Mosel-Exkursion 2019 – entomologische Highlights und nasse Socken

Wie jedes Jahr (seit 2011!) ist die Mosel-Exkursion des Vereins ein lepidopterologisches Highlight. Wie schon 2018 führte uns die von Armin Dahl organisierte Tour in die Umgebung des Mosel-Dörfchens Leiwen, und wird wohl vielen von uns durch nasse Schuhe, Hosen und Leuchttürme in Erinnerung bleiben. Beim Wetter gab es diesmal sicher Luft nach oben, kleinere Wolkenbrüche und nasse Wiesen prägten das Geschehen.

Dennoch konnten wir die trockenen Stunden (tagsüber gab es sogar mal ein paar Minuten Sonnenschein) bestens nutzen, und die entomologischen Besonderheiten der Mosel bewundern.

Mit insgesamt sieben Lichtfang-Anlagen wurden nachts die Weinberge im großen Stil illuminiert, so dass mancher Anwohner bereits einen größeren Polizeieinsatz vermutete. Während unsere Artenlisten immer länger wurden, wurden die Nächte immer kürzer. Nun ist es Zeit auszuruhen und einen Blick auf einen kleinen Ausschnitt der diesjährigen Ausbeute zu werfen:

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Silberminen-Motte an Eiche

Acrocercops brongniardella (FABRICIUS, 1798) ist eine von vielen winzigen Blattminierern, im Gegensatz zu anderen Arten kann man sie allerdings schon im Frühjahr kartieren. Zum Beispiel wenn wegen des verregneten Mais die flugaktiven Falter alle abgetaucht scheinen.

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Anfangs bilden die Raupen einen schmalen, gewundenen Fraßgang aus, oftmals sitzen mehrere auf einem Blatt, der stark erweiterte Minenraum nimmt dann oftmals einen Großteil des Blattes ein. Die großflächigen, silbrig glänzenden Basenminen sind auf der Oberseite von Eichenblättern an warmen sonnenexponierten Standorten ziemlich leicht zu finden.

Neben Stiel- und Traubeneiche werden auch Flaum- und Sumpfeichen befallen. Mit Nachweisen in etwa einem Dutzend Meßtischblattquadranten (Stand Mai 2019) ist die Eichenbusch-Blasenminiermotte mit Sicherheit unterkartiert.

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Acleris umbrana (HÜBNER, 1799) – Wiederfund für NRW und Erstfund für das Bergische Land

Der Wickler Acleris umbrana (HÜBNER, 1799) gilt nach der Roten Liste für Nordrhein-Westfalen als ausgestorben. In der Literatur waren nur Funde für das Weserbergland aus der Zeit vor 1930 vermerkt. Am 7. April 2019 flog nun ein Exemplar in Eitorf, im Naturraum Bergisches Land, ans Licht.

Acleris umbrana

Acleris umbrana, Eitorf-Alzenbach, 7. April 2019 (Foto: Brigitte Schmälter)

Bei einem Leuchtabend auf einer wechselfeuchten Maculinea-Wiese, zwischen fast verblühten Salweiden auf der einen und einer alten Schlehenhecke auf der anderen Seite, fand sich dieser Wickler als erster und eine Weile lang einziger Falter ein.

Die Fundstelle ist ein passendes Habitat. Im Internet werden als Futterpflanzen der Raupen Prunus-Arten, insbesondere P. spinosa, also Schlehe, zudem Weißdorn, Salweide und andere Laubgehölze genannt. Auch in der historischen Literatur wird Salweide angegeben. Die Falter schlüpfen schon im Sommer (Juli/August), gehen dann bald in ein Winterversteck, so dass sie im Frühjahr noch recht frisch wieder aktiv werden können.

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Biotop-Pflegeeinsatz in Schloßböckelheim im April 2019

Die von der Arbeitsgemeinschaft seit nunmehr fast 20 Jahren gepflegten Grundstücke am Felsenberg in Schloßböckelheim an der Nahe zählen entomologisch zu den bedeutendsten und artenreichsten Lebensräumen Deutschlands. Sollen die hier vorkommenden bundesweit stark gefährdeten Arten erhalten bleiben, so ist dies nur möglich, wenn regelmäßig der drohenden Verbuschung der Biotope durch Mahd entgegengewirkt wird.

