Wintersport Teil III: Suche nach Kardenwickler-Raupen

Die Kleinschmetterlinge oder „Mikros“ sind generell unterkartiert, obwohl sich viele Arten sehr leicht finden und auch bestimmen lassen. Die zu den Wicklern (Tortricidae) zählende Endothenia gentianaeana (HÜBNER, [1799]) lebt in den Blütenköpfen der Karde (Dipsacus fullonum), im Winter findet man die Raupen leicht in den trockenen Blütenständen.

Die Wilde Karde (Dipsacus fullonum) ist an den Ruderalstandortn der Region im Winter nicht zu übersehen. Die trockenen mannshohen Blütenstände mit dem stacheligen Stengel und dem hübschen Blütenstand sind dekorativ und landen oft auch mal in Trockensträußen und Weihnachtsdekoration.
Packt man einmal herzhaft in die gefährlich aussehende Blütendolde, zeigt diese sich überraschend weich und läßt sich mit den Fingern leicht auseinanderreißen. Der Blütenboden ist eine hohle Kammer, die mit faserigem Mark ausgekleidet ist. Aber nur wenn sich nicht eine Raupe als Untermieter darin einquartiert hat! Denn dann hat dieser bleiche „Wurm“, der aussieht wie eine Fliegenmade mit dunklem Kopf, den Blütenboden mit Kotbällchen und Gespinst angefüllt.

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Plötzlich ans Licht gezerrt versucht die Raupe meist sich in den Stengel zurückzuziehen, und es schaut nur noch der Kopf heraus. Dann heißt es zur exakten Artbestimmung auch noch den Stengel aufreißen: Zwei sehr ähnliche Arten leben in der Karde, neben der bereits erwähnten Endothenia gentianaeana findet man auch auch E. marginana, die im Unterschied zur abgebildeten Art am Hinterende eine schwarze Genitalplatte trägt.

Beide Arten dürften bei entsprechender Suche in den niedrigeren Lagen des Arbeitsgebiets nachzuweisen sein. Ob die Februar-Raupen schon ausgewachsen sind, das Freilegen unbeschadet überstanden haben und sich noch erfolgreich zum Falter entwickeln, das werden wir dann im Frühjahr sehen.

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Ulmen-Zipfelfalter – im Winter deutlich leichter zu kartieren als im Sommer

Der Ulmen-Zipfelfalter Satyrium w-album (KNOCH, 1782) lässt sich als Imago nur schwer gezielt nachweisen, da sich die Falter überwiegend im Kronenbereich von Bäumen aufhalten. Mitunter werden aus diesem Grund vor allem kleine, individuenarme Populationen übersehen. Es ist somit davon auszugehen, dass die Art in unserem Arbeitsgebiet deutlich weiter und flächendeckender verbreitet ist, als die bisherigen Meldungen erahnen lassen. Möglicherweise wird sogar aufgrund der wenigen vorhandenen Daten die Gefährdungssituation des Ulmen-Zipfelfalters völlig falsch eingeschätzt. So gilt die Art nach den aktuellen Roten Listen in RLP als stark gefährdet und in NRW sogar als vom Aussterben bedroht.

Ein Ei des Ulmen-Zipfelfalters, welches sich an einer Endknospe der Berg-Ulme Ulmus glabra HUDS. befindet. – Klotten, Februar 2017, Foto: Daniel Müller


