Der Mosel-Apollofalter – Schmetterling des Jahres 2024

Mosel-Apollofalter – Parnassius apollo. Valvig (Mosel) Brauselay. © Tim Laußmann

Benannt nach Apollon, dem Gott des Lichtes, macht der Apollofalter seinem Namen alle Ehre, denn er ist fast ausschließlich bei Sonnenschein aktiv. Doch die Überlebensaussichten für diese wunderschöne Schmetterlings-Art sind an der Mosel alles andere als sonnig. Die dort vorkommende Unterart – der nach dem Weinort Winningen benannte Mosel-Apollofalter (Parnassius apollo ssp. vinningensis), ist weltweit einzigartig, es gilt, ihn vor dem Aussterben zu bewahren!

Mit der Wahl des weltweit und europarechtlich besonders geschützten Mosel-Apollofalters zum Schmetterling des Jahres 2024 will die Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen e.V. und die BUND NRW Naturschutzstiftung auf den rücksichtslosen und flächendeckenden Umgang mit Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft aufmerksam machen.

Solche Pestizide sollen die Nutzpflanzen schützen, wirken jedoch oft auch schädlich auf Organismen, gegen die sie eigentlich nicht gerichtet waren. So sind zum Beispiel viele der im Weinbau verwendeten chemisch-synthetischen Fungizide (Mittel gegen Pilzbefall) bekanntermaßen mehr oder weniger schädlich für Nutzinsekten[1]. Die Wirkung auf Schmetterlinge ist weitgehend unerforscht[2]. Zudem ist mittlerweile bewiesen, dass sich Pflanzenschutzmittel auch weit entfernt von ihrem Anwendungsort auf Insekten auswirken[3]

In Rheinland-Pfalz, im unteren Moseltal, liegen die letzten vom Apollofalter besiedelten Felsen inmitten von zumeist konventionell bewirtschafteten Weinbergen. Die dort eingesetzten Spritzmittel werden in den Steillagen mit Hubschraubern ausgebracht, verteilen sich besonders weiträumig in der Landschaft und treffen auch die Felsen, auf denen die Raupen und Falter des Schmetterlings des Jahres 2024 leben. Seit dem Jahr 2012 beobachten Schmetterlingskundler einen dramatischen Einbruch der Population des Mosel-Apollofalters[4]. Man kann dem „Insektensterben“ in Echtzeit zusehen!

Apollofalter: Schwarze Flecken, Rote Augen

Der Apollofalter Parnassius apollo (Linnaeus, 1758) ist ein Tagfalter aus der Familie der Ritterfalter (Papilionidae) und zählt mit einer Flügelspannweite von 65 bis 75 mm zu den größten Tagfaltern in Deutschland. Seine Flügel sind überwiegend weiß beschuppt und mit einem transparenten Außenrand versehen. Auf den Vorderflügeln besitzt die Art mehrere große schwarze Flecken. Jeder Hinterflügel zeigt ober- und unterseits zwei charakteristische rote Augenflecken, die eine schwarze Umrandung und einen weißen Kern aufweisen. Die Geschlechter lassen sich anhand der Oberseite des Hinterleibs unterscheiden, die nur beim Männchen dicht behaart ist. Ferner sind die Flügel der Weibchen im Unterschied zu denen der Männchen dunkel beschuppt.

Der Mosel-Apollofalter Parnassius apollo ssp. vinningensis (Stichel, 1899) hat sich an der Mosel durch geografische Isolation zu einer Unterart entwickelt, die sich äußerlich von den Apollofaltern anderer Regionen, z.B. in Schweden oder den Alpen unterscheidet. Mosel-Apollofalter besitzen innerhalb der dunklen Zone am Innenrand ihrer Hinterflügel eine rundliche Aufhellung. Darüber hinaus sind die beiden unteren roten Augenflecken meist nierenförmig anstatt rund ausgeprägt.

Die weißen Apollofalter-Eier sind etwas kleiner als ein Stecknadelkopf und besitzen eine rundliche, abgeflachte Form sowie eine körnige Oberflächenstruktur. Aus den Eiern schlüpfen schwarz gefärbte und kurz behaarte Raupen, die bis zu ihrer ersten Häutung ein graues Fleckenmuster besitzen. Ältere Raupenstadien haben zwei auffällige orange Fleckenreihen, welche längs der beiden Körperseiten verlaufen. Ausgewachsene Apollofalter-Raupen können eine Länge von über 40 Millimetern und ein Gewicht von mehr als 1,8 Gramm erreichen. Sie sind dann rund 20-mal länger und 3000-mal schwerer als zu Beginn ihrer Entwicklung. Durch eine weitere Häutung verwandeln sich die Raupen in hellbraun gefärbte Puppen, die mit zunehmender Aushärtung dunkler werden und nach etwa einem Tag einen bläulich-weißen, wachsartigen Überzug erhalten, der sie vor Austrocknung schützt.

Leben zwischen Felsen, Flockenblume und Fetthenne

Mosel-Apollofalter sind einbrütig, bilden pro Jahr nur eine Generation aus. Die Falter treten an der Mosel überwiegend zwischen Mitte Mai und Juli in Erscheinung. Sie ernähren sich von Nektar, den sie bevorzugt aus blauvioletten Blüten wie denen der Skabiosen-Flockenblume oder der Kartäusernelke saugen. Zur Partnerfindung fliegen die Männchen oft rastlos umher und suchen gezielt frisch geschlüpfte Weibchen, die anfangs in der Vegetation ruhen. Wird ein solches entdeckt, dann stürzt sich das Männchen förmlich auf das Weibchen, um sich mit diesem nach kurzer Balz zu paaren. Dabei verschließt das Männchen das weibliche Hinterleibsende mit einem Sekret, das anschließend zur sogenannten Sphragis – dem Siegel – aushärtet. Diese Versiegelung wirkt wie ein Keuschheitsgürtel und verhindert eine erneute Begattung des Weibchens durch andere Männchen.

Nach der Paarung klebt das Weibchen im Verlauf von eineinhalb Wochen bis zu 200 Eier einzeln unter Felsvorsprünge oder an dürres Pflanzenmaterial. Etwa zehn Tage nach der Eiablage liegen in den Eiern bereits vollständig entwickelte winzige Raupen vor, die allerdings erst im zeitigen Frühjahr des Folgejahres ausschlüpfen. Im Moseltal ernähren sich die Raupen nahezu ausschließlich von der Weißen Fetthenne (Sedum album). Sie entwickeln sich innerhalb von 60-70 Tagen zur Puppe, aus der nach weiteren zwei bis drei Wochen der Falter schlüpft.

Isolierte Populationen mit fehlendem Genaustausch

Der Apollofalter ist zwar in weiten Teilen Europas und Asiens verbreitet, allerdings kommt er nur sehr lokal vor, denn er ist ein sogenanntes Eiszeitrelikt. Während der letzten Kaltzeit prägten Kältesteppen das Landschaftsbild, die der Schmetterling von seiner ursprünglichen Heimat aus, den zentralasiatischen Hochgebirgen, besiedeln konnte. Mit der Rückkehr der Bäume vor etwa 12.000 Jahren wurde die Art vielerorts verdrängt, denn sie konnte nur an den waldfreien Fels-, Schutt- und Geröllfluren der Mittel- und Hochgebirge überleben, wo es zudem reichlich Fetthennen und verwandte Pflanzen gibt. In den Alpen findet sich der Apollofalter hauptsächlich oberhalb von 1000 Metern, in Skandinavien dagegen lebt er fast auf Meereshöhe.

Terrassenmosel bei Winningen, Lebensraum des Mosel-Apollofalters. ©  Tim Laußmann

Bis ins frühe 20. Jahrhundert war er auch in vielen Mittelgebirgen Europas beheimatet. Im Zuge der weitgehenden Aufgabe der Schaf- und Ziegenbeweidung verbuschten seine Lebensräume, und er ist dort heute fast überall ausgestorben. Letzte Vorkommen finden sich in Deutschland heute im Moseltal sowie auf der Schwäbischen und der Fränkischen Alb und in den Alpen[5]. Im Moseltal lebt die Unterart Mosel-Apollo räumlich und genetisch von anderen Populationen getrennt an den heute vom Weinbau umgebenen, steilen Felsen und Mauern der Untermosel, woraus sich das hier thematisierte Konfliktpotential ergibt.

Besonders streng geschützt

Der Mosel-Apollo ist wie alle anderen Unterarten des Apollofalters eine nach Anhang IV der Richtlinie 92/43/EWG („Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie“) streng geschützte Schmetterlingsart. Der Mosel-Apollofalter ist nicht nur besonders groß und hübsch, sondern auch außergewöhnlich, da es sich um eine einzigartige und nicht zu ersetzende oder aus anderen Gebieten wieder anzusiedelnde Unterart handelt, die besondere Merkmale aufweist. Er zeichnet sich insbesondere durch seine Anpassung an die trocken-warmen Lebensbedingungen an der Mosel aus. Alle Unterarten des Apollofalters sind zusätzlich durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) weltweit streng geschützt.

Laut der Roten Liste Rheinland-Pfalz (publiziert 2013 mit Daten bis ca. 2012) gilt der Mosel-Apollofalter als extrem selten (Kategorie R). Deutschlandweit gilt der Apollofalter nach der Roten Liste von 2011 als stark gefährdet (Kategorie 2), vgl. REINHARDT & BOLZ (2011).

Die Art stand bereits am Ende der 1970er Jahren kurz vor dem Aussterben, da man über Jahre hinweg Insektizide und Akarizide zum Schutz der Reben gegen Traubenwickler (Kleinschmetterlinge) und Milben ausgebracht hatte. Diese Praxis konnte seinerzeit durch den Einsatz von Naturschützern und engagierten Winzern beendet werden[6]. Zur Kontrolle der Traubenwickler werden heute Pheromone eingesetzt, die sehr artspezifisch sind. Im Verlaufe der 1990er und 2000er Jahre hatte sich die Population des Mosel-Apollofalters stabilisiert, und nicht selten waren Dutzende fliegender Falter gleichzeitig an den Felsen und Mauern zu sehen.

Das waren noch Zeiten: Nach einem Gewitterschauer auf 10-20 Metern Wegstrecke zusammengesammelte Mosel-Apollos, Juli 1995. © Tim Laußmann

Zusammenbruch der Population nach 2012

Die positive Entwicklung änderte sich schlagartig ab dem Jahr 2012, in dem deutlich weniger Falter flogen als im Vorjahr. Schmetterlingskundler machten die örtlichen Behörden auf diese Beobachtung aufmerksam. Im Gespräch waren die per Hubschrauber ausgebrachten Pflanzenschutzmittel als mögliche Ursache, da bekanntermaßen regelmäßig neue Chemikalien für den Pflanzenschutz auf den Markt kommen. Jedoch wurden auch klimatische Änderungen und eine zunehmende Verbuschung der Lebensräume sowie Stickstoffeintrag aus der Luft diskutiert.

Behördlicherseits wurden die Pflanzenschutzmittel als Ursache unter dem Hinweis ausgeschlossen, dass es sich bei den Stoffen um für den Apollofalter unschädliche Fungizide (Mittel gegen Pilze) handele. So war es auch noch bis Ende 2022 im Artenporträt des Bundesamts für Naturschutz zu lesen.

Es gibt zwar Befunde, dass jahrweise Schwankungen der Populationsgröße auf besondere Witterungsverläufe zurückzuführen sind, allerdings lässt sich damit kein kontinuierlicher Rückgang begründen. Zudem hat die ebenfalls sehr kleine Apollofalter-Population auf der nördlichen Fränkischen Alb in einem kleinklimatisch vergleichbaren Lebensraum zuletzt dank entsprechender Biotoppflege eine positive Entwicklung genommen[7].

Einige ehemalige Lebensräume an der Mosel sind in der Tat mittlerweile durch Aufgabe der Bewirtschaftung und fehlende Offenhaltung zugewachsen und daher nicht mehr besiedelt. Warum der Mosel-Apollofalter auch im Bereich offener Felsen verschwunden ist, blieb jedoch rätselhaft.

In den vergangenen Jahren etwa seit 2020 war der Apollofalter an der Untermosel eine Ausnahmeerscheinung! An berühmten und sogar touristisch beworbenen Flugstellen wie dem „Apolloweg“ in Cochem-Valwig werden aktuell nur noch einzelne Exemplare beobachtet! Der Mosel-Apollo steht kurz vor dem Aussterben!

Überleben in vergifteter Landschaft?

Die Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln mit Luftfahrzeugen, wie zum Beispiel mit Hubschraubern, ist in Deutschland verboten. Nur nach fachlicher Prüfung können Ausnahmegenehmigungen für diese Art der Applikation durch eine zuständige Landesbehörde erteilt werden. In Rheinland-Pfalz ist dies die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD). Auf der Webseite der Behörde werden die tatsächlich ausgebrachten Mittel aufgelistet. Es zeigt sich, dass allein im Jahr 2022 mindestens 20 verschiedene Chemikalien in unterschiedlichen Kombinationen alle sieben bis zehn Tage per Sondererlaubnis aus der Luft ausgebracht wurden. Viele dieser Mittel sind auch als schädlich für Insekten eingestuft1.

Besonders bemerkenswert ist, dass zumindest die in jüngster Zeit neu verwendeten Stoffe ohne jede naturschutzfachliche Verträglichkeitsprüfung ausgebracht werden.[8]

Eine schriftliche Nachfrage beim Umweltbundesamt ergab, dass die Stoffe, insbesondere auch in der verwendeten Kombination oder Reihenfolge, niemals auf Verträglichkeit für den Mosel-Apollofalter getestet wurden. Das Umweltbundesamt rät daher fachlich davon ab, die Praxis der Hubschrauberspritzung fortzusetzen. Dass die Stoffe trotzdem angewendet werden, begründet die zuständige Genehmigungsbehörde des Landes Rheinland-Pfalz wie folgt[9]: In Steillagen stünden keine gleich wirksamen Behandlungsmethoden zur Verfügung bzw. sie seien mit hohem personellem und finanziellem Aufwand verbunden. Der Arbeitseinsatz und die körperliche Belastung für den Menschen würden reduziert. Der Boden würde nicht durch Fahrzeuge verdichtet, und es würden nur durch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit zugelassene Stoffe versprüht. Der Schutz der Bevölkerung und der Tier- und Pflanzenwelt sei sichergestellt. Zitat: „Der Hubschraubereinsatz dient dem Erhalt der Weinkulturlandschaft mit ihrer ökologisch bedeutsamen Flora und Fauna.“

Die Anwendungen der Fungizide erfolgen in der Regel präventiv. Die Vielzahl der benutzten Substanzen wird im Allgemeinen mit Resistenzmanagement begründet[10]. Wichtig ist dabei, dass Mittel mit unterschiedlichen Wirkmechanismen im Wechsel verwendet werden. In jüngerer Zeit sind zu den Stoffen, die z.B. in spezielle Stoffwechselwege von Pilzen eingreifen, sogenannte Succinatdehydrogenase-Inhibitoren (SDHI) hinzugekommen, die die Zellatmung blockieren. Einer davon, Fluopyram wird aktuell großflächig im Weinbau gegen Pilzkrankheiten wie Grauschimmelfäule (Botrytis) und Echten Mehltau eingesetzt. Fluopyram ist besonders persistent, verbleibt also sehr lange in der Umwelt. Es ist seit 2012 im Einsatz und seit 2013 für die Anwendung mit Hubschraubern zugelassen[11]. Der Stoff verursachte anfangs durch fehlerhafte Anwendung schwere Wachstumsstörungen bei Weinreben[12]. Fluopyram, das auch gegen Fadenwürmer (Nematoden, „Wurzelälchen“) eingesetzt wird, steht in Verdacht, auch noch andere Organismengruppen zu schädigen[13].

Der zeitliche Zusammenhang zum Niedergang des Mosel-Apollofalters fällt deutlich ins Auge. Allein dies sollte genügen, die konkrete Auswirkung der Substanz auf Tagfalter wie den Apollofalter zu untersuchen und bis zur Vorlage von Ergebnissen von einer Anwendung dieser Stoffklasse im Umfeld der Vorkommen abzusehen. Der Niedergang des Mosel-Apollofalters als Indikator für den Zustand seines Lebensraums ist ein eindeutiges Warnsignal, das nicht unbeachtet bleiben sollte.