Abb. 1: Blick von der oberen auf die untere Pflegefläche (rechts unten) und das Nahetal bei Schloßböckelheim (15.10.2011) Foto: H. Schumacher

Ursprünglich war der Termin auf den 13. April angesetzt. Wetterbedingt musste der Einsatz dann aber kurzfristig verschoben werden. Brigitte und Hajo Schmälter, die schon frühzeitig in Schloßböckelheim ein Zimmer gebucht hatten, reisten trotzdem an und leisteten schon gute Vorarbeit.

Bei sonnigem Wetter und gefühlten 30 Grad trafen sich dann am Ostersamstag, 20. April, organisiert von Heinz Schumacher, 13 „Landschaftspfleger“, ausgestattet mit Freischneidegeräten, Astscheren und dicken Handschuhen in Schloßböckelheim, um den Schlehenjungwuchs – Wurzelaustriebe seit der letzten Pflegemaßnahme – wieder zu beseitigen. Die Mahd nach Austrieb der Schlehen im Frühjahr hat sich als besonders effektiv erwiesen, da sie die Pflanze nachhaltig schädigt und so ein Wiederaustrieb verzögert wird. Im Gegensatz zu diesem Frühjahrsschnitt wirkt der Herbst- und Winterschnitt auf die Gehölze wie ein Verjüngungsschnitt. Die Pflanzen reagieren darauf im kommenden Frühjahr mit verstärktem Wachstum.
Bei unserem Biotoppflegeeinsatz kamen Freischneider zum Einsatz. Oftmals ist aber auch mühsame Handarbeit erforderlich, um Schlehenschösslinge zu entfernen und dabei die zu erhaltenen Pflanzen, z.B. den Echten Haarstrang (Peucedanum officinale), die Futterpflanze der europaweit geschützten Haarstrangeule (Gortyna borelii), zu erhalten.
Weitere Zielarten unserer Pflegearbeiten sind neben der Haarstrangeule u. a. die Hofdame (Arctia aulica), das Felshalden-Flechtenbärchen (Setina roscida) und der Steppenheiden-Würfeldickkopffalter (Pyrgus carthami).

Abb. 2: Kaffeepause im Schatten des Felsenahorns: Schloßböckelheim, Felsenberg, 20.04.2019. Von links nach rechts: Rudi Seliger, Martine Goerigk, Petra Seliger, Fabian Fritzer, Oliver Eller, Volker Gayk (hinten), Hajo Heimbach, Thomas Geyer, Daniel Müller, Dorothea Schäfer, Hilde Schmitt, Armin Dahl, Uwe Eisenberg. Foto: Heinz Schumacher.


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Gute Presse alleine reicht nicht!

Liebe Mitglieder und Freunde der Arbeitsgemeinschaft,

das  Insektensterben ist in aller Munde, Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten haben ungeahnte Sympathiewerte – bei der Umsetzung  von Maßnahmen gegen Artenschwund, Lebensraumzerstörung und Ignoranz ist dagegen noch reichlich Handlungsspielraum, vor allem in der Politik.

Heute habe ich erfahren, dass es eine Petition im Bundestag gibt, bei der jeder einzelne von uns einen Beitrag gegen das Insektensterben leisten kann:

https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2019/_03/_20/Petition_92382.nc.html

Diese Petition habe ich soeben mitgezeichnet und ich möchte Euch/Ihnen hiermit die Möglichkeit geben (und darum bitten), dies auch zu tun. Bis 1. Mai 2019 müssen 50.000 Menschen unterzeichnet haben. Gegenwärtig fehlen noch etwa 20.000 Unterschriften.

Man muss sich für diese Petition beim Deutschen Bundestag registrieren. Bitte nicht davon abschrecken lassen, geht einfach und schnell!

Mit besten Grüßen!

Armin Dahl

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Sechs Jahre Insectis Online – www.schmetterlinge-nrw.de

Im Vorfeld der Mitgliederversammlung hier auf die Schnelle mal ein paar Zahlen zu unserer „Landesdatenbank“

Die folgende Übersichtsgrafik zeigt den Bearbeitungsstand: Zum Start des online-Auftritts  im Fühjahr 2013 hatten wir ganze zwölf Meßtischblätter mit mehr als 600 nachgewiesenen Arten. Aktuell sind es über 60 „schwarze“ MTBs.


Die Datendichte hat also erheblich zugenommen, zählbar sind dabei die Exportierten Datensätze, diese haben sich in etwa vervierfacht, auf aktuell etwas mehr als 600.000

Das Ganze setzt sich zusammen aus bereits erfassten Sammlungsdaten (vor allem aus dem Löbbecke-Museum), Angaben aus der Literatur, und einem zunehmenden Strom an aktuellen Beobachtungen. Mein Eindruck ist, daß die Arbeitsgemeinschaft durch die online-Präsentation der Daten an Attraktivität gewonnen hat. Meßbar ist das unter anderem in einer stabilen Mitgliederzahl, wovon andere Vereine nur träumen können.