Um ein genaueres Bild über die derzeitige Bestandssituation des Falters zu bekommen, sollte der Nachweis dieser wahrscheinlich gar nicht so seltenen Art vermehrt im Winter über die Suche nach den Eiern erfolgen. Die größte anfängliche Schwierigkeit besteht meist darin, eine blühfähige Ulme in der kalten Jahreszeit als solche zu identifizieren. Am einfachsten lässt sich dieses Problem lösen, indem man sich bereits im Sommer die Standorte von Ulmen notiert und diese dann im Winter aufsucht. Die Umgebung, in der sich das Wirtsgehölz befindet, scheint im Übrigen für den Falter von geringer Bedeutung zu sein. So kann die Art mitunter auch innerhalb von Städten nachgewiesen werden.
Das für Zipfelfalter ungewöhnlich abgeflachte Ei, welches dunkelgrau gefärbt ist und einen auffälligen weißen Saum besitzt, lässt sich dagegen recht einfach finden. In der Regel werden die Eier von den Weibchen einzeln an die Basis der Endknospe eines Haupt- oder Seitentriebs abgelegt. Seltener dienen jedoch auch die kleineren Seitenknospen oder zuweilen sogar die Blütenknospen als Eiablageort. Mitunter kann ein beachtlicher Teil der Eier parasitiert sein. Diese erscheinen dann in der Grundfarbe eher bräunlich und weisen an der Seite ein kleines Loch auf. Befindet sich jedoch ein größeres, zentral gelegenes Loch im Ei, so kann davon ausgegangen werden, dass aus diesem bereits die Raupe geschlüpft ist.

Parasitiertes Ei des Ulmen-Zipfelfalters an einer Seitenknospe der Berg-Ulme. Gut zu erkennen ist das kleine, seitlich gelegene Ausschlupfloch des Parasiten. – Niederfell, Januar 2018, Foto: Daniel Müller

Vielleicht kann sich nun der eine oder andere für die winterliche Suche nach den Eiern des Ulmen-Zipfelfalters begeistern, sodass wir in einigen Jahren mehr über die aktuelle Verbreitung und Häufigkeit dieser Art wissen.

Literatur
HERMANN, G. (2007):Tagfalter suchen im Winter: Zipfelfalter, Schillerfalter und Eisvögel. Searching for Butterflies in Winter: Hairstreaks, Purple Emperors, Poplar Admiral & White Admirals. – 224 S.; Norderstedt (Books on Demand GmbH).

SETTELE, J., STEINER, R., REINHARDT, R., FELDMANN, R. & HERMANN, G. (2009): Schmetterlinge: Die Tagfalter Deutschlands. 2. Auflage. – 256 S.; Stuttgart (Ulmer).

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Schwarze Löcher, weiße Kugeln: Winterliche Eiersuche nach Thecla betulae

Der Nierenfleck-Zipfelfalter Thecla betulae (LINNAEUS, 1758) ist als Ei viel leichter denn als Falter nachzuweisen. Das können etliche Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft aus eigener Erfahrung bestätigen, auch wenn in der Vereinsdatenbank den „schwarzen Löchern“ nicht anzusehen ist, ob sich hinter den Einträgen von Eierfunde oder aber Faltersichtungen verbergen.

Thecla betulae: „Schwarze Löcher“ auf den Nachweiskarten der Vereinsdatenbank zeigen den aktuellen Kenntnisstand.

Was jedoch bereits in der Färbung der Quadranten erkennbar ist, sind die bevorzugten „Suchgebiete“, die – durchaus nicht zufällig – um die Wohnorte einiger Suchender gruppiert sind. Und wenn man mit dem Cursor online über die Verbreitungskarte fährt, fällt auch auf, wie viele Funde gerade in 2016 und 2017 hinzugekommen sind. Und mit den Dateneinspeisungen für 2018 wird es wieder viele „Farbwechsel“ geben, das steht jetzt schon fest!

Denn mindestens drei Vereinsmitglieder sind nachgerade süchtig nach der Eiersuche und haben teils ihre Ehefrauen bzw. – männer auch infiziert. Wobei sie das Glück haben, dass im direkten Umfeld – wie bei uns sogar im eigenen Garten, jahrzehntelang unbemerkt?! – Thecla betulae vorkommt.

 

Ei von Thecla betulae. (Foto: Hubertus Trilling)

Das Ei von Thecla betulae sieht aus wie ein winziges Seeigel-Innenskelett. Hat man sich erst einmal „eingesehen“, sind die Eier plötzlich fast überall zu finden. (Foto: Hubertus Trilling)

Dabei ist die Eiersuche keineswegs aufwendig. Wenn man ohnehin Ausflüge und Wanderungen unternimmt, man dabei an einem Schlehengebüsch vorbeikommt, dauert die eigentliche Suche oft nur ein paar Minuten. Für den Nachweis reicht das, aber man kann dann natürlich weitersuchen und findet oft noch mehr. Manchmal ist sogar ersichtlich, wo ein Weibchen entlanggeflogen und wo es abgebogen ist. Die Eier sind wirklich leicht zu finden und bescheren schöne Erfolgserlebnisse.

