LIFE helle Eifeltäler – offizieller Start des Naturschutzgroßprojektes am 24. Mai

Klein, aber wunderschön: der Blauschillernde Feuerfalter mit seinem einzigartigen Farbenspiel. Er ist angewiesen auf das Vorhandensein des Schlangenknöterichs als Raupen-Nahrungspflanze. (Foto: T. Laußmann)

Mit einer Auftaktveranstaltung will die Biologische Station im Kreis Euskirchen e.V. offiziell den Start des Naturschutzgroßprojektes LIFE helle Eifeltäler einläuten.

Mit einer „Hybridveranstaltung“ soll die Öffentlichkeit am offiziellen Start des Projektes teilnehmen und sich über die zukünftigen Maßnahmen und Aktionen informieren können.

„Hybrid“, das heißt, dass vor Ort, nämlich im „Kulturkino auf Vogelsang IP“, Schleiden in Präsenz der Auftakt mit Vorträgen am Vormittag des 24.05.2022 begangen und gefeiert werden soll. Um aber auch der unsicheren „Corona-Situation“ genüge zu tun und um mehr Menschen Gelegenheit zu geben, am Auftakt teilzunehmen, kann die Veranstaltung auch virtuell über eine Zuschaltung verfolgt werden.

Nachmittags wird es eine Exkursion in das Projektgebiet geben, in der die Interessierten sich über das Gebiet und die geplanten konkreten Maßnahmen informieren lassen können.

Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenfrei

Programm_Auftaktveranstaltung_LIFE helle Eifeltäler

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Weitere Termine

 

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Bericht zum Klimafolgenmonitoring der Stadt Düsseldorf 2021 ist Online

Auch im 13. Jahr der alljährlich seit 2009 durchgeführten Kartierungen wurden im Rahmen des Klimafolgenmonitorings der Stadt Düsseldorf erstaunlicherweise noch einmal 7 bzw. 10 neue Arten von Großschmetterlingen im Eller Forst bzw. auf dem Golfplatz Hubbelrath nachgewiesen. Jeweils 3 dieser Neufunde gelangen durch Raupensuche. Damit erhöhte sich die Zahl insgesamt nachgewiesener Arten auf 357 bzw. 346.

Ulmenzipfelfalter (Satyrium w-album) an Baldrian saugend auf der Sumpfwiese im Eller Forst, Erstnachchweis am 12.7.2021 (Foto: Ludger Wirooks)

Diesmal waren unter den neuen Arten auch mehrere Tagfalter, u. a. 2 Arten, die im letzten Jahrzehnt auch anderswo in NRW deutlich häufiger geworden sind: Der Große Schillerfalter (Apatura iris) in Hubbelrath und der Große Fuchs (Nymphalis polychloros) im Eller Forst. Beiden Arten wurden im Larvalstadium nachgewiesen. Vieles spricht dafür, dass für die mittelfristige Populationszunahme und Ausbreitung beider Arten zumindest auch der Klimawandel verantwortlich gemacht werden kann. Ähnliches trifft auch auf den erstmals auf dem Golfplatz Hubbelrath gefundenen Nachtkerzenschwärmer (Prosepinus proserpina) zu, der als bisher einzige Schmetterlingsart dieser Untersuchung gemäß FFH-RL Anhang 2 streng geschützt ist. Von ihm wurden an einer Stelle gleich 5 ausgewachsene Raupen gefunden. Auch bei einigen anderen der neu gefundenen Arten könnte der Klimawandel beim Erstnachweis eine Rolle gespielt haben, aber auch Randeffekten oder purem Zufall dürften einige der Neufunde geschuldet sein.

Raupennest vom Großen Fuchs (Nymphalis polychloros) am Rand des Eller Forstes in Düsseldorf, 12.5.2021 (Foto: Ludger Wirooks)

Detaillierte Datenauswertungen über die Düsseldorfer Klimafolgenmonitoringdaten hinaus zeigen, dass es in NRW 18 gegenüber der alten Roten Liste neu hinzugekommene Arten gibt, von denen mindestens 7 wohl als klimabedingt sich schnell ausbreitende Arealerweiterer angesehen werden können. Bei den 14 neu hinzugekommenen ausgestorbenen bzw. verschollenen Arten gibt es hingegen nur eine, die früher einmal deutlich weiter verbreitet war und bei welcher der Klimawandel zumindest mit eine Rolle beim Rückgang gespielt haben könnte. Weiterlesen

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Tagfaltermonitoring im Nationalpark Eifel – Freiwillige vor!

