmenden Bestände der Tag- und Nachtfalter auch mit stabilem Datenmaterial  über einen langen Zeitraum zu unterlegen. Aber es gibt sie doch, die Daten!

Zusammen mit den Co-Autoren Hans Dudler und Dr. Axel Hille hat Rudolf Pähler eine Studie zum Thema Bestandsentwicklungen von häufigen Schmetterlingsarten in Nordrhein-Westfalen und dem Rheinland als Buch herausgegeben, auf über 300 Seiten mit dem Titel: „Das stille Sterben der Schmetterlinge“

Rudi Pähler und Hans Dudler  sind seit vielen Jahrzehnten in Ostwestfalen feste Größen in der Freilandforschung mit Schmetterlingen und Nachtfaltern, Dr. Axel Hille hat zudem als Biometriker ein ausgesprochenes Faible für Zahlen und Statistik.

Grundlage für die statistische Auswertung ist die Insectis-Datenbank der Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälische Lepidopterologen e. V., die als Mitherausgeber fungiert. Dazu wurden von den Autoren über 50.000 Datensätze (Fundmeldungen) von 37 häufigen Tag- und Nachtfalterarten in einem Zeitraum von 1975 bis 2017 ausgewertet und dokumentiert. Die Auswahl an Tag- und Nachtfaltern stellt in der Mehrzahl der Fälle keine besonderen Ansprüche an ihre Umwelt, sie steht stellvertretend für viele andere Arten der Kulturlandschaft.

Sandra Balzert, im Bundesamt für Naturschutz für das Fachgebiet „Zoologischer Artenschutz“ zuständig, schreibt dazu im Vorwort:
„Mit diesem Buch wird die Auswertung der Bestandsentwicklung verschiedener häufiger Tag- und Nachtfalterarten vorgelegt, die über einen Zeitraum von 43 Jahren durch die Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen e. V. erhoben wurden. Nur durch die kontinuierliche Kartierung von ehrenamtlichen Expertinnen und Experten über einen langen Zeitraum ist die Zusammenstellung und Analyse möglich geworden.
Diesen weit über 1000 ehrenamtlichen Kartiererinnen und Kartierern möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich für Ihren unermüdlichen Einsatz danken!
Neben der großen Datenmenge, die in aufwendiger Arbeit durch die Autorengemeinschaft eingesammelt und ausgewertet wurde, sind auch die kurzen, anschaulichen Steckbriefe und die Bezüge zu möglichen Ursachen der  Bestandsänderungen herauszustellen.
Diese gebündelte Information über die Bestandsentwicklung von ausgewählten Tag- und Nachtfaltern im Rheinland und Westfalen leistet einen wichtigen Beitrag sowohl für die Planung von Maßnahmen im Naturschutz als auch für die Diskussion der Ursachen des Rückgangs der biologischen Vielfalt in Deutschland.“

Beispiel: Log-linearer Trend beim Großen Kohlweißling – Pieris brassicae Quelle: PÄHLER, DUDLER & HILLE (2019)

Im zweiten Teil des Buches beschreiben die Autoren die in Betracht kommenden Ursachen für die festgestellten Bestandsveränderungen und diskutieren Maßnahmen, die nach Meinung der Autoren zu Verbesserungen der Bestandssituationen führen würden.

Für Interessierte findet sich hier eine Leseprobe: Das stille Sterben der Schmetterlinge.

Das Buch wurde wie schon die zwei Bänder der „Schmetterlingsfauna von Ostwestfalen-Lippe“ im Eigenverlag herausgegeben.

Der Preis beträgt 29,80 € plus Versandkosten (In Deutschland 4,50 €).

Bestelladresse:

Rudolf Pähler
Arndtstraße 50
D-33415 Verl

rudolf@paehler.biz

Tel.: 05246/2316
Mobil: 0151/645 85 910

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft erhalten jeweils ein Exemplar kostenfrei!

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Außenbeleuchtung effizient gestalten – Lichtverschmutzung reduzieren

Die Erhellung der Nachtlandschaften durch künstliche Beleuchtung nimmt global im Jahr um ungefähr 2 bis 6 Prozent zu – mit Auswirkungen auf Mensch und Natur. Wie es Kommunen gelingen kann, die Lichtverschmutzung zu minimieren, indem sie ihre Straßen- und Gebäudebeleuchtung effizienter gestalten, beschreibt ein neuer Handlungsleitfaden des Bundesamts für Naturschutz (BfN).