Irgendwann wird man dann die Wanderungen gezielter planen und zuvor, wenn man die Gegend nicht so gut kennt, auf Satellitenkarten nach kleinräumig strukturierten Offenlandgebieten mit vielen Hecken oder auch Waldrändern Ausschau halten. Und ein Schelm, wer Böses dabei denkt, wenn man dabei auch noch im Blick hat, in welchem Meßtischblatt-Quadranten die Gegend liegt … .

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Im Rhein-Sieg-Kreis etwa, wo Thecla betulae auf der Roten Liste von 2011 in Kategorie 3 eingestuft ist, konnten mein Mann Hajo und ich bisher an fast jeder größeren Schlehenhecke die schönen weißen Eier nachweisen. Hauptsächlich, aber nicht nur, wurden die Funde an Schlehenhecken und Gebüschen sonnig-warmer Standorte gemacht, auch wenn die Eier selbst dann oft im Halbschatten waren. Die Fundorte sind meist ganz unspektakulär, zum Beispiel fanden wir die Eier häufig einfach an Wegrändern, an „Straßenbegleitgrün“ von Kreis- bis Schnellstraße, an der gebüschreichen Umzäunung von Sendemasten, Klärwerken oder Wasserbehältern, an Bahndämmen, sogar innerhalb von Dörfern und Städten.
Wie das auch in der Literatur beschrieben wird, werden die Eier meist einzeln, teils auch paarweise oder selten zu dritt abgelegt. Junge, noch nicht deutlich von Flechten bewachsene Zweige von Prunus spinosa werden auch nach unserer Erfahrung bevorzugt. Wir schauen von etwa Kniehöhe so hoch, wie es bequem möglich ist. Bei bedecktem Himmel sieht man sie leichter als bei Sonnenschein – und die Belegfotos werden besser. Häufig sind die jungen Ausläufer von am Rand immer wieder geschnittenen Gebüschen besonders beliebt, nicht so sehr alte vergreiste Bereiche der Gebüsche. Die Eier finden wir meist in den Astgabeln kleiner Nebenzweige oder Dornen, ausnahmsweise auch einfach am Zweig selbst. Es lohnt sich übrigens, auch an Pflaumen- oder Zwetschgenbäumen (Prunus domestica) nachzuschauen, wenn man die Äste erreichen kann – ein paar der Funde haben wir an Pflaumen gemacht.

Wie weit drei der Suchenden mit dieser Methode schon gekommen sind, ist immer aktuell der Verbreitungskarte von Thecla betulae in naturgucker zu entnehmen, vgl. https://naturgucker.de. Denn Michael Benteler, Hubertus Trilling und ich notieren unsere Funde stets zeitnah und komplett dort. So haben wir in den ersten beiden Monaten 2017 allein in Nordrhein-Westfalen insgesamt über 80 Thecla-betulae-Eier gefunden, und seit September bis Jahresende 2017 sogar 120. Viele davon liegen in „neuen“ Quadranten.

Übrigens stehen in naturgucker den bisher für NRW in 2017 gemeldeten insgesamt, wenn ich richtig gezählt habe, 224 Eiern nur 8 Faltersichtungen gegenüber. Man kann die Falter durchaus entdecken – doch braucht es dazu Geduld und Zeit, wobei vor allem letztere während der Sommermonate lieber in andere Beobachtungen investiert wird.
Und es gibt es immer wieder einmal interessante „Beifänge“. Relativ häufig findet man die ebenfalls weißen, aber anders geformten Eier des Milchweißen Bindenspanners Plemyria rubiginata (DENIS & SCHIFFERMÜLLER, 1775). Nach der kleinen Fundstatistik von meinem Mann und mir seit Januar 2016 kam bei uns ungefähr ein Ei von Plemyria rubiginata auf fünf Eier von Thecla betulae. Die Weißdorn-Eule Allophyes oxyacanthae (LINNAEUS, 1758) ist als Falter nicht selten am Licht oder Köder, Eier haben wir allerdings bisher nur 4 im Arbeitsgebiet gefunden. Und wenn man schon unterwegs ist, kann man natürlich auch nach den Ausfluglöchern des Hornissen-Glasflüglers Sesia apiformis (CLERCK, 1759) in Pappeln schauen, die bei uns ebenfalls leicht zu finden sind.