Der Nationalpark Eifel plant die Aufnahme eines standardisierten, Ehrenamt basierten Tagfalter-Monitorings. Die Datenerfassung im Nationalpark soll in Anlehnung an das Tagfalter-Monitoring Deutschland (TMD) erfolgen. 

Liebe Schmetterlingsbegeisterte,
haben Sie Interesse, an einem spannenden Forschungsprojekt in NRWs einzigem Nationalpark mitzuarbeiten? Gesucht werden engagierte und fachkundige Freiwillige, die bei der Umsetzung eines neuen Tagfalter-Monitorings im Nationalpark Eifel mitmachen wollen. Neben der Möglichkeit, das Großschutzgebiet und seine Tierwelt aus einer ganz neuen Perspektive kennenzulernen, bietet die Mitarbeit an diesem Projekt die Gelegenheit zum Austausch mit Gleichgesinnten und zum Ausbau der individuellen Kenntnisse zu Tagfaltern und tagaktiven Nachtfalter.

Das Tagfalter-Monitoring im NLP Eifel soll in Anlehnung an das vom UFZ Konzipierte Tagfalter-Monitoring Deutschland (TMD) erfolgen. Eine ausführliche Beschreibung des Monitoring-Konzepts des NLP Eifel finden Sie im Anhang dieser Email. Gezählt werden sollen Imagines von Tagfaltern und Widderchen zwischen Mai und August auf vordefinierten Transekten (siehe Karte im Anhang). Die Transekte sind 500 m lang und jeweils in 10 Abschnitte a 50 m unterteilt, für die jeweils separate Zählungen geplant sind. Vorgesehen sind mindestens sechs Zählungen pro Jahr bei geeigneten Witterungsbedingungen.

Der Aufruf richtet sich ausdrücklich nicht nur an Schmetterlingsexperten, sondern auch an versierte und motivierte Laien. Für letzterer sind spezielle Transekte vorgesehen, auf denen mit einem eher überschaubaren Artenspektrum zu rechnen ist (vgl. Transektbeschreibung im Anhang). Zudem können Bestimmungshilfen zu den Tagfaltern und Widderchen des NLP Eifel zur Verfügung gestellt werden.

Gesucht werden engagierte und fachkundige Schmetterlingsfreund*innen, die bereit sind, die Zählungen auf einem der im Anhang dargestellten Transekte durchzuführen. Die Idee ist, über diesen ehrenamtlich basierten Monitoringansatz solide Daten zur Verbreitung und Entwicklung der Tagfaltern-Vorkommen des NLP-Eifel zu erhalten. Der Zeitaufwand pro Begehung liegt je nach Ehrfahrungsgrad zwischen ca. 1,5 h und 2 h zuzüglich der An- und Abfahrt. Die Zahlung einer Aufwandsentschädigung ist ab einer Mindestanzahl von 6 Begehungen pro Transekt / Jahr vorgesehen, zumindest solange entsprechende Haushaltsmittel hierfür zu Verfügung stehen.

Interessierte melden sich bitte, vorzugsweise per Email, bei:
Nationalparkforstamt Eifel
Fachgebiet Forschung und Dokumentation
Ansprechpartner: MSc. Naturschutzbiologe Sebastian Flinkerbusch
Email: flinkerbusch@nationalpark-eifel.de
Büro: +49 2444 9510 31
Mobil: +49 151 67430464

[Stand 25. Februar 2022]
Derzeit sind erst 2 der 20 Transekte vergeben, sodass Sie derzeit noch die freie Auswahl haben, d.h. in Abhängigkeit ihrer Vorkenntnisse (Experte, Fachmann, versierter Laie) den für Sie am besten zu erreichenden Transekt auswählen können. Für Rückfragen stehe ich Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.
[/Stand]

Ich freue mich, wenn Sie diesen Aufruf an Ihnen bekannte, potentiell interessierte Personen weiterleiten!

