Schütteln und Wühlen: Raupensuche an Weidenkätzchen

Die Wärme um die Monatswende Februar/März ließ in Aachen schon ein paar Salweiden erblühen. Auch die an Salweide lebenden Raupen sind  jetzt schon aktiv!

Da eine von mir betreute Bachelor-Studentin dieses Jahr ohnehin u.a. Kätzchen sammeln sollte, haben wir am 7. und 13. März , jeweils kurz nach den heftigen Stürmen, die Gunst der Stunde genutzt, und von zwei männlichen Salweidenbäumen an der Uni  Aachen die vom Sturm herabgewehten männlichen Kätzchen gesammelt.

Und siehe da: nach ein paar Tagen wurden die ersten Raupen gefunden! Sowohl Eupithecia tenuiata als auch Agrocholoa circellaris und auch die sonst seltener gefundene Xanthia icteritia waren schon dabei – teilweise nicht leicht zu entdecken bzw. erst nach heftigem Wühlen und Schütteln. Gerade vorhin (17.3.) habe ich in den so langsam gammelnden Kätzchen vom 7.3. neben so einigen A. circellaris noch zwei schon verpuppungsbereite E. tenuiata Raupen gefunden, von denen zwei Tage zuvor noch nichts zu sehen war trotz Schütteln und Wühlen!

Eine am 14.3. in den zuvor gesammelten Weidenkätzchenproben gefundene ausgewachsene Raupe von Eupithecia tenuiata. (Foto: L. Wirooks)

Interessanterweise waren noch keine von den sonst so extrem häufigen Xanthia togata dabei – möglicherweise schlüpfen die erst ein bischen später und die Wintereulen kommen sicher auch erst in den späteren Aprilproben noch dazu. Es wird womöglich so einige interessante Ergebnisse geben bezüglich Futterpflanzenpräferenzen, Phänologie und Ökologie der Herbst und Wintereulen und einiger anderer Arten.

Vor allem bin ich gespannt, wie die Verteilung der Raupen zwischen männlichen und weiblichen Kätzchen sein wird, aber auch zwischen breit- und schmalblättrigen Weidenarten sowie Pappeln. Und wer gerade sonst nicht viel zu „faltern“ hat kann es ja auch mal mit dem Kätzchensammeln probieren. Übrigens sind beizeiten auch in Pappel- oder Hainbuchenkätzchen allerlei Raupen zu finden und wer mal Rhinoprora chloerata finden will sollte sich am besten in Bälde schon an die blühenden Schlehen begeben, denn die Raupen sind sehr viel früher dran als Rhinoprora rectangulata!

An warmen Stellen blühen schon Schlehen und dort werden wir Ende der Woche wenn der Frühling loslegen soll auch schon mal probehalber Raupen klopfen.

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Wickler-Arten in Zweigen und Stämmen der Lärche

Meine Raupensuche nach Cydia millenniana (ADAMCZEWSKI, 1967) war bislang stets ein Misserfolg. Lag es an der falschen Herangehensweise? Denn bisher hatte ich in Ostwestfalen-Lippe die Zweige älterer Lärchen abgesucht. Mitte Februar 2019 suchte ich gezielt in jüngeren Lärchenbeständen (Larix decidua) nach den Raupen zweier Wickler-Arten – mit vorläufigem Erfolg!
Junge Lärchen hatte ich in den letzten Jahren vergeblich gesucht, bis ich 2018 auf einer Wanderung auf dem Hermannsweg in Detmold-Hiddesen in 330 m NHN zufällig einen natürlichen Lärchenaufwuchs sah.

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Im Lepiforum zeigt Friedmar Graf Fotos von einem jungen Lärchenaufwuchs in Sachsen in 325 m NHN, in dem er die Raupen finden konnte.
Die Raupen leben zweijährig in jungen Zweigen. An der Stelle der Raupenwohnung tritt Harz hervor, der sich zu kleinen Klumpen formt und so die Anwesenheit der Raupe verrät. Ich fand diese Harzklumpen, an denen nur wenige Kotbällchen klebten, in Astgabeln etwa 40 bis 60 cm von der Zweigspitze entfernt. Die Raupe lebt in einem dicht ausgesponnenen Fraßgang.
Rudolf Bryner weist im Lepiforum darauf hin, dass die Art selten zum Licht kommt. Obwohl ich am o.g. Fundort im letzten Jahr vom 31.05. bis zum 4.7. 2018 viermal geleuchtet hatte, flog kein Falter zum Licht. Der Artnachweis scheint durch eine gezielte Raupensuche deshalb eher zu gelingen.
Hans Retzlaff und Rudi Seliger stellen im Jahr 2002 in der MELANARGIA, 14 (4): 123-125, die Frage, ob der Lärchengallenwickler C. millenniana eine in Deutschland seltene oder nur übersehene Art sei. Am 30.4.2001 gelang nämlich Rudi Seliger bei Zwergen im Diemeltal der Erstnachweis für Hessen. Durch gezielte Nachsuche im Jahr 2002 fanden sie sodann im nordhessischen Diemeltalbereich nur zwei einjährige Raupen und mehrere alte Harzgallen. Weitere Funde in Nordrhein-Westfalen aus Höxter, Ottbergen und Oerlinghausen kamen hinzu. In den Jahren 2004 und 2005 wurden durch Hans Retzlaff Gallen- und Raupenfunde in Stukenbrock, Trendelburg und Willebadessen gemeldet (MELANARGIA, 20 (1): 23.). Rudi Seliger fand 2015 eine Raupe im NP Eifel (MELANARGIA, 28 (1): 24).

Am 17.02.2019 fand Hubertus Trilling an einer älteren Lärche in Hessen, Volkmarsen-Hörle, NSG Iberg, 235 m, nur eine einzige Raupenwohnung an einem unteren Zweig. Es ist sicher so, dass die Raupen bis in die Baumkronen minieren und man diese Stellen dann schlecht sehen kann. Da die unteren Zweige älterer Lärchen i.d.R. stark verholzt sind, kann das vielleicht auch ein Grund dafür sein, dass an solchen unteren Ästen die Art seltener gefunden wird. Zumindest ist das ein Erklärungsversuch, warum in aufwachsendem Lärchenbestand mit seinen frischen Zweigen die Suche effektiver zu sein scheint. Eine Nachfrage bei den Forstämtern, wo ggf. Lärchen gefällt wurden, würde die Gallen- bzw. Raupensuche in den Baumkronen erleichtern und zur Klärung solcher Fragen beitragen.

Ebenfalls an Lärche kommen zwei weitere Wickler-Arten vor, die allerdings in der Rinde leben: Cydia zebeana und Cydia grunertiana. Ein Bohrmehlauswurf im Bereich der Äste verrät die Anwesenheit der Raupen dieser Arten.

C. grunertiana wurde von Josef Bücker am 03.04.2017 erstmals für unser Arbeitsgebiet nachgewiesen, Josef schreibt im Lepiforum u.a. dazu: „An vielen etwas älteren Lärchen fand ich unter zumeist abgestorbenen Ästen Bohrmehlauswurf mit Harztropfen- insgesamt etwa 50 Befunde. Zahlreiche davon waren „besetzt““. Heinz Schumacher und Josef Bücker fanden sodann in Anzahl weitere Puppen zwischen dem 03. und 24.04.2017. (MELANARGIA, 30 (1): 26). Armin Dahl meldet ebenfalls für 2017 einen Fund (InsectIS-online).

An o.g. Stelle in Hiddesen fand ich mehrere Harz- und Kotklumpen an jungen Lärchen (ca. 15 cm dick) unter einem lebenden (!) Ast in etwa einem Meter Höhe.

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Um welche Art es sich bei meinen Funden handelt, bleibt bis zum Falterschlupf abzuwarten. Bis Anfang April werde ich weitere Bäume absuchen und mit dem Heraussägen der Fraßstelle(n) warten, um einen Zuchterfolg nicht zu gefährden.

Micro-Tagung Oktober in Willebadessen

Mehr über Kleinschmetterlinge, Treffen mit Experten, gemeinsame Exkursion etc. gibt es beim Treffen der Micro-Lepidopterologen vom 11.- 13.10.2019 in Ostwestfalen.

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Aktuelle Ergebnisse des Klimafolgenmonitorings der Stadt Düsseldorf im Rekordsommer 2018

Die Tag- und Nachtfalterfauna wurde auch im Jahr 2018 wieder in zwei Gebieten in Düsseldorf untersucht: im zur Niederrheinischen Bucht gehörigen Eller Forst und auf dem Golfplatz Hubbelrath im Bergischen Land.
Dabei konnten im Eller Forst sieben, in Hubbelrath acht neue Schmetterlingsarten nachgewiesen werden. Den interessantesten Neufund stellte dabei der Flussauen-Waldrebenspanner Horsime radicaria dar, von dem im Sommer eine Raupe in Hubbelrath nachgewiesen wurde (näheres dazu in der Melanargia XXXI Heft 1). Diese Art breitet sich seit einigen Jahren nordwärts aus und war zuletzt bis Köln gekommen, so dass der Neufund in Düsseldorf also den bisher nördlichsten bekannte Fundort in NRW markiert. Ebenfalls erwähnenswert ist der Erstfund des Südlichen Zwergspanners Idaea rusticata im Eller Forst, der allerdings zu erwarten war nachdem die Art im Zuge ihrer nordwärts gerichteten Ausbreitung in den letzten Jahren Düsseldorf erreicht hatte.

Die Raupe dieses am 25.7.2018 geschlüpften Flussauen-Waldrebenspanners (= Horisme radicaria) war am 29.6.2018 in Düsseldorf-Hubbelrath geklopft worden. Diese wärmeliebende Art war aus dem Süden kommend bisher bis Köln vorgedrungen und hat seit spätestens 2017 nun auch Düsseldorf erreicht. (Foto: L. Wirooks)

Unter den jeweiligen Neufunden waren auch einigen Arten, die offenbar von dem trockenwarmen Rekordsommer profitiert haben und allgemein in weitaus größeren Individuenzahlen auftauchten als in normalen Jahren. Es stellt sich dabei wohl die Frage, ob der normalerweise nur sehr sporadisch und selten nachgewiesene Große Eichenkarmin Catocala sponsa im Eller Forst womöglich schon immer bodenständig war und in den Vorjahren nur unter der Nachweisschwelle lag und ob sein Nachweis auf dem Golfplatz in Hubbelrath überhaupt als dauerhafte Besiedlung angesehen werden kann oder dort nur einen vergeblichen Kolonisationsversuch darstellt. Als solchen kann man auf dem Golfplatz auch das erstmalige Auftauchen der xerothermophilen Bleichen Graseule Mythimna pallens deuten, von der neben Faltern zwar auch eine Raupe gefunden wurde, bei der es aber dennoch fraglich ist, ob die Art dort wirklich langfristig bodenständig werden kann. Auch die Tatsache, dass der vornehmlich im Flachland siedelnde und aus dem Süden stammende Arealerweiterer Dreifleck-Pappelspanner Stegania trimaculata zum ersten Mal auch in Hubbelrath, also etwas höher gelegen, auftauchte könnte eine Folge der Klimaerwärmung und/oder des warmen Sommers sein.

Nähere Informationen können dem Gesamtbericht des Klimafolgenmonitorings der Stadt Düsseldorf 2018 entnommen werden, welcher sich hier herunterladen läßt:
www.ulfschmitz.de/Projekte.htm

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Anmerkungen zum Artenkomplex Ephestia parasitella / unicolorella / woodiella

In der Vereinsdatenbank der Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen und entsprechend auch in der Online-Karte (http://nrw.schmetterlinge-bw.de) waren aus diesem Artenkomplex bis vor kurzem Angaben zu allen drei Arten zu finden. Gemeint war allerdings nur eine Art, Ephestia woodiella RICHARDS & THOMSON, 1932.

Früher wurde E. woodiella als Unterart unicolorella von Ephestia parasitella Staudinger, 1859 geführt. Als dann E. unicolorella als eigene, neue Art beschrieben und auch akzeptiert wurde, wurden Funde des Falters als Ephestia unicolorella ssp. woodiella RICHARDS & THOMSON, 1932 gemeldet.

Inzwischen wird auch Ephestia woodiella RICHARDS & THOMSON, 1932 als eigene Art geführt.

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Nach derzeitigem Kenntnistand ist Ephestia unicolorella STAUDINGER, 1881  nur aus der Türkei und Syrien bekannt, und kommt nicht in Europa vor. Ephestia parasitella STAUDINGER, 1859 ist auf das Mittelmeergebiet beschränkt. Einzig Ephestia woodiella RICHARDS & THOMSON, 1932 kommt in Mitteleuropa und auch in unserem Arbeitsgebiet vor.

Da sich also ältere Meldungen von Ephestia parasitella und von Ephestia unicolorella allesamt auf Ephestia woodiella beziehen, haben wir in der Vereinsdatenbank diese Daten adäquat dem derzeitigen Kenntnisstand zu Ephestia woodiella verschoben.

Entsprechend diesen Entwicklungen bitten wir alle Datenlieferanten, Meldungen/Beobachtungen in Zukunft nicht mehr als Ephestia parasitella oder unicolorella, sondern als Ephestia woodiella zu schicken. Benutzer der Datenbank InsectIS müssen dazu allerdings den neuesten Hauptkatalog verwenden, da in älteren Hauptkatalogen diese Art noch nicht enthalten ist. (Fragen hierzu gerne an Heinz Schumacher oder Armin Dahl).

Ephestia woodiella ist nach äußeren Merkmalen nicht von Ephestia elutella (Hübner, 1796) zu unterscheiden. Zur sicheren Unterscheidung ist ein Genitalpräparat erforderlich.
Aus unserem Arbeitsgebiet liegen für E. woodiella zahlreiche Fundmeldungen vor. Diese Meldungen stammen im Wesentlichen aus den Wärmegebieten des Rheinlandes (einschließlich Mosel und Nahe) und des Niederrheinischen Tieflandes (s. Karte, Stand 02.01.2019). Von Ephestia elutella liegen dagegen nur relativ wenige aktuelle Funde vor.
E. elutella, mit deutschem Namen auch Kakao- oder Speichermotte genannt, ist ein Nahrungsmittel-Schädling, der nach unseren Beobachtungen im Gegensatz zu E. woodiella nur selten im Freiland beobachtet wird.
Da nicht alle Meldungen überprüft wurden bzw. überprüfbar sind, gehen wir davon aus, dass in Zukunft in Bezug auf diese beiden Arten noch die eine oder andere Korrektur erfolgen wird.

Abb.: Nachweise von Ephestia woodiella im Arbeitsgebiet der Arbeitsgemeinschaft Rhein.-Westf. Lepidopterologen – Stand: 02.01.2019

Literatur:

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Autoren aufgepasst – das Geld liegt auf der Straße!

Schreiben, zumal das Verfassen wissenschaftlicher Artikel, ist brotlose Kunst. Oder etwa nicht? Wer seine Rechte über die VG Wort wahrnehmen lässt, kann für sich selbst oder seinen Verlag / Verein noch ein paar Euro einsammeln. Und zwar vor dem Jahresende!
Die Verwertungsgesellschaft Wort, kurz VGWORT, ist eine vom Deutschen Patent- und Markenamt kontrollierte Gesellschaft, deren Ziel es ist „eine angemessene Vergütung der Autoren und Verlage sicherzustellen und Geld von denjenigen zu kassieren, die das geistige Eigentum anderer nutzen.“
Rechtsgrundlage ist dabei das Urheberrecht, die wohl bekannteste Einnahmequelle ist die Vergütung für Vervielfältigungen, die jeder Copyshop und jede Bibliothek  entrichten muss. Seit dem Nutzungsjahr 2015 fällt die Vergütung auch beim Kauf eines Druckers an. Die aus zahlreichen Quellen eingenommenen Gelder werden anschließend nach festgelegten Verteilungsplänen an Autoren und Verlage weitergeleitet.

Wie kommt man an sein Geld?
Voraussetzung für eine Auszahlung ist ein Wahrnehmungsvertrag mit der VG WORT. Der Abschluss des Vertrags und die Teilnahme an den Ausschüttungen sind kostenlos.
Einen Wahrnehmungsvertrag abschließen, sich für das Online Meldesystem registrieren und  Meldungen für eigene Texte  erstellen kann man relativ einfach unter der Adresse:
www.vgwort.de/

Erklärung zur Verlagsbeteiligung
Bei der Meldung von Texten kann man der Beteiligung des jeweiligen Verlages zustimmen, dadurch wird automatisch der Verlag – sprich im vorliegenden Fall die Rheinisch-Westfälischen Lepidopterologen e.V. –  an der Ausschüttung beteiligt. Die Zahlungen der VG WORT an Urheber und Verlage sind steuerpflichtig, die Empfänger müssen die Ausschüttungsbeträgen im Rahmen der Steuererklärung angeben. Spendet der Urheber den VG WORT-Beitrag seinem Verein, haben alle (außer dem Finanzamt) etwas davon.

In zwei Minuten gemacht: VG-Wort-Meldung für einen Text

Kleinvieh macht auch Mist!
In den Printmedien der Wissenschaft veröffentlichte Beiträge brachten an Vergütung für im Jahr 2017 erschienene Beiträge 2,- Euro pro Druckseite (ca. 1.500 Zeichen). Das klingt nach nicht viel, bei einem Umfang des aktuellen Melanargia-Jahrgangs von mehr als 180 Seiten kommt da jedoch einiges zusammen. Oder wird verschenkt, wenn man nicht als Autor gemeldet ist.

Das alles ist keine große Kunst, mehr als 400.000 Autoren und über 10.000 Verlage sind in Deutschland in der VG WORT registriert und nehmen an der Ausschüttung teil. Wichtig ist nur eines: Am 31.  Dezember ist Einsendeschluss (per Post!) für den Abschluss des Wahrnehmungsvertrags bzw. für die Meldesystemregistrierung. Ende Juni/Anfang Juli erfolgt dann die Hauptausschüttung der VG WORT.

Zurück zu unserem „Kerngeschäft“: Die neueste Ausgabe der „Melanargia“, Jahrgang 30 Heft 4, liegt mittlerweile auf Euren Schreibtischen oder steckt noch in der Post. Dank an den unermüdlichen Günter Swoboda, der schon wieder den Jahrgang 31 plant! Bei den Kleinstschmetterlingen gibt es noch riesige Forschungslücken. In 2018, dem Jahr in dem das „Insektensterben“ in aller Munde war, sind zahlreiche seltene Arten (wieder-) aufgetaucht oder breiten sich aus. Geradezu sensationell das Auftreten des Hecken-Wollafters Eriogaster catax im Raum Mayen, wollen wir hoffen dass die Schutzmaßnahmen greifen und uns dieses Juwel erhalten bleibt

Die letzten Blattminierer können jetzt noch eingesammelt werden, und bei den milden Temperaturen fliegen immer noch zahlreiche Nachtfalter-Arten. Es gibt also genug zu tun, und wenn es nur die Aufarbeitung der Fundlisten und Datenbank-Einträge für 2018 ist. In diesem Sinne wünsche ich Euch einen arbeitsreichen Winter 2018 / 2019.  Die Mitgliederversammlung der AG findet am Sonntag, 31. März in Bonn im Museum König statt. Bis dahin!

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Schachbrett ist Schmetterling des Jahres 2019

Schachbrettfalter

Das „Wappentier“ der Arbeitsgemeinschaft wird Schmetterling des Jahres 2019 (Foto: Andreas Kolossa)

Die BUND NRW Naturschutzstiftung hat gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen den Schachbrettfalter (Melanargia galathea) zum Schmetterling des Jahres 2019 gekürt. Mit der Auszeichnung möchten wir auf die Bedrohung der Schmetterlingsart durch die intensive Landwirtschaft aufmerksam machen.

Entscheidend für das Vorkommen der Schmetterlinge sind nährstoffarme blütenreiche Wiesenbereiche, die bis Ende Juli noch nicht gemäht wurden. Denn nur dort lassen die Weibchen ihre Eier einzeln zu Boden fallen, teilweise während des Fluges. Aufgrund von Düngung und einer frühen Mahd sind solche Wiesen heute in vielen Teilen Deutschlands zu selten geworden.

Der Schachbrettfalter besitzt ein einzigartiges Muster auf seinen Flügeln, das ihm seinen Namen gegeben hat. Die Flügel des Schmetterlings sind auf der Oberseite schwarz oder dunkelbraun und weiß gefärbt und wirken wie ein Schachbrett. Die Unterseite der Flügel ist weniger kontrastreich und zeigt mehrere schwarzbraune und weiße Augenflecken. Die Schmetterlinge haben eine Spannweite von 40-50 Millimetern und gehören damit zu den mittelgroßen Faltern.

Die rosa gefärbten Raupen des Schachbrettfalters, die im Sommer aus den Eiern schlüpfen, überwintern in der Streu am Erdboden, ohne vorher Nahrung aufzunehmen. Erst im März des Folgejahres beginnen sie, an verschiedenen Gräsern zu fressen. Die älteren Raupen sind dicht behaart und entweder graubraun oder grün gefärbt. Zunächst sind die kleinen Raupen tagaktiv, später fressen sie nur noch nachts. Ab Mai verpuppen sich die Tiere in einem Gespinst am Erdboden. Die nach wenigen Wochen ausgewachsenen Schmetterlinge schlüpfen ab Mitte Juni und ernähren sich dann hauptsächlich vom Nektar violetter Blüten wie Flockenblume, Kratzdistel oder Skabiose.

Der Schachbrettfalter kommt in Mittel- und Osteuropa sowie Nordafrika vor. Während das Schachbrett in Nordrhein-Westfalen im Weserbergland, der Eifel und im Siebengebirge noch ungefährdet ist, findet man den Schmetterling im Münsterland nur noch sehr selten. In Deutschland ist die Art derzeit noch nicht gefährdet, aber rückläufig.

Aktuelle und ehemalige Vorkommen des Schachbretts unter www.schmetterlinge-d.de

Um dem schönen Schmetterling zu helfen, sollten Wiesen mosaikartig gemäht werden, Randstreifen von Bahndämmen, Feldwegen oder Gräben auch mal stehen bleiben. Im Siedlungsbereich können Gartenbesitzer nährstoffarme und trockenwarme Wiesen für den Falter anlegen. Da Schachbrettfalter schon auf kleinen Flächen in größerer Anzahl leben können, helfen bereits solche kleinen Inseln, die Art zu schützen.

Die BUND NRW Naturschutzstiftung und die Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen küren seit 2003 den Schmetterling des Jahres, um auf die Bedeutung und Bedrohung der Arten aufmerksam zu machen. Nur ein Drittel der Tag- und die Hälfte der Nachtfalterarten in Deutschland sind noch ungefährdet.

Die aktuelle Vebreitung des Schbrettfalters finden Sie im Portal Schmetterlinge Deutschlands

Weitere Informationen und druckfähige Fotos unter

www.bund-nrw-naturschutzstiftung.de/schmetterling2019

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Stellenausschreibung des des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit

Im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) ist am Dienstort Bonn im Referat N I 1 „Allgemeine und grundsätzliche Angelegenheiten des Naturschutzes, Abteilungskoordinierung“ zum nächstmöglichen Zeitpunkt die Funktion

einer Referentin/eines Referenten

auf Dauer zu besetzen.

Das Entgelt richtet sich nach Entgeltgruppe 13 TVöD. Bei Vorliegen der persönlichen, laufbahnrechtlichen und stellenwirtschaftlichen Voraussetzungen ist eine spätere Übernahme in das Beamtenverhältnis möglich.

Aufgaben:

  • Grundsätzliche Fragen des Naturschutzes und der nachhaltigen Naturnutzung,
  • Grundsätzliche und konzeptionelle Fragen des Insektenschutzes,
  • Umsetzung des Aktionsprogramms Insektenschutz, Bund-Länder-Zusammenarbeit und Zusammenarbeit mit gesellschaftlichen Akteuren zum Insektenschutz,
  • Monitoring, Indikatoren und Berichte im Bereich von Natur und biologischer Vielfalt, insbesondere zum Insektenschutz,
  • EU Pollinators Initiative und internationale Coalition for the „Conservation of Pollinators and their Habitats“ .

Weitere Informationen und Bewerbungsmöglichkeit:

https://www.interamt.de/stelle?id=476724

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Fehlfarben im Herbstlaub

Der Spätsommer 2018 dauert vielleicht noch an, allerdings sorgen die kürzeren Tageslängen jetzt für den allmählichen Laubabwurf. In Sachen Schmetterlinge gilt es nun, die Blätter der verschiedenen Pflanzenarten auf Raupen-Minen zu untersuchen.
Dazu gehört auch das gefallene und vergilbte Laub. Zum Beispiel das Laub der verschiedenen Pappelarten: Schwarzpappel, Zitterpappel und Silberpappel, welche reichlich entlang der Hagener Flüsse zu finden sind, z.B. im NSG Kaisbergaue. Blickt man da in den Laubabwurf, sieht man mit schöner Regelmäßigkeit „Fehlfarben bei der Herbstfärbung der Blätter“.
Abgeworfene Blätter sind normalerweise durchweg gelb, doch bei einigen Blättern verbleibt ein kleiner grüner Bereich. Wie das? Schaut man genau hin, sieht man, dass der obere Teil des Blattstils verdickt ist. Da verbirgt sich die Raupe eines Kleinschmetterlings, die sich von dort aus in das Blatt frisst. Damit das auch dann noch klappt, wenn das Blatt am Boden liegt, entsendet die Raupe Botenstoffe, die das Blatt in diesem für die Raupe wichtigen Bereich grün erhalten, auch dann, wenn der Rest des Blattes am Boden allmählich braun wird.

Je nach Pappelart kann man auf diese Weise unterschiedliche Schmetterlingsarten nachweisen: Schwarzpappel: Ectoedemia hannoverella; Zitterpappel: Ectoedemia argyropeza und Silberpappel: Ectoedemia turbidella.

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