Vorfrühlings-Falter: Theria primaria und Phigalia pilosaria

Kaum ist der Schnee weggetaut und die Nächte frostfrei, fliegen auch schon die ersten Frühjahrs-Falter. Das sind in aller Regel Arten, deren erste Raupenstadien an Knospen von Gehölzen leben, und die ihre Fortpflanzungszeit darauf abgestimmt haben, direkt im zeitigen Frühjahr mit dem Fressen zu beginnen.

Phigalia pilosaria, Düsseldorf-Hubbelrath, 16. Februar 2017 (Foto: Armin Dahl)

Phigalia pilosaria, Düsseldorf-Hubbelrath, 16. Februar 2017 (Foto: Armin Dahl)

Weit verbreitet und auch im Siedlungsbereich und Gärten zu finden ist der Schneespanner Phigalia pilosaria ([DENIS & SCHIFFERMÜLLER], 1775), die großen, stark behaarten Männchen sitzen jetzt an vielen Stellen nachts unter Lampen, in Unterführungen und an beleuchteten Plakaten. Relativ  häufig trifft man auch auf verdunkelte, rabenschwarze Tiere.

Beim nächtlichen Absuchen von Schlehenhecken mit der Taschenlampe findet man Theria primaria (HAWORTH, [1809])  mit dem Deutschen Namen Früher Schlehenbusch-Winterspanner.

Theria primaria, Eitorf, 14. Februar 2017 (Foto: Brigitte Schmälter)

Die Art ist allerdings weitaus seltener und verstreut zu finden, zumindest gibt es noch große Lücken in den Nachweiskarten der Arbeitsgemeinschaft.
Die Schwesterart Theria rupicapraria ([DENIS & SCHIFFERMÜLLER], 1775), die im Arbeitsgebiet anscheinend trocken-warme Habitate bevorzugt, tritt  zwei bis drei Wochen später als primaria in Erscheinung. Um die beiden Arten sicher zu unterscheiden benötigt man zumindest gute, nicht verblitzte Fotos, auf denen man die Details der Zeichnung und den Flügelschnitt beurteilen kann, oder besser noch einen Belegfalter. Lebensraum beider Arten sind ältere Schlehen- und Weißdornheckenhecken, Bestimmungshilfe für Fotos und Präparate bietet wie immer das Lepiforum.

Viel Erfolg bei den ersten nächtlichen Exkursionen,  und eine falterreiche Saison 2017!

Armin Dahl

 

Literatur

KUHNA, P. (1977): Kurze Mitteilungen. Über den systematischen Status von Theria ibicaria H.-Schäff. (Lepidoptera, Geometridae). Jahrber. Naturwiss. Ver. Wuppertal, 30: 129-132, Wuppertal

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Biodiversität in Weinbausteillagen an der Mosel: Bachelor- und Masterstudenten gesucht

Für den Bereich Biologie / Umweltbiowissenschaften oder verwandte Studiengänge sucht das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum in Bernkastel-Kues an der Mittelmosel Bachelor- und Masterstudenten, die ihre Abschlussarbeiten über folgende Themen anfertigen wollen:

  • Ökologie und Habitatnutzung von Tagfaltern in Weinbausteillagen der Untermosel
  • Einfluss verschiedener Rebflächenanlagen auf die Tagfalter-Diversität
  • Einfluss verschiedener Managementmaßnahmen von Brachflächen im Steillagenweinbau auf die assoziierte Tagfalter-Diversität.

Melitaea didyma (ESPER, 1778) – Roter Scheckenfalter. Reil, Mullay / Hofberg, 21. Mai 2016 (Foto: Brigitte Schmälter)

Im Rahmen des Projektes „Biodiversität in Weinbausteillagen“ bietet das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Mosel in Bernkastel-Kues in Kooperation mit dem Senckenberg Deutschen Entomologischen Institut die Möglichkeit zur Anfertigung von Abschlussarbeiten zur Erlangung des Grades Bachelor bzw. Master of Science an. Die Betreuung vor Ort findet bei allen Arbeiten durch die im Projekt beschäftigte Doktorandin statt. Die darüber hinaus stattfindende Betreuung und Bewertung der Arbeiten übernimmt Prof. Dr. Thomas Schmitt (Senckenberg Deutschen Ent
omologischen Instituts, Martin-Luther-Universität Halle Wittenberg).