Lichtverschmutzung im Moseltal bei Traben-Trarbach. Foto: Tim Laussmann

Den Leitfaden zur Neugestaltung und Umrüstung der Außenbeleuchtung haben Forschende vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB), vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) und der Universität Münster jetzt gemeinsam veröffentlicht.
„Etwa 30 Prozent der Wirbeltiere und sogar über 60 Prozent der Wirbellosen sind nachtaktiv und können durch künstliches Licht in der Nacht beeinträchtigt werden. Der Schutz der Nacht muss daher stärker als bisher als eine grundlegende Aufgabe des Natur- und Landschaftsschutzes begriffen werden“, sagt Prof. Dr. Beate Jessel, Präsidentin des BfN. „Dass es gelingen kann, die ökologischen Beeinträchtigungen durch künstliche Beleuchtung zu minimieren, zeigt der jetzt veröffentlichte Handlungsleitfaden. Er enthält zahlreiche konkrete Handlungsempfehlungen und Praxistipps für die Außenbeleuchtung.“

„Eine gute Beleuchtung ist effizient und senkt den Stromverbrauch, erhöht gleichzeitig die Sichtbarkeit und Sicherheit. Sie ist ästhetisch und begrenzt Umweltbelastungen auf ein Mindestmaß. Viele der im Handlungsleitfaden vorgestellten Maßnahmen sind zudem einfach und kostengünstig umsetzbar“, so fasst der IGB-Forscher und Studienleiter Dr. Franz Hölker die Anforderungen zusammen. Das Team von Franz Hölker ist in Deutschland und international federführend in der Erforschung der sogenannten Lichtverschmutzung. Davon spricht man, wenn künstliches Licht bei Nacht den Menschen und lichtsensitive Lebewesen negativ beeinflusst. Der Leitfaden stützt sich zum großen Teil auf wissenschaftliche Erkenntnisse, die seine Arbeitsgruppe gemeinsam mit Forschenden des BfN und der Universität Münster in jahrelanger Arbeit gewonnen haben.

Mangels expliziter Regelungen für Außenbeleuchtungen werden Industrienormen zur Beleuchtung in der Praxis oft wie Rechtsvorschriften behandelt. Vielfach werden sogar die Mindestanforderungen der technischen Normen weit überschritten, um eventuelle Schadensersatzansprüche – beispielsweise bei Verkehrsunfällen – auszuschließen und dem Vorwurf vorzubeugen, dass die Straßenbeleuchtung nicht dem Stand der Technik genügt. Das führt dazu, dass der Außenraum oft viel stärker beleuchtet wird als nötig, mit möglichen negativen Auswirkungen für Mensch und Natur. Doch es kann gelingen, die ökologischen Beeinträchtigungen durch künstliche Beleuchtung zu minimieren und dabei zugleich gesellschaftlichen Anforderungen wie Sicherheit und Ästhetik gerecht zu werden.

Die Erstautorin Dr. Sibylle Schroer vom IGB nennt Lösungsbeispiele: „Kommunen sollten Leuchten verwenden, welche kein Licht nach oben abstrahlen. Die Beleuchtungsstärke sollte möglichst niedrig sein und kaltweißes Licht mit einem hohen Blaulichtanteil vermieden werden. Denn die innere Uhr, das sogenannte zirkadiane System, von höheren Wirbeltieren und Menschen reagiert auf blaues Licht besonders empfindlich. Die Verwendung von warmweißem Licht kann die negativen Auswirkungen auf viele Organismen abmildern und wird von Menschen oft als angenehmer wahrgenommen.“

„Straßenbeleuchtung ist verwerflich – sie macht die Pferde scheu und die Diebe kühn“. Quelle: BFN

Die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit dem Juristen für Umwelt- und Planungsrecht, Benedikt Huggins von der Universität Münster, deckte Lücken des Umweltrechts auf, um Organismen künftig besser vor der Belastung durch schlecht installiertes, unnötiges oder zu helles künstliches Licht zu schützen. Die Empfehlungen entstanden auf Grundlage der beiden Forschungs- und Entwicklungsvorhaben „Analyse der Auswirkungen künstlichen Lichts auf die Biodiversität, Bestimmung von Indikatoren für die Beeinträchtigung und Ableitung von Handlungsempfehlungen zur Vermeidung negativer Effekte im Rahmen von Eingriffen“ und „Licht und Glas: Rechtsfragen der Gefährdung von Arten durch Licht und Glas“, gefördert mit Mitteln des Bundesumweltministeriums und inhaltlich begleitet durch das BfN.

