Neue Miniermotte an Robinie: Parectopa robiniella

An der Robinie leben zwei verschiedene Blattminierer, die sich auch von Laien leicht finden und vergleichsweise einfach bestimmen lassen. Eine davon, Parectopa robiniella CLEMENS, 1863, hat sich im Jahr 2018 anscheinend rasant ausgebreitet.

Herbst ist die richtige Jahreszeit um Blattminiermotten nachzuweisen, zu dieser Jahreszeit sind allenthalben Minen an vielen Laubgehölzen zu finden. Darunter sind ein paar als „Schädlinge“ verrufene Arten wie zum Beispiel die Kastanien-Miniermotte Cameraria ohridella, die an Wuchsorten der Roßkastanie praktisch überall in kürzester Zeit zu finden ist.

Ebenfalls verbreitet, wenn auch lange nicht so häufig ist die Lindenminiermotte Phyllonorycter issikii: Ihre Befallspuren findet man leicht an der Unterseite von Lindenblättern, wo die Raupen in den Achseln der Blattnerven typische, pergamentartige Blattminen hinterlassen.

Brückenpark Mülheim an der Ruhr, 17. September 2018 (Foto: Armin Dahl)

Brückenpark Mülheim an der Ruhr, 17. September 2018 (Foto: Armin Dahl)

Auch an der Gewöhnlichen Robinie (Robinia pseudoacacia) lebt eine auffallende Art, Macrosaccus robiniella (CLEMENS, 1859), auch hier finden sich die kalkweißen Minen mit den darin versteckten, linsenartigen Kokons im Herbst an praktisch allen untersuchten Robinienstandorten. Robinien zu entdecken ist auch keine große Kunst, die auch als Scheinakazie bekannte Baumart wächst an vielen Bahndämmen, Böschungen und sonnigen Hängen. Früher als „Bienenweide“ gepflanzt und wegen ihres extrem widerstandsfähigen Holzes (Rebpfähle!) in den Weinbaugegenden regelrecht angebaut, erfreut sich die Robinie in Naturschutzkreisen heute nur geringer Beliebtheit: Als Pioniergehölz ist sie extrem ausbreitungsstark und bildet gut flugfähige Samen in Massen. Absägen des Stammes ist zwecklos, der Baum antwortet mit rasant wachsendem Stockausschlag. Zudem wehrt sich die Pflanze mit langen Dornen gegen ungebetene Besucher, und sammelt als Schmetterlingsblütler auch noch Luftstickstoff im Boden. Und das alles bevorzugt auf den trocken-warmen, für Insekten attraktiven Standorten, die momentan sowieso Mangelware sind.

Brückenpark Mülheim an der Ruhr, im rechten Bildteil die befallene Robinie. Die Parectopa-Minen fanden sich auf der Schattenseite. 17. September 2018 (Foto: Armin Dahl)

Die Hoffnung, einmal aufgekommene Robinien wieder loszuwerden, ist also gering. In den letzten Jahrzehnten haben sich allerdings ein paar Kleinschmetterlings-Arten daran gemacht, die Robinienblätter in Insekten-Biomasse zu verwandeln, auch wenn das nur winziges „Luftplankton“ ergibt. Die oben erwähnte, heute überall verbreitete Macrosaccus robiniella stammt aus aus Nordamerika und  ist erst seit den 80er Jahren in Europa und Deutschland bekannt, aber mittlerweile überall und häufig.