Die komplette Aussschreibung zum Download

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Offener Brief aus Anlass des drastischen Rückgangs unserer Insektenpopulationen

an die Ministerpräsidentin des Landes Nordrhein-Westfalen, Frau Hannelore Kraft,
sowie an den
Minister für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, Herrn Johannes Remmel

Sehr geehrte Frau Ministerpräsidentin,
sehr geehrter Herr Minister,
das Thema „Insektensterben“ hat im Jahr 2016 viel Aufmerksamkeit in den Medien erregt, nicht zuletzt durch Untersuchungen des Entomologischen Vereins Krefeld, die einen erschreckenden Rückgang der Insektenfauna in NRW belegt haben. Mittlerweile ist es um
das Thema wieder ziemlich still geworden.  Es kann aber keinen Zweifel geben, dass das „Insektensterben“ von großer Tragweite ist, für die Landwirtschaft, für die Ökosysteme und die Biodiversität in unserem Land. Als mit der Tierwelt unserer Heimat vertraute Schmetterlingskundler registrieren auch wir seit einigen Jahren mit Sorge einen auffälligen Rückgang von
Schmetterlingen in NRW

Wir nehmen daher die im Januar 2017 bei der EU-Kommission bevorstehende Prüfung der Wiederzulassung der drei Neonikotinoid-Insektizide Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam zum Anlass, uns mit der Bitte an Sie und an die zuständigen Minister zu wenden, sich im Rahmen Ihrer politischen Möglichkeiten gegen die Wiederzulassung dieser Stoffe einzusetzen. Aus Sicht zahlreicher kompetenter Wissenschaftler sind die zuvor genannten Insektizide ein wesentlicher Grund für den derzeitigen alarmierenden, ja beängstigenden Rückgang vieler Insektenarten.

Der komplette Offene Brief als .pdf zum Download

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Melanargia Heft 4 / 2016: Neue Arten, Daten und Termine

melanargia_28_4_titelbildWeihnachtslektüre 2016: Die neue Ausgabe der Melanargia Jahrgang 28, Heft 4 ist in der Post oder liegt schon in den Briefkästen der Mitglieder. Schriftleiter und Autoren haben sich bemüht wieder ein attraktives Heft zusammenzustellen. Die aktuelle Ausgabe dreht sich im wesentlichen um die aktuelle Ausbreitung einiger Tag- und Nachtfalterarten, die in atemberaubenden Tempo ihre Verbreitungsgebiete nach Norden erweitern. Die Beobachtung dieser Vorgänge wäre unmöglich ohne die Zusammenarbeit der Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft und vielen weiteren Personen und Organisationen darüber hinaus. Allen Zulieferern an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön!

Der Bearbeitungsstand der Online-Nachweiskarten der Schmetterlinge des Bearbeitungsgebiets unter www.schmetterlinge-nrw.de verbessert sich durch die Aktivitäten der Mitglieder und des aus vier Personen bestehenden Datenbankteams rasch: Mittlerweile werden fast eine halbe Million Datensätze online-dargestellt, Tendenz stark steigend. Der Ehrgeiz einiger Mitglieder ist geweckt, „Ihr“ Meßtischblatt mit einer möglichst hohen Artenzahl zu schmücken oder bei bestimmten Arten mal wirklich nach der aktuellen Verbreitung zu schauen. Nebenbei wurden viele Altdaten erfasst und dabei konnten auch zahlreiche Fehler und Ungenauigkeiten korrigiert werden. Wer Tipps zur Dateneingabe ins Vereinsprogramm Insectis, Musterdateien oder Hilfe bei den neuen Online-Datenbanken braucht wendet sich bitte an das Datenbankteam.

Auch die bundesweite Zusammenarbeit kommt voran: Unter der Führung der Museen in Karlsruhe und Dresden und gefördert vom Bundesamt für Naturschutz werden wir demnächst Nachweiskarten der Schmetterlinge Deutschlands sehen können, und zwar für alle Lepidopteren-Arten. Ziel ist dabei vor allem die Erstellung der neuen Roten Liste für die Bundesrepublik Deutschland bis zum Jahr 2020.

An dieser Stelle der Hinweis dass zukünftig alle in der Vereinsdatenbank vorhandenen Datensätze auch auf den bundesweiten Karten angezeigt werden können. Wer also Daten aus Bayern, Sachsen oder sonstigen „Randlagen“ zur Verfügung stellt kann das Projekt mit unterstützen.

Stichwort Internet: Die halbwegs moderne Führung eines Vereins mit aktuell ca. 300 Mitgliedern erzeugt ein Gebirge an Mails, Telefonaten und nicht zuletzt Fahrtkilometern, das Geld ist knapp und die Zeit für das Hobby begrenzt. Wichtig erscheint mir dabei vor allem der persönliche Kontakt, auf Vortragsabenden oder bei gemeinsamen Exkursionen. Damit diese Termine erfolgreich stattfinden und auch gut besucht werden haben wir einen neuen Terminkalender auf der Webseite eingerichtet, in den ALLE entomologisch wichtigen Termine in der Region eingetragen werden sollen, also auch die aus den Nachbarvereinen und von anderen Institutionen. Der Kalender findet sich unter http://www.ag-rh-w-lepidopterologen.de/terminliste/ und oben in der Navigationsleiste der Webseite,  und enthält bereits einiges an Exkursionen und Vorträgen für 2017. Auch hier gilt natürlich: Alles melden, kein Interessierter soll uns in Zukunft verloren gehen, egal ob er/sie sich in Vereinen organisiert oder nicht!