Vielen Dank und beste Grüße!
Sebastian Flinkerbusch

Anlage 1: Auflistung und Beschreibung der Transekte

Anlage 2: Karten zu den Transekten

Anlage 3: Tagfalter-Monitoring-Konzept_NLP-Eifel

 

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Der Kamillenmönch – eine unterschätzte (= unterkartierte) Art

Eine aktuelle Untersuchung zeigt: Der angeblich so seltene Kamillenmönch, Cucullia chamomillae [DENIS & SCHIFFERMÜLLER], 1775), ist weitaus häufiger und weiter verbreitet als vielfach angenommen.

L5-Raupe, letztes Larvalstadium des Kamillenmönchs, gefunden am 24.5.2012 in Landau von Sascha Guckes (Foto: Ludger Wirooks)

Da mir die Diskrepanz eigener Zufallsbeobachtungen zu der gängigen Einstufung des Kamillenmönchs als sehr seltene und gefährdete Art schon lange ein Dorn im Auge war, nutzte ich im letzten Jahr die Gelegenheit, eine an der RWTH Aachen durchgeführte Bachelorarbeit zu diesem Thema zu initiieren und zu betreuen. Diese sollte sich per Raupensuche mit der Verbreitung und Biologie dieser als Falter kaum nachweisbaren Art befassen. Das Ergebnis überraschte sogar mich: In allen neun in den Naturräumen Niederrheinische Bucht, Niederrheinisches Tiefland und Eifel gelegenen Untersuchungsgebieten konnte die Art nachgewiesen werden – im Durchschnitt sogar an fast 1/3 aller 315 untersuchten Standorte. Weiterlesen

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Von Alten Hasen und Eiersuche vor Ostern

Ohne Kescher, dafür mit Bergstiefeln und Wintermütze: Schmetterlings-Exkursion in Hatzenport. v.l. Volker Lang, Daniel Müller, Tim und Christian Laußmann, Armin Radtke. 29 Januar 2022.  (Foto: Armin Dahl)

Am letzten Januarwochenende 2022 stand die erste Exkursion des Jahres an: Suche nach Eiern und Raupen von Zipfel- und Edelfaltern. Die Untermosel ist auch im Winter ein Top-Platz für Schmetterlinge!

So richtig überzeugt war das halbe Dutzend Mitglieder nicht, welches sich am Samstagvormittag in Hatzenport an der Mosel traf. Das Wetter war schauderhaft, Nebelnässen, Temperaturen unter 5°C, böiger Wind. Um 10 Uhr am Morgen immer noch nicht richtig hell. Und das soll eine Schmetterlingsexkursion werden?

Aber nach 1 ½ Stunden Anfahrt kann man ja nicht einfach wieder umdrehen, und so wurden die Bergstiefel geschnürt, und nach kurzer Beratung ging es zügig den Steilhang hinter dem Dorf hinauf. Hatzenport, ein typisches Winzerdörfchen mit knapp 600 Einwohnern, liegt an der Untermosel, dem tief eingekerbten Taleinschnitt zwischen Cochem und Koblenz. Weinbau wird dort seit vielen Jahrhunderten betrieben, und entsprechend wechseln sich an den Talhängen Rebterrassen mit Felswänden und unzugänglichen, gebüschbestandenen Steilhängen ab.

Der dunkle Moselschiefer heizt sich auch bei leichtem Sonnenschein rasch auf, und so liegen in der Umgebung einige der wärmsten Plätze Deutschlands, was sich auch in der Tierwelt niederschlägt: Westliche Smaragdeidechse, Zippammer, Westliche Sattelschrecke und Segelfalter gehören zur „normalen“ Ausstattung der Region. Und natürlich auch die Zielarten der Exkursion, die Zipfelfalter Satyrium acaiae und Satyrium spini, die in Westdeutschland an Nahe, Mittelrhein und Untermosel ihren Verbreitungsschwerpunkt haben.

Die nur daumennagelkleinen Zipfelfalter sind allerdings nicht einfach zu bestimmen, sie fliegen rasant und haben kurze Flugzeiten. Und das alles spielt sich natürlich im Sommer ab, und nicht Ende Januar. Im Winter kann man dagegen sichere Vermehrungsnachweise tätigen, wenn es gelingt die überwinternden Eier an den Raupenfutterpflanzen zu finden. Wenn diese nur nicht so klein wären!