Dabei genügt die Darstellung der Fundkarten, wie wir sie unter www.schmetterlinge-nrw.de erstellen, modernen Ansprüchen nicht mehr! Die Technik, mit der diese Seiten erstellt werden, ist schon weit über zehn Jahre alt, hier werden wir hoffentlich bald nachbessern können. Für die zukünftige Darstellung ist das Projekt „Schmetterlinge Deutschlands“ eine von verschiedenen möglichen Vorlagen, anzuschauen z.B. unter www.schmetterlinge-d.de/.

Noch zwei Dinge zum Thema Internet: Beiträge von dieser Webseite können abonniert werden, d.h. bei Erscheinen eines neuen Textes bekommen die Abonnenten automatisch eine E-Mail mit einem Link af den neuen Text. Wer das will kann im Menü oben rechts enfach seine Mailadresse hinterlassen. Das Internet dient dazu sich zu vernetzen und Inhalte miteinander zu teilen. Auch die Arbeitsgemeinschaft hat deshalb eine eigene Facebook-Seite eingerichtet, die auch schon regen Zulauf bekommt.

Ganz analog liegt die nächste Ausgabe der „Melanargia“ in den kommenden Tagen in Euren Briefkästen, Schriftleiter Günter Swoboda hat in bewährter Manier das Heft 1 im 31. Jahrgang zusammengestellt. Das Hitzejahr 2018 hat Spuren in der Fauna hinterlassen, wobei man nicht weiß, ob man sich über zahlreiche Ausreißer bei den Flugzeiten wirklich freuen soll: Klimawandel und auch das Insektensterben sind in aller Munde. Trotzdem viel Spaß beim Lesen!

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Schütteln und Wühlen: Raupensuche an Weidenkätzchen

Die Wärme um die Monatswende Februar/März ließ in Aachen schon ein paar Salweiden erblühen. Auch die an Salweide lebenden Raupen sind  jetzt schon aktiv!

Da eine von mir betreute Bachelor-Studentin dieses Jahr ohnehin u.a. Kätzchen sammeln sollte, haben wir am 7. und 13. März , jeweils kurz nach den heftigen Stürmen, die Gunst der Stunde genutzt, und von zwei männlichen Salweidenbäumen an der Uni  Aachen die vom Sturm herabgewehten männlichen Kätzchen gesammelt.

Und siehe da: nach ein paar Tagen wurden die ersten Raupen gefunden! Sowohl Eupithecia tenuiata als auch Agrocholoa circellaris und auch die sonst seltener gefundene Xanthia icteritia waren schon dabei – teilweise nicht leicht zu entdecken bzw. erst nach heftigem Wühlen und Schütteln. Gerade vorhin (17.3.) habe ich in den so langsam gammelnden Kätzchen vom 7.3. neben so einigen A. circellaris noch zwei schon verpuppungsbereite E. tenuiata Raupen gefunden, von denen zwei Tage zuvor noch nichts zu sehen war trotz Schütteln und Wühlen!

Eine am 14.3. in den zuvor gesammelten Weidenkätzchenproben gefundene ausgewachsene Raupe von Eupithecia tenuiata. (Foto: L. Wirooks)


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Wickler-Arten in Zweigen und Stämmen der Lärche

Meine Raupensuche nach Cydia millenniana (ADAMCZEWSKI, 1967) war bislang stets ein Misserfolg. Lag es an der falschen Herangehensweise? Denn bisher hatte ich in Ostwestfalen-Lippe die Zweige älterer Lärchen abgesucht. Mitte Februar 2019 suchte ich gezielt in jüngeren Lärchenbeständen (Larix decidua) nach den Raupen zweier Wickler-Arten – mit vorläufigem Erfolg!
Junge Lärchen hatte ich in den letzten Jahren vergeblich gesucht, bis ich 2018 auf einer Wanderung auf dem Hermannsweg in Detmold-Hiddesen in 330 m NHN zufällig einen natürlichen Lärchenaufwuchs sah.