In diesem Sinne wünsche ich allem MitgliederInnen schöne Feiertage und ein spannendes und erfolgreiches Jahr 2017!



Erratum (von Wolfgang Vorbrüggen):
Das Bild auf in der Melanargia 28 (4) auf Seite 141 zeigt Argynnis aglaja anstatt von Argynnis niobe; dies ist leider erst bei der Durchsicht des Papierausdruckes aufgefallen.
Wieso es zu der Verwechslung kam, kann ich nicht exakt rekonstruieren. Auf jeden Fall ist A. niobe auch dieses Jahr noch in mein Netz gegangen; ich habe die Tiere wieder freigelassen, weil ich exakt bestimmte Belegexemplare von niobe bereits in der Sammlung habe. Das abgedruckte Bild, das Argynnis aglaja zeigt, ist der einzige Nachweis dieser Art auf dem Beinigerberg/Schlangenberg. Ansonsten ist die Art seit 1976 von mir dort nicht entdeckt worden.

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Bemerkenswerte Funde 2016 und Daten für die Vereinsdatenbank / InsectIS-online

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Das Jahr geht so langsam dem Ende entgegen und es wird wieder einmal Zeit, die Zusammenstellung bemerkenswerter Schmetterlingsfunde/-beobachtungen anzugehen, und die Daten für die Vereinsdatenbank / InsectIS-online zu importieren.

1.) „Bemerkenswerte Funde“ für die Melanargia-Hefte

Ich möchte Sie/Euch daher bitten, mir in nächster Zeit (spätestens bis zum 1. Februar!) solche bemerkenswerten Funde/Beobachtungen aus 2016 für die nächste Zusammenstellung zukommen zu lassen (sofern noch nicht geschehen).
Eine kleine Hilfe bei der Auswahl von bemerkenswerten Funden sind z. B. die Zusammenstellungen der letzten Jahre und die Roten Listen (vor allem Arten, die neu sind oder verschollen waren sowie Arten der Gefährdungskategorie 1).

Diese Zusammenstellungen können formlos handschriftlich, als Word-Datei, als Excel-Tabelle oder als InsectIS-Export geschickt werden.
Bitte NICHT die komplette Datenbank schicken nach dem Motto: Such Dir / suchen Sie sich heraus, was bemerkenswert ist.
Bei einer großen Datenmenge kann ich dies vom Zeitaufwand her nicht leisten.
Eine Möglichkeit ist, in der Jahresübersicht die bemerkenswerten Funde im Bemerkungsfeld mit einem eindeutigen Kürzel zu versehen. Die so gekennzeichneten Arten kann ich problemlos herausfiltern.
Aber, wie gesagt, das Kürzel sollte eindeutig sein. Kürzel wie BA16 sind nicht eindeutig und werden oft verwendet.
Und – Datenbanken als Export aus InsectIS müssen vor dem Versand komprimiert werden!

Schickt die Daten als Email-Anhang an heinzpschumacher[ätt]t-online.de

2.) Daten für die Vereinsdatenbank und InsectIS-online
Schön wäre es, wenn außerdem möglichst alle Beobachtungen aus 2016 wieder für unsere Datenbank und unser Insectis-online-Projekt zur Verfügung gestellt werden könnten (http://nrw.schmetterlinge-bw.de/Default.aspx#start).
Ein herzliches Dankeschön an alle, die bisher Daten geliefert haben und zum Erfolg von Insectis-online beigetragen haben.

Ideal ist es, wenn die Daten von Ihnen/Euch in unser Programm InsectIS.8 eingegeben und von dort exportiert werden. Der Import ist für uns dann deutlich leichter und schneller möglich, als wenn wir die Daten mühsam von Hand eintragen müssen.
Bitte daran denken: Die vom Programm für den Export vorgesehene Datei „insdaten.mdb“ muss vor dem Versand komprimiert werden.

Auch der Import aus einer Exceltabelle ist, wenn sie nach einem bestimmten Muster aufgebaut wurde, kein Problem. Wer eine solche Mustertabelle haben möchte, den bitte ich um eine kurze Nachricht.

Herzlichen Dank!