Es bleibt zu hoffen, dass der exzessive Einsatz von Pestiziden an der Mosel, insbesondere die Ausbringung mittels Hubschrauber, bald Geschichte ist. Schließlich gilt es, alle schädlichen Einflüsse von der besonders geschützten Unterart Mosel-Apollofalter fernzuhalten. Unbedingt notwendig ist selbstverständlich auch der intensive Schutz und die Pflege der wenigen verbliebenen Lebensräume.

Wie stände Deutschland im internationalen Vergleich da, wenn es nicht einmal gelingt, eine Insektenart von übergeordnetem Interesse zu erhalten?


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Literatur und Links zum Thema Mosel-Apollofalter

Rote Liste Rheinland-Pfalz
SCHMIDT, A. (2013): Rote Liste der Großschmetterlinge in Rheinland-Pfalz; Hrsg.: Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten Rheinland-Pfalz, Mainz . https://mueef.rlp.de/fileadmin/mulewf/Publikationen/Rote_Liste_Grossschmetterlinge_neu.pdf

Rote Liste Deutschlands
REINHARDT, R. & R. BOLZ  (2011): Rote Liste und Gesamtartenliste der Tagfalter (Rhopalocera) (Lepidoptera: Papilionoidea et Hesperioidea) Deutschlands. – In: Binot-Hafke, M., Balzer, S., Becker, N., Gruttke, H., Haupt, H., Hofbauer, N., Ludwig, G., Matzke-Hajek, G. & Strauch, M. (Bearb.): Rote Liste der gefährdeten Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands. Band 3: Wirbellose Tiere (Teil 1). – Bonn (Bundesamt für Naturschutz). – Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (3): 167–194.
Datenblatt Apollofalter des Rote-Liste-Zentrums Bonn


[1]    Datenbank des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit: https://apps2.bvl.bund.de/psm/jsp/index.jsp und Angaben der Hersteller auf Produktdatenblättern.

[2]    Schriftliche Auskunft des Umweltbundesamts vom 29.03.2023

[3]    Brühl, C.A., Bakanov, N., Köthe, S. et al.: Direct pesticide exposure of insects in nature conservation areas in Germany. Sci Rep 11, 24144 (2021). https://doi.org/10.1038/s41598-021-03366-w

[4]    Müller, D und Griebeler EV (2021) Der Apollofalter Parnassius apollo (LINNAEUS, 1758) in Rheinland-Pfalz – Verbreitung, Bestandstrends und Phänologie (Lep., Papilionidae), Melanargia, 33 (2): 65-96

[5]    Lepiforum, https://lepiforum.org/wiki/page/Parnassius_apollo#Weitere_Informationen-Verbreitung; abgerufen am 20.10.2023

[6]    https://lfu.rlp.de/de/naturschutz/artenschutz-und-projekte/artenschutzprojekte/insekten/apollofalter/

[7]   Geyer, A. (2019): Der Apollofalter im Kleinziegenfelder Tal – Erhaltung und Sicherung der letzten Population in der Fränkischen Schweiz. ANLiegen Natur 41(1): 113–122, Laufen

[8]    Schriftliche Auskunft der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord in Rheinland-Pfalz vom 07.11.2023.

[9]   Genehmigung zur Anwendung von Pflanzenschutzmitteln mit Luftfahrzeugen durch die ADD für die Gemarkungen Beilstein, Bruttig, Cochem, Cond, Ellenz-Poltersdorf, Ernst, Fankel, Sehl und Valwig vom 04.05.2022

[10] Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Rebschutzleitfaden 2023, https://www.lwg.bayern.de/mam/cms06/weinbau/dateien/230302_rebschutz_bf.pdf

[11] Antwort des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit vom 2. Juni 2023 per E-Mail.

[12] Robatscher, P., Eisenstecken, D. Raifer B. et al. (2016) Wuchsstörungen im Weinbau aufgeklärt. Obst- und Weinbau 4/2016, 5-8

[13] Bénit P, Kahn A, Chretien D, Bortoli S, Huc L, et al. (2019): Evolutionarily conserved susceptibility of the mitochondrial respiratory chain to SDHI pesticides and its consequence on the impact of SDHIs on human cultured cells. PLOS ONE 14(11): e0224132


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55 Antworten zu Der Mosel-Apollofalter – Schmetterling des Jahres 2024

  1. Gregarek, Bernd sagt:

    Als Neuling in dieser Diskussion beeindruckt mich zunächst die Bereitschaft der meisten Teilnehmer/innen, mit offenem Visier anzutreten und einen Kontrapunkt zu setzen zu der weit verbreiteten Vorgehensweise, unter einem Pseudonym aus der Anonymität des Netzes heraus abwertende Kommentare über andere Menschen abzugeben, deren Meinung nicht geteilt wird. In diese Kategorie fallen für mich allerdings auch Äußerungen der Marke „es lohnt sich nicht, mit Ihnen zu reden“. Mein Name wird unter diesem Beitrag stehen, es mag auch dem einen oder anderen bedeutsam erscheinen, dass ich Jurist bin und privat den Umweltschutzverbänden nahestehe. Über den Apollofalter bin ich zur Naturfotografie gekommen. Aufgerüttelt hat mich auch der Film „Pestizide, Europas zynischer Export“ (derzeit in der Mediathek auf Arte). Das soll zur ersten Verortung der Interessenlage vielleicht genügen. In der Sache möchte ich den Ansatz von Dr. Tim Laußmann aber auch anderer Stimmen aufgreifen, die versuchen, eine gemeinsame Schnittmenge der Interessen ins Auge zu fassen. Der Apollofalter ist sicher ein Aushängeschild der Region und wird – solange er existiert- auch ein Synonym für die besondere Biodiversität von Teilen der Moselregion sein, die in manchen Seitentälern eine herausragende Vielfalt von Rote-Liste-Arten aufweist. Stirbt er aus, würde dies wohl weithin als Zeichen dafür gewertet, dass die Region zu giftig geworden ist und der schon fast stereotype Hinweis auf den Klimawandel würde daran auch nicht viel ändern, ist doch die Moselregion seit jeher als besonders warme Region bekannt.
    Dass ein so offenkundiger Rückgang der Biodiversität auch auf das Produkt Wein der Moselregion durchschlagen würde, halte ich zumindest nicht für ausgeschlossen. Ich fände es auch ausgesprochen bedauerlich, wenn die Auseinandersetzung zu Verhältnissen führen würde, wie sie vor einigen Jahren im Elsaß eintraten, als den Bienenzüchtern in den Weinbauregionen ein dramatischer Ausfall ihrer Völker auffiel, der allein mit der Varroamilbe nicht zu erklären war. Hier wie dort wurde mit dem Hinweis auf fehlende Nachweise zunächst proklamiert, die im Weinbau eingesetzten Giftstoffe seien wahrscheinlich nicht der Grund für den Rückgang der Bienen, von denen wir heute wissen, dass sie z.B. durch Neonicotinoide ihre Orientierung verlieren. Mir ist bekannt, dass es den Honigbienen im Verhältnis zu ihren wilden Verwandten in den meisten Regionen noch relativ gut geht und wir sprechen in der Moselregion wohl derzeit vor allem über Fungizide, die sich auf die Zellatmung auswirken, aber auch hier sehe ich keine unüberwindbaren Gegensätze in den Interessenlagen, sieht man einmal von den Firmen ab, deren Geschäftsmodell der internationale Handel mit Giftstoffen ist, aber auch hier muss man sich fragen, ob es nicht auf Dauer einträglicher wäre, auf besonders problematische Stoffe zu verzichten statt Milliardenrücklagen für Schadensersatzprozesse zu bilden. Als Winzer hätte ich jedenfalls ein großes Interesse daran, mein Produkt Wein positiv vermarkten zu können, als Umweltschützer möchte ich Zeigerarten wie den Moselapollo unbedingt am Leben erhalten, weil ich weiß, dass sein Aussterben ein Zeichen dafür ist, dass auch andere Arten gefährdet sind. Würde mir als Winzer nachgewiesen, dass ich durch die verabreichten Stoffe zum Aussterben einer solch seltenen Art beigetragen habe, so würde ich einen erheblichen Imageschaden befürchten. Im Elsaß setzten Bewegung und das Besinnen auf gemeinsame Interessen erst ein, nachdem die Bienenschützer sich mit Flugblättern in die Kreisverkehre stellten und darin die Stoffe aufzählten, die auf den Wein gesprüht wurden. Da kommt schon einiges zusammen, das sich bedrohlich anhört und für viele Organismen auch gefährlich ist, was angesichts der Zielsetzung des Einsatzes auch alles andere als verwunderlich ist.
    Niemand erwartet, dass in den Steillagen wieder aussschließlich von Hand gearbeitet wird, aber muss es der kaum zu begrenzende und – vorsichtig ausgedrückt – rechtlich ausgesprochen bedenkliche Einsatz mit dem Hubschrauber und müssen es die Stoffe sein, die nun neu hinzu gekommen sind und deren Einsatz zumindest zeitlich mit dem dramatischen Rückgang des Apollofalters seit 2012 korrespondiert ? Die Hersteller von Asbest und Nikotin aber auch von bestimmten Holzschutzmitteln haben jahrzehntelang Studien präsentiert, die die angebliche Unbedenklichkeit belegen sollten. Heute wissen wir es besser und ich meine, wir sollten angesichts dessen, was hier auf dem Spiel steht, vorsichtig sein und bedeutsame Reaktionen der Fauna und Flora genau beobachten. Ich bin sicher, dass viele Winzer gute Naturbeobachter sind und auch wenn ich bezweifle, dass der Apollofalter mit dem Weinbau an die Mosel kam, so glaube ich doch, dass es wertvoll ist, Flächen freizuhalten, damit die Nahrungspflanzen der Schmetterlinge gut gedeihen können. Der Weinbau leistet dazu einen wichtigen Beitrag. Diese positiven Aspekte zu bündeln, muss das Ansinnen der betroffenen Verbände sein und sowohl die Umweltverwaltung als auch die Verwaltungsspitzen der betroffenen Gemeinden könnten Moderatoren einer gemeinsamen Bewegung werden, den Moselapollo doch noch zu retten. Wer diese Gelegenheit verpasst und vielleicht sogar auf Zeit spielt, handelt aus meiner Sicht grob fahrlässig.

    Bernd Gregarek

    • Da Herr Gregarek mich in einem Leserbrief an die Rhein-Zeitung persönlich angesprochen hat ob der angeblichen „Wagenburgmentalität“ des Weinbauverbandes: wir sind uns der prekären Lage des Apollofalters durchaus bewusst. Die Forderung, dass jetzt mittels Drohne der Pflanzenschutz abgewickelt werden kann und der Hubschrauber sofort ersetzt werden muss, ist aber leider nicht so ohne weiters umsetzbar. Zum einen gibt es aktuell nicht ausreichend Anbieter um die betroffenen Areale abdecken zu können. In einigen Lagen ist nach dem aktuellen Rechtsstand und Stand der Technik eine Drohnen-Applikation auch nicht umsetzbar, z.B. fehlen beispielweise im Bremmer Calmont schlicht und ergreifend Landemöglichkeiten um mit Akkukapazität, Sichtflug … die gesamte Weinbergslage abdecken zu können. Das nicht gerade einfache Gelände erfordert auch ausreichende Erfahrung der Drohnen-Piloten, die außerdem auch über die notwendige Sachkunde im Pflanzenschutz verfügen müssen. Hier auf die Schnelle ausreichend Personal für die überdies saisonal beschränkte Arbeit mit Arbeistzeiten in den frühen Morgen- und ggf. Abendstunden zu finden ist nicht ganz so einfach. Dennoch brauchen unsere Winzerinnen und Winzer einen verlässlichen und leistbaren Pflanzenschutz um die kommende Saison arbeitswirtschaftlich bewältigen zu können.
      Wir stellen uns sicher nicht gegen Weiterentwicklungen, aber für das Jahr 2024 sehen wir leider keine Möglichkeit kurzfristig den Hubschrauber flächendeckend zu ersetzen. Wir unterstützen aber alle Ansätze, die eine praktikable Umsetzung in der näheren Zukunft ermöglichen werden. Ein Verbot in diesem Jahr würde dazu führen, dass viele Weinbergsflächen in den Apollo-Gebieten aufgegeben würden. Brachflächen gibt es aber in diesen Bereichen bereits mehr als genug und diese haben (siehe Apollo-Weg) nicht dazu geführt dass sich die Populationen erholt haben – ganz im Gegenteil. Eine weitere Aufgabe von Weinbergsflächen, gerade in den historischen, nicht flurbereinigten Weinbergslagen würde dem Apollo-Falter und auch vielen anderen, an diese Extremstandorte angepassten Arten, einen wahren Bärendienst erweisen.
      Als Winzerinnen und Winzer, die ständig draußen in der Natur arbeiten, nehmen wir auch viele kleine Nuancen an Veränderungen war. In den letzten 12 Jahren hatten wir zweimal eine solche schlagartige Erwärmung im Frühjahr, dass der Weiße Mauerpfeffer nicht dazu kam seine „Rotfärbung“ als Hitzeschutz auszubilden, sondern schlicht und ergreifen „verkochte“ und welkte, somit als Raupenfutterpflanze nicht zur Verfügung stand. In anderen Sommern waren bereits Anfang/Mitte Juni alle potentiellen Nektarpflanzen in den Steilhängen verdorrt und fehlten somit. Hinzu kommt in den letzten Jahren oft ein über Wochen anhaltender trocken-heißer, fast mistralartiger Wind, der vorhandene Falter in ihre Verstecke lockt.
      An verschiedenen Stellen in diesem Chat wurde davon gesprochen, dass wir Winzer nur an der Gewinnmaximierung interessiert seien. Seien Sie versichert: die Winzerinnen und Winzer, die in Lagen wie dem Winninger Uhlen und dem Bremmer Calmont arebiten tun dies nicht der „Gewinnmaximierung“ halber, sondern aus Leidenschaft und Verantwortungsbewusstsein für eine einzigartige und schützenswerte 2000-jährige Kulturlandschaft mit hohem ökologischem (und auch touristischem) Wert. Bei ca. 1000 (+) Arbeitsstunden pro Jahr und Hektar werden hier handwerklich und leidenschaftlich Weine erzeugt, die anschließend auf dem Markt mit Weinen konkurrieren müssen, die in vollmechanisierten flachen Weinbergen mit teilweise gerade 60 Arbeitsstunden/Jahr und Hektar erzeugt werden können… Aber- wir lieben unsere Arbeit und diese Landschaft!
      Ja, der Weinbau hat auch eine Verantwortung bezüglich verlorener Lebensräume des Apollo-Falters. Diese liegen aber vor allem in früheren Jahren. Flurbereinigungsverfahren bis in die 90er Jahre waren tatsächlich einseitig an Effizienzsteigerung interessiert. Hier wurden leider viele Strukturen in den Weinbergen zerstört, Felsen überplaniert, Trockenmauern abgerissen und stattdessen hohe, ausgefugte „Schwerlastmauern“ errichtet. In solchen Lagen ist es, zugegebener Maßen, um die Artenvielfalt nicht gut bestellt. Dazu kommen gerade im Bereich der unteren Mosel viele Flächenaufgaben und somit verbuschte Areale. Brombeerhecken sind leider auch recht totes Land.
      Hier setzen Projekte wie die „Lebendigen Moselweinberge“ und das „Moselprojekt“ an: wieder Lebens-Strukturen zu schaffen, regionaltypische Begrünungsmischungen in den Weinbergszeilen und Saumstrukturen zu etablieren und diese insektenschonend zu pflegen, Biotopvernetzungen zu schaffen, Umweltbildung und Verständnis für die Lebensräume des Moseltals zu schaffen. Auch Freistellungs- und Offenhaltungsprojekte gehören dazu. Daher können wir auch beziffern wie wertvoll die Biotopdienstleistungen der Winzerinnen und Winzer sind, die diese mit ihrer täglichen Arbeit nebenbei leisten. Leider werden diese Projekte hier ja nur als „Alibi-Veranstaltungen“ gebrandmarkt.
      Ich bin selbst ein „Aktivposten“ dieser Projekte und lade Sie alle herzlich ein meine „vergifteten“ Weinberge kennen zu lernen. Ich würde mich freuen mit Ihnen in einen konstruktiven Dialog eintreten zu dürfen!