Ei von Thecla betulae. Hatzenport, 29. Januar 2022 (Foto: Tim Laußmann)

Langer Rede kurzer Sinn: Schon nach wenigen Metern bergauf hatten wir die beiden ersten Wintereier entdeckt. Thecla betulae legt seine weißen, auffälligen Eier einzeln an Schlehenaufwuchs ab, fast immer in den Winkeln von kleinen Nebenästchen. Mit der Lupe betrachtet sehen die Eier des Nierenfleck-Zipfelfalters aus wie kleine weiße Seeigel, und hat man sich einmal eingesehen, sind sie vergleichsweise leicht zu entdecken.

Ei von Favonius quercus. Hatzenport, 29. Januar 2022 (Foto: Tim Laußmann)

Ei von Favonius quercus. Hatzenport, 29. Januar 2022 (Foto: Tim Laußmann)

Etwas schwieriger schon gestaltete sich die Suche nach Favonius quercus. Der Blaue Eichen-Zipfelfalter ist zwar fast überall häufig, trotzdem muss man genau hinschauen, um ihn an den äußersten, südexponierten Knospen von Eichen zu finden. Aber auch das war eine lösbare Aufgabe, an der ersten Eiche direkt neben dem Pfad durch die Felsen.

Also weiter, steil bergauf. Mittlerweile krabbelten die Exkursionsteilnehmer am Steilhang im Gehölzaufwuchs herum, Blick für die fantastische Aussicht am Hatzenporter Laysteig hatte niemand so recht, dafür gab es klamme Finger wegen der Kälte.

Hatzenport von oben: Im Steillagenweinbau gibt es immer wieder Brachflächen mit Verbuschung. (Foto: Dahl)

Hier zeigte sich die Qualität der Truppe, vier von sechs Teilnehmern waren „Alte Hasen“ , alle sechs zusammen brachten wohl mehr als 100 Jahre Erfahrung mit Naturbeobachtungen ein. Äußerlichkeiten wie widriges Wetter treten da in den Hintergrund, wenn es etwas Neues zu entdecken gibt.

Satyrium spini Eier. Hatzenport, 29. Januar 2022 (Foto: Tim Laußmann)

Ohne die perfekte Ortskenntnis von Daniel Müller hätten wir wahrscheinlich den Kreuzdorn (Rhamnus cathartica) zwischen den ganzen Heckensträuchern glatt übersehen, und wären an den Eiern von Satyrium spini vorbeigelaufen. Die Art scheint von den regelmäßigen Pflegeeinsätzen in den trocken-heißen Hanglagen zu profitieren. Der Kreuzdorn-Zipfelfalter legt oft mehrere Eier  dicht nebeneinander ab. Beim Anblick des schönen Geleges wurden auch die Alten Hasen munter.

Im Lebensraum des Kreuzdorn-Zipfelfalters. (Foto: Dahl)

Mit Retro-Adapter und Ringblitz: Tim Laußmann, Experte für Freihand-Makro, im Einsatz. (Foto: Dahl)

Auch technisch gab es einiges zu lernen: Zum Beispiel dass man mit einem handelsüblichen Weitwinkel-Objektiv und einem sogenannten Retro-Adapter auch von kleinsten Strukturen scharfe Digitalbilder schießen kann. Die Eiersuche vor Ostern wurde zudem ausgiebig gefilmt, soll noch zu einem youtube-Video verarbeitet werden.

Satyrium acaciae Ei, Pommern, 29. Januar 2022 (Foto: Tim Laußmann)

Nach einem Ortswechsel an die Kapelle oberhalb von Pommern kamm dann auch Art Nr. 4 auf unserer Wunschliste zu Tage. Der Suchauftrag lautete: An der Unterseite von niedrigem  Schlehenaufwuchs, bodennah, an heißen Stellen. Ein Ei des Kleinen Schlehenzipfelfalters Satyrium acaciae wurde dann auch zum Entzücken der Teilnehmer entdeckt und ausgiebig bewundert. 

Satyrium w-album, Pommern, 29. Januar 2022 (Foto: Tim Laußmann)

Weiter ging es zum Dortebachtal in Klotten, neben der Brauselay in Cochem wohl der berühmteste Schmetterlingsplatz an der Untermosel. Hier wurde nach wenigen Sekunden ein Ei des Ulmen-Zipfelfalters entdeckt, das aussieht wie ein winziger umgedrehter Suppenteller. Zielart Nr. 5 war „im Kasten“!

Zum Abschluss des Tages kam dann sogar noch die Sonne zum Vorschein, und auch das Gekraxel war vorbei, die letzte Exkursionsstrecke im Pommerbachtal war ein normaler steigungsfreier Waldweg.