In der Hoffnung auf viele schöne Daten die in der nächsten Zeit bei mir eingehen wünsche ich allen ein frohes Weihnachtsfest und alles Gute für das neue Jahr.

Heinz Schumacher

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Artenschutz durch Habitatmanagement – Der Mythos von der unberührten Natur

cover_kunz_artenschutzDie engagierte Brandrede von Professor Werner Kunz auf dem Westdeutschen Entomologentag im November 2016 ist vielen Mitgliedern noch in bester Erinnerung: Die Erhaltung einer störungsfreien, unberührten Natur ist in Mitteleuropa in vielen Fällen nicht dazu geeignet, gefährdete oder aussterbende Arten zu retten. Offenländer sind die Biotope, an denen es heute mangelt. Wälder haben wir genug!
Was dem anwesenden Fachpublikum völlig klar war, stößt in der breiten Gesellschaft auf massiven Widerstand: Für ein Umdenken im Artenschutz fehlt das erforderliche Bewusstsein in der Bevölkerung! Großflächiges technisches Biotop-Management ist gegenwärtig politisch kaum durchsetzbar. Naturschutz-Verbände und der beamtete Naturschutz trauen sich offiziell – wider besseres Fachwissen – nicht an diese neue Praxis des Artenschutzes. Jetzt endlich ist zu diesem Thema das neue Buch von Werner Kunz Artenschutz durch Habitatmanagement: Der Mythos von der unberührten Natur auch einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich.

An dieser Stelle keine Rezension, sondern ein paar Sätze aus dem Vorwort, dabei geht es nicht um Werbung oder einen Verdienst, sondern um die dringend notwendige Verbreitung der Sache. Vielleicht hat der eine oder andere noch Zeit und Interesse sich das Werk unter den Weihnachtsbaum zu legen, als wichtigen Beitrag zur Debatte über die Zukunft des Natur- und Artenschutzes.
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„Goldene Acht“ ist Schmetterling des Jahres 2017

Die BUND NRW Naturschutzstiftung und die Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen e. V. haben die „Goldene Acht“ zum Schmetterling des Jahres 2017 gekürt.

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Die Raupen der „Goldenen Acht“ (lat: Colias hyale) ernähren sich von Luzerne und Klee und brauchen naturnahe blütenreiche Wiesen oder Weiden. „Mit der Intensivierung der Landwirtschaft schwindet der Lebensraum der Goldenen Acht zusehends“, sagte Jochen Behrmann von der BUND NRW Naturschutzstiftung. „Luzerne und Klee werden kaum noch als Gründünger oder Viehfutter angebaut. Stattdessen wird heute mit Gülle und Kunstdünger gedüngt, und Importsoja dient als Viehfutter. Das verändert auch die Welt der Falter zum Schlechten“, sagte Behrmann. Bundesweit gilt der Schmetterling des Jahres 2017 noch als ungefährdet, in Nordrhein-Westfalen und einigen anderen Bundesländern jedoch steht er bereits auf der Roten Liste als gefährdet.
Die Falter sind von Mai bis Oktober zu beobachten. Ihre Flügelspannweite beträgt etwa vier Zentimeter. Die Männchen weisen eine gelbe und die Weibchen eine grünlich-weiße Färbung auf. Charakteristisch sind der namensgebende achtförmige, rot umrandete Fleck auf der Flügel-Unterseite, die dunkle Randbinde sowie die schwarzen und orangefarbenen Flecken. Weiterlesen

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2016: Schlechtes Wetter für Schmetterlinge?

Nach extremer Wärme in den Monaten November und Dezember 2015 begann die Schmetterlingssaison 2016 eigentlich bereits im Dezember 2015. Das milde Winterwetter hielt auch in den Monaten Januar und Februar an und wurde nur durch eine kurze Kältewelle mit mäßigen Nachtfrösten um den 20. Januar herum unterbrochen. So ist es nicht verwunderlich, dass viele nachtaktive Frühlingsarten bereits im Januar nachgewiesen werden konnten.

Nach einem der mildesten Winter der letzten Jahrzehnte ließ anschließend der Frühling auf sich warten. Die Temperaturen im März zeigten sich sehr verhalten, insbesondere erschwerten kalte Nächte den Flug vieler Nachtfalterarten. Bei teilweise mäßigen Nachtfrösten herrschte während der ersten beiden Monatsdekaden gefühlter Winter. Auch im April machte die Erwärmung nur zögerliche Fortschritte. Wenig Niederschlag bei kühlen nächtlichen Temperaturen war eher ungünstig für die Entwicklung von Flora und Fauna. Im Mai setzte sich die trockene Witterung fort, allerdings bei überdurchschnittlichen Temperaturen. Erst zum Monatsende kam der lang ersehnte Regen.