  2. Lutz Hommes sagt:

    Die Kommentatoren Laußmann und Dahl haben sich ja von Beginn an – ohne den Nachweis erbringen zu können – auf den Einsatz der SDHI-Mittel im Pflanzenschutz ab 2013 als Ursache für den Populationsrückgang des Apollofalters in vorausseilendem Gehorsam in 2012 eingeschossen. Die SDHI Mittel seien ohne speziellen Test auf die Wirkung des streng geschützten Apollofalters auf dem Markt. Soweit, so zu mindest nicht ganz falsch.
    Sind denn auch Überlegungen auf andere äußere Umstände als Ursache für den Populationsrückgang eingeflossen? Seit 2012 wurde in Deutschland flächendeckend das 4G/LTE Netz ausgebaut. Der Mobilfunksendemast für die Cochemer Apolloregion steht direkt oberhalb des Apolloweges und an der Brauselay (https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Vportal/TK/Funktechnik/EMF/start.html). Ich gehe stark davon aus, dass auch hier keine spezielle elektromagnetische Verträglichkeitsprüfung auf das Leben und Wirken des streng geschützten Apollofalters stattfand. Konsequenz: Mobilfunkmast abschalten?!
    Bevor es hier zu Schnappatmung kommt: ich bin Winzer in dem betroffenen Gebiet. 1/3 meiner Rebfläche (und damit 100% meiner Steillage) wären von einer Durchsetzung der Aufhebung der Ausnahmegenehmigung zum Pflanzenschutz aus der Luft betroffen. Das tut schon weh.
    Wer das obige Beispiel als Verschwörung oder spinnert abtut – mal drüber nachdenken. Ich habe die Überlegung auf der gleichen fragilen Fakten- und Indizienlage wie die eingangs angesprochenen Kommentatoren formuliert: Kann sein, passt so in meine Welt, kann nicht eindeutig widerlegt werden, muss also nicht falsch sein.

    • Jürgen Möschel sagt:

      Sehr geehrter Herr Hommes,
      „Sind denn auch Überlegungen auf andere äußere Umstände als Ursache für den Populationsrückgang eingeflossen?“ Wenn man sich durch die anderen Artikel liest, ja. Aber in diesem Bericht geht es explizit um die eingesetzten Pflanzenschutzmittel. Aber Sie haben Recht, Korrelation ist nicht gleich Kausalität. Ich verweise auf https://www.sciencemediacenter.de/alle-angebote/research-in-context/details/news/rueckgang-der-insektenbiomasse-um-ueber-75-prozent/. Bei Betrachtung aller Parameter ist man sich trotzdem einig, dass die Intensivierung der Landwirtschaft und der Einsatz von Agrochemikalien mit ursächlich für den dramatischen Rückgang der Insektenbiomasse sind. Ich zitiere Herrn Prof. Dr. Josef Settele „Gehen wir vom Vorsorgeprinzip aus, das in Deutschland bei Risikoabschätzungen oft die Grundlage bildet, wäre es wichtig, den plausibel erscheinenden Ursachen entgegenzuwirken, so lange die Faktoren nicht näher eingegrenzt werden können – eine veränderte/nachhaltigere Landnutzung wäre dann auf jeden Fall angezeigt.“
      Auch wenn oft das Jahr 2012 genannt wird – Habitatsverluste hat der Apollo schon in den Jahrzehnten zuvor erlitten und es sollte daher eine Selbstverständlichkeit sein, bei einer besonders streng geschützten FFH-Art entsprechende Maßstäbe anzulegen. Der Verlust des Apollofalters – aus welchen Gründen auch immer – wäre ein ziemlicher Gau für die gesamte Region. Es schadete dem Tourismus und dem Image der Region und damit auch dem Weinbau. Soweit sollte der Konsens bei allen Beteiligten gehen.

    • Dr. Tim Laußmann sagt:

      Sehr geehrter Herr Hommes,

      wir können Ihren Unmut über die möglichen Einschränkungen beim Pestizideinsatz aus der Luft verstehen. Sie sind ja auch unmittelbar betroffen. Uns ist dabei wichtig zu betonen, dass wir uns das alles nicht ausgedacht haben. Im Gegenteil: Ich selbst war bis letztes Jahr selbst (etwas naiv) der festen Überzeugung, dass selbstverständlich alle eingesetzten Mittel auf Unschädlichkeit für den Apollo und seinen Lebensraum geprüft seien. Es gab ja 1989 eine entsprechende Studie z.B. für Netzschwefel, Propineb und Mancozeb (letztere beiden nicht mehr zugelassen). Als wir jedoch recherchiert haben, welche Mittel heute eingesetzt werden, haben wir dies im Januar 2023 dem Umweltbundesamt zunächst zur Stellungnahme vorgetragen. Die Antwort kann ich Ihnen gerne zusenden und sie ist sogar wesentlich pauschaler als nur auf die SDHI bezogen. D.h. es handelt sich nicht um die Einzelmeinung von Herrn Dahl und mir. Es gibt darüber hinaus ein umweltrechtliches Problem, welches zu einer Umkehr der Beweislast beim Einsatz von Pestiziden im Umfeld einer besonders streng geschützten Art führt (siehe unten, meine Antwort auf den Kommentar von Herrn Sebastian Müller). Wie bereits erwähnt, sind wir uns sicher, dass es eine Lösung für die Steillagen geben wird mit der alle leben können. Dies ist Sache der zuständigen Behörden.
      Das Gebiet von der Brauselay bis Valwig war früher in der Tat eines der besten, wenn man Mosel-Apollofalter beobachten wollte. Wie ich schon weiter unten schrieb, sind heute dort wesentlich mehr enttäuschte Beobachter (Touristen) als Apollos zu finden. Das ist in jedem Fall bedauerlich und hat sicher auch mit dem Zuwachsen des offenen Geländes mit Brombeere und Waldrebe zu tun. Das Land RLP hat eine besondere Verantwortung für den Mosel-Apollofalter und es wäre sicher möglich, Bundes- und EU-Mittel, insbesondere für eine Entwicklung der brachgefallenen Steillagen zu mobilisieren. Z.B. als LIFE-Projekt (https://cinea.ec.europa.eu/programmes/life_en). Das haben wir auch mehrfach dem Land RLP vorgeschlagen. Vielleicht wäre das auch eine zusätzliche Einnahmequelle und ein Werbeträger speziell für Valwig und Umgebung?

      Über den Einfluss von Mobilfunk auf Insekten habe ich bisher nichts gelesen. D.h. dazu kann ich leider gar nichts beitragen.

      Mit freundlichen Grüßen
      Tim Laußmann

  3. Klaus Hanisch sagt:

    Sehr geehrter Herr Peter A.,

    die Aussage im BUND.net bei der Vorstellung des Mosel-Apollofalters als Schmetterling des Jahres 2024 „…werden in der Zeit von Mitte Mai bis Ende Juli etwa alle zehn Tage Cocktails von insgesamt 20 verschiedenen Pestiziden per Hubschrauber ausgebracht“ kann schon missverstanden werden. Armin Dahl hat die Aussage bereits präzisiert. Ob der BUND an dieser Stelle auch präziser formulieren sollte, möchte ich jedoch diesem überlassen.

    Sie schreiben weiter, dass sehr viele Winzer extra Futterpflanzen für den Apollofalter angesiedelt haben. Das ist soweit richtig und anzuerkennen.
    Für alle, die in dem Thema nicht so drin sind, dazu folgende Sätze:

    Nach dem extrem trockenen Jahr 2011 waren die Moselhänge inklusive Nektarpflanzen für die Falter bereits im Mai vertrocknet und diese wurden auf der Suche nach Nahrung auf den Moselstraßen in sehr großer Anzahl Opfer des Straßenverkehrs, was in normalen Jahren sehr viel weniger der Fall ist. Die Empfehlung lautete, ausgewählte Nektarpflanzen an feuchteren Stellen wie z.B. an Rändern der Weinbergwege anzupflanzen, damit ein Überfliegen der Straßen vermieden werden soll, wozu u.a. die Cochemer neben anderen Maßnahmen bereit waren, wie mir das von ganz oben her mitgeteilt wurde.
    Schutzmaßnahmen können jedoch nicht oder nicht nur Aufgabe der Winzer und der einheimischen Bevölkerung sein, zumal hierzu zudem wissenschaftliche Erkenntnisse und größere finanzielle Mittel erforderlich sind. Wir haben daher nach den sehr schwachen Apollo-Flugjahren 2012 und 2013 vom Verein aus ein umfangreiches Schreiben an die Landesregierung in Mainz gerichtet, in dem wir auf die besorgniserregende Situation des Moselapollos hingewiesen haben und um Unterstützung gebeten hatten. Eine Antwort hatte der Verein nicht erhalten.
    In den Folgejahren wurden Maßnahmen zur Apollopflege von der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord (SGD Nord), Koblenz eingeleitet, die jedoch das Blatt nicht wenden konnten, wie auch alles weitere bis heute erfolglos blieb. In 11 Jahren konnte kein nachweislicher Grund für den dramatischen Rückgang gefunden werden, daher besteht eine Verpflichtung, sich auch die eingebrachte Chemie näher und kritisch anzusehen.

    Freundliche Grüße

  4. Jochen Behrmann sagt:

    Einige der Diskussionsbeiträge erwecken den Eindruck, Armin Dahl und Tim Laußmann ständen mit den Forderungen nach Reduzierung des Pestizideinsatzes und Beendigung der Hubschraubereinsätze alleine da. Das ist nicht korrekt.

    Die Auswahl des Mosel-Apollos zum Schmetterling des Jahres 2024 verbunden explizit mit den Forderungen nach Reduzierung des Pestizideinsatzes und Beendigung der Hubschraubereinsätze in den Steillagen der Moselregion erfolgte gemeinsam von der Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen e. V. und dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Und hinter dem BUND und seinen Positionen stehen bundesweit immerhin mehr als 650.000 Unterstützer*innen.

    Die Forderungen des BUND, was Pestizideinsatz angeht, sind dabei sogar noch wesentlich umfassender und beschränken sich nicht nur auf den Weinbau, und das ist auch gut so. Wir brauchen in der gesamten Landwirtschaft kein „weiter so“, sondern ein deutliches Umsteuern und eine massive Einschränkung des Einsatzes von Pestiziden.

    Weitere Infos unter https://www.bund.net/umweltgifte/pestizide/

    • Peter A. sagt:

      Sehr geehrter Herr Behrmann,

      auf der Seite des BUND schreiben Sie Zitat:“In den Steillagen in unmittelbarer Nähe zu den Lebensräumen des Schmetterlings werden in der Zeit von Mitte Mai bis Ende Juli etwa alle zehn Tage Cocktails von 20 verschiedenen Pestiziden per Hubschrauber ausgebracht.“
      Behaupten Sie ernsthaft das bei jeder Spritzung 20 verschiedene Pestizide ausgebracht werden?
      Und wozu zählen bitte die Mittel die im Bioanbau ausgebracht werden (Schwefel und Kupfer) ? Sind das keine Pestizide? Reichert sich Kupfer nicht im Boden an? Ich selber wohne an der Mosel und kenne viele Winzer persönlich. Ich weiß das sehr viele extra Futterpflanzen für den Apollofalter gepflanzt werden, leider sind diese in den letzten Jahren zumeist vertrocknet. Haben Sie auch schon mal den persönlichen Kontakt vor Ort gesucht oder versuchen Sie nur Meinungsmache mit populistischen Aussagen zu betreiben? Bitte nicht Falsch verstehen mir selber liegt ein intaktes Ökosystem sehr am Herzen aber den Umgang finde ich doch sehr Fraglich.

      • Armin Dahl sagt:

        Wir behaupten hier nichts, das können Sie selbst nachlesen, die Spritzpläne der Mosel stehen ja im Netz zu Ansicht für jeden bereit. (Link anklicken)
        Und die Mittel werden natürlich nicht alle immer gleichzeitig ausgebracht sondern wie von uns beschrieben in wechselnden Zusammensetzungen.
        Für den Standort Bremm / Neef / Aldegund (Calmont!) habe ich Ihnen mal exemplarisch die Liste der Mittel herausgezogen die dort über die Saison 2023 vom Hubschrauber eingesetzt wurden: Da waren es insgesamt 15 verschiedene Präparate plus der allgegenwärtige Netzschwefel:
        Delan Pro
        Belanty (G)
        Dynali (R/G)
        Enervin SC (S)
        FLOVINE
        Folpan 80 WDG
        Luna Experience (L/G)
        Mildicut (F)
        Netzschwefel
        Orvego (S/C)
        Profiler (P)
        Sercadis (L)
        Talendo Extra (J/G)
        Topas (G)
        Vivando (K)
        Zorvec Zelavin (Q)

        Die „Intakten Ökosysteme“ die Ihnen und uns am Herzen liegen sucht man an der Mosel in den Weinbaulagen leider vergeblich. Wenn Sie ein wenig tiefer in unser Dossier einsteigen, da finden Sie auch noch die Altlasten in den Böden, Rückstände und Metaboliten von Mitteln wie DDT, die schon seit Jahrzehnten verboten sind. Das ist keine Meinungsmache und auch kein Populismus, sondern das Ergebnis des Faktenchecks.
        Und was die Ökowinzer betrifft, die Kupfermengen die heute zum Einsatz kommen sind nur ein Bruchteil von dem, was im konventionellen Weinbau über Jahrzehnte engesetzt wurde und meist auch noch im Boden steckt. In den Jahren von 1885 bis etwa 1960 wurden bis zu 80 kg Kupfer pro ha und Jahr im Weinbau ausgebracht. Das ist der Grund dafür, warum man heute manchmal über 1.000 mg Kupfer pro kg Boden findet. Im Bioweinbau sind aktuell 3 kg bzw. europaweit 4 kg / Hektar erlaubt, das sind 0,4 Milligramm pro Quadratmeter. Das können Ihnen aber die Ökowinzer selbst am besten erklären, wir beschäftigen uns mit Schmetterlingen und Artenschutz.

        • Peter A. sagt:

          Meine Frage war nicht an Sie gerichtet Herr Dahl, aus Ihren Kommentaren schließe ich das mit mit Ihnen nicht vernünftig reden kann.
          Keiner bezweifelt das früher viel Unfug betrieben wurde, allerdings nicht aus böser Absicht der Winzer oder Bauern, es wurde Ihnen so beigebracht. Im übrigen die Winzer die ich kenne Bio und konventionell arbeiten dennoch zusammen und spielen sich nicht gegeneinander aus.

          • Armin Dahl sagt:

            Wenn Sie hier kommentieren haben sie es mir mir zu tun, ich gebe Ihre Kommentare frei, und zwar mit Klarnamen, wir haben nichts zu verstecken. Herr Behrmann hat sich ja schon geäußert. Und das „hat man ihnen so beigebracht“, naja, das selbstständige Denken ist nicht verboten. Das Lesen der Fakten übrigens auch nicht.

          • Peter A. sagt:

            Ich habe nichts zu verbergen, allerdings achte ich auf meine Privaten Daten im Internet, das würde ich auch jeder/jedem empfehlen.
            Achso 1885-1960 ist mit heute vergleichbar… sorry aber da ist mir meine Zeit zu wertvoll als das ich Sie weiter auf dieser Seite verbringe. Ihnen alles gute.

          • Armin Dahl sagt:

            Ich erkenne nicht wo sie diese Jahreszahlen im Zusammenhang mit dem Apollofalter herhaben. Wir reden hier von aktuellen Entwicklungen. Aber auch so werden wir Ihre Entscheidung verschmerzen.