Absolut begeisternd finde ich jedoch die wirklich seltenen Überraschungen. Dazu zähle ich die Eier des Pflaumen-Zipfelfalters Satyrium pruni (LINNAEUS, 1758), die sowohl vom Michael Benteler als auch von meinem Mann und mir 2017 gefunden wurden, insgesamt vier Stück. Zudem wollte hier im Rhein-Sieg-Kreis augenscheinlich eine Raupe des Eichenspinners Lasiocampa quercus (LINNAEUS, 1758), in unserer Region Rote Liste 2, auf einem Schlehenzweig überwintern. Wollte man die Schlehen ausschließlich nach diesen Arten absuchen, wäre das ein ziemlich frustrierendes Unterfangen. Doch soviel Glück wie Hubertus Trilling, der in seiner Gegend auch Eier von Satyrium spini (DENIS & SCHIFFERMÜLLER, 1775) an Kreuzdorn gefunden hat, kann nicht jeder haben – schließlich ist der Kreuzdorn-Zipfelfalter nur sehr lokal verbreitet.

Wir sind gespannt, wie viele Nachweise von Thecla betulae in dieser winterlichen Suchsaison noch zusammenkommen, schließlich ist sie noch lang – und es spornt durchaus an zu sehen, wie aktiv die anderen sind und was sie gefunden haben. Wir werden dann zu gegebener Zeit darüber berichten.

Wobei das wissenschaftliche Interesse an den Nachweisen sehr schöne Nebenwirkungen hat – es motiviert, auch bei schlechtem Wetter rauszugehen, fördert die Gesundheit, dient dem bessern Kennenlernen der näheren und weiteren Wohnumgebung, regt an, neue Wanderwege auszuprobieren, und hilft, den Blick für die Gebüsche am Wegesrand zu schärfen. Kenntnis von schönen Schlehenbeständen ist schließlich auch für andere lepidopterologische Zwecke nützlich – wenn man etwa im Frühjahr in eher älteren Gebüschen nach Theria primaria (HAWORTH, 1809) oder Theria rupicapraria (DENIS & SCHIFFERMÜLLER, 1775) Ausschau halten will. Also nichts wie raus!

Buch- und sonstige Empfehlungen:
HERMANN, G. (2007): Tagfalter suchen im Winter – Searching for Butterflies in Winter. – 224 Seiten, Norderstedt (Books on Demand GmbH)

http://www.schmetterling-raupe.de
Hinweise zur winterlichen Suche nach Eiern

http://www.orchids.de/haynold/tkq/KoordinatenErmittler.php
Karten oder Satellitenbilder mit zuschaltbarer MTB-Einteilung

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Tagfalter im Steillagenweinbau: Bachelor und Masterarbeiten an der Mosel

Im Rahmen des Projektes „Biodiversität in Weinbausteillagen“ bietet das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Mosel in Bernkastel-Kues in Kooperation mit dem Senckenberg Deutschen Entomologischen Institut die Möglichkeit zur Anfertigung von Abschlussarbeiten zur Erlangung des Grades Bachelor bzw. Master of Science an.

Die Betreuung vor Ort findet bei allen Arbeiten durch die im Projekt beschäftigte Doktorandin Lea Jäger statt. Die darüber hinaus stattfindende Betreuung und Bewertung der Arbeiten übernimmt Prof. Dr. Thomas Schmitt (Senckenberg Deutsches Entomologisches Institut, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg).