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Im Lepiforum zeigt Friedmar Graf Fotos von einem jungen Lärchenaufwuchs in Sachsen in 325 m NHN, in dem er die Raupen finden konnte.
Die Raupen leben zweijährig in jungen Zweigen. An der Stelle der Raupenwohnung tritt Harz hervor, der sich zu kleinen Klumpen formt und so die Anwesenheit der Raupe verrät. Ich fand diese Harzklumpen, an denen nur wenige Kotbällchen klebten, in Astgabeln etwa 40 bis 60 cm von der Zweigspitze entfernt. Die Raupe lebt in einem dicht ausgesponnenen Fraßgang.
Rudolf Bryner weist im Lepiforum darauf hin, dass die Art selten zum Licht kommt. Obwohl ich am o.g. Fundort im letzten Jahr vom 31.05. bis zum 4.7. 2018 viermal geleuchtet hatte, flog kein Falter zum Licht. Der Artnachweis scheint durch eine gezielte Raupensuche deshalb eher zu gelingen.

Hans Retzlaff und Rudi Seliger stellen im Jahr 2002 in der MELANARGIA, 14 (4): 123-125, die Frage, ob der Lärchengallenwickler C. millenniana eine in Deutschland seltene oder nur übersehene Art sei. Am 30.4.2001 gelang nämlich Rudi Seliger bei Zwergen im Diemeltal der Erstnachweis für Hessen. Durch gezielte Nachsuche im Jahr 2002 fanden sie sodann im nordhessischen Diemeltalbereich nur zwei einjährige Raupen und mehrere alte Harzgallen. Weitere Funde in Nordrhein-Westfalen aus Höxter, Ottbergen und Oerlinghausen kamen hinzu. In den Jahren 2004 und 2005 wurden durch Hans Retzlaff Gallen- und Raupenfunde in Stukenbrock, Trendelburg und Willebadessen gemeldet (MELANARGIA, 20 (1): 23.). Rudi Seliger fand 2015 eine Raupe im NP Eifel (MELANARGIA, 28 (1): 24).

Am 17.02.2019 fand Hubertus Trilling an einer älteren Lärche in Hessen, Volkmarsen-Hörle, NSG Iberg, 235 m, nur eine einzige Raupenwohnung an einem unteren Zweig. Es ist sicher so, dass die Raupen bis in die Baumkronen minieren und man diese Stellen dann schlecht sehen kann. Da die unteren Zweige älterer Lärchen i.d.R. stark verholzt sind, kann das vielleicht auch ein Grund dafür sein, dass an solchen unteren Ästen die Art seltener gefunden wird. Zumindest ist das ein Erklärungsversuch, warum in aufwachsendem Lärchenbestand mit seinen frischen Zweigen die Suche effektiver zu sein scheint. Eine Nachfrage bei den Forstämtern, wo ggf. Lärchen gefällt wurden, würde die Gallen- bzw. Raupensuche in den Baumkronen erleichtern und zur Klärung solcher Fragen beitragen.

Ebenfalls an Lärche kommen zwei weitere Wickler-Arten vor, die allerdings in der Rinde leben: Cydia zebeana und Cydia grunertiana. Ein Bohrmehlauswurf im Bereich der Äste verrät die Anwesenheit der Raupen dieser Arten.

C. grunertiana wurde von Josef Bücker am 03.04.2017 erstmals für unser Arbeitsgebiet nachgewiesen, Josef schreibt im Lepiforum u.a. dazu: „An vielen etwas älteren Lärchen fand ich unter zumeist abgestorbenen Ästen Bohrmehlauswurf mit Harztropfen- insgesamt etwa 50 Befunde. Zahlreiche davon waren "besetzt"“. Heinz Schumacher und Josef Bücker fanden sodann in Anzahl weitere Puppen zwischen dem 03. und 24.04.2017. (MELANARGIA, 30 (1): 26). Armin Dahl meldet ebenfalls für 2017 einen Fund (InsectIS-online).

An o.g. Stelle in Hiddesen fand ich mehrere Harz- und Kotklumpen an jungen Lärchen (ca. 15 cm dick) unter einem lebenden (!) Ast in etwa einem Meter Höhe.

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Um welche Art es sich bei meinen Funden handelt, bleibt bis zum Falterschlupf abzuwarten. Bis Anfang April werde ich weitere Bäume absuchen und mit dem Heraussägen der Fraßstelle(n) warten, um einen Zuchterfolg nicht zu gefährden.

Micro-Tagung Oktober in Willebadessen

Mehr über Kleinschmetterlinge, Treffen mit Experten, gemeinsame Exkursion etc. gibt es beim Treffen der Micro-Lepidopterologen vom 11.- 13.10.2019 in Ostwestfalen.

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