Die Einschränkung von Lichtverschmutzung bringt weitere Vorteile etwa hinsichtlich Energieeinsparung und damit des Klimaschutzes sowie für die menschliche Gesundheit. Der Leitfaden bietet Verantwortlichen in Kommunen sowie Licht-, Stadt- und Regionalplanenden eine kostenfreie fachliche Entscheidungshilfe, um den bewussten Umgang mit künstlichem Licht aktiv zu fördern.

Das BfN-Skript ist online abrufbar unter: bit.ly/bfn-543

 

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Wundertüte Weidenkätzchen – Neue Erkenntnisse zur Ökologie von Herbsteulen

Xanthia ocellaris lebt als Raupe an Pappelkätzchen

Viele haben sicher schon davon gehört, dass man als Lepidopterologe im Frühjahr Weidenkätzchen sammeln kann um auf diesem Wege an die Raupen gewisser Herbsteulen zu gelangen. Die Kätzchen kann man an geeigneten Stellen vom Boden sammeln, aber auch vom Baum klopfen, wobei meist empfohlen wird männliche Kätzchen zu sammeln, da dort mehr Raupen drin seien. Doch nicht nur Weidenkätzchen, sondern auch Pappelkätzchen können einem so manche neue Art bescheren – so z. B. die als Falter eher selten nachgewiesene Xanthia ocellaris, welche man sogar ausschließlich in Pappelkätzchen finden kann. Welche Raupenart nun in den Kätzchen welcher Pflanzenart haust und ob und warum es dabei Präferenzen für ein bestimmtes Geschlecht gibt hat mich schon immer sehr interessiert und die Literaturangaben dazu sind schon reichlich verwirrend.

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Schmetterling des Jahres 2020 ist der Grüne Zipfelfalter

Callophrys rubi (LINNAEUS, 1758) – Grüner Zipfelfalter (Foto: Tim Laußmann, 23. April 2019)

Der Grüne Zipfelfalter (Callophrys rubi) wurde von der BUND NRW Naturschutzstiftung und der Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen zum Schmetterling des Jahres 2020 gekürt.
Der Bestand des Grünen Zipfelfalters geht an vielen Stellen in Deutschland deutlich zurück. Das dramatische Artensterben betrifft auch Arten wie den Grünen Zipfelfalter, der Falter gilt in Nordrhein-Westfalen als stark gefährdet. Dies ist umso bedenklicher, da der kleine grünschimmernde Falter keine besonderen Ansprüche an seinen Lebensraum stellt und sich von vielen unterschiedlichen Pflanzen ernähren kann. So fressen die Raupen Blüten, Blätter und unreife Früchte von vielen verschiedenen Pflanzenarten. Auch die ausgewachsenen Schmetterlinge saugen Nektar an unterschiedlichen Blüten wie Hahnenfuß, Klee, Weißdorn oder Hartriegel.

Callophrys rubi (LINNAEUS, 1758) – Grüner Zipfelfalter.
Nachweiskarte aus www.schmetterlinge-d.de, Stand 22. Dezember 2019

 

Der Grüne Zipfelfalter gehört trotz seiner Farbe zu der Familie der Bläulinge. Er lebt auf strukturreichen offenen und halboffenen Standorten wie lichten Wäldern, Gebüschen, Wiesen und Heiden. Viele solcher Kulturlandschaften werden heutzutage nicht mehr bewirtschaftet und wachsen zu. Aber auch wenn Flächen intensiver landwirtschaftlich genutzt und gedüngt oder aber aufgeforstet werden, geht Lebensraum für den Falter verloren. Weiterlesen

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Decheniana – Kostenlose Abgabe überzähliger NHV-Publikationen

Wer sich im Rheinland oder in Westfalen für Naturkunde interessiert, kommt an der DECHENIANA nicht vorbei! Der Naturhistorischer Verein der Rheinlande und Westfalens e.V. gibt jetzt sein Bonner Büro auf und zieht ins Museum Alexander Koenig um. Dabei werden überzählige Veröffentlichungen des Vereins an Mitglieder, aber auch an alle anderen Interessenten, kostenlos abgegeben.