Die Untersuchungsflächen liegen in Pommern (Untermosel), Bernkastel-Kues und Kesten (Mittelmosel).

Details zur Ausschreibung


Termin 25. März 2018: Vortrag von Lea Jäger „Melitaea didyma“ – ein Profiteur des Steillagenweinbaus?“

Bericht über die Mittelmosel-Exkursion im Raum Minheim / Kesten 2017

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Schmetterlinge am Gewöhnlichen Beifuß (Artemisia vulgaris)

Drei Kleinschmetterlings-Arten, die bislang in unserem Arbeitsgebiet nur punktuell und selten nachgewiesen wurden, leben als Raupe an bzw. in den Blättern vom Gewöhnlichem Beifuß: Leucospilapteryx omissella (STAINTON, 1848) (Gracillariidae), Bucculatrix noltei PETRY, 1912 (Bucculatricidae), und Hellinsia lienigianus (ZELLER, 1852) (Pterophoridae). Der Mangel an Nachweisen ist verwunderlich, denn der Beifuß wächst in unserem gesamten Arbeitsgebiet überall. Mit diesem Beitrag möchte ich dazu anregen, künftig auch dieser Pflanze und ihren Bewohnern Beachtung zu schenken.

Leucospilapteryx omissella (STAINTON, 1848)

Willy BIESENBAUM (2010) führt im Faunenband  15 der Lepidopterenfauna der Rheinlande und Westfalen L. omissella noch nicht auf. Der Erstfund der Beifuß-Miniermotte gelang Rudi Seliger 2011 im Bereich Schwalmtal am Niederrhein im Westen des Landes. Angeregt durch die sehr gute Dokumentation von Heidrun Melzer im Lepiforum machte ich mich in meinem heimatlichen Umfeld in Ostwestfalen gezielt auf die Suche, und fand die Art an Pflanzen, die an Straßenrändern und Feldwegen wuchsen.

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Die roten Blasenminen der zu den Echten Miniermotten (Gracillariinae) zählenden, winzigen Art sind sehr auffällig und können bei der herbstlichen Minensuche eigentlich nicht übersehen werden. Und so gelang mir der Nachweis in der Senne an drei Standorten in Stukenbrock (Kreis Gütersloh), Oerlinghausen (Kreis Lippe) und Bielefeld-Sennestadt. Die rötliche Blasenmine darf nicht verwechselt werden mit der Fliegenart Trypeta artemisiae (Fabricius, 1784). Diese Minen sehen schwärzlich aus und sind weniger aufgeblasen. Abbildungen und Hinweise finden sich auf der Webseite bladmineerders.nl/


Bucculatrix noltei PETRY, 1912

Willy BIESENBAUM (2010)  führt in Faunenband 15 der Lepidopterenfauna der Rheinlande und Westfalens zu Bucculatrix noltei an, dass es nur Nachweise aus dem deutsch-niederländischen Grenzgebiet und dem Niederrhein gibt. Er weist darauf hin, dass eine gezielte Nachforschung notwendig sei, da die Art in den Niederlanden sehr häufig ist.
Meine Raupensuche von Anfang September bis Mitte Oktober gestaltete sich stets als sehr ergiebig, denn der Lochfraß an den Pflanzen zeigt die Anwesenheit der Raupen sehr auffällig an. Egal an welchen Standorten ich suchte, viele Pflanzen waren mit Raupen besetzt: Stukenbrock, Gütersloh, Augustdorf, Oerlinghausen, Willebadessen.
Die Raupenzucht gestaltete sich als unproblematisch. Die abgeschnittenen Pflanzenstengel stellte ich in Wasserbehälter und dichtete den Stengel mit Papier rundherum ab, damit die Raupen nicht in das Wassergefäß krabbeln und dort ertrinken. Die Raupen verließen nämlich größtenteils die Pflanze und verpuppten sich am Boden des Zuchtbehälters, in diesem Fall ein 10-Liter-Eimer.