        • Hallo Herr Dahl,
          gerne laden wir Sie und natürlich auch ein paar andere Mitglieder Ihrer Artenschutz-Vereinigung in unseren Weinberg ein. Mein Mann und ich bewirtschaften einen Großteil der Weinberge im Bremmer Calmont. Dass unsere Existenz von diesem Vorhaben abhängt, lasse ich hier mal außen vor. Da ich kein Fan von schriftlichen Äußerungen im Internet bin, würde ich mich sehr freuen, Sie würden uns mal besuchen. Gerne können wir uns die Sachlage doch mal vor Ort anschauen und eventuell gemeinsam einen Lösungsweg finden. Ich vertrete die Einstellung „Nicht übereinander reden, sondern miteinander reden“. Es scheint mir nicht ganz richtig, diese einseitige Meinung ohne Kompromissvorschlag kundzutun, ohne den Berufsstand mit ins Boot zu nehmen, der das Ganze dann auszubaden hat. Also… über einen Terminvorschlag würden wir uns sehr freuen.

          Mit freundlichen Grüßen,
          Angelina Franzen

          • Armin Dahl sagt:

            Hallo Frau Franzen,
            Danke für die Einladung, bei nächster Gelegenheit, versprochen. An dieser Stelle nur noch mal kurz der Hinweis dass wir uns nicht in einem Feldzug gegen die Winzer befinden. Ich komme selbst von der Mittelmosel und habe jede Menge Freunde und Verwandtschaft im Weinbau. Viele Grüße und bis demnächst! Armin Dahl

  5. Edgar Müller sagt:

    In der Konsequenz würden die Forderungen von Herrn Dahl einen Beitrag zur Aufgabe des Weinbaus in nicht mechanisierbaren Steillagen leisten. Wer das bestreitet, lügt sich was in die Tasche. Das wäre eines von zahlreichen Beispielen , wie man durch gut gemeinte, aber letztlich überzogene oder untaugliche Schutzmaßnahmen ungewollt dazu beitragen kann, das zu zerstören, was man eigentlich bewahren will. Das ist so, als würde man jemanden, der in den Brunnen gefallen ist, das rettende Seil um den Hals legen.
    Erinnert sei daran, dass der Apollo ein zweifellos herausragender Baustein in einer einzigartigen maßgeblich von der Existenz des Weinbau abhängigen Fauna und Flora in den Steillagen der Untermosel ist (Stichwort „Lebendige Moselweinberge“) ist. Ein wichtiger Baustein, aber doch nur einer von vielen. Die Aufgabe des Weinbaus (darauf würde es definitiv hinauslaufen, wenn die Vorstellungen von Dahl Berücksichtigung fänden), wäre von fraglichem Nutzen für den Apollo, aber definitiv ein Desaster für andere seltene pflanzliche und tierische Organismen, deren Vorkommen unstrittig vom Fortbestand des Weinbaus profitieren. Das geht aus dem Projekt „Lebendige Moselweinberge“ klar hervor. Der Blick auf den Apollo darf nicht so fokussiert sein, dass andere unerwünschte Auswirkungen aus dem Blickfeld geraten.

    • Armin Dahl sagt:

      Hallo Herr Müller,
      Was Sie da andeuten ist nicht weniger, als dass sich die Branche nicht an die geltenden Umweltgesetze halten kann. Das steht hoffentlich nicht in den entsprechenden Lehrbüchern.
      Das Geklingel mit den „Lebendigen Moselweinbergen“ ändert auch nichts daran, dass es sich beim Apollofalter um eine europaweit geschützte Art handelt. Wir fordern hier ja nicht Unmögliches, nur dass die letzten Lebensräume einer aussterbenden Tierart nicht noch weiter vergiftet werden.
      Die Flora und Fauna, die angeblich vom Fortbestand des Weinbaus profitiert, die gibt es nicht. Ich empfehle an dieser Stelle mal einen Blick in die „Flora der Region Trier“, Band 1. „Aus der Region sind in den letzten 200 Jahren 118 Arten verschwunden […] Die wichtigste Ursache für den Artenrückgang ist die Umstrukturierung der Landwirtschadt.“ Und das sind nur die Pflanzen. Dass der Weinbau die Artenvielfalt in der Region erhält, ist Fiktion, und gutes Marketing für die Touristen. Die dürfen allerdings am Morgen nicht so früh aufstehen, denn sonst werden sie vom Sound des Artensterbens belästigt, wenn der Hubschrauber mal wieder im Tal kreist.

    • Jürgen Möschel sagt:

      Hallo Herr Müller,
      der Steillagenweinbau an der Mosel ist schon seit Jahrzehnten im Niedergang. Die Gründe dafür sind vielfältig, hinlänglich bekannt und haben wenig mit den geäußerten Bedenken in Bezug auf die Verwendung der genannten Pflanzenschutzmittel zu tun. Man klammert sich – auch mit Marketing Aktionen wie dem Projekt „Lebendige Moselweinberge“ an eine vergangene Wirtschaftsform, welche unter den heutigen Umständen nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben ist. Durch die Aufgabe einzelner Betriebe oder weil es sich nicht lohnt, neue Reben anzupflanzen, entsteht eine mosaikartige Struktur. Die zwischen den Brachen verbliebenen Wingerte werden zunehmend unwirtschaftlicher und es verstetigt sich ein voran schreitender Prozess, welcher allenfalls verzögert, aber nicht aufgehalten werden kann. Viel wäre schon mit einem besseren Flächenmanagement zu erreichen, welches das Land aktiv, vor allem auch finanziell unterstützt. Dabei könnte man die an die Habitate des Apollo angrenzenden Flächen zuerst aus der Nutzung nehmen. Letztendlich ist dies nur eine Frage des Wollens und des Geldes. Die Priorisierung bei der Verwendung vorhandener Gelder – auch im Hinblick auf weniger gefährdete FFH-Arten wie z.B. die Mauereidechse – darf dabei hinterfragt werden.
      Wie kommen Sie zu der Aussage, dass die Aufgabe des Weinbaus ein unstrittiges Desaster für andere Organismen wäre? Wenn die entstandenen Drieschen offen gehalten werden, profitieren andere Pflanzengesellschaften / die Fauna. Moselaufwärts werden viele dieser Flächen von den Kommunen im Kompensationsflächenkataster gemeldet– als externe Ausgleichsflächen bei der Ausweisung von Baugebieten. Der Zielzustand wie z.B. Magergrünland ist definiert und muss eingehalten werden. Das Verschwinden des Weinbaus hat dort nur einer einzigen Pflanze geschadet: der Weinrebe. Auf einigen wenigen Flächen wurden Reihen von Lavendel angepflanzt und dort tummeln sich – unstrittig – ein Vielfaches an Insekten gegenüber der vorherigen Reblandschaft. Die Fauna und Flora ist somit weniger von der Existenz des Weinbaus abhängig als vom Verhalten des Homo mehr oder weniger sapiens.

  6. Klaus Hanisch sagt:

    Den Moselapollo beobachte ich jetzt schon seit 1964. Mehr oder weniger erhebliche Schwankungen in der Populationsdichte waren in dieser Zeit festzustellen, wie dieses auch bei allen anderen Tagfalterarten der Fall ist. Daneben musste der Moselapollo in der Vergangenheit noch andere Unbilden überstehen. Früher waren es nach Freiherr von der Goltz Naturrabauken (keine Schmetterlingskundler!), die im Moselgebiet jährlich durchschnittlich 500 Apolloindividuen erbeutet haben (Entomologische Zeitschrift, Frankfurt a. M., 28. Juni 1924). Im Folgenden hatte der Falter in manchen Jahren unter dem zunehmenden Straßen- und Schienenverkehr zu leiden. Selbst auf einer Strecke von wenigen km an der Moseluferstraße in Höhe Autobahnbrücke bis Ortseingang Kobern zählte Herr Schausten seinerzeit über 300 totgefahrene Apollofalter (Dötsch 2008).
    Anfang der 80er Jahre stand er Moselapollo kurz vor dem Exitus (div. Quellen), erwiesenermaßen durch Ausbringen chemischer Substanzen mittels Hubschrauber in den Weinbergen (Untersuchungen der Universität Köln, Prof. Neumann). Viele Naturfreunde fanden sich um 1980 zusammen, um den Moselapollo zu retten. Unter anderem wurde eine „Arbeitsgruppe rettet den Moselapollo“ gegründet, die sich aus Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft rheinisch-westfälischer Lepidopterologen e.V. rekrutierten. Sie starteten eine Kampagne, um über die Zusammenhänge des Weinbaus mit dem Apollofalter aufzuklären. Durch Dr. Dieter Bourquin von der Landes-Lehr- und Versuchsanstalt für Weinbau in Trier konnte schon bald erreicht werden, dass ein Verbot der insektenschädlichen Spritzmittel vom Hubschrauber aus erlassen wurde (Kinkler, zu Naturschutz heute – Ausgabe 2/00 vom 28. April 2000). Die Population konnte sich darauf zunehmend erholen.
    Ansonsten konnte der Moselapollo hohe Mortalitäten, Kahlfröste, weitere Wetterunbilden und sonstige Beeinträchtigungen in der Vergangenheit immer wieder kurzfristig kompensieren, nicht mehr jedoch nach 2012. Was den Absturz der Population in 2012 letztendlich verursacht hat, wissen wir immer noch nicht. War es ein noch unbekanntes Ereignis, war es doch die Chemie? Zumindest wurden Mitte Mai 2012 noch überdurchschnittlich viele Raupen im fortgeschrittenem Stadium gesichtet, was darauf schließen lässt, dass bis dato die Wetterverhältnisse wie Trockenheit oder die Kahlfröste im Februar 2012 nur marginale Auswirkungen gehabt haben können. Es muss erst danach ein Ereignis eingetreten sein, weshalb eine Entwicklung zum Falter größtenteils unterblieben ist. Auch die zum Einsatz gekommenen Spritzmittel in 2012 müssen es nicht gewesen sein, insofern wäre insbesondere auf die Chemie zu achten, die ab 2013 eingesetzt wurde, da sich die Population in den folgenden 11 Jahren nicht mehr erholen konnte.
    Was mich zudem noch beunruhigt, ist in diesem Zusammenhang der hierzulande dramatische Rückgang von Fluginsekten, bedingt wohl durch den Einsatz der behördlich zugelassenen Chemie, vornehmlich in der Landwirtschaft, so wie sich das mir mitgeteilt hat. Mit dem Klimawandel hat das wohl nichts mehr zu tun. Dabei hilft auch nicht weiter, darauf zu verweisen, dass sich einzelne Arten gut behauptet oder gar gut vermehrt haben. Es könnte sich hier schon eine ökologische Katastrophe unbekannten Ausmaßes anbahnen.

  7. Dr. Tim Laußmann sagt:

    Liebe Kommentatoren,

    mir ist sehr daran gelegen, die Diskussion zu versachlichen. Daher von meiner Seite aus einige Erläuterungen und Anmerkungen.

    1. Wer sind wir?
    – Unser Verein setzt sich für den Schutz gefährdeter Schmetterlingsarten ein. Unser Motto: „Schmetterlinge schützen – das ist unsere Aufgabe“. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir dies offensiv und auch in provokativer Art und Weise tun. Ergänzend zu den Ausführungen von Herrn Dahl möchte ich sagen: wir setzen uns für den Erhalt der Lebensräume gefährdeter Schmetterlingsarten – und somit auch für zahlreiche andere Tier- und Pflanzenarten ein, nicht nur für den Mosel-Apollofalter. Es ist also nicht so, dass wir nur „unseren Moselapollo wieder haben wollen“.

    2. Was wollen wir?
    – Wir wollen, dass die zuständigen Behörden das Versprühen von Pestiziden mit Luftfahrzeugen im Umfeld der letzten verbliebenen Lebensräume des Mosel-Apollofalters beenden. Davon betroffen sind etwa 80ha Weinbergfläche in Steillagen an der Untermosel, also ca. 1 % der gesamten Weinbaufläche an der Mosel. D.h. die meisten Winzer sind überhaupt nicht betroffen.
    – Darüber hinaus wollen wir, dass die vom Umweltbundesamt (UBA) vorgegeben Abstandsregeln zu den von dem Schmetterling bewohnten sensiblen Lebensräumen (hier: Naturschutzgebiete und Flora-Fauna-Habitat (FFH) Gebiete) endlich konsequent eingehalten werden. Dies ist mit den zurzeit verwendeten Hubschraubern nicht möglich.

    3. Was wollen wir nicht?
    – Wir wollen den Weinbau an der Mosel nicht beenden. Wir erkennen, dass der Weinbau Teil einer wertvollen und artenreichen Kulturlandschaft ist.
    – Wir wollen die Winzer nicht diskreditieren.
    – Wir wollen (und können) keine Pestizide abschaffen.

    4. Was wissen wir?
    – Der Mosel-Apollofalter ist eine naturschutzrechtlich europa- und weltweit besonders geschützte Schmetterlingsart, gewissermaßen der „Pandabär der Mosel“.
    – Wir wissen aus einer wissenschaftlichen Studie und eigenen Daten, dass der Mosel-Apollofalter seit dem Jahr 2012 stark im Bestand zurückgegangen ist. Dies wurde bisher auch von den verantwortlichen Behörden in RLP nicht bestritten.
    – Wir wissen über die Zulassungsregeln für Pflanzenschutzmittel Bescheid.
    – Das Umweltbundesamt hat uns schriftlich mitgeteilt, dass es von den Hubschrauberspritzungen abrät, weil wichtige Abstandsregeln zu der rechtlich besonders geschützten Art Mosel-Apollofalter und seinen Lebensräumen nicht eingehalten werden.
    – Wir kennen alle per Hubschrauber ausgebrachten Chemikalien, hier ein Video zur Aufklärung: https://youtu.be/FfBoNtAL56I
    – Wir wissen aus den Herstellerinformationen und vom Umweltbundesamt, dass viele der verwendeten Mittel schädlich für „relevante Nutzinsekten“ sind. Ob es auch irrelevante Nutzinsekten oder vollkommen nutzlose Insekten gibt, überlassen wir der Phantasie des Lesers. Definitiv gibt es keine offiziellen Studien zur Wirkung auf pflanzenfressende Tiere wie Schmetterlingsraupen (schriftliche Mitteilung des UBA).
    – Wir wissen, dass die Ausbringung von Pestiziden mit Luftfahrzeugen europaweit verboten ist. Einzige Ausnahme: In Steillagen dürfen in Einzelfällen Genehmigungen für die Ausbringung von Fungiziden (Mittel gegen Pilzinfektionen) mit Hubschraubern erteilt werden. Die Ausnahmegenehmigungen erteilt in RLP die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD).
    – Uns liegt eine solche Ausnahmegenehmigung aus dem Jahr 2022 für das Umfeld des Naturschutzgebietes Brauselay schriftlich vor. Diese enthält keine naturschutzschutzrechtliche Würdigung des Pestizideinsatzes.
    – Laut Bundesamt für Naturschutz handelt es sich bei der Ausbringung von Pestiziden im Umfeld von Schutzgebieten um ein Projekt, dass einer naturschutzrechtlichen Prüfung unterzogen werden muss (so genannte FFH-Verträglichkeitsprüfung, FFH-VP). Insbesondere dann, wenn der Bestand einer FFH-Art, wie dem Mosel-Apollofalter, akut bedroht ist.
    – Wir haben die Problematik der Staatsministerin im MKUEM, Katrin Eder (Bündnis 90 / Die Grünen), vorgetragen. Die Antwort aus dem Ministerium (sinngemäß): Wir nehmen den Schutz des Apollofalters sehr erst und danken für Ihre Hinweise.
    – Nachdem wir den Landesbeauftragten für Informationsfreiheit in RLP beteiligt haben, wurde uns durch die oberste Naturschutzbehörde in RLP schriftlich bestätigt, dass es keine FFH-Verträglichkeitsprüfung des aktuellen Pestizideinsatzes gab. Dort war nicht einmal bekannt, welche Stoffe ausgebracht werden. Insbesondere die neuen Succinatdehydrogenase-Inhibitoren wurden nicht geprüft. Da fragen wir uns: Wie kann das sein? Verstößt das Land RLP hier etwa gegen das Bundesnaturschutzgesetz?
    – Fluopyram und Fluxapyroxad (Succinatdehydrogenase-Inhibitoren, ein neuartiger Wirkmechanismus, der die Zellatmung blockiert): Fluopyram ist uns aufgefallen, weil es seit 2012 vom Boden aus und seit 2013 auch aus der Luft im Weinbau eingesetzt werden darf (uns schriftlich vorliegende Mitteilung des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, BVL). Dies fällt zeitlich mit dem Niedergang des Mosel-Apollofalters (und der nicht mehr erfolgten Erholung in den letzten 10 Jahren) zusammen und führte zu der Arbeitshypothese, dass man hier genauer hinsehen sollte.
    – Fluopyram ist im Weinbau schon negativ aufgefallen, weil es anfangs zu Wuchsstörungen kam (komisch runde Weinblätter, nicht mehr abfallende Blütenreste, Ernteeinbußen). Der Grund: ein Abbauprodukt hat hormonelle Wirkung auf die Weinpflanze. Da fragen wir uns: kann man dann sagen, ist doch prima, weiter so?
    – Fluopyram wird inzwischen auch gegen Nematoden eingesetzt. Ist es dann überhaupt noch ein reines Fungizid? Im Weinbau sind doch nur Fungizide aus der Luft erlaubt. Eine schöne Frage für die Zulassungsbehörden.