Und als Zückerchen obendrauf zauberte uns Daniel Müller ein Hibernarium von Limenitis camilla aus einem unscheinbaren Heckenkirschen-Busch. Der Kleine Eisvogel überwintert als winzige Raupe in einem zusammengesponnenen Blättchen. Nur wer sehr genau hinschaut kann die Dornen der Raupe erkennen: Wer das jedoch einmal gesehen hat, der vergisst es nie wieder!

Blatttüte mit Raupe von Limenitis camilla, Pommern, 29. Januar 2022 (Foto: Tim Laußmann)

Kurzes Fazit eines langen Tages: Auch mitten im Winter kann man tolle Schmetterlingsexkursionen machen.  Vielen Dank an Daniel Müller für die Organisation und die Hilfe beim Suchen!

Den Exkursionsbericht gibt es übrigens auch als Video!

Aktivitäten, bitte melden!

Zum Schluß: Bitte teilt uns alle Exkursonen, Vorträge und Aktivitäten rund ums Thema Schmetterlinge mit, ich stelle die dann auf die Seite mit den „Events“.

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Forschungsband „Die Nachtfalter im Nationalpark Eifel“ erschienen

Kleiner Speerspanner - Rheumaptera subhastata

Kleiner Speerspanner – Rheumaptera subhastata (Foto: Rudi Seliger)

Die Nationalparkverwaltung Eifel hat die Ergebnisse eines 12jährigen Forschungsprojektes veröffentlicht: „Die Nachtfalter im Nationalpark Eifel“ reiht sich als Band 9 in die Schriftenreihe zum Nationalpark Eifel ein. Auf knapp 300 Seiten hat ein Team um die Schmetterlingsforscher Wolfgang Wittland und Rudi Seliger die Ergebnisse der Untersuchung zusammengefasst.

Mit viel Herzblut und Engagement konnten die Experten der Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen bei zumeist nächtlichen Beobachtungen 1.288 Nachtfalter- und 49 Tagfalter-Arten feststellen.

Dazu wurden vor allem in zwölf meist mehrmals jährlich beprobten Wald- und Grünlandbereichen mit Hilfe von Licht- und Köderfang insgesamt über 90.000 Einzeltiere angelockt und ihre Artzugehörigkeit bestimmt. Das Werk liefert einen wichtigen Beitrag zur Erfassung der Artenvielfalt der Schmetterlinge in der nordrhein-westfälischen Eifel und bildet eine solide Basis für Untersuchungen künftiger Entwicklungen.

Bei der Untersuchung an über 270 Einzelterminen wurden zahlreiche sehr seltene oder für die Region neue Arten nachgewiesen, zum Beispiel der vom Aussterben bedrohte Kleine Speerspanner – Rheumaptera subhastata (NOLCKEN, 1870), dessen Raupen an an Vaccinium-Arten leben. Außer den Vorkommen im Nationalpark gibt es historisch (Kalterherberg, 1933) und aktuell (Umgebung Monschau, 2018) nur zwei weitere Nachweise aus dem nordrhein-westfälischen Teil der Eifel.

„Die ehrenamtlichen Spezialisten sind für solch grundlegende Forschungsarbeiten wichtiger denn je“, so Projektleiter und Biologe Dr. Andreas Pardey vom Fachgebiet Forschung des Nationalparkforstamtes Eifel. Zahlreiche hervorragende Fotos bringen die Vielfalt der Nachtfalter auch Naturliebhabern näher, die nicht mit Schmetterlingen vertraut sind.

Die Druckversion der Schriftenreihe Band 9 kann für 20 Euro (inklusive Versand) bei der Nationalparkverwaltung Eifel erworben werden, unter der Mailadresse info@nationalpark-eifel.de oder Tel.: +49 (0) 2444 95110 0

WITTLAND, W., SELIGER, R. & PARDEY, A. (2021): Die Nachtfalter im Nationalpark Eifel. Untersuchungergebnisse der Jahre 2007 bis 2018. – Hrsg.: Nationalparkforstamt Eifel. – Schriftenreihe zum Nationalpark Eifel. Band 9. 288 S. Schleiden-Gemünd.