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Hellinsia lienigianus (ZELLER, 1852) – Braunfleckige Beifuß-Federmotte

Eine weitere Art, die bislang selten in unserem Arbeitsgebiet nachgewiesen wurde, ist  Hellinsia lienigianus (ZELLER, 1852). Die Raupe zieht als Schutz vor Fressfeinden und Raupen-Parasiten die Endspitze eines Beifuß-Blattes zusammen, die dann gerollt aussieht. Eher zufällig entdeckte ich zunächst eine Raupe Anfang September, da Bucculatrix noltei an dem Blatt schon gefressen haben musste, jedoch das zusammen gerollte Blatt untypisch war. Die Raupe der Federmotte befand sich dann in dieser Blattrolle. Weitere Raupen konnte ich in Sennestadt, Oerlinghausen und Stukenbrock jeweils Anfang bis Mitte September finden.

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Die Überwinterung der Raupen misslang mir leider. Ein Abkäschern der Pflanzen zur Flugzeit habe ich noch nicht ausprobiert, diese Methode dürfte jedoch erfolgreich sein.


Literatur:

BIESENBAUM, W. (2010): Die Lepidopterenfauna der Rheinlande und Westfalens, Band 15: BUCCULATRICIDAE u. GRACILLARIIDAE . 167 Seiten, 9 Farbtafeln. Leverkusen.

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Bonn / BFN: Artexperten im Bereich Insekten oder Spinnentiere gesucht

Im Fachgebiet „Monitoring“ des BfN zurzeit eine Stelle ausgeschrieben, die sich an Artexperten im Bereich Insekten oder Spinnentiere richtet. Auf Wunsch des BFN, und weil das ein höchst spannender Aufgabenbereich ist, präsentieren wir die Ausschreibung hier: Bewerbungsschluss ist der 05.01.2018.

Stellenausschreibung Kennziffer 136

Das Bundesamt für Naturschutz ist eine Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB). Wir beraten das BMUB in allen Fragen des nationalen und internationalen Naturschutzes und der Landschaftspflege, fördern Naturschutzprojekte, betreuen Forschungsvorhaben und sind zuständige Meeresnaturschutzbehörde für die deutsche ausschließliche Wirtschaftszone sowie Genehmigungsbehörde für die Ein- und Ausfuhr geschützter Tier- und Pflanzenarten.

Für unsere Dienststelle in Bonn-Bad Godesberg suchen wir zum nächstmöglichen Zeitpunkt befristet für die Dauer von 3 Jahren (§ 2 WissZeitVG)

eine/n wissenschaftliche/n Mitarbeiter/in
Vollzeit/Teilzeit
Kennziffer 136

für das Fachgebiet “II 1.3 – Monitoring –“.
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Herbst-Kreuzflügel oder „Advent, Advent, ein Lichtlein brennt“

Während die Liebhaber der Weihnachtsmärkte sich im vorweihnachtlichen Lichterglanz der Großstädte treffen, erleuchten einzelne Schmetterlingskundler immer noch in den Abendstunden den Wald auf der Suche nach Nachtfaltern.

Alsophila acerara, Villewälder bei Brühl, 6 Dezember 2017 am Licht (Foto: Karl-Heinz Jelinek)

Alsophila aceraria, Villewälder bei Brühl, 6 Dezember 2017 am Licht (Foto: Karl-Heinz Jelinek)

Es gibt sie, die Schmetterlingsarten, die den unwirtlichen Spätherbst als ökologische Nische nutzen, um möglichen Fressfeinden zu entgehen. Neben den bekannten und häufigen Frostspannern (Erannis defoliara, Opheroptera brumata) befinden sich darunter auch einige seltene Arten.
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Melanargia alt und neu

Inhaltsverzeichnis von Jahrgang 28, Heft 4: Klick auf das Bild

Der 29. Jahrgang der „Melanargia“ ist komplett, Heft 4 steckt in der Post und wird die Mitglieder in wenigen Tagen erreichen. 

Das neue Heft enthält wieder einmal ein breites Spektrum der Schmetterlings-Faunistik: Autökologische Angaben von Spitzenarten der Roten Liste aus den letzten Hochmoorstandorten, Erstfunde von Arealerweiterern und bisher übersehenen Arten, zudem Bestimmungshilfe für schwer zu unterscheidende „Mikros“. Schriftleiter Günter Swoboda schafft es seit nunmehr fast 30 Jahren, ein interessantes Heft auf hohem Niveau zu erstellen. Vielen Dank dafür!