    5. Was wissen wir nicht?
    – Wir können nicht sagen, welches Mittel konkret besonders schädlich für die Schmetterlinge an der Mosel ist. Das Problem: die zwischen Mitte Mai und Anfang August ausgebrachten Stoffe: wirken wahrscheinlich in komplexer Art und Weise zusammen. Dies ist auch die Auffassung des Umweltbundesamts. Welche mögen beteiligt sein: Dithianon, Kaliumphosphit, Kaliumphosphonat, Schwefel, Metrafenon, Fluopicolid, Fosetyl-Al, Proquinazid, Tetraconazol, Oxathiapiprolin, Folpet, Tebuconazol, Fluopyram, Ametoctradin, Difenoconazol, Cyflufenamid, Fluxapyroxad, Dimethomorph, Cyazofamid oder vielleicht Dinatriumphosphonat? Alle diese Stoffe kommen nämlich innerhalb von gut zwei Monaten auf den Wein.

    6. Was sind die üblichen Argumente gegen unsere Forderung und wie antworten wir darauf?
    – Das ist alles der Klimawandel schuld. Wir streiten den Klimawandel keineswegs ab. Wir denken auch, dass er einzelne Arten aus unseren Breiten verdrängen wird. Dafür sind bereits neue Arten aus dem Süden (auch weniger erfreuliche) hinzukommen. Was spricht dagegen, dass der Klimawandel die Hauptursache für den Rückgang mit dem Mosel-Apollofalters ist? Der Mosel-Apollofalter lebt seit mehr als 10.000 Jahren an der Mosel auf den kargen, steilen Felsen, wo seine Futterpflanze, die Weiße Fetthenne, vorkommt. D.h. die Art hat sich an das trocken-heiße Kleinklima dort angepasst und in den letzten 10.000 Jahren so manche Kalt- und Warmzeit überlebt. Das wichtigste Argument ist aber: in der Fränkischen Schweiz gibt es eine Population von Apollofaltern, die sich in den letzten Jahren dank Offenhaltung der Lebensräume ausgesprochen positiv entwickelt hat. Wie kann das sein, denn das Klima dort unterscheidet sich kaum vom Klima an der Mosel?
    – Die Lebensräume des Apollofalters schwinden, da die Landschaft durch Nutzungsaufgabe zuwächst. Ja, das ist sicher absolut richtig und unerfreulich. Die Frage ist: das Land RLP hat eine Verantwortung für diese besonders geschützte Schmetterlingsart, wieso wird nicht massiv gegengesteuert? Es stimmt, dass in den letzten Jahren durch die „Aktion Grün“ Geld für Pflegemaßnahmen bereitgestellt wurde. Aber: wie viele Personen kann man für 50.000 € im Jahr mit dieser Aufgabe beschäftigen? Zum Vergleich: Zum Erhalt des ebenso geschützten Blauschillernden Feuerfalters in NRW (Eifel) wurden bei der EU erfolgreich mehrere Millionen Euro eingeworben. Dies hat sich auf den Erhaltungszustand des Schmetterlings ausgesprochen positiv ausgewirkt, siehe Video: https://youtu.be/51TvJ8q9OEc
    – Das Julius Kühn – Institut berichtet bei jeder Gelegenheit, dass die Steillagen „Hotspots der Artenvielfalt“ seien und bezieht sich dabei auf eine Studie in Zusammenarbeit mit dem renommierten Senckenberg – Institut. Ein Problem: die Studie kann man nicht lesen, weil sie nicht veröffentlich ist. Wir haben beim Senckenberg – Institut nachgefragt: Frage: „Die Studie liefert keine Aussage, wie die Biodiversität mit und ohne Pestizide aussieht, ist das richtig?“ Die Antwort von dort: „Richtig!“. Tatsächlich wurde nämlich nur untersucht, ob sich Querterrassen im konventionellen Weinberg positiv auf die Artenvielfalt auswirken. Die Antwort: ja, denn dort finden Insekten Blumen vor, die als Nahrungsquelle dienen. Also: Mehr Blumen im konventionellen Weinberg – mehr Insekten! Eine gute Sache. Aber: wie sähe das ohne die eingesetzten Pflanzenschutzmittel aus?
    – Viele Schmetterlingsarten sind an der Mosel häufiger geworden. Das stimmt zum Beispiel für den Brombeer-Perlmuttfalter, der aus dem Süden zu uns gekommen ist. Es stimmt sicher nicht für den Mosel-Apollofalter. Viele von uns kennen und schätzen die Lebensräume an der Mosel seit Jahrzehnten (ich selbst seit 1992). In den 1990er Jahren gab es im Sommer ein Gewimmel vieler Arten. Auf den Blüten waren viele typische Schmetterlinge zu sehen, die ich heute ich dort nur noch in geringer Anzahl antreffe: der Kleine Schlehen-Zipfelfalter, auch der Rote Scheckenfalter als Beispiele. Ab Ende Juni bin ich in den letzten Jahren auch schon ziemlich enttäuscht nach Hause gefahren, da kaum noch Insekten zu finden waren. Das alles sind aber nur wissenschaftlich nicht aussagekräftige Einzelbeobachtungen. Alle Beobachterinnen und Beobachter, die regelmäßig, am besten per Foto, Schmetterlinge an der Mosel dokumentieren, seien daher hiermit aufgefordert, meinen Eindruck mit konkreten Daten zu widerlegen. Ein weiteres Problem: das „shifting baseline syndrom“ – die heutige Artenarmut wird als „normal“ empfunden, weil man es nicht anders kennt. Wer mit offenen Augen durch die Natur geht und auch andere Gebiete ohne intensive Landwirtschaft kennt, stellt fest: nein, das ist nicht normal.
    – Fluopyram wird erst seit 2013 oder 2014 an der Mosel eingesetzt, es kann daher keine Rolle spielen. Das mag sein, wir wissen es nicht, weil bisher niemand Daten dazu hatte. Das UBA hat uns mündlich mitgeteilt, man wisse nicht, was konkret wann zum Einsatz kam. Aber: die erste Anwendung dieses Stoffes muss nicht direkt Auswirkungen auf die Insektenwelt gehabt haben. Der Stoff hat eine Halbwertszeit im Boden von gut 300 Tagen, d.h. nach einem Jahr sind – zumindest rechnerisch, mindestens gut 40 % des Mittels aus dem Vorjahr noch da. Und schon kommen die nächsten 100 % wieder drauf und so fort. D.h. es besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass sich der Stoff in der Umwelt anreichert – Untersuchung dazu sind uns nicht bekannt, aber jederzeit willkommen. Ob es sich um ein „schleichendes Umweltgift“ handelt, wissen wir nicht.
    – Bio-Weinanbau ist auch nicht besser. Hier darf Kupfer und Schwefel verwendet werden. Ja, das ist auch nicht toll. Meiner Kenntnis nach dürfen die Stoffe aber nicht aus der Luft in der Landschaft verteilt werden, richtig? Ehrlich gesagt: ich weiß auch nicht, wie die naturverträglichste Anbaumethode aussieht. Dies ist aber auch nicht meine Aufgabe und auch nicht die von Herrn Dahl. Wie gesagt: unsere (Freizeit)aufgabe besteht im Einsatz für Schmetterlinge und ihre Lebensräume.

    7. Einige Fragen insbesondere an Winzer, die ich gerne in den Raum stellen möchte:
    – Welche Interessen glauben Sie, vertreten die Personen, die Ihnen die Pflanzenschutzmittel verkaufen?
    – Bis Ende letzten Jahres war ich der naiven Auffassung, dass die Pflanzenschutzmittel selbstverständlich unschädlich für den Mosel-Apollofalter seien. Die Stoffe wurden uns als „unschädliche Fungizide auf Schwefelbasis“ angepriesen. Denken Sie selbst wirklich, dass das so stimmt?
    – Glauben Sie, dass die verwendeten Stoffe eine Auswirkung auf die menschliche Gesundheit haben?
    – Resistente Pilze sind ein Problem. Denken Sie, dass immer neue Chemikalien eine dauerhafte Lösung sind?

    Und abschließend kann ich Ihnen versichern, dass mir diese Sache hier auch überhaupt gar keinen Spaß bereitet. Sie kostet mich einen Großteil meiner Freizeit.
    Aber was tun? Aufgeben?

    Alles was oben steht, haben wir schriftlich vorliegen und finden Sie auch in dem Dossier. Wenn Sie Zugang zu den Unterlagen haben wollen, schreiben Sie uns eine E-Mail.

    Viele Grüße
    Tim Laußmann

  8. Philipp Franzen sagt:

    Hallo Herr Moschel,

    Danke für Ihre Antwort zu einem Teil meiner Fragen. Ich sehe das genauso wie Sie. Ich hätte mich gefreut, wenn Sie früher und direkt an die Winzergemeinde herangetreten wären. Selbstverständlich sollten alle möglichen Gründe berücksichtigt werden, daher hatte ich mir einen Beginn eines Dialogs erhofft, in dem wir einen Konsens erreichen, z.B. auch mit einem Verzicht auf die Verwendung von Mitteln mit Fluopyram. Im Umkehrschluss bedeutet dies jedoch, dass beide Seiten sich um einen Dialog bemühen müssen und nicht alles als Spekulation zu titulieren, was auch von Ihren eigenen Kollegen geteilt wird. Ich kann es nur noch einmal erwähnen: Im Dortebachtal gibt es keine Weinberge mehr. Die Population dort ist sicherlich nicht durch die genannten Mittel beeinflusst worden. Gleiches gilt für einen großen Bereich des Bremmer Calmont.

    Was ich schade finde, ist allerdings – und damit richte ich mich noch einmal an Sie Herr Dahl –, dass es Ihnen, wie aus Ihren Kommentaren mehr und mehr ersichtlich, nur darum geht, die Hubschrauberapplikation zu verbieten (ohne eine geeignete Alternative bereitzustellen) und nicht um eine sachliche Diskussion. Sie finden damit zwar Gehör, aber „Ihren“ Apollo wird es nicht retten.

    Uns als Winzern ist bewusst, dass jede Applikation von Pflanzenschutzmitteln einen Eingriff in das Ökosystem darstellt, und wir machen dies sicher nicht „rücksichtslos“ wie in der Zusammenfassung des Artikels tituliert. Wenn Sie und der Verein sich dazu entschieden haben, die „Öffentlichkeit zu informieren“ dann sollten Sie dies fair und wissenschaftlich tun und nicht mit populistischem Geschrei. Wenn Sie nämlich über den „flächendeckenden Umgang mit Pflanzenschutzmitteln“ eine Grundsatzdiskussion anstoßen wollen, müssen Sie auch erwähnen, dass bei ökologischer Bewirtschaftung oder bei keiner Verwendung von synthetischen Pflanzenschutzmitteln Totalausfälle drohen (wie wir in unserem ökologisch bewirtschafteten Weinberg 2021 erlebt haben). Das gilt nicht nur für Sonderkulturen wie den Weinbau, sondern auch für den Obst-, Gemüse und Kartoffelanbau. Und Totalausfälle bedeuten, wenn wir nicht das „Ach-So-Saubere Biogetreide“ aus anderen Ländern importieren wollen: Hungersnot. Dann müssten wir uns auch überlegen, ob wir wieder die Schulklassen zum Kartoffelkäfer sammeln auf die Felder schicken, wie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sie können es als „Geschwätz“ abtun, aber jeder der einmal Tomaten, Kartoffeln oder Gemüse in größerem Stil selbst angebaut hat, kennt die Problematik.

    Viele Grüße,
    Philipp Franzen

    • Armin Dahl sagt:

      Herr Franzen,
      Also ich versuch es noch einmal: Wir haben einen gut begründeten Verdacht, dass die neuen eingesetzten Stoffklassen, die seit etwa 10 Jahren eingesetzt werden, gravierende Nebenwirkungen auf die Fauna, speziell den Apollofalter haben. Und eine Ausbringungsmethode, die in Europa verboten ist und nur mit jährlich verlängerter Sondergenehmigung eingesetzt werden darf. Und wir haben eine Region und eine Lobbygruppe, die sich daran klammert, dass man einfach so weitermachen will. Die Verantwortung dafür tragen die Aufsichts- und Genehmigungsbehörden. Das ist für uns als Verein nicht lustig, der Umgang mit den Behörden schwierig, siehe unser Dossier. Und der Dialog mit der Öffentlichkeit findet ja gerade statt, übrigens bisher nur als Text über den Schmetterling des Jahres. Von öffentlichkeitswirksamen Aktionen vor Ort haben wir bislang abgesehen.
      Und natürlich gibt es Alternativen, auch vor ca. 2012 gab es schließlich an der Terrassenmosel Weinbau. Und was im Obst, Gemüse- und Kartoffelanbau und in der konventionellen Nahrungsmittelproduktion stattfindet, ist auch nicht schön. Ich habe aber nicht vor, weiter über den Hunger in der Welt und das Biogetreide zu philosophieren, würde gerne beim Thema Apollofalter bleiben. Da muss was passieren, sonst ist er weg, seien es nun Änderungen in den Chemiecocktails, Herausnahme von Flächen mit entsprechender Pflege, höhere Aufwandsentschädigung für die betroffenen Steillagen, Piwi-Anbau, Querterrassen, was auch immer. Mit 150.000 Eure von der Sparkassenstiftung ist es jedenfalls nicht getan, da muss man dann schon mal größer ran. Nach europäischem Recht streng geschützte Arten radiert man nicht einfach so aus.
      Sie selbst sind ja, wenn ich ihre Webseite anschaue, erst seit wenigen Jahren mit dem Thema Wein befasst, und engagieren sich verständlicherweise für Ihre Sache. Ich sage Ihnen: Die Mosel hat sich noch nach jedem Skandal und nach jeder Katastrophe neu erfunden, sei es Traubenwickler, Botrytis, Reblaus, Arsen, DDT, E 605, Zuckerskandal usw. Und vielleicht gehören zukünfig auch die SDHI-Hemmer in die Reihe von Substanzen von denen man die Finger läßt, und nicht nur wegen des Apollofalters.
      „Weiter so“ ist nach unserer Auffassung jedenfalls keine Option. Wir überbringen übrigens nur die Botschaft, das Problem ist damit nicht gelöst.

      • Philipp Franzen sagt:

        Hallo Herr Dahl,

        dann versuche ich es auch noch einmal: Ich habe Ihnen oben angeboten, gemeinsam eine Strategie auszuarbeiten, ohne die SDHI-Hemmer. Und was machen Sie? Sie wollen mir die Kompetenz absprechen, weil ich erst seit 2018 mein eigenes kleines Weingut betreibe? Ich bin seit mehr als 20 Jahren mit im Weinbau tätig und beobachte seitdem auch die Flora und Fauna im Bremmer Calmont.

        Sie haben mir KEINE meiner drei initialen Fragen beantwortet, können es nicht und versuchen den Gegenpart dann auf der persönlichen Ebene anzugreifen. Sehr schwaches Bild! Aber anderseits das perfekte Abbild der heutigen Gesellschaft!