Was im Frühling an Regen zu wenig fiel, brachte der Juni zu viel. Unwetterartige Regenfälle und wenig Sonnenschein machten den Schmetterlingen und ihren Erforschern nun das Leben schwer. Trotz etwas überdurchschnittlicher Temperaturen wird der erste Sommermonat 2016 vielen Menschen als Katastrophenmonat in Erinnerung bleiben. Der wechselhafte Witterungscharakter setzte sich auch in der ersten Julihälfte fort, wobei aber keine starken Niederschläge mehr auftaten, so dass die Regenbilanz unterdurchschnittlich ausfiel. In der zweiten Monatshälfte trat dann immerhin sogar eine kurze Hitzewelle auf. Trotz wechselhaften Charakters war der Juli trocken und warm, allerdings bei unterdurchschnittlichem Sonnenschein. In der ersten Augusthälfte schien dann allmählich der Herbst Einzug zu halten, doch dieser Eindruck änderte sich dann zum Monatsende als der Sommer zu einem unerwarteten Finale ansetzte. Mit Temperaturen bis über 35° gab es verspätete Hitzewellen, die bis Mitte September anhielten und zu einer großen Dürre führten. Seit 1958 gab es in Köln nur drei Septembermonate mit weniger Niederschlag.

Larentia clavaria (Foto: Armin Dahl)

Die Saison ist nicht nicht vorbei! Larentia clavaria (HAWORTH, [1809]), Klotten (Mosel), 25. Oktober 2016 (Foto: Armin Dahl)

Erste größere Regenfälle traten erst nach dem 20. Oktober auf. Das könnte ein Grund dafür sein, dass die charakteristische Herbstfauna sich bisher kaum zeigte. Insgesamt hat das Jahr 2016 den Ruf, ein besonders schlechtes Schmetterlingsjahr gewesen zu sein. Sicher war die Verteilung ungünstiger Witterungsperioden für die Entwicklung vieler Falter nicht förderlich. Allerdings erklärt dies nicht den Rückgang einiger Arten während der letzten Jahre, so dass andere Gründe in die Überlegungen mit einbezogen werden müssen.


Link:
Deutscher Wetterdienst: Das Deutschlandwetter im Sommer 2016

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Nachweiskarten: keine weißen Flecken in NRW

Gute dreieinhalb Jahre ist es her, dass wir mit der Online-Darstellung der Nachweiskarten aus dem Arbeitsgebiet gestartet sind. Und wie erwartet hat sich das Projekt ganz ordentlich etabliert und bei dem einen oder anderen den Ehrgeiz geweckt, „sein“ Meßtischblatt oder eine ganze Region mit einer möglichst hohen Zahl an nachgewiesenen Arten zu garnieren.
Ein Teilziel dabei war, überhaupt erst einmal aus JEDEM Kartenblatt ein paar Nachweise zu bekommen. Denn in einzelnen Randregionen waren immer noch weiße Flecken zu finden: die sogenannten „Meßtischblätter der Schande“. Heute war es dann endlich so weit, ein Mail von Josef Bücker im Postfach mit folgendem Text:

„ich mache mit meiner Frau gerade ein paar Tage Herbsturlaub in Rheine, Kreis Steinfurt. Heute habe ich die Gelegenheit genutzt, den letzten weißen Fleck auf der insectis-NRW-Karte einzufärben. Im Anhang findest Du 15 Arten, die ich auf unerem heutigen Rundgang fotographiert habe. Die meisten davon aus 3710,1 – einige auch aus 3710,2 – zumeist Mikros.“

Die Liste ist mittlerweile importiert, der Ehrgeiz war geweckt und durch ein wenig  Internet-Recherche konnten auch noch zwei weitere MTB-Kästchen aus dem Taunus und Westerwald eingefärbt werden. Jetzt sind es nur noch sechs MTBs ohne Daten, zwei im Wiehengebirge nördlich von Osnabrück und vier rund um den Rhein-Lahn-Kreis.Was nicht bedeutet, dass es dort keine Schmetterlinge gäbe – sie wurden nur noch nicht gemeldet oder die Daten nicht erfasst. Freiwillige vor!

Josef Bücker hat im übrigen in seinem Hagener Umfeld mittlerweile mehr als 1000 verschiedene Lepidopteren-Arten nachweisen können. Über seine Arbeit berichtet er in einem Vortrag am 15. November in Hagen, der sich auch im neuen Termin-Kalender der Arbeitsgemeinschaft findet.