Das Internet-Angebot wird weiter ausgebaut, so konnten  bisher – Stand Ende November 2017 – die ersten sechs Jahrgänge der Melanargia (1989-1994) eingescannt werden, sie stehen unter „Veröffentlichungen >> Melanargia“ zur Verfügung. Weitere Jahrgänge werden in Kürze folgen, sobald sie aufgearbeitet sind. Dabei kommen Schätze zu Tage, die jetzt auch für die jüngeren Mitglieder erreichbar sind und gleichzeitig als Futter für Internet-Suchmaschinen dienen. Handgefertigte Karten und mit der Schreibmaschine getippte Text geben zudem schöne Einblicke in das Vereinsleben und die Arbeitsweise vor fast 30 Jahren.

Das Jahr 2017 war insgesamt geprägt von großem Medienecho zum Thema „Insektensterben“, der Wert der Artenvielfalt scheint wieder zu steigen. Diesen Schwung gilt es zu nutzen: Die Artenkenntnis in der breiten Bevölkerung ist nur noch marginal, den Rest besorgt das Glyphosat. Allerdings gibt es auch ein paar positive Ansätze durch die verschiedenen Online-Portale, Schmetterlinge fotografieren und bestimmen ist heute einfacher denn je. Solide Artenkenntnis braucht jedoch etliche Jahre, und ohne Anleitung durch „Alte Hasen“ (und Häsinnen) dauert es noch viel länger und macht weniger Spaß.

Die Arbeitsgemeinschaft hat deshalb im ablaufenden Jahr eine ganze Reihe von Exkursionen durchgeführt, mit spektakulären Beobachtungen an verschiedenen „Hotspots“ der Artenvielfalt.  2017 wird den meisten als ein ganz ordentliches Schmetterlingsjahr in Erinnerung bleiben. Mein ganz persönlicher Jahres-Höhepunkt waren die Lichtfänge und Tagesexkusionen ins Loreleygebiet. Am Mittelrhein rund um Kaub, Dörscheid, Bornich und St. Goarshausen werden wir auch 2018 wieder aktiv sein.

Die Kollegen vom Entomologischen Verein Krefeld, die ihre Funde seit vielen Jahre aufs Gramm genau protokollieren,  haben uns die besondere Bedeutung einer sauberen Dokumentation aller Beobachtungen vor Augen geführt. Jeder Falter zählt, aber nur wenn er auch aufgeschrieben und gemeldet ist! Der Datenbestand der Arbeitsgemeinschaft wächst weiter rasch, das Datenbank-Team ist mit den mittlerweile mehr als 120.000 Beobachtungsprotokollen gut beschäftigt. Das Abarbeiten des Altdaten-Berges ist mühsam, aber genau so wichtig wie die aktuelle Feldarbeit! Zudem steht die nächste Rote Liste auch schon wieder bevor. Jetzt kommen dann die so genannten „langen Winterabende“, vorab der Hinweis: Sauber aufgearbeitete Daten und Tabellen verarbeiten wir gerne, Wunder dauern etwas länger!

Und ganz nebenbei haben etliche Mitglieder noch Pflegeeinsätze zum Erhalt einiger Spitzenbiotope durchgeführt, unter anderem in Schloßböckelheim, Dahlem und im Recker Moor. Der ehrenamtliche Naturschutz ist nicht alleine auf die Expertise der Arbeitsgemeinschaft angewiesen, auch die praktische Umsetzung hat eine Menge Spaß gemacht!

Alle Vorträge, Exkursionen und Aktivitäten finden sich wie gewohnt auf der Terminseite! Und der Aufruf des Vorstand in Jahrgang 1 Heft 1 von 1989 gilt nach wie vor:

Wir wünschen uns eine rege Mitarbeit aus den Reihen der Mitglieder und viele interessante Beiträge.“

 

 

 

 

 

 

 

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