        Hut ab, machen Sie weiter so!

        • Armin Dahl sagt:

          Hallo Herr Franzen,
          Ich lese nur ihre Webseite, wenn Sie wollen können hier Sie ruhig mehr zu ihrem Lebenslauf sagen. Es würde mich auch interessieren ob sie konkrete Zahlen und Daten zu den Vorkommen des im Calmont haben. Dass es seit einiger Zeit ein Aufzuchtprogramm gibt ist Ihnen sicher bekannt,
          Eine Strategie, was erwarten sie denn, wir sind doch keine Unternehmensberater, sondern Biologen und Chemiker. Wir tragen hier erst mal die Fakten vor, die betrieblichen Entscheidungen müssen Sie schon selbst treffen. Und ich greife sie mitnichten an, nur weil ich nicht auf Ihre Kartoffelkäfer antworte. Warum nur fühlen sich alle persönlich auf den Schlips getreten wenn man mal ein paar unangenehme Tatsachen auf den Tisch legt? Und was bitte meinen Sie mit „machen Sie weiter so“. Es war Ihre Entscheidung hier zu diskutieren, dass wir uns mit dem Thema keine Freunde machen war uns auch schon vorher klar.
          Am Ende verteidigen Sie vielleicht eine Praxis die sie selbst nicht wirklich gutheißen. Wer spritzt schon gerne seine Wingerte, und das auch noch mit Substanzen, die nachweislich richtig giftig sind! In diesem Sinne wünsche ich ihnen kein „weiter so“!

          • Ich mische mich mal als Journalist ein. Was spricht denn nun dagegen, sich zusammenzusetzen und für 2024 eine Hubschrauberspritzung ohne die thematisierten Stoffe anzustreben? Dann beobachtet man das mal. Alle einverstanden?

  9. Oswald Walg sagt:

    Guten Tag Herr Dahl. Eine sachliche, fachlich fundierte Diskussion ist leider mit Ihnen nicht möglich. Sie sind auf keines meiner Argumente eingegangen. Warum wohl nicht …..? Alle Pflanzenschutzmittel sind giftig. Dafür wurden sie ja entwickelt, um bestimmte Schadorganismen abzutöten. Nebenwirkungen auf die Umwelt sind deshalb vorhanden und werden nicht bestritten. Es wird, wie schon von mir beschrieben durch das BfR und das UBA vor einer Zulassung eines Mittels eine Risikobewertung auf Mensch, Tier und Naturhaushalt vorgenommen und nur wenn diese positiv ausfällt, erfolgt eine Zulassung. Dies steht aber bereits alles in meinem Kommentar. Ein Verzicht auf Pflanzenschutzmittel ist leider nicht möglich, da sie für die Sicherstellung unserer Nahrungsmittel bzw. auch Genussmittel, wie Wein oder Bier, unverzichtbar sind. Keiner will Hunger leiden oder hohe Preise für Grundnahrungsmittel ausgeben. Viele könnten sich das auch kaum leisten und soziale Verwerfungen wären die Folgen. Auch Öko-Mittel sind giftig, sonst würden sie ja nicht wirken. Wenn Sie den Hubschrauber als verbotene Methode ansehen, dann müssen Sie den Winzern sagen, wie sie in schlecht bzw. nicht mechanisierbaren Steillagen (z.B. Bremmer Calmont) zukünftig den Pflanzenschutz betreiben sollen. Vielleicht haben Sie ja dafür eine praktikable Lösung auf die bisher noch niemand gekommen ist oder ist es Ihnen lieber, wenn der Weinbau in diesen Lagen aufgegeben wird und die Flächen verbuschen.

    • Armin Dahl sagt:

      Herr Walg, jetzt sind Sie ja doch wieder dabei! Wir wollen nur unseren Apollofalter zurück, und wenn sie mehr als einen Blick in unser Dossier unter melanargia.de/apolloschutz Dossier werfen, dann werden sie sehen dass es so einfach nicht ist. Ich rede von Floupyram, und das Versprühen von Pestiziden ist nun mal europaweit verboten, eigentlich. Und sie reden jetzt schon wieder von der Sicherstellung der Nahrungsmittel, und dem Hunger in der Welt. Das ist doch .. naja sie wissen schon. Deshalb gehe ich auch nicht darauf ein.
      Was das UBA betrifft: Zulassungsverfahren für sogenannte „Pflanzenschutzmittel“ berücksichtigen auch heute noch ganze Organismengruppen NICHT. Die Böden z.B. in vielen Weinbauregionen bergen gewaltige Kupferaltlasten, an Stellen wo mal ordentlich gemessen wurde sind persistente Pestizide in Massen nachzuweisen. Und dass alle paar Jahre wieder Spritzmittel einkassiert werden, die ja angeblich vorher so sicher waren, das kennen wir ja schon seit über 100 Jahren: Kalkarsen wurde 1920 Zugelassen, nach zahlreichen Vergiftungsfällen („Kaiserstuhlkrankheit“) 1942 verboten, erst seit 1972 ist das DDT verboten, usw. usw. Sie werden jetzt sagen: „Olle Kamellen“, aber am Verfahren hat sich seitdem nicht viel geändert: Von Behördenseite wird immer erst reagiert wenn es irgendwo richtig schief gegangen ist, vorher gab es lange Auseinandersetzungen und es wurde alles abgestritten.
      Wir setzen uns als Verein für unsere Interessen ein, und haben uns aus aktueller Lage dazu entschlossen etwas mehr Öffentlichkeit für das Thema zu schaffen. Das ist ja wohl das Allermindeste.

  10. Sebastian M. Müller sagt:

    Hallo Herr Dahl,

    Sie schreiben, dass Pflanzenschutzmittel „ohne jede naturschutzfachliche Verträglichkeitsprüfung“ ausgebracht werden. Dies würde einen Verstoß gegen das Pflanzenschutzmittelgesetz seitens der Zulassungsbehörde bedeuten und wäre auch für die Winzer eine Gefahr, deren Gesundheit schließlich davon abhängt. Schließlich wird jedes Mittel (wie Herr Walg bereits schrieb) vor der Zulassung von 3 Bundesbehörden geprüft, was auch eine Risikobewertung für Mensch und Umwelt seitens des Bundesinstituts für Risikobewertung umfasst.

    Ist die betreffende Antwort der SGD Nord vom 7.11.23 (Quelle 8) irgendwo einsehbar? Ihre Behauptung wäre in der Konsequenz ein handfester Umweltskandal, da würde mich als Anwohner im Moseltal die Beweislage interessieren.

    • Dr. Tim Laußmann sagt:

      Sehr geehrter Herr Müller,

      Sie haben die Dokumente erhalten, wie ist Ihre Meinung dazu?

      Viele Grüße
      Tim Laußmann

      • Sebastian M. Müller sagt:

        Guten Tag Herr Laußmann,

        vielen Dank für die Zusendung der Unterlagen. Nach deren Durchsicht und weiterer Recherche muss ich anmerken, dass der obige Artikel von Herrn Dahl eine gravierende Falschaussage enthält.
        Sie behaupten, es gäbe keine naturschutzfachliche Prüfung der Mittel, dabei ist ein standardisierter Test der Auswirkungen auf Arthropoden Teil jeder Mittelzulassung. Er wird zwar nicht explizit am Apollofalter getestet (wie soll auch jedes Mittel an jedem Insekt der Welt getestet werden), dafür aber an 2 anderen, wohl äußerst empfindlichen Vertretern der Arthropoden- Gattung, was wiederum auf andere Vertreter der Gattung rückschließen lässt.

        Wussten Sie dies nicht oder wird diese Information bewusst vorenthalten, damit sie zu Ihrer Theorie passt? Ihre Vorwürfe sind gravierend, da sollten Sie diese schon besser belegen können.

        • Dr. Tim Laußmann sagt:

          Sehr geehrter Herr Müller,

          vielen Dank für Ihre Rückmeldung. Ein Informationsaustausch ist uns wichtig.

          Laut dem Bundesamt für Naturschutz handelt es sich bei der Ausbringung von Pestiziden im Umfeld von Naturschutz- und FFH-Schutzgebieten um ein Projekt, dass einer naturschutzrechtlichen Prüfung unterzogen werden muss (so genannte FFH-Verträglichkeitsprüfung, FFH-VP). Insbesondere dann, wenn der Bestand einer FFH-Art, wie der Mosel-Apollofalter, akut bedroht ist. Eine solche Prüfung hätte durch „den Verursacher“ des Pestizideinsatzes (wer auch immer das genau ist) der obersten Naturschutzbehörde in RLP zur Genehmigung vorgelegt werden müssen. Diese FFH-Verträglichkeitsprüfungen (FFH-VP) liegen dort nicht vor und der SGD Nord war auch nicht bekannt, welche Mittel eingesetzt werden und dass seit 2013 auch SDHI wie Fluopyram aus der Luft versprüht werden. Insofern ist die Formulierung „Besonders bemerkenswert ist, dass zumindest die in jüngster Zeit neu verwendeten Stoffe ohne jede naturschutzfachliche Verträglichkeitsprüfung ausgebracht werden“ im Kontext der Apollo-Problematik richtig. Diese Vorgänge liegen in der Vergangenheit, lassen Sie uns daher in die Zukunft blicken.

          Die Mittel, die verwendet werden, sind selbstverständlich grundsätzlich für den Einsatz mit Hubschraubern zugelassen. Dass die Mittel an einigen Arthropoden (meist „Nutzinsekten“) getestet wurden, ist korrekt und uns, wie schon mehrfach dargestellt, bekannt.

          Bei den zukünftig vorzulegenden FFH-VP geht es aber um Folgendes: kann der „Verursacher“ des Pestizideintrags sicher ausschließen, dass die verwendete Mittel in ihrer Gesamtheit dem zu schützenden Lebensraum und der besonders geschützten Art einen Schaden zufügt? Dies müsste dann entsprechend begründet werden. Es ist im Grunde eine Beweislastumkehr: der Verursacher muss die Unschädlichkeit seines Projekts belegen. Also ist es nicht so, dass z.B. der BUND oder eine andere Organisation beweisen muss, dass die Mittel schädlich für den Apollo sind, sondern derjenige, der den Pestizideintrag in die Schutzgebiete verursacht, muss die Unbedenklichkeit des Vorhabens belegen. Die uns vorliegende Ausnahmegenehmigung für die Hubschraubereinsätze entbindet ausdrücklich nicht von naturschutzrechtlichen Prüfungen. Dies wurde leider in der Vergangenheit übersehen.

          Es wird für diese naturschutzrechtlichen Probleme sicher eine Lösung geben, die letztendlich alle Interessen berücksichtigt. Dies liegt nun in der Hand der zuständigen Behörden.