Mehr oder weniger neu im Arbeitsgebiet ist dagegen der zu den Gracillariiden gehörende Robinien-Blatttütenfalter Parectopa robiniella CLEMENS, 1863. Diese Art scheint sich momentan rasch auszubreiten, vielleicht begünstigt vom heißen Supersommer 2018: Nach ich Anfang September zufällig einen Nachweis an der Mosel erbringen konnte (Lehmen, Ausoniusstein), kamen in rascher Folge einige Funde zusammen.: In Kaifenheim bei Mayen, erbracht durch Violet Middelman und Remco Vos) und Eitorf-Merten (Erstnachweis in Nordrhein-Westfalen, Finder: Brigitte und Hajo Schmälter), sowie ein weiterer unterhalb des Drachenfelses in Bad-Honnef-Rhöndorf (Finder: Heinz Schumacher).
Am vergangenen Wochenende konnte ich dann einen ersten Nachweis im Naturraum Niederrhein beisteuern, im so genannten „Brückenpark“ in Mülheim an der Ruhr. Direkt anschließend dann ein weiterer Nachweis hinter der Landesgrenze zu den Niederlanden in der „Groote Heide“ östlich von Venlo. Der Falter durchläuft nach Literaturangaben mehrere Generationen im Jahr, die auffälligen weißen Blattminen mit den charakteristischen Ausbuchtungen sitzen auf der OBERseite der Robinien-Fiederblättchen. Die wenigen bisher getätigten Nachweise lagen bevorzugt auf der sonnenabgewandten Baumseite, an Schößlingen und niedrig hängenden Ästen.

Typische Mine von Parectopa robiniella. Mülheim / Ruhr, 17. September 2018 (Foto: Armin Dahl)

Typische Mine von Parectopa robiniella. Mülheim / Ruhr, 17. September 2018 (Foto: Armin Dahl)

À propos Niederlande: Dort arbeitet eine große Zahl von Beobachtern an der Erfassung von Kleinschmetterlingen, und so ist es wenig verwunderlich, dass seit Juli 2018 dort mehr als 25 neue Beobachtungen von Parectopa robiniella zusammengekommen sind. Einen schönen Bericht darüber liefert Leo Bot in Nature today, die Daten zu den Funden liegen wie üblich bei waarneming.nl.
Auch im Norden und Osten unseres Arbeitsgebietes sind im Spätsommer 2018 zahlreiche Fundstellen bekannt geworden, so in Hildesheim (Daten von Thomas Fähnrich und Tina Schulz) und in Edemissen nördlich von Peine (Daten Bernd Otto Bennedsen).

Parectopa robiniella scheint derzeit den Norden der Bundesrepublik mit hoher Geschwindigkeit zu erobern. Bei gezielter Nachsuche nach den typischen Minen sollten da in der Saison 2018 noch einige Funde hinzukommen. Besonders wertvoll wären derzeit Nachweise aus Westfalen und auch aus höher gelegenen Regionen. Viel Erfolg bei der Suche!


Literatur:

WHITEBREAD, S.E. (1990): Phyllonorycter robiniella (CLEMENS, 1859) in Europe (Lepidoptera, Gracillariidae). — Nota lepidopterologica 12: 344-353.
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Ein neues Buch über Kleinschmetterlinge

Nachdem im Rahmen der „Schmetterlingsfauna der Oberlausitz“ in 4 Bänden die Großschmetterlingsfauna vorgestellt wurde, erschien nun im Sommer 2018 mit Band 20 der „Beiträge zur Insektenfauna Sachsens“ der angekündigte Teil 5: „Kleinschmetterlinge (Microlepidoptera) 1. Teil“.

Nach einem ausführlichen Vorwort von Prof. Bernhard Klausnitzer und einer einseitigen Einleitung der Autoren folgt das interessante Kapitel „Zur Geschichte der Erforschung der Kleinschmetterlinge der Oberlausitz“. Auf diese Geschichte dürften die Lepidopterologen vieler anderer Bundesländer neidisch sein. Nach dem Kapitel „Bemerkungen und methodische Hinweise“ und der „Danksagung“ folgt der umfangreiche „Systematisch-faunistische Teil“. Laut Aussage der Autoren in der Einleitung „sind nach derzeitigem Kenntnisstand aus der Oberlausitz etwa 1500 Kleinschmetterlingsarten bekannt, mehr als 95% der sächsischen und über zwei Drittel der in Deutschland vorkommenden Arten.“ In der „Einzeldarstellung der Arten“ werden 761 dieser 1500 Kleinschmetterlingsarten behandelt, etwa 2 Arten pro Seite und fast alle mit sehr guten Farbfotos.
Die Bilder stammen fast alle von Friedmar Graf und Thomas Sobczyk, beide nicht nur durch ihre Beiträge und Fotos im Lepiforum bekannt.
Abschließend folgen ein ausführliches Literaturverzeichnis und das Register für den speziellen Teil.