Bereits im Jahre 1844 erschien der erste Band der Verhandlungen des „Naturhistorischen Vereines der preussischen Rheinlande“ in Bonn. Herausgeber und Vize-Präsident Dr. Louis Clamor Marquart beschrieb die die Ziele des Vereins im Vorwort:

„Den Verhältnissen nach behandeln unsere Verhandlungen Stoff aus allen drei Reichen der Natur, und selbst die Hülfswissenschaften der Naturgeschichte sind theilweise vertreten; man wird diesen Umstand unseren Verhandlungen nicht zum Vorwurfe machen können, denn eben durch diese umfassende Tendenz unseres Vereines beförderten wir das fröhliche Gedeihen desselben, und werden auch in Zukunft alle Einseitigkeit der Auffassung zu vermeiden suchen, uns aber als Forscher nicht über das Gebiet des heimathlichen Bodens des Vereines, als welches wir die preussische Rheinprovinz betrachten, ausdehnen“.

Die Publikationsreihe des Vereins hat über einen Zeitraum von 175 Jahren ein Gebirge von Veröffentlichungen hervorgebracht, Lokalfloren und -Faunen, Taxonomisches, Abhandlungen über Geologie und Paläontologie und vieles mehr.
Das kann natürlich beim Umzug nicht alles mitgenommen werden.

Besonders wertvolle Ausgaben der DECHENIANA – Verhandlungen des Naturhistorischen Vereins der Rheinlande und Westfalens e. V. werden natürlich nicht verschenkt, sondern verkauft. Darunter sind echte Schätze wie die Neanderthaler-Publikation von Johann Carl Fuhlrott aus dem Jahr 1859!, für die aktuell 80,- Euro aufgerufen werden.

Eine Übersicht der abzugebenden Bände ist hier zu finden:

Download PDF »

Am Nikolaustag, den 06.12.2019, ist die Geschäftsstelle in Bonn in der Nussallee 15a von 13-17 Uhr geöffnet und Sie können sich mit ausreichend Literatur für die kalte Jahreszeit eindecken. Bitte holen Sie die NHV-Publikationen direkt in Bonn in der Geschäftsstelle ab. Aus Kostengründen können leider keine Pakete versendet werden.

Falls Sie an diesem Tag verhindert sind, können Sie auch gerne einen anderen Termin mit Markus Ackermann, dem Geschäftsführer des Vereins, vereinbaren: markusackermann[ätt]uni-koblenz.de

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Buchrezension: Sybille Przybilla – Flatterhafte Schönheiten

Beim ersten Blättern durch dieses reich bebilderte Buch war ich gleich von mehreren Eigenschaften begeistert. Ein lehrreiches Buch für Naturfreunde und solche, die es werden wollen!

Buchcover Titelseite

Die Qualität der Fotos überzeugt. Es werden nicht nur schöne Tagfalter als Imagines gezeigt, vielmehr sind viele Entwicklungsstadien, Futterpflanzen und andere Lebensumstände artbezogen dargestellt, mit sehr guten Fotos belegt und: ausgesprochen gut verständlich und fachlich korrekt erläutert.

Ein ausgewiesener Schmetterlingskundler wird sich auch an den über 800 Bildern und den fachkundigen Texten erfreuen. Das wichtige aber ist, dass besonders die an der Natur Interessierten gezielt angesprochen werden sollen. Dieses Ziel erreicht das Buch sehr gut. Es erweckt bei manchem Leser sicher den Wunsch, sich noch intensiver mit den Schmetterlingen zu beschäftigen.

Die Begeisterung über die hohe Qualität hat sich bei der intensiveren „Beschäftigung“ des Werkes von Sybille Przybilla sogar verstärkt. Die „Flatterhaften Schönheiten“ werden zu Recht viele Interessenten finden. Insofern ist diese Neuveröffentlichung ein Buch, das wir Schmetterlingskundler verschenken können mit Freude über die gute Qualität und mit der Sicherheit, dass die Beschenkten ein sie interessierendes und begeisterndes Werk erhalten werden. Und nicht nur nebenbei: Auch uns Schmetterlingskundler wird ein wiederholter Blick in dieses Buch immer wieder erfreuen.


Sybille Przybilla
Flatterhafte Schönheiten
ISBN 978-3-00-062490-2
216 Seiten zum Preis von € 29,90

Innerhalb Deutschlands erfolgt die Lieferung versandkostenfrei.