Alle Verbreitungskarten findet Ihr wie immer unter www.schmetterlinge-nrw.de

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Buchbesprechung: RAINER ULRICH: Schmetterlinge – entdecken und verstehen

Buch Ulrich Schmetterlinge erkennenUnser langjähriges Vereinsmitglied Rainer Ulrich hat in Zusammenarbeit mit dem Kosmos-Verlag ein Buch herausgebracht, das sich unter dem Titel „Schmetterlinge ‒ entdecken und verstehen“ vor allem an den naturinteressierten Laien wendet. Es ist kein Bestimmungsbuch im üblichen Sinne, sondern eine Mischung aus den Grundlagen der Schmetterlingskunde, der Besprechung der Arten und den eigenen Erlebnissen des Autors bei der Ausübung seiner Leidenschaft, den Schmetterlingen.

Eingangs des Buches erfährt der Leser die wichtigsten Fakten über die
Schmetterlinge. Wie viele Arten gibt es bei uns? Wie teilen sie sich in die einzelnen Gruppierungen auf? Wie ist der Lebenszyklus des Schmetterlings? Sind doch die „herumfliegenden Falter” nur das letzte Glied in der Kette und, bis auf wenige Ausnahmen, auch der kurzlebigste Zustand einer Art. Also: Wer die Raupe nicht ehrt, ist des Schmetterlings nicht wert!

Weiterhin gibt der Autor einen Einblick in die wissenschaftliche Arbeit mit Schmetterlingen: Wie sind ihre Namen entstanden? Was bedeuten sie? Wie ist die Generationenfolge? und vieles mehr.

Der Abschnitt, der sich mit der Einteilung der Schmetterlinge in ihre Familien befasst, enthält eine Übersicht über die Tagfalter und die Widderchen. Einzelne Beispiele hierzu werden herausgegriffen und ausführlich besprochen.

Mit Vorschlägen, was der Einzelne für die Erhaltung der Vielfalt in der Schmetterlingswelt tun kann wird nicht gespart. So zeigt der Autor am eigenen Beispiel, was insbesondere Gartenbesitzer für Möglichkeiten haben, ihren Beitrag zum Fortbestand der Schmetterlinge zu leisten.

Innerhalb der einzelnen Abschnitte bringt der Autor immer wieder eigene Erlebnisse unter, die das Buch noch lesenswerter macht und uns vermittelt, wie hochinteressant die Arbeit mit den Schmetterlingen sein kann.

RAINER ULRICH:
Schmetterlinge – entdecken und verstehen
176 Seiten, 202 Fotos. Mit 20 spannenden und amüsanten Schmetterlings-Erlebnissen
Kosmos-Verlag, Stuttgart 2015
Preis: 16,99 €
ISBN 978-3-440-14529-6

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Neue Melanargia (28/3), Neuer Kalender

Melanargia 28 Heft 3 Titelbild

Rechtzeitig zum Start der NRW-Herbstferien steckt die neue „Melanargia“ in der Post. Verschollene Bürstenspinner in den atlantischen Heidemooren, in Nelken-Stängeln minierende Mikros, lange Artenlisten von Kleinschmetterlingen aus der Eifel, und die ungeheure Publikationsliste eines „Schreibtischtäters“: Der Schriftleiter hat mal wieder ganze Arbeit geleistet und ein interessantes Heft zusammengestellt. Viel Spaß beim Lesen!

Das Inhaltsverzeichnis
ROSENBAUER, F. & DIERKSCHNIEDER, U.: Aktuelle Vorkommen des Heidebürsten-Spinners Orgyia antiquoides (HÜBNER, 1822) in Nordrhein-Westfalen und
den angrenzenden Gebieten Niedersachsens (Lep., Lymantriidae) S. 85
HEIMBACH, H.-J. & SCHUMACHER, H.: Wiederfund der Palpenmotte Caryocolum cauligenella (SCHMID, 1863) in Rheinland-Pfalz (Lep., Gelechiidae) S. 89
SELIGER, R.: Nachträge zu: Kleinschmetterlinge (Microlepidoptera) der Nordeifel und angrenzender Gebiete unter besonderer Berücksichtigung des Kreises
Euskirchen. 6. Nachtrag, S. 96
JELINEK, K.-H.: Je schlechter die Augen, desto kleiner die Falter – eine Biografie über Willibald Schmitz mit Bibliografie S. 108
Veranstaltungen und Termine
29. Westdeutscher Entomologentag 19.-20. November 2016 S. 107
Buchbesprechung
ULRICH, R.: Schmetterlinge entdecken und verstehen (G. Swoboda) S. 116

Die Mitglieder erhalten das neue Heft mit der Post, der Bezugspreis ist im Vereinsbeitrag (z.Z. € 25.–; Schüler und Studenten € 15.–) enthalten.
Für Nicht-Mitglieder beträgt der Bezugspreis € 25.– pro Jahrgang, Bestellung richten Sie bitte an den Schriftleiter.