Die Nachtfalter im Nationalpark Eifel zum Download

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Zwischen Staunen und Bewunderung – unsere Microlepidoptera

Die aktuellste Veröffentlichung zur Anzahl von Schmetterlingen in Deutschland stammt aus dem Jahr 2017. Danach gibt es in Deutschland 3.682 Arten (1). Gezählt wurde die Verbreitung in vier Zeitstufen; die erste deckte die Epoche bis 1900 ab, die letzte die Jahre 2001-2016. Da 10% bis 15% der Arten als ausgestorben oder verschollen gelten, bleiben immer noch ca. 3.166 Arten, die man in Deutschland findet – natürlich nicht überall und nicht jedes Jahr.

Diese Zahl kann man aufteilen nach Schmetterlingen, die tagsüber fliegen und Nachtfaltern, die hauptsächlich nachts aktiv sind. Danach gibt es 190 Arten von Tagschmetterlingen (2). Andererseits wurde auch eine Kategorie von “tagaktiven Nachtfaltern” definiert, zu der 179 Arten zählen, wie Zygenidae, Arctiinae, Sesiidae und erstaunlich viele andere.(3).

Weiterhin unterscheidet man zwischen Großschmetterlingen und Kleinschmetterlingen, wobei – nicht immer konsequent – nach der Größe sortiert wurde. Letztere werden auch Microlepidoptera oder “Micros” genannt. Da in Lit. (2) 1350 Großschmetterlinge genannt werden, resultieren ca. 1816 Arten (58%) von “Micros”. Lit. (4) zählt 59 Familien von Microlepidoptera für Europa auf. Nicht alle kommen auch in Deutschland vor. Ein Überblick von W. Biesenbaum (5) zitiert Beobachtungen von Micros aus 42 Familien für das „Obere Mittelrheintal“, eine Gegend die nur 150 km südlich von Solingen liegt, wo wir wohnen.

Für uns bedeuten diese Zahlen, daß es eine sehr große Anzahl von Kleinschmetterlingen – aufgeteilt in sehr viele Familien – gibt. Und die Anzahl der Arten in dieser Gruppe wird noch wachsen, da viele Lepidopterologen sich jetzt mit dieser Gruppe beschäftigen, nachdem die Großschmetterlinge bereits intensiv erforscht wurden.

Wir selbst fotografieren die verschiedenen Insekten nur und sammeln sie nicht. So werden unsere Beobachtungen oft nicht für die Dokumentationen der Wissenschaftler akzeptiert, da viele Arten nicht allein aufgrund von Fotografien unterschieden werden können.

Aber die Fülle der Bücher mit Fotos von Faltern unter natürlichen Bedingungen, die es früher gar nicht gab, zeigt, wie groß das Interesse der Bevölkerung an solchen Fotos ist.
Auch sammeln wir ja wertvolle Daten für das Auftreten (Ort und Zeit) der Micros, die wir auf Art-Niveau bestimmen können. So haben wir z.B. Agnoea subochreella fotografiert, die in der Liste (Lit.5) nicht verzeichnet war – ein typischer Fall von Migration mit dem Klimawandel.

Unser wichtigstes Ziel ist es, die Schönheit und bunte Vielfalt dieser kleinen Geschöpfe zu zeigen.
Für die Leser dieses newsletters haben wir 18 Fotos von von Micros ausgewählt, die wir mit wenigen Ausnahmen in den letzten drei Jahren in unserer Umgebung fotografiert haben. Davon sogar zwei Drittel bei uns am Haus oder im Garten.

Jeder von Ihnen hat sicher seine besonderen Lieblinge einer Art oder interessiert sich für eine bestimmte Familie von Schmetterlingen. Die Oecophoridae (Faulholzmotten) z.B. sind geradezu farbenprächtig oder durch besondere Kennzeichen auffallend. Bei den Gracillariidae (Blatt-Tütenmotten) besticht – wie schon der Name ausdrückt – die graziöse Erscheinung. Eine weitere Familie von unwiderstehlichem Charme sind die Ypsolophidae (Schabenmotten). Wir könnten hier endlos weiter die Schönheiten der Micros beschreiben, die bei uns Staunen und Bewunderung auslösen.

Hoffentlich erfüllen die Fotos auch Ihr Herz mit Freude, und Sie beginnen, diese Juwelen in Ihrer Gegend zu suchen und zu bewundern. Viele sitzen tagsüber auf Pflanzen oder kommen nachts zum Licht. Und es ist nicht übertrieben festzustellen, daß noch viele Micro-Arten darauf warten, entdeckt zu werden, z.B. bei den Blattminierern.
In einer Zeit, wo viele Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht sind, kann es tröstlich sein, daß auch unbekannte Schätze noch entdeckt werden können.