Probeseiten und Bezugsquelle unter: flatterhafteschönheiten.de/

Buchcover Rückseite

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Mikro-Tagung in Willebadessen – Kleine Falter, große Geschichte

Vom 11.–13. Oktober 2019 fand das 23. Treffen der deutsch sprechenden Kleinschmetterlingsexperten in Willebadessen im Kreis Höxter statt, das von Dieter Robrecht hervorragend organisiert war. 31 Teilnehmer aus Deutschland, Luxemburg, Schweiz, Österreich, Niederlande und Dänemark informierten sich anhand von Vorträgen über neueste Ergebnisse zu dieser wenig wahrgenommenen Artengruppe der Schmetterlinge.

Zwar standen und stehen die Kleinschmetterlinge nach wie vor im Schatten der großen und auffälligen Arten, aber bereits seit Jahrhunderten haben sich einige Entomologen auch mit dieser Gruppe eingehend beschäftigt. Das wird nicht nur bei der Betrachtung des auf der Tagung vorgestellten 2. Bandes über die Kleinschmetterlinge der Oberlausitz erkennbar. Die Bedeutung der Kleinschmetterlinge in der Entwicklung der Lepidoptera wird zudem deutlich, wenn man Insekteneinschlüsse in Bernstein betrachtet, wo über 100 Millionen Jahre alte Kleinschmetterlinge nachgewiesen wurden. Während also gigantische Dinosaurier die Erde bevölkerten, flogen dort bereits Kleinschmetterlinge, wie in einem Vortrag zu diesem Thema gezeigt wurde.

Insgesamt gab es zehn Vorträge zu unterschiedlichen Aspekten und Familien der Kleinschmetterlingsfauna. Darüber hinaus blieb dennoch ausreichend Zeit für Fachgespräche und Einsicht in die mitgebrachten Sammlungskästen. Die Unterstützung von Experten zu speziellen Schmetterlingsfamilien war ebenso möglich wie die Vorstellung neuester und geplanter Literatur. Für ein in Arbeit befindliches Buch über die Arten der Familie Gelechiidae von Nord- und Nordwesteuropa werden noch zu einigen Arten Daten benötigt. Da als Südgrenze in diesem Projekt etwa der 52. Breitengrad definiert wurde, könnten alle Daten ab dem nördlichen Münsterland interessant sein. Wer hat dazu noch Daten?

Der abschließende Höhepunkt jeder Kleinschmetterlingstagung ist immer eine gemeinsame Exkursion. Sie führte am Sonntag in das NSG Kalktriften, das mit einem Schmetterlingspfad direkt am Ortsrand beginnt. Der Jahreszeit entsprechend wurde hauptsächlich nach Blattminen unterschiedlicher Schmetterlingsfamilien gesucht. Glücklicherweise war Erik van Nieukerken mit von der Partie, so dass wir einen der profundesten Kenner der Familie Nepticulidae in der Gruppe hatten.

Diese Exkursion zeigt einmal mehr, welchen faunistischen Forschungsbedarf es insbesondere bezüglich der Kleinschmetterlinge in unserem Arbeitsgebiet noch gibt!

Insgesamt konnten im Rahmen der Tagung 20 Arten aus den Familien Nepticulidae, Heliozelidae, Tischeriidae und Gracillariidae nachgewiesen werden. Darunter sind immerhin drei Erstnachweise für Nordrhein-Westfalen! An Odermennig (Agrimonia eupatoria) wurden gleich 2 Arten neu nachgewiesen: Stigmella aeneofasciella (HERRICH-SCHÄFFER, [1855]) und Ectoedemia agrimoniae (FREY, 1858). Die dritte wurde an Gemeiner Heckenkirsche (Lonicera xylosteum) gefunden, nämlich Stigmella lonicerarum (FREY, 1857). Fotos dieser drei Funde wurden inzwischen durch Dieter Robrecht auch im Lepiforum publiziert.

 

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Biotop-Pflegemaßnahmen für den Hecken-Wollafter Eriogaster catax, (LINNAEUS, 1758) bei Mayen (Lep., Lasiocampidae)

In Rheinland-Pfalz galt der Hecken-Wollafter lange Zeit als landesweit verschollen, bis im Jahr 1985 ein zuvor unbekanntes Vorkommen bei Idar-Oberstein entdeckt wurde. Im Rahmen einer Bestandsaufnahme der Tagfalter auf ökologischen Ausgleichsflächen im Auftrag des LBM Cochem-Koblenz wurde 2018 völlig überraschend ein weiteres Vorkommen im Großraum Mayen entdeckt (MÜLLER 2018).