          Viele Grüße
          Tim Laußmann

  11. Oswald Walg sagt:

    Ich sehe mich leider nochmals genötigt einen Kommentar abzugeben. Wenn ich behaupte, dass der Hubschrauber das Überleben des Apollos gesichert hat, gehe ich -wie auch Herr Frantzen- davon aus, dass viele Weinberge ohne den Hubschraubereinsatz aufgegeben wurden wären und die Flächen verbuscht wären. In den letzten 35 Jahren wurden über 3000 ha Steillagenweinberge aufgrund von schlechten Bewirtschaftungsmöglichkeiten an der Mosel gerodet und die Flächen sind heute größtenteils mit Hecken zugewachsen. Sie haben recht, dass der Apollofalter schon zur Zeit vor den Römern an der Mosel heimisch war. Aber zu dieser Zeit wurden die Hänge durch Mahd und Beweidung offen gehalten und es gab wohl auch deutlich mehr Felsen und Felsgrusgesellschaften. Im Zuge der Kultivierung wurde viele dieser Flächen beseitigt und in Weinberge umgewandelt. Sie schreiben, dass Ende der 1970er der Apollofalter kurz vor dem Aussterben stand, da viele Insektizide und Akarizide gespritzt wurden. Die Rettung kam doch dann wohl durch den Hubschrauber, der diese Mittel nicht mehr applizieren durfte. Hätten die Winzer so weitergemacht, wäre damals wohl der Apollofalter schon ausgerottet worden. Sie machen den Wirkstoff Fluopyram für den Rückgang verantwortlich, beschreiben aber einen deutlichen Rückgang in der Population bereits vor der Zulassung von Fluopyram. Herr Frantzen hat Sie damit mehrfach konfrontiert, ohne eine klare Antwort zu bekommen. Meines Wissens wurde Fluopyram (Mittel Luna) erst am 03.02.2014 zugelassen (Angaben aus Internet). Jedenfalls stand es 2012, wo bereits ein Zusammenbruch der Population beschrieben wurde, nicht zur Verfügung. Da passt was nicht. Herr Frantzen stellt auch die berechtigte Frage warum andere Insekten sich in den letzten Jahren in und außerhalb von Gebieten mit Hubschraubereinsatz sogar ausbreiten konnten. Er nennt hier den Scheckenfalter und die Ödlandschrecken. Man könnte diese Liste noch wesentlich erweitern. Ergänzen möchte ich noch den Segelfalter, der ähnliche Habitatansprüche wie der Apollofalter hat und den 1980er Jahren noch sehr selten war, aber mittlerweile auch in den Hubschrauberspritzgebieten recht häufig vorkommt. Auch erwähnt Herr Frantzen, dass die Apollofalterpopulation auch außerhalb von Hubschrauberspritzgebieten deutlich zurückgegangen ist. Da passt was nicht. Wenn die Fungizide eine so vernichtende Wirkung auf Falter haben, so müsste sich dies am ehesten bei Arten bemerkbar machen, die sich von Rebblättern, Rebblüten oder Traubenbeeren ernähren. Dies sind der Springwurm, sowie der einbindige und bekreuzte Traubenwickler. Dadurch, dass von etwa Mitte Mai bis Ende Juli der Hubschrauber ca. 8-mal Fungizide appliziert, nehmen die Raupen dieser Falter bei der Nahrungsaufnahme zwangsläufig sehr hohe Mengen an Fungiziden auf. Im Vergleich zu dem was Apollofalter bzw. deren Raupen in der näheren Umgebung von Weinbergen durch Abdrift abgekommen können, ist dies ein Vielfaches. Es müsste zu einem Massensterben bei diesen Faltern kommen. Die Realität sieht aber anders aus. Selbst wo seit den 1960er Jahren spezielle Insektengifte gegen die Larven der Falter gespritzt werden, bleiben die Populationen relativ konstant, der bekreuzte Traubenwickler (wärmeliebende Art) hat sich sogar deutlich ausgebreitet. Der Witterungsverlauf hat einen größeren Einfluss auf die Populationsdynamik als ein chem. Einsatz. Da passt einiges nicht! Lediglich in Pheromongebieten mit der Verwirrmethode kann nach mehreren Jahren eine drastische Reduzierung der Traubenwicklerpopulationen festgestellt werden, da deren Wirkungsgrade annährend 100 % betragen. Insektizide vermögen die Schädlinge lediglich unter der Schadschwelle zu halten. Sie kritisieren auch, dass Pflanzenschutzmittel nicht hinreichend getestet würden. Zitat:“Wenn alles sauber getestet würde, dann gäbe es keine Zulassungen. Also testet man lieber erst gar nicht.“ Das grenzt schon an Demagogie, was sie hier loslassen. Deshalb hier einige aufklärenden Informationen für die Leser der Kommentare.
    Die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln ist ein zweistufiges Verfahren. Die Wirkstoffe für Pflanzenschutzmittel werden von der EU-Kommission genehmigt. Pflanzenschutzmittel mit genehmigten Wirkstoffen werden national zugelassen. Zulassungsstelle in Deutschland ist das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL).
    Wirkstoffe sind Stoffe mit allgemeiner oder spezifischer Wirkung gegen Schadorganismen der Pflanzen. Sie werden EU-weit nach einer umfangreichen wissenschaftlichen Prüfung durch die EFSA und die zuständigen Behörden der Mitgliedstaaten genehmigt. Die EU-weite Genehmigung des Wirkstoffs ist Voraussetzung für die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln mit dem jeweiligen Wirkstoff in den Mitgliedsstaaten. Pflanzenschutzmittel, die genehmigte Wirkstoffe enthalten, werden im Rahmen eines nationalen Zulassungsverfahrens als vollständiges Produkt zugelassen.
    In Deutschland ist das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) die Zulassungsbehörde für Pflanzenschutzmittel. Firmen beantragen hier eine Zulassung. Zum Zulassungsantrag gehört ein umfangreiches Paket von Unterlagen mit Informationen und Studien. Die EU-Richtlinie schreibt detailliert vor, welche Versuche mit Pflanzenschutzmitteln und Pflanzenschutzmittelwirkstoffen durchzuführen sind. Die Versuchsmethodik muss internationalen Normen ent-sprechen, und die durchführenden Labore müssen für diese Tests zertifiziert sein.
    Im Zulassungsverfahren arbeitet das BVL gemäß Pflanzenschutzgesetz mit drei Bewertungsbehörden zusammen:
    • Das Julius Kühn-Institut (JKI) prüft die Wirksamkeit, die Pflanzenverträglichkeit sowie die praktische Anwendung und den Nutzen.
    • Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bewertet mögliche Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch und Tier.
    • Das Umweltbundesamt (UBA) bewertet mögliche Auswirkungen auf den Naturhaushalt.
    Nachdem die drei Bewertungsbehörden ihre Berichte an das BVL geschickt haben, entscheidet das BVL über die Zulassung des Pflanzenschutzmittels. Wenn die Bewertungen ergeben haben, dass alle gesetzlich vorgegebenen Zulassungsanforderungen erfüllt sind, wird das Mittel zugelassen. Dabei werden Pflanzenschutzmittelzulassungen nur zeitlich befristet erteilt und vor Ablauf der Frist auf Antrag neu bewertet. Dies gewährleistet, dass die Zulassung auf der Grundlage des aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstandes erfolgt.
    Von Pflanzenschutzmitteln dürfen bei bestimmungsgemäßer und sachgerechter Anwendung keine schädlichen Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch und Tier und das Grundwasser und keine unvertretbaren Auswirkungen auf den Naturhaushalt ausgehen. So verlangt es das Pflanzenschutzgesetz. Die Sicherheit für Mensch und Umwelt ein zentrales Element der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln. Wie Bewertungen für diese Bereiche durchgeführt werden, ist in der EG-Richtlinie und in umfangreichen technischen Leitfäden beschrieben, die regelmäßig an den wissenschaftlichen Fortschritt angepasst werden.
    Zur Bewertung möglicher Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit werden Tests zu allen Aspekten der Toxikologie verlangt. Hierzu gehören Versuche zum Stoffwechsel, zur akuten und chronischen Giftigkeit, zur Haut- und Augenreizung, zu Auswirkungen auf das Erbgut und die Fortpflanzung sowie zu den krebsauslösenden Eigenschaften. In dem Versuchsprogramm geht es nicht nur darum, die Art der giftigen Effekte zu ermitteln, sondern auch die Dosisabhängigkeit. Es ist wichtig zu wissen, ab welcher Dosierung in den Versuchen Wirkungen feststellbar sind.
    Zur Bewertung möglicher Auswirkungen auf den Naturhaushalt werden zunächst Abbauwege, Abbaumechanismen und Abbaugeschwindigkeiten in Boden, Wasser und Luft untersucht. Das Ziel ist es, eine Voraussage darüber zu treffen, in welchem Maße diese Elemente nach der praktischen Anwendung des Pflanzenschutzmittels belastet sein können. In einem zweiten Bereich wird die Wirkung auf Tiere und Pflanzen getestet. Vorgeschrieben sind unter anderem Versuche mit Vögeln, Honigbienen und anderen Insekten, Regenwürmern, Fischen, Wasserflöhen und Algen (im Weinbau auch Raubmilben). Diese Tiere und Pflanzen sind Stellvertreter für die unterschiedlichen Organismengruppen in der Natur, da es nicht möglich ist, alle in der Natur vorkommenden Arten zu prüfen. Für den Hubschraubereinsatz gelten noch höhere Hürden. Es kommen ausschließlich Fungizide (Mittel gegen Pilzkrankheiten) zum Einsatz, die vom Bundesamt für Verbraucherschutz- und Lebensmittelsicherheit (BVL) speziell für die Anwendung mit Luftfahrzeugen zugelassen oder genehmigt sind.
    In der Vergangenheit haben viele Pflanzenschutzmittel, insbesondere Insektizide aber auch Herbizide und Fungizide, ihre Zulassung verloren, weil sie die Untersuchungskriterien nicht erfüllt hatten.
    Es ist unbestritten, dass Pflanzenschutzmittel unsere Ökosysteme und Biodiversität negativ beeinflussen. Allerdings sind sie nur eines von vielen Puzzleteilen. Es gibt gravierendere Faktoren, wie die monostrukturierte Agrarlandschaft, der Klimawandel, die Lichtverschmutzung oder die Flächenversiegelung. Derzeit werden in RLP 8,6 ha täglich versiegelt. Der trockene und heiße Sommer 2022 hat dazu geführt, dass die Halb- und Trockenrasen und die Felsgrusgesellschaften einer Steppe glichen, ohne jegliches Grün. Man sah im August nur noch wenige Schmetterlinge fliegen. Die Nahrung war Mangelware. Dass solche Extreme keinen Einfluss auf den Apollofalteer hatten, kann ich mir nicht vorstellen. Wenn Sie behaupten, dass der Klimawandel für alles als Nebelkerze herhalten muss, so möchte ich den Spieß umdrehen, denn ich habe den Eindruck das bei Ihnen die Pflanzenschutzmittel als Nebelkerze für alles herhalten müssen. Das Problem ist nicht monokausal. Man muss es von mehreren Seiten beleuchten. Dazu benötigt man entsprechendes Fachwissen und muss auch in der Lage sein die entsprechenden kausalen Zusammenhänge zu begreifen. Ihre einseitige, voreingenommene Haltung wird auch durch folgende Äußerung deutlich: „An der Mosel wird nicht nach dem Vorsichtsprinzip mit den Mitteln umgegangen, sondern um den Gewinn zu maximieren und da ist der Apollofalter halt im Weg.“ Sie stellen damit die Winzer als verantwortungslose „Giftsprizter“ dar, die kein Interesse an der Natur haben, sondern nur Geld scheffeln möchten. Das ist schon ein sehr hartes Geschütz, dass Sie gegen die Winzer auffahren. Ich möchte Sie an dieser Stelle nochmals korrigieren. Nicht die Winzer bestimmen allein die Hubschrauberspritzpläne. Diese müssen unter fachkundiger Mitwirkung von spezialisierten Weinbauberatern der DLR`s erstellt werden und dann von der ADD genehmigt werden. Ich möchte noch erwähnen, dass es viele Initiativen gibt an denen Winzer beteiligt sind, die sich für die Natur und die Erhaltung der Kulturlandschaft an der Mosel engagieren. Beispiele sind „lebendige Moselweinberge, das Moselprojekt oder Woche der Artenvielfalt.“
    Damit beende ich meinen Kommentar und habe auch nicht die Absicht mich an weiteren Diskussionen zu beteiligen, da die Argumente hinreichend ausgetauscht sind.

    • Armin Dahl sagt:

      Guten Tag Herr Walg, irgendwie ist es immer dasselbe: Hat man mal eine handfeste Begründung wie die belegte Giftwirkung des Floupyrams, kommen alle gelaufen und erzählen von der Landschaftsentwicklung, wie schön die Behörden zusammenarbeiten, der Versiegelung, dem Klimawandel und was noch alles. Und die Zahl der Schmetterlingsexperten, die plötzlich wissen was so ein Apollofalter oder Segelfalter so braucht, ist wirklich erfreulich (Vorsicht Satire). Anstatt mal auf den Kern des Problems einzugehen: Es werden Mittel eingesetzt die giftig sind, mit Methoden die grundsätzlich verboten und nur durch jährlich verlängerte Sondergenehmigung zulässig sind. Und die Begründung für das alles sind zum Teil nachgerade lächerliche Studien aus den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts, als diese Mittel noch gar nicht existierten, siehe unser Dossier. Da bleibt einem der Riesling wortwörtlich im Hals stecken.

  12. Sebastian M. Müller sagt:

    Sehr geehrter Herr Dahl,

    In ihrer Argumentation zur Erklärung des Populationssrückgangs haben Sie konkret die SDHI- Fungizide im Verdacht, konkret Fluopyram. Wie erklären Sie den Populationseinbruch in 2011/2012, wenn die betreffenden Mittel erst 2013 (wie sie selbst schreiben) in den Hubschrauberlagen zum Einsatz kamen?

    • Armin Dahl sagt:

      das steht es groß und breit: Zusammenbruch der Population NACH 2012

      • Sebastian M. Müller sagt:

        Auf die Überschrift beziehe ich mich nicht.

        Zitat: „Die positive Entwicklung änderte sich schlagartig ab dem Jahr 2012, in dem deutlich weniger Falter flogen als im Vorjahr.“

        Sie schreiben selbst von einem Einbruch in 2012 gegenüber 2011. Erlauben Sie mir daher bitte die Frage.

      • Sebastian M. Müller sagt:

        Zitat: „Die positive Entwicklung änderte sich schlagartig ab dem Jahr 2012, in dem deutlich weniger Falter flogen als im Vorjahr.“

        Sie selbst sprechen von einem Rückgang in 2012 gegenüber 2011. Erlauben Sie mir daher bitte die Frage.

        • Armin Dahl sagt:

          Sorry. die Zahl 2011 steht in dem Text oben nur im Zusammenhang mit der neuen Roten Liste. Wo haben sie das gelesen?

          • Sebastian M. Müller sagt:

            Vielleicht habe ich mich etwas missverständlich ausgedrückt. Die Textpassage, in welcher Sie von einem Rückgang der Population in 2012 im Vergleich zum Vorjahr (ergo 2011) sprechen, befindet sich direkt unter der Überschrift „Zusammenbruch der Population nach 2012“.

            Zitat: „Die positive Entwicklung änderte sich schlagartig ab dem Jahr 2012, in dem deutlich weniger Falter flogen als im Vorjahr.“

            Die Population ist also IN 2012 zusammengebrochen, nicht danach im Jahr 2013. Somit kann die Gruppe der SDHI-Pestizide folglich unmöglich der Grund für den schlagartigen Populationseinbruch in 2012 sein.

            In Ihrem Schreiben an die ADD vom 03.05.2023 sprechen Sie allerdings von 2013.

            Zitat: „Wir beobachten einen Rückgang, der relativ plötzlich ab ca. dem Jahr 2013
            einsetzte. Dies fällt auffällig mit der Markteinführung und Anwendung von Fungiziden mit neuartigem
            Wirkmechanismus zusammen.“

            Dass die Population bereits in 2012 einbrach (im Vergleich zum starken Flugjahr 2011), beschreiben ja auch Müller und Harnisch hier:
            (https://www.ag-rh-w-lepidopterologen.de/_mGala-16_Thea/wp-content/uploads/Melanargia_32_1_Moselapollo_s.pdf)

            Daher beantworten Sie bitte meine Frage: Wie erklären Sie den Populationseinbruch in 2012 durch SDHI-Fungizide, wenn diese nachweislich erst 2013 in den Hubschrauberlagen zum Einsatz kamen?

  13. Philipp Franzen sagt:

    Sehr geehrter Herr Dahl,
    sehr geehrter Herr Dr. Laußmann,

    seit einiger Zeit verfolge ich Ihre Berichterstattung bzgl. des Apollofalters, z.B. auch in der Rhein-Zeitung. Grundsätzlich möchte ich erwähnen, dass ich auch in diesem Jahr einige Raupen und Falter im Bremmer Calmont beobachtet habe. Die niedrige Anzahl der Individuen erfüllt auch mich mit Sorge.

    Ich möchte Ihnen noch einige Anregungen mitgeben. Ich persönlich wäre als Winzer sehr offen – und ich denke meine Kollegen auch -, die von Ihnen angesprochenen Mittel (wie Sercadis oder Luna Experience) nicht mehr auszubringen. Leider haben Sie nie das Gespräch gesucht. Herr Walg (im Kommentar) hat einige Argumente gebracht, die wissenschaftlich diskutiert und – auch von Ihren Kollegen der Lepidopterologen – geteilt werden. Zum Beispiel, dass der Apollo-Falter eine zweite Generation anstrebt (durch höhere Temperaturen) oder ein Rückgang der Lebensgrundlage durch die Verbuschung der Landschaft. Warum sind oberhalb des Calmont-Klettersteiges keine Apollo-Falter mehr zu sehen? Dort sind die Weinbergsflächen vor 60 Jahren oder noch früher brach gefallen und die Abdrift des Hubschraubers wird diese Flächen und vor allem die Felsen niemals erreichen. Da nur 20% der Fläche des Bremmer Calmont mit Weinbergen bewirtschaftet wird, sind diese Bereiche weit weg von den nächsten Weinbergsflächen und so müssten man dort nach Ihrer Argumentation sehr viele Raupen oder Falter finden. Des Weiteren sprechen Sie von einem massiven Rückgang der Art vom Jahr 2011 hin zum Jahr 2012. In keinem der beiden Jahre wurden im Bremmer Calmont die damals „neuen“ Mittel mit Fluopyram ausgebracht. Ich kann Ihnen gerne den Hubschrauberspritzplan für diese Jahre zuschicken. Die Verwendung dieser Mittel begann erst im Jahr 2013, somit scheiden sie als Erklärung aus. Wie erklären Sie sich diesen Rückgang? Könnte es mit dem sehr warmen Jahr 2011 und einem äußerst warmen Dezember 2011/Januar 2012 gefolgt von einem extrem kalten Februar (zwei Wochen mit -15°C) zu tun haben, sodass die Larven in einem späteren Entwicklungsstadium geschädigt wurden? In meinen Weinbergen finde ich jedes Jahr Dutzende Raupen und Falter des roten Scheckenfalters. Nach meinen Beobachtungen nimmt diese Art eher zu. Wie kann man diese Bestandsentwicklung im Unterschied zum Apolllo erklären?

    In all Ihren Artikeln erwähnen Sie ausschließlich die Fungizide und höchstens in einem Nebensatz andere Gründe. Sie werfen mit populistischen Begriffen wie „vergifte Traumpfade“ um sich. Das möchte ich hier explizit kritisieren. Es erweckt den Eindruck, dass Sie gar keine fachliche Diskussion wollen, sondern nur Aufmerksamkeit und Stimmung machen wollen. Herr Walg hat Argumente vorgetragen und Sie wollen ihn diskreditieren, weil er beim DLR gearbeitet hat? Das ist einfach nur unprofessionell. In Ihrem Ehrenkodex sprechen Sie davon, dass Sie in Ihrem Verein wissenschaftliche Erkenntnisse fördern wollen. Dazu sollten Sie wissenschaftlich arbeiten und Gegenargumente entkräften (können), anstatt andere Leute anzugreifen.

    Und wenn ich Ihren Satz lese – „An der Mosel wird nicht nach dem Vorsichtsprinzip mit den Mitteln umgegangen, sondern um den Gewinn zu maximieren, und da ist der Apollofalter halt im Wege.“ – kann ich leider nur mit dem Kopf schütteln, wie wenig Ahnung Sie vom Weinbau in den Lagen der Mosel haben. Terrassenweinbau wie im Bremmer Calmont ist aufwendig und arbeitsintensiv. Sie müssten 30-40€ pro Flasche Wein erlösen, um in etwa den Mindestlohn zu erhalten. Wer bezahlt das? Welchen Sinn macht „Gewinnmaximierung“ aus Ihrer Sicht in diesem Rahmen? Es gehört sehr viel Idealismus dazu solche Lagen zu bewirtschafen und wir machen das auch zum Erhalt unserer Kultur- und NATURlandschaft! Denn unsere Weinberge bieten für viele seltenen und angepasste Lebewesen ein Refugium, nicht nur für den Apollo-Falter. Dazu gehören z.B. die Blauflügelige oder Rotflügelige Ödlandschrecke, die Steppensattelschrecke, die Smaragdeidechse uvm. Wir wollen diese Landschaft bewusst schützen! Sie hingegen betreiben Populismus, mit dem Sie dem Apollo-Falter nicht helfen werden!