Alle Veröffentlichungen


Neuer Kalender – Mitmachen!
Niemand sitzt gerne in einem leeren Vortragssaal! Auf der Webseite des Vereins gibt es ab sofort eine Terminliste und einen Kalender mit den Schmetterlings-Terminen im Arbeitsgebiet. Die Liste füllt sich jedoch nicht von alleine: Bitte teilt uns Eure entomologischen Vorträge, Veranstaltungen, Exkursionstermine und auch Ankündigungen für Fernseh- und Rundfunkbeiträge mit, die dann entprechend eingetragen werden können.

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Faunistische Leckerbissen im herbstlichen Bergwald

In den letzten Tagen haben verschiedene Kollegen das Sauerland nach seltenen Arten abgesucht, Ziel waren vor allem verschiedene Bergahorn-Bestände mit Vorkommen von Nothocasis sertata (HÜBNER, [1817]) – Ahorn-Lappenspanner und Mesotype parallelolineata (RETZIUS, 1783) – Parallelbindiger Kräuterspanner. Hier eine kleine Zusammenstellung aus den verschiedenen Mails, manch einer bekommt vielleicht Lust selbst noch ein paar Datensätze beizusteuern.

Nothocasis sertata (HÜBNER, [1817]) - Ahorn-Lappenspanner. Niedersfeld, 8. September 2016 (Foto: Dierter Robrecht)

Nothocasis sertata (HÜBNER, [1817]) – Ahorn-Lappenspanner. Niedersfeld, 8. September 2016 (Foto: Dieter Robrecht)

Mesotype parallelolineata (RETZIUS, 1783) - Parallelbindiger Kräuterspanner, Niedersfeld, 8. September 2016 (Foto: Dieter Robrecht)

Mesotype parallelolineata (RETZIUS, 1783) – Parallelbindiger Kräuterspanner, Niedersfeld, 8. September 2016 (Foto: Dieter Robrecht)

Frank Rosenbauer schreibt zu den Biotopansprüchen von  Nothocasis sertata: „Insgesamt also eine in NRW sehr wenig beobachtete Art, was auf die speziellen Biotopansprüche (frisch-schattige Schluchtwälder in mittleren Höhenlagen (der von Lehmann bei Arnsberg beschriebene Biotop ist somit ein wenig außergewöhnlich), in höheren Lagen auch sonnigere Hanglagen mit autochthonen Vorkommen des Berg-Ahorn) die nur sehr lokal erfüllt werden, sowie der späten Flugzeit zurückzuführen ist.

Bei „normalem Wetter“ kühlen diese Biotop im Herbst meist so rasch aus, dass man auch mal nur mit einer pronuba und einer pyramidea auf der Liste nach Hause fahren muss

In anderen Gebieten geht die Art auch ins Flachland wenn kühle autochthone Berg-Ahorn-Vorkommen vorhanden sind, wie zum Beispiel in Schleswig-Holstein oder in Brandenburg.  […]
sertata war mit natürlichen Berg-Ahorn-Schluchtwälder im gesamten höheren Sauerland weit verbreitet. Da diese Biotope jedoch in der Masse leider Fichtenforsten weichen mussten, ist sie heute dort wohl nur noch lokal und außerhalb von Naturschutzgebieten wohl stark gefährdet.“

So richtig selten ist Nothocasis sertata in entsprechenden Biotopen aber nicht, die Kollegen berichten von bis zu 30 Faltern an einem warmen Abend, hinzu kommen Einzeltiere von M. parallelolineata und Larentia clavaria (Haworth, 1809).

In den Niederlanden ist Nothocasis sertata erstmals im Herbst 2014 in der Nähe von Maastricht in der Provinz Zuid-Limburg  nachgewiesen worden. In Belgien ist bei waarnemingen.be ebenfalls ein einzelner aktueller Fundort von sertata aufgeführt, so dass vielleicht in enstprechenden Waldbeständen der Eifel noch Chancen auf einen Neufund bestehen. Die Flugzeit von N. sertata erstreckt sich nach FORSTER & WOHLFAHRT (1981) von Ende August bis Mitte November, nach den wenigen vorliegenden Daten für Westfalen vom 05. September bis 5. Oktober.