Der Hecken-Wollafter (Eriogaster catax, Linnaeus, 1758) ist deutschlandweit vom Aussterben bedroht und wird als besonders zu schützende Art auch in den Anhängen II und IV der FFH-Richtlinie der EU aufgeführt. Inzwischen wurden Biotop-Pflegemaßnahmen zum Schutz des Hecken-Wollafters am Standort bei Mayen eingeleitet. Mit Vertretern des Landesbetriebs Mobilität Rheinland-Pfalz (LBM Cochem-Koblenz), Frau Valerius und Herrn Ebke, tagte am 18.12.2018 eine Expertenrunde auf Einladung von Dr. Axel Schmidt (Struktur- und Genehmigungsdirektion SGD-Nord), um den Kenntnisstand zur Biologie und Ökologie der Art als Grundlage von Pflegemaßnahmen zu erörtern.

Man kam überein, dass Pflegemaßnahmen auf die Erhaltung des momentanen Zustandes gerichtet sein sollen, um den zu erwartenden negativen Veränderungen in Folge natürlicher Sukzession  entgegenzuwirken. Es gilt dabei im Besonderen zunehmende Beschattung sonnig stehender Schlehen durch das Entfernen größerer Gehölze zu verhindern. Dort wo sie keine Schlehen beschatten, sollten höherwüchsige Gehölze verbleiben, bzw. nur bei Überhandnehmen reduziert werden, da sie zur strukturellen Vielfalt des Standortes beitragen, das Mikroklima günstig beeinflussen (z.B. durch Windschutz),  und ihr Schatten mit luftfeuchtem Mikroklima möglicherweise von ausgewachsenen Raupen zur Verpuppung aufgesucht werden. Bei einer daran anschließenden ersten Besichtigung des Mayener Standorts konnten quasi „nebenbei“ 26 Eigelege des Hecken-Wollafters gefunden werden.

Mit dem LBM Cochem-Koblenz wurde vereinbart, dass Pflegemaßnahmen in besonders sensiblen Bereichen ausschließlich von, bzw. unter Aufsicht von Fachleuten im Ehrenamt mit Fahrtkostenerstattung durchgeführt werden sollen. Maßnahmen in weniger sensiblen Bereichen sollen ausgeschrieben und von einer geeigneten Firma durchgeführt werden.

Zu einer ersten Pflegeaktion trafen sich am 14.09.2019 fünf Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Rheinisch Westfälischer Lepidopterologen (Volker Gayk, Thomas  Geier, Hermann Josef Heimbach, Daniel Müller und Heinz Schumacher) sowie (zeitweilig) Frau Andrea Valerius vom LBM Cochem-Koblenz. Eine Genehmigung zum Gehölzschnitt außerhalb der dafür zulässigen Zeit war zuvor bei der SDG Nord eingeholt worden.

Folgende Maßnahmen wurden durchgeführt: Auf einer Teilfläche, wo im Frühjahr zahlreiche Raupenkolonien gefunden worden waren, wurden Pflanzen entfernt, welche die dort vorhandenen Schlehen z.T. bereits beschatteten, darunter mehrere über mannshohe Feldahorn-Bäume, zahlreiche Sämlinge von Eschen, Eichen und Feldahorn, sowie Sträucher von Rosen, Hartriegel, Brombeeren, Besenginster u.a.

An einer Stelle, auf der im Frühjahr keine Raupenkolonien gefunden worden waren, wurden drei mehr als 5 m hohe Feldahorn-Bäume sowie die dazwischen wachsenden Rosen, Brombeeren und Pfaffenhütchen gerodet, um einen nördlich daran anschließenden, stark beschatteten Schlehen-Bestand freizustellen.

Ein Bereich, in dem bis zu 5 m hohe Eschen z.T. dahinter befindliche Schlehen beschatten, wurde markiert; die Fällung der Eschen soll durch einen Unternehmer im Auftrage des LBM Cochem-Koblenz erfolgen. Das bereits entfernte Material wurde am Wegesrand gelagert, der Landesbetrieb wird sich um einen baldigen Abtransport kümmern.

Für weitere Informationen zum Thema sei auf den in der nächsten Ausgabe der Melanargia erscheinenden Artikel von Thomas Geier verwiesen.

Literatur:

MÜLLER, D.: Ein weiterer Fundort von Eriogaster catax (LINNAEUS, 1758) für Rheinland-Pfalz (Lep., Lasiocampidae). Melanargia, 30 (4): 149-151.

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