    Aber vielleicht verstehen wir einander aktuell nur noch nicht und können voneinander lernen. Ich lade Sie herzlich ein, einmal vorbeizukommen und vor Ort zu darüber diskutieren, wenn Sie noch einmal in Bremm sind.

    Viele Grüße,
    Philipp Franzen

    • Armin Dahl sagt:

      Hallo Herr Franzen,
      Danke für Ihre Einladung, ich komme sehr gerne darauf zurück. Deshalb an dieser Stelle nur zwei Sätze: Wir stellen die erwähnten Pestizide in den Vordergrund, weil es da wirklich handfesten Belege gibt, dass die eingesetzten Mittel giftig für verschiedene Organismengruppen sind. Alles andere, Klimawandel, Verbuschung usw. sind unbelegbare Spekulationen, die immer wieder vorgetragen werden, um vom Kern der Sache abzulenken. Das ganze Projekt ist übrigens keine Privatkrieg, sondern im Vorstand des Vereins, in dessen Reihen sich etliche Chemiker befinden, Konsens. Und dass die „Weinbau-Lobby“ in den Behörden und Verbänden das nicht lustig findet, das war uns auch schon vorher klar. Angesichts des dramatischen Zusammenbruchs der Apollofalter-Population und der Hinhaltetaktik der Behörden ist ein bisschen Lärm aber offensichtlich notwendig. Sie finden die meisten Dokumente dazu unter melanargia.de/apolloschutz. Und nur damit sie wissen dass ich nicht gänzlich unbeleckt vom Thema bin: Auch mein Schulweg führte durch die Wingerte, damals flog der Spritzhubschrauber noch direkt neben dem Haus. Ich habe reichlich Verwandtschaft und Freunde im Weinbau und kenne die Diskussionen seit Jahrzehnten.

      • Philipp Franzen sagt:

        Guten Tag Herr Dahl,

        Danke für Ihre Antwort. Ich freue mich auf ein persönliches Zusammentreffen und ich denke im Innern verfolgen wir dasselbe Ziel.

        Ich muss allerdings widersprechen, dass ich (oder die Winzergemeinde) vom „Kern der Sache“, also der Fungizid-Ausbringung ablenken möchte. Wie bereits erwähnt, stelle ich mir selbst seit Längerem die Frage, warum die Population auch im oberen Bereich des Calmont, Hunderte Meter weg von Weinbergen, oder in den Felsen der Brauselay oder im Dortebachtal (wo es zum Teil überhaupt keine Weinberge mehr gibt) so dezimiert worden ist. Dort hat sich zum Teil seit mehr als 50 Jahren nichts verändert, außer eben einer Verbuschung, sodass der Populationsrückgang seit 2012 aus meiner Sicht mit Fungiziden nicht erklärt werden kann. Ich bin kein Schmetterlingsexperte, interessiere mich jedoch auch für die Arten, die wir hier in den Steilhängen haben.

        Da Sie sich mit Weinbau etwas auskennen, wissen Sie sicherlich auch, dass bei einem Verbot der Hubschrauberspritzung – bei aktuell keiner (erlaubten) Alternative – fast die gesamten Hänge, von denen wir hier sprechen (Calmont, Uhlen, Herrenberg etc.) brach fallen werden. Auch auf die Gefahr hin, dass Sie widersprechen, lasse ich mich auf die „Spekulation“ ein, dass dies weder dem Apollo noch den anderen vom Aussterben bedrohten Arten im Bremmer Calmont nutzen wird. Letztere wie z.B. die Ödlandschrecke haben sich entgegen Prophezeiungen des Aussterbens aufgrund der „massiven Verwendung von Pestiziden“ – wie vom Experten Heiko Bellmann in den 1980er geschildert – nicht bewahrheitet (siehe „Naturführer Heuschrecken“, H. Bellmann, 1985, S. 112 und 146), sondern das Gegenteil – nämlich eine extreme Zunahme dieser Art – ist eingetreten. Ich will hier nicht die massive Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln inkl. Herbiziden und Insektiziden zu dieser Zeit verteidigen, dies war absolut unnötig! Ich möchte damit zu bedenken geben, dass es sehr gefährlich ist, sich in einem komplexen System auf einen Grund festzulegen und alles andere als Spekulation abzutun.

        Bis zu unserem Treffen verbleibe ich mit freundlichen Grüßen
        Philipp Franzen

        • Armin Dahl sagt:

          Hallo Herr Franzen,
          Wir legen uns auf die Wirkungen fest die sich belegen lassen, und lassen eben genau die Finger von allerlei Vermutungen und nicht belegbaren Spekulationen. Vertreten hier die Interessen des Apollofalters, und da gibt es einen starken Schutzstatus, u.a. als FFH-Art mit entsprechender Berichtspflicht an die EU.
          Heike Bellmanns Prophezeiungen bezüglich der Heuschrecken stammen aus den frühen 80er Jahren, seitdem hat sich bei der Artengruppe extrem viel getan. Beim Apollo leider nicht, der ist bekanntlich ausbreitungsschwach, Versuche ihn zB. am Mittelrhein anzusiedeln gab es reichlich, alle sind gescheitert. Im Dortebachtal fliegen die „letzten Mohikaner“, an der Brauselay nur noch Einzeltiere.
          Und es geht hier nicht um Glaubensfragen. Die brutale Pestizidbelastung z.B. an der Brauselay und in Pommern ist ja gemessen und belegt, und wenn man das liest stehen einem die Haare zu Berge. https://www.wecf.org/de/wp-content/uploads/2018/10/DPL_Pestizide_DE_2020.pdf [Daten von der Mosel ab Seite 208]

        • Jürgen Möschel sagt:

          Hallo Herr Franzen,
          die Einbrüche der Apollofalterpopulation in 2012 und von 2018 auf 2019 würde ich persönlich auch eher auf ungünstige Witterungsverhältnisse zurück führen. Insbesondere der warme Oktober 2018 drängt sich als Erklärungsversuch auf. Die Witterung hat immer Einfluss auf die Individuenabundanz der Falter in verschiedenen Jahren. Mal ist es zu heiß oder kalt, mal zu nass oder trocken. Nach „Abstürzen“ folgen Erholungen. Nun fallen diese Erholungen beim Apollofalter sehr bescheiden aus und alles findet auf einem erschreckend niedrigen Niveau statt. Niemand kann mit Sicherheit sagen, worin dies begründet ist und es ist sehr wahrscheinlich ein Zusammenspiel mehreren Faktoren. Aber gerade deswegen finde ich es persönlich wichtig, auch jeden in Frage kommenden Aspekt zu betrachten und nichts unberücksichtigt zu lassen. Und dass man dann auch die Pflanzenschutzmittel, welche schon in den 70iger und 80iger Jahren eine unrühmliche Rolle spielten, mit auf dem Schirm hat, sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Nur weil es keine Studien gibt, ist dies noch lange kein Grund den Unbedenklichkeitsaussagen der Chemiebranche Glauben zu schenken. Die Vergangenheit sollte uns eines Besseren belehren. Die jüngere Geschichte ist geprägt von zunächst hoch gelobten Stoffen, welche sich oft Jahre später als kritisch erwiesen. Viele dieser Stoffe lassen sich noch Jahrzehnte nach deren Anwendung bzw. Verbot in den Böden nachweisen. Es gibt keinen Wirkstoff ohne Nebenwirkungen. Die Kritik richtet sich daher in erster Linie an die fehlenden Studien zur Langzeitwirkung dieser neuen Wirkstoffe auf andere Organismen.
          Niemand möchte den Moselweinbau diskreditieren oder gar einzelne Winzer. Viele der um den Apollo Besorgten sind mit der Region verwurzelt und die Hochachtung gilt all denen, welche trotz sich verschlechternder Rahmenbedingungen die Steillagen weiter bewirtschaften und zum Erhalt der einzigartigen Kulturlandschaft beitragen. Es freut mich zu lesen, dass Sie als Winzer genauso besorgt über die derzeitige Entwicklung sind wie die Schmetterlingsfreunde und ich gehe davon aus, dass die Weinbauern ein hohes Interesse am Erhalt des Apollo haben, da dieser ein Symbol und Aushängeschild für die Region ist. Damit sehe ich auch keinen Interessenkonflikt zwischen Winzern und Lepidopterologen. Vom Grundsatz her sind wir uns doch alle einig und ein offener Diskurs darüber, wie das gemeinsame Ziel den Apollofalter dauerhaft zu erhalten am besten erreicht werden kann, sollte als Chance begriffen werden.
          Nur am Rande: der von Ihnen erwähnte Rote Scheckenfalter hat in Rheinland-Pfalz ebenfalls erhebliche Einbußen erlitten und die ehemaligen Flugstellen in der Pfalz sind verschwunden. Seit Jahren gibt es lediglich Fundmeldungen von Unter- und Mittelmosel. Es ist schön zu hören, wenn nach Ihren Beobachtungen, hier eine positive Entwicklung stattfindet.
          Viele Grüße von der Obermosel (Trier) Jürgen Möschel

  14. Oswald Walg sagt:

    Die Annahme, dass Fungizide für den Rückgang des Mosel Apollos verantwortlich sind, ist spekulativ, kann aber aufgrund fehlender Untersuchungen nicht ausgeschlossen werden. Zu bedenken ist, dass Hubschrauber seit den 1970er Jahren eingesetzt werden und für den Erhalt der Steil- und Steilstlagen gesorgt haben. Dort, wo Weinberge aufgegeben wurden, kam es meist zu einer starken Verbuschung und zum Erliegen der Population. Von daher garantierte bisher der Weinbau mit dem Hubschrauber das Überleben des Mosel-Apollos. Mit dem Hubschrauber dürfen auch keine Insektizide ausgebracht werden. Ohne den Hubschrauber wurden in früheren Jahrzehnten meist im Schlauchspritzverfahren große Mengen an Insektiziden, wie E605 ausgebracht. Auch sind die Hubschrauber mittlerweile alle mit abdriftmindernden Düsen (Injektordüsen) ausgestattet. Damit kann eine Abdrift auf angrenzende Flächen zwar nicht gänzlich verhindert werden, im Vergleich zu den früher verwendeten Düsen ist sie aber deutlich geringer. D.h. bis Anfang der 2010er war die Fungizidbelastung auf angrenzende Flächen deutlich höher, wobei dies wohl keinen gravierenden Einfluss auf die Falter hatte. Alle eingesetzten Fungizide sind meines Wissens als bienenungefährlich eingestuft und auch entsprechend geprüft. Was die SDHI-Fungizide anbelangt, so werden sie wegen des Resistenzmanagements meist nur einmal um die Blütezeit der Reben (Mitte bis Ende Juni) eingesetzt. Zukünftig werden Hubschrauber wohl durch Drohnen ersetzt. Dann dürfte die Abdrift noch weiter minimiert werden, da diese keine Rotorblätter besitzen. Auch andere Faktoren, wie der Mangel an Futterpflanzen durch Verbuschung oder der Klimawandel müssen für den Rückgang der Population in Betracht gezogen werden. Möglicherweise ist deren Einfluss sogar bedeutender. Bei dem Traubenwickler kann beispielsweise beobachtet werden, dass viele Eier auf stark besonnten Traubenbeeren eintrocknen, was in früheren Jahrzehnten kaum vorkam. Die Ursache für den starken Rückgang des Mosel Apollos nur in den Fungiziden zu sehen, scheint mir zu einfach. Die Ursachen sind meiner Meinung nach multipler.

    • Armin Dahl sagt:

      Ok, vom ehemaligen Leiter des DLR Rheinhessen-Nahe-Hunsrück darf man wohl nicht viel was anderes erwarten. Trotzdem Danke dass sich mal jemand vom Fach mit dem Beitrag auseinandersetzt. Es gibt nicht „die Fungizidbelastung„, da muss man schon die Mittel einzeln bewerten, und da genau liegt der Hase monentan im Pfeffer. Und schon garnicht „garantiert der Hubschrauber das Überleben der Population des Apollofalters„, der da schon vor den Römern siedelte. Der Klimawandel muss für alles als Nebelkerze herhalten, und mit „multiplen Ursachen“ kann man sich immer herausreden.
      Was dagegen gesichert ist: Einige der sogenannten Fungizide haben belegte negative Wirkung auf andere Organismengruppen, und sind zudem persistent, sie reichern sich an. Stoffe, die in den Grundstoffwechsel eingreifen, sind für eine Menge Lebewesen halt sehr ungesund. An der Mosel wird nicht nach dem Vorsichtsprinzip mit den Mitteln umgegangen, sondern um den Gewinn zu maximieren, und da ist der Apollofalter halt im Wege. Irgendwann verschwindet dann das Schild am „Apolloweg“, und keiner wills gewesen sein…

    • Jürgen Möschel sagt:

      „… kann aber aufgrund fehlender Untersuchungen nicht ausgeschlossen werden.“ -> dann sollte man genau diese Untersuchungen erbringen. Der Moselapollo ist zu wichtig als dass man sich auf Standpunkte „wird schon nicht so schlimm sein, dass mit den Fungiziden“ zurück ziehen kann.
      „Von daher garantierte bisher der Weinbau mit dem Hubschrauber das Überleben des Mosel-Apollos.“ Mit Verlaub, das ist Quatsch. Da stellen Sie eine Kausalität her, die es so nicht gibt.

  15. Klaus Hanisch sagt:

    Hallo Steamboat Willy,

    das dürfte ein Missverständnis sein. Der Moselapollo besiedelt nicht nur die bewirtschafteten Steillagen, sondern insbesondere die unbewirtschafteten felsigen Steillagen wie z.B. die Brauselay gegenüber von Cochem.
    In solchen Formationen hatte der Moselapollo seinen Ursprung und flog hier wohl schon, bevor es den Weinanbau gab. Aber auch dort wurden die insektenschädlichen Substanzen, von denen die Rede ist, nachgewiesen.
    Freundliche Grüße

    • Jürgen Möschel sagt:

      Ich bin zu selten an der Untermosel als dass meine Einschätzung repräsentativ wäre, aber mir kam es so vor als sei der Apollo auf der kleinen Fläche des ehemaligen Steinbruchs im Dortebachtal mittlerweile häufiger anzutreffen als auf dem gesamten Apolloweg.

  16. Wilhelm Köstler sagt:

    Das Apollo-Vorkommen im Altmühltal um Solnhofen (Baern) bleibt unerwähnt.

  17. Steamboat Willy sagt:

    Warum existiert der Moselfalter nur in den bewirtschafteten Steillagen? Ohne Pflanzenschutz kann es diese aber nicht geben. Schon mal darüber nachgedacht?

    • Armin Dahl sagt:

      Der Apollofalter war da schon lange vor der Römerzeit. Und was den sogenannten „Pflanzenschutz“ angeht, es geht eben um die eingesetzten Mittel, und es geht natürlich auch ohne persistente hochgiftige Verbindungen.

  18. Die Zusammenhänge zwischen der Einbringung der Pestizide und dem Populationsrückgang vom Apollo- Falter sind doch nicht damit wegzudiskutieren, dass es bislang noch keinen evidenzbasierten Nachweis dafür gibt. Gleichzeitig soll aber gelten, dass die Funghizide und andere eingebrachte Gifte nicht schädlich sein sollen, obwohl auch von dieser Seite keinerlei Nachweise erbracht wurden. Allein die Aussage, dass es nicht so wäre, ist da vollkommen deplatziert. Das passt nicht zusammen.

    Eigentlich müsste genau andersherum vorgegangen werden. Vor dem Einsatz solcher Gifte, müssten die Hersteller bzw. Vertreiber der Substanzen die ökologische Unbedenklichkeit nachweisen. So wird es zum Beispiel auch bei Arzneimitteln gemacht. Wieso hier nicht?

    • Armin Dahl sagt:

      Das ist doch ganz einfach zu verstehen, Thomas. Wenn das alles sauber getestet würde dann gäbe er keine Zulassungen! Also testet man lieber erst gar nicht. Wenn Du einen Chemiecocktail mit wechselnder Zusammensetzung versprühen willst, wirst Du sowieso NIEMALS sauber auf die Wirkung eines Stoffes testen können.

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