Die Raupenzeit wird in der Literatur von Mai bis Juni angegeben. OSTHELDER (1929) schreibt: „Raupe an Acer pseudo-platanus, sobald die Blätter frisch entwickelt sind, in große Blattquirle eingesponnen, die leicht kenntlich sind.“


Literaturlink:
LEHMANN, I. (1985) Entomologische Notizen aus Westfalen 4: Nothocasis sertata (HÜBNER, 1817) in Westfalen (Lepidoptera, Geometridae), – Natur und Heimat 45: 135-139

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Exkursion in die „Westfälische Wüste“

Die Herbst-Exkursion der Arbeitsgemeinschaft in die Senne fand Anfang September 2016 bei besten äußeren Bedingungen statt. In spätsommerlicher Hitze am Tag und warmen Nächten kamen alle Teilnehmer auf ihre Kosten.

Die Senne in Südwestfalen ist mit knapp 250 Quadratkilometern Ausdehnung  das größte zusammenhängende Heidegebiet in Nordrhein-Westfalen. Die mageren Sandböden in Verbindung mit der Nutzung als Truppenübungsplatz haben hier ein Biotopspektrum erhalten, das an die nährstoffarmen und an Rohboden reichen Zeiten erinnert, die in den meisten mitteleuropäischen Landschaften schon viele Jahrzehnte zurückliegen. Das einzigartige Artenspektrum dieser Lebensräume lockte denn auch ein kleines, aber entschlossenes  Trüppchen von Mitgliedern an, das unter kundiger Führung von Dieter Robrecht  verschiedene Heideflächen rund um das „NSG Moosheide“ südlich von Stukenbrock und den Westhang des Teutoburger Waldes bei Oerlinghausen erkundete.

Dieter Robrecht im Einsatz: Käscherfang in der trockenen Heide (Foto: Armin Dahl)

Dieter Robrecht im Einsatz: Käscherfang in der trockenen Heide (Foto: Armin Dahl)

Catoptria lythargyrella (HÜBNER, [1796])

Catoptria lythargyrella (HÜBNER, [1796]), Stukenbrock-Senne, 2. September 2016 (Foto: Dieter Robrecht)

Später Nachweis: Synanthedon vespifomis noch am 2. und 3. September 2016 (Foto: Armin Dahl)

Später Nachweis: Synanthedon vespifomis noch am 2. und 3. September 2016 (Foto: Armin Dahl)

Hövelhof, NSG Moosheide, 2. September 2016 (Foto: Dieter Robrecht)

Lichtfang-Standort im Kiefern-Birkenwald: Hövelhof, NSG Moosheide, 2. September 2016 (Foto: Dieter Robrecht)

Bereits die erste kurze Nachmittagsexkursion in eine kleine Sandheide-Fläche in der Nähe von Stukenbrock-Senne förderte zwei hochgradig spezialisierte Arten zu Tage, die in der Roten Liste für den Naturraum Westfälische Bucht als „vom Aussterben bedroht“ geführt werden.

Xylena solidaginis (HÜBNER, [1800-1803]) - Rollflügel-Holzeule, Hövelhof, 2. September 2016

Xylena solidaginis (HÜBNER, [1800-1803]) – Rollflügel-Holzeule, Hövelhof, 2. September 2016 (Foto: Armin Dahl)

Xestia castanea (ESPER, 1798) - Ginsterheiden-Bodeneule 2. September 2016 (Foto: Dieter Robrecht)

Xestia castanea (ESPER, 1798) – Ginsterheiden-Bodeneule 2. September 2016 (Foto: Dieter Robrecht)

Perfektionisten: Heinz Schumacher und Dieter Robrecht beim ablichten von "Mikros". 3. September 2016 (Foto: Armin Dahl)

Perfektionisten bei der Arbeit: Heinz Schumacher und Dieter Robrecht beim ablichten von „Mikros“. 3. September 2016 (Foto: Armin Dahl)

Am Rande des "Teuto": Sandgrube Oerlinghausen, 3. September 2016 (Foto: Armin Dahl)

Am Rande des „Teuto“: von der Sandgrube Oerlinghausen geht der Blick weit übers Paderborner Land, 3. September 2016 (Foto: Armin Dahl)

Pempelia palumbella, Oerlinghausen, Sandgrube Hasler, 3. September 2016 am Licht (Foto: Huberts Trilling)

Pempelia palumbella ([DENIS & SCHIFFERMÜLLER], 1775), Oerlinghausen, Sandgrube Hasler, 3. September 2016 am Licht (Foto: Hubertus Trilling)

 Agrotis vestigialis (HUFNAGEL, 1766) , Oerlinghausen, 3. September 2016, Foto: Armin Dahl

Agrotis vestigialis (HUFNAGEL, 1766) , Oerlinghausen, 3. September 2016, Foto: Armin Dahl

Catoptria lythargyrella (HÜBNER, [1796]) lebt nach PÄHLER & DUDLER (2010) „Vereinzelt, manchmal nicht selten auf Sandmager- und