Aktuelle Daten und Fotos
https://www.inaturalist.org/observations?place_id=any&user_id=wolfachim&verifiable=any

Literatur
(1) Gaedike, R.; Nuss, M.; Steiner, A.; Trusch, R. (Hrsg.) (2017): Verzeichnis der Schmetterlinge Deutschlands (Lepidoptera) (Entomofauna Germanica 3). 362 S., Dresden
(2) A. Steiner, U. Ratzel, M. Top-Jensen & M. Fibiger (2014): Die Nachtfalter Deutschlands  BugBookPublishing , ISBN978-3-00-043862-2
(3) Ulrich, R. (2018)  Tagaktive Nachtfalter, Kosmos-Naturführer, ISBN: 9783440158272
(4) Parenti, U. (2000): A Guide to the Microlepidoptera of Europe, ISBN 88-86041-36-5
(5) Biesenbaum, W. (2011) Kleinschmetterlinge des Mittelrheingebietes, Melanargia 23 (2): 69-154

 

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Massenhaft Pestizide in Naturschutzgebieten nachgewiesen

Malaisefallen im NSG Wisseler Dünen am Niederrhein: In den Proben fanden sich Rückstände 20 verschiedener Pestizide. 12. Mai 2020 (Foto: Dahl)

Warum nehmen die Insekten nicht nur in der landwirtschaftlich genutzten Fläche, sondern auch in Naturschutzgebieten rasant ab?  Ein Forscherteam, in dem unter anderem der Entomologische Verein Krefeld mitgearbeitet hat, präsentiert jetzt eine Studie, in der neben den Insekten selbst auch die Belastung durch Schädlingsbekämpfungsmittel, Unkrautvernichter und Pilzgifte untersucht wurde. Erschreckendes Fazit: Die Insekten tragen die Giftstoffe aus der Landwirtschaftsfläche in die Naturschutzgebiete.

In Deutschland wurde der Rückgang der Insektenbiomasse in Naturschutzgebieten innerhalb von Agrarlandschaften beobachtet. Eine der diskutierten Hauptursachen ist der Einsatz synthetischer Pestizide in der konventionellen Landwirtschaft. In einer deutschlandweiten Feldstudie haben die Autoren Fluginsekten mit Malaisefallen in an landwirtschaftlich genutzten Flächen angrenzenden Naturschutzgebieten gesammelt.

Eine chemische Mehrkomponenten-Spurenelementanalyse wurde verwendet, um 92 gängige landwirtschaftliche Pestizide in Ethanol aus Insektenfallen, die im Mai und August 2020 beprobt wurden, nachzuweisen. In ALLEN Proben aus NSGs wurden Rückstände zahlreicher Pestizide nachgewiesen. Insektengifte fanden sich auch dort, wo angeblich nicht gespritzt wird, z.B. an der Brauselay bei Cochem – dem Fluggebiet des Apollofalters.

Insgesamt wurden Rückstände von 47 derzeit verwendeten Pestiziden nachgewiesen, und Insektenproben waren im Durchschnitt mit 16,7 verschiedenen Pestiziden kontaminiert. An allen Standorten wurden Rückstände der Herbizide Metolachlor-S, Prosulfocarb und Terbuthylazin sowie der Fungizide Azoxystrobin und Fluopyram erfasst.

In 16 von 21 Naturschutzgebieten wurde das Neonikotinoid Thiacloprid nachgewiesen, wahrscheinlich aufgrund der Endverwendung vor einem EU-weiten Verbot. Eine Veränderung der Zusammensetzung der Rückstandsmischungen war aufgrund des höheren Herbizideinsatzes im Frühjahr und der zunehmenden Fungizidapplikationen im Sommer erkennbar.

Nach Angaben der Autoren ist eine drastische Reduzierung von Pestiziden in  Verbindung mit großen Pufferzonen um die Naturschutzgebiete notwendig, um eine Kontamination ihrer Insektenfauna zu vermeiden.

Studie: Direkte Pestizidbelastung von Insekten in Naturschutzgebieten in Deutschland. Verfügbar unter:https://bit.ly/3shEGuM

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