Ein hervorragendes Buch mit zahlreichen sehr guten Farbfotos und wertvollen Hinweisen zu vielen Arten. Nicht nur für faunistisch arbeitende Lepidopterologen sondern für alle, die sich mit Kleinschmetterlingen beschäftigen bzw. beschäftigen wollen ist dieses Buch wärmstens zu empfehlen. Eine Vorschau auf die Inhalte findet sich  hier

Die Veröffentlichung des zweiten Teils ist für 2019 geplant. Bleibt zu hoffen, dass die Auflage des ersten Teils rasch verkauft wird, damit die Finanzierung des zweiten Teils gesichert wird. 

SOBCZYK, T., STÖCKEL, D., GRAF, F., JORNITZ, H., KARISCH, T. & WAUER, S. (2018):
Die Schmetterlingsfauna (Lepidoptera) der Oberlausitz. Teil 5: Kleinschmetterlinge (Microlepidoptera) 1. Teil:
Micropterigidae (Urmotten), Eriocraniidae (Trugmotten), Nepticulidae (Zwergminiermotten), Opostegidae, Heliozelidae ((Erzglanzmotten), Adelidae (Langhornmotten), Prodoxidae (Rosen-Blattsackmotten), Incurvariidae (Miniersackmotten), Tischeriidae (Schopfstirnmotten), Meessiidae und Tineidae (Echte Motten), Roeslerstammiidae, Douglasiidae (Wippflügelfalter), Bucculatricidae (Zwergwickler), Gracillariidae (Blatttütenmotten, Miniermotten und Faltenminierer), Batrachedridae, Momphidae (Fransenmotten), Blastobasidae, Autostichidae, Amphisbatidae, Cosmopterigidae (Prachtfalter), Gelechiidae (Palpenmotten), Alucitidae (Federgeistchen), Pterophoridae (Federmotten), Pyralidae und Crambidae (Zünsler). – Entomologische Nachrichten und Berichte (Dresden), Beiheft 22, 439 Seiten, 2 Karten.

Bezug:

Per Post bei der

Geschäftsstelle der Entomofaunistischen Gesellschaft e.V., Postfach 202731, D-01193 Dresden – oder E-Mail: dieter.stoeckel[ätt]t-online.de
Preis: 60,- €, zuzüglich Versandkosten

Im Internet unter https://shop.34u.de/product_info.php?products_id=42

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Recker Moor: Kälteresistente Moorfalter und -forscher

Diese Galerie enthält 10 Fotos.

Am Samstag den 25. August 2018 fand in Zusammenarbeit mit der Biologischen Station im Kreis Steinfurt eine Vereinsexkursion inklusive Lichtfang im Recker Moor statt, um dadurch Mitgliedern die Möglichkeit zu geben, seltenste Moorspezialisten der einheimischen Schmetterlingsfauna kennen zu lernen. Wir … Weiterlesen

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Klein, kleiner, Miniermotten: Zwei Kleinschmetterlinge an Johanniskraut

In unserer Arbeitsgemeinschaft gibt es leider nur einen kleinen Kreis von Mitgliedern, die sich eingehender mit den sogenannten Kleinschmetterlingen befassen. Oftmals höre ich: „Die sind mir zu klein, wie soll ich die denn präparieren?“. Zumindest bei den Kleinsten der Kleinen ist dem natürlich zuzustimmen.
Zu den Kleinsten unter den Microlepidoptera gehören zweifellos die Nepticulidae (Zwergminiermotten), die eine Flügelspannweite von nur etwa 3 mm haben können. Die Falter sind anhand äußerer Merkmale teilweise schwierig zu bestimmen, meist ist eine Untersuchung der Genitalstrukturen erforderlich. Bei diesen Winzlingen erhöht das natürlich den Schwierigkeitsgrad einer Determination.

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GAEDIKE et al. (2017) verzeichnet für Nordrhein-Westfalen über 70 Arten der Nepticulidae. Bekanntlich können viele Arten anhand der Minenstruktur angesprochen und sicher nachgewiesen werden, wobei eine Lupe dabei oftmals unerlässlich ist. Dass ein Interesse an der Minensuche durchaus bestehen kann, zeigt mein kleiner Bericht zu Zimmermannia liebwerdella im Lepiforum, der dort bereits 430 mal angeklickt wurde (Stand 21.08.2018). Diese in der Rinde der Rotbuche minierende Nepticuliden-Art ist weit verbreitet und sehr leicht zu finden.

Auf eine weitere leicht nachzuweisende Art möchte ich heute hinweisen, da die Minen aktuell zu finden sind und die Falter bereits schlüpfen: Fomoria septembrella (STAINTON, 1849). Die Raupen minieren in zwei Generationen in Blättern von Johanniskraut-Arten (Hypericum) sowohl im Freiland als auch in Gärten. In meinem Garten hatte ich bewusst einige Pflanzen stehen lassen und Anfang August 2018 auf Minenbesatz kontrolliert. Zu meiner Freude fand ich etwa 20 Minen aus denen am 20. August 2018 der erste Falter schlüpfte. Die Mine beginnt als sehr langer, schmaler Gang mit einigen Windungen und bildet dann eine Platzmine. Die erwachsene Raupe bläht das Blatt auf und fertigt darin den Puppenkokon.

Auf eine Verwechselung mit Leucoptera lustratella (HERRICH-SCHÄFFER, [1855]) (Familie Lyonetiidae – Langhorn-Blattminiermotten, Schlangenminiermotten) die ebenfalls an Johanniskraut miniert, muss geachtet werden. Diese miniert allerdings in der Platzmine ohne vorherige lange Fraßgänge.


Literatur:
GAEDIKE, R., NUSS, M., STEINER, A. & TRUSCH, R. (2017): Entomofauna Germanica Bd. 3. Verzeichnis der Schmetterlinge Deutschlands (Lepidoptera). 2. überarb. Auflage. — Entom.Nachr.Ber., Beih. 21, Dresden (Liste hier zum Download)

SCHÜTZE, K. (1931): Die Biologie der Kleinschmetterlinge unter besonderer Berücksichti¬gung ihrer Nährpflanzen und Erscheinungszeiten. Handbuch der Microlepidopteren. Raupenkalender geordnet nach der Illustrierten deutschen Flora von H. Wagner. — Verlag Intern.Entom.Ver., Frankfurt/M.

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Eifel-Exkursion Mitte Juli 2018

Der Hitzesommer 2018 verschiebt anscheinend die Flugzeiten und Arealgrenzen bei einer Reihe von Tagfalter-Arten. Den Teilnehmern der Exkursion nach Dahlem und Blankenheim war es gerade recht so.

Ziemlich vertrocknet: Die Pflegefläche am Sönsberg. 15. Juli 2018. Foto: Maik Palmer

Mitte Juli bei Gluthitze, und auch noch direkt vor dem Finale der Fußball-WM: Die Organisatoren erwarteten nicht allzu viele Teilnehmer bei der Tagfalter-Exkursion in den Steinbruch am Sönsberg direkt an der Bundesstraße 51 in Dahlem (Eifel), im südwestlichsten Zipfel von Nordrhein-Westfalen. Trotzdem fanden am Ende 15 Interessierte den Weg in die Eifel.

Plebejus argus (L.) – Argus-Bläuling. Sönsberg, 15. Juli 2018. Foto: Maik Palmer

Der in Kooperation mit dem Naturwiss. Verein Wuppertal durchgeführte Tagestrip begann in Dahlem, im NSG Kaucherbachtal, einem für seinen Artenreichtum bekannten ehemaligen Steinbruch. Dort hat die Arbeitsgemeinschaft im vergangenen Jahr einen kleinen Pflegeeinsatz durchgeführt, im Rahmen der Exkursion sollte der Erfolg der Maßnahmen untersucht werden.

In einem Gebiet mehr als 20 Tagfalterarten an einem Termin fliegen zu sehen, das ist für Rheinländer und gar für die vom Regen geplagten Wuppertaler immer wie ein Feiertag. Und so kämpften sich die Teilnehmer tapfer durch den heißen Sonntagvormittag, genug Motivation gab es in Form von selten beobachteten Arten, zum Beispiel Speyeria aglaja (LINNAEUS, 1758) – Großer Perlmuttfalter. Der  Silbergrüne Bläuling Lysandra coridon (PODA, 1761) – frisch geschlüpft und häufigster Tagfalter der Exkursion, bot herrliche Fotomotive.  Und am Ende fanden wir dann auch noch die letzten schon stark abgeflogenen Thymian-Widderchen –  Zygaena purpuralis (BRÜNNICH, 1763), die sich auf Distelblüten am Nektar bedienten.

Ansammlung von Lysandra coridon (PODA, 1761) Dahlem, Sönsberg-Steinbruch, 15. Juli (Foto: Uli Retzlaff). Die Falter saugen bei Hitze gerne an Fuchs- oder Marderkot.

À propos Thymian: Die Pflegefläche vom vergangenen Herbst und die Hänge  drumherum mit ihren zahlreichen Thymian-Polstern waren vom 2018er Sommer  ziemlich mitgenommen, das Blütenangebot teilweise schlichtweg vertrocknet, und die Faltersaison dementsprechend schon weit fortgeschritten.

Nach zwei Stunden hatten wir genug gesehen, und der zweite Teil der Exkursion führte nach kurzer Fahrt ins Lampertstal südöstlich von Blankenheim-Ripsdorf. Der Weg durch das Tal ist äußerst kommod auch für ältere Herrschaften, alles findet auf gleicher Höhe statt, die Biotope liegen bequem direkt neben den Wanderwegen, die Talhänge bieten reichlich Blütenangebot, und das Artenspektrum ist phantastisch.

Zygaena purpuralis, Dahlem, Sönsberg-Steinbruch, 15. Juli (Foto: Armin Dahl)

Der Brombeer-Perlmuttfalter Brenthis daphne (BERGSTRÄSSER, 1780)  breitet sich seit ein paar Jahren nach Norden aus, der Klimawandel läßt schön grüßen: Jetzt hat die Art  den Sprung in die Kalkeifel geschafft! Ein auffallend kleines Fünffleck-Widderchen auf einem  Magerrasen: Das kann eigentlich nur Zygaena viciae ([DENIS & SCHIFFERMÜLLER], 1775) – Kleines Fünffleck-Widderchen gewesen sein.

Zygaena (viciae), Blankenheim, Lampertstal, 15. Juli 2018. Foto: Maik Palmer

Einer der seltensten Falter der Eifel ist Erebia ligea (LINNAEUS, 1758) – Weißbindiger Mohrenfalter. Die Art ist in der Eifel nach dem Jahr 2000 nur noch in fünf Meßtischblatt-Quadranten nachgewiesen worden (siehe www.schmetterlinge-nrw.de). Im Lampertstal fliegt E. ligea anscheinend noch in größerer Population, Mitte Juli 2018 hatte das gute Dutzend beobachteter Falter allerdings schon etliche Flugstunden hinter sich. Die an den Hängen des Tales durchgeführten Waldbau-Maßnahmen – Auflichtung des Kiefernwaldes mit zahlreichen Rückegassen – wirken sich mit Sicherheit postiv auf das Vorkommen von Erebia ligea aus: Die Art liebt eher den Halbschatten und Lichtwald.

Kaisermantel-Paarung, Blankenheim, Lampertstal, 15. Juli 2018. Foto: Maik Palmer

Nach sechs Stunden im Gelände war die Exkursion vorbei und die von der Sonne verwöhnten Teilnehmer zogen höchst zufrieden vor die Bildschirme, um sich das WM-Endspiel anzuschauen. Bei der Auswertung der zahlreichen Digital-Bilder von der Exkursion gab es dann noch eine weitere Überraschung: Boloria dia (LINNAEUS, 1767) – Magerrasen-Perlmuttfalter, in der Region bisher unbekannt, scheint im Jahr 2018 im Lampertstal und am benachbarten Höneberg eine kleine Population aufgebaut zu haben: Willkommen zurück in NRW!


P.S. Wenn alle Teilnehmer ihre Beobachtungs-Listen abgeliefert haben, werden wir die Artenliste hier hochladen. Das kann jedoch noch ein paar Tage dauern

Und: Natürlich gilt im Steinbruch am Sönsberg normalerweise das übliche Betretungsverbot in Naturschutzgebieten. Dank deshalb an Stefan Meisberger (Biostation) und die Untere Naturschutzbehörde in Euskirchen für die Unterstützung /Erteilung der Betretungsgenehmigung

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Hinweise zur Unterscheidung von Crambus lathoniellus und Crambus pratella

von Dieter Robrecht und Heinz Schumacher

Die Bestimmung von Crambus lathoniellus (ZINCKEN, 1817) und Crambus pratella (LINNAEUS, 1758) bereitet offensichtlich immer wieder Schwierigkeiten, da beide Arten u. a. im Lepiforum (Forum 1) regelmäßig angefragt werden.

Helmut Kolbeck hat in der Bestimmungshilfe (BH) des Lepiforums einige Hinweise zur Bestimmung gegeben. Heinz Schumacher (Ruppichteroth) machte zudem auf ein Merkmal aufmerksam, das Helmut nicht genannt hatte: Das Ende der Mittelstrieme. „Bei C. lathoniellus wirkt die Mittelstrieme in der Regel am Ende lang und schräg abgeschnitten. Die dadurch entstehende Schräge verläuft grob gesagt vom Apex Richtung Flügelwurzel. Bedingt durch die lange Schräge endet die Mittelstrieme sehr spitz und diese Spitze zeigt in Richtung Apex. Bei C. pratella verläuft das Ende der Mittelstrieme genau entgegengesetzt zur Flügelzeichnung von C. lathoniellus.“

rote Striche = „abgeschnittenes“ Ende der Mittelstrieme.  rote Pfeile = Raum zwischen Costal- und Mittelstrieme

Zur Verdeutlichung hat Dieter Robrecht eine Fotomontage von Lebendfaltern gemacht, die die oben aufgezeigten Merkmale veranschaulichen.

Bei den weitaus meisten Faltern dürfte eine Bestimmung mit Hilfe der durch Helmut Kolbeck und Heinz Schumacher genannten Merkmale möglich sein.

Zu Crambus lathoniellus sind im Lepiforum 2 Abbildungen (Lebendfalter-Bild Nr. 5 und Falterpräparat Nr. 4) zu sehen, die nicht den oben beschriebenen Merkmalen entsprechen. Diese beiden Falter zeigen Merkmale beider Arten!  Im Zweifelsfall sollte deshalb, falls möglich, ein Genitalpräparat angefertigt werden. Weiterlesen

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Oh Mosella – Exkursion der AG nach Leiwen im Juni 2018

Zwölf Teilnehmer verbrachten ein ganzes Exkursions-Wochenende an der Mittelmosel im Raum Leiwen. Die Artenvielfalt an der Mosel ist auch abseits der Fels-Biotope an der Untermosel spektakulär. Und es gab mal wieder keinen einzigen Schluck Wein, dafür den Erstnachweis einer Großschmetterlingsart für Rheinland-Pfalz.

Drei Lichtfänge hintereinander, ergänzt durch entsprechende Tagesexkursionen in verschiedene spannende Lebensräume: Das Moselwochenende 15.-18. Juni 2018 war anstrengend, aber Beschwerden waren keine zu hören. Das Wetter passte und der Kenntnisstand über die Vorkommen einer ganzen Reihe faunistisch interessanter Arten konnte erheblich erweitert werden.

Nachdem wir im Vorjahr die Moselhänge um Piesport und Minheim unter die Lupe genommen hatten, waren diesmal die Dörfer Neumagen-Drohn, Leiwen und Detzem an der Reihe, die ein paar Kilometer weiter flussaufwärts liegen. Das ganze Gebiet ist eine der ältesten Kulturlandschaften in Deutschland, schon der als „Moseldichter“ bekannte Gallier Decimus Magnus Ausonius war im vierten Jahrhundert nach Christus begeistert von der Landschaft und ihren Bewohnern.
Im Gegensatz zu Ausonius’ ausführlichen Beschreibungen der Tierwelt ist der aktuelle entomologische Forschungsstand der Mittelmosel zwischen Trier und Bernkastel-Kues eher überschaubar: Die Felshänge der Untermosel sind für die meisten Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft leichter zu erreichen ,und deshalb viel besser untersucht.
Diese offensichtliche Forschungslücke hat seit ein paar Jahren unseren Ehrgeiz geweckt, und so war das erklärte Ziel der Unternehmung, hier für möglichst viele neue Kästchen auf den Art-Verbreitungskarten zu sorgen.

Mosel zwischen Detzem und Neumagen-Drohn

Mosel zwischen Detzem und Neumagen-Drohn. Rot: Lichtfang-Standorte und Ferienpark. Kartengrundlage: openstreetmap.org

An der Mosel Lichtfang betreiben ist ohne genaue Ortskenntnis ein Glücksspiel, und so stand als erstes die Erkundung des ersten Leuchtplatzes oberhalb der Staustufe Detzem auf dem Plan. Und dabei gab es schon direkt die ersten Highlights:

Großer Schillerfalter (Apatura iris) formatfüllend: Das lockt sogar die Kinder aus dem Auto! Foto: Armin Dahl

Großer Schillerfalter (Apatura iris). Foto: Anna Lina Kutter

Auf den Wegen am Oberhang der Weinberge waren an mehreren Stellen Große Schillerfalter zu sehen, frisch geschlüpft und Mitte Juni ungewöhnlich früh unterwegs. Das Dörfchen Detzem mit seinen gut 500 Einwohnern hat übrigens einen aus dem lateinischen abgeleiteten Namen, es liegt zehn („decem“) keltische Leugen (Meilen, 22 Kilometer) moselabwärts von Trier. Weiterlesen

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Prozessionsspinner oder doch nicht?

Trotz der breiten Diskussion um das Insektensterben ist der Umgang der Behörden mit der Giftspritze immer noch sehr locker. Die Begründungen für solche Gifteinsätze sollten immer kritisch überprüft werden.

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So wurden laut einem Pressebericht Mitte Mai 2018 im nördlichen Kreis Düren 5000 Straßen- und Parkbäume prophylaktisch mit einem Insektizid behandelt, da ein Befall mit dem Eichen-Prozessionsspinner befürchtet wird. Tatsächlich sieht man derzeit im betroffenen Raum zahlreiche kahle Straßenbäume mit kugeligen Gespinsten, die von mittelgroßen, haarigen Raupen verursacht werden. Jedoch handelt sich dabei gar nicht um einen Befall mit Prozessionsspinnern, sondern dies wird durch den sogenannten „Goldafter“ Euproctis chrysorrhoea (LINNAEUS, 1758)  verursacht, eine Nachtfalterart, die in der Region bisher nicht so gut bekannt ist.

Der Kreis Düren weist im Internet selbst zu Recht darauf hin, dass z.B. Gespinstmotten keinen Anlass zur Sorge bieten. Eine Unterscheidung dieser Gespinste von denen der Prozessionsspinner sei schon auf Distanz gut möglich. Beim Goldafter muss man jedoch genauer hinschauen. Deshalb darf bezweifelt werden, dass der aktuelle Gift-Einsatz gerechtfertigt ist. Maßnahmen sollten allenfalls dort erfolgen, wo tatsächlich Prozessionsspinner einwandfrei identifiziert werden und diese eine Gefahr für Menschen (nicht für Bäume!) darstellen. Eine bloße prophylaktische Aktion trägt nur wieder zum in diesem Fall unnötigen Insektensterben bei.

Eine sachgerechte Reaktion auf den konkreten Befall mit Prozessionsspinnern ist zudem nur ein Absaugen der Nester einschließlich der Nessel-Haare. Eine Behandlung mit Gift ist im Befallsfall ohnehin nicht mehr wirksam, weil die Haare dabei nicht beseitigt werden.

Bei den befallenen Bäumen war zu beobachten, dass Stare in Schwärmen die Raupen des Goldafters als Nahrungsquelle nutzten. Es werden somit auch Vögel durch diesse Giftaktionen gefährdet und zumindest ihrer Nahrung beraubt. Giftaktionen treffen zudem immer auch die sonstigen natürlichen Gegenspieler von „Schad“-Insekten (z.B. deren Parasiten, meist ebenfalls Insekten wie Schlupfwespen ect.). Insofern fördern Giftaktionen solche Massenvermehrungen auf Dauer sogar indirekt. Es ist daher dringend geboten, dass die Gründe für solche Gifteinsätze kritischer überprüft werden.

Ulrich Haese, für den NABU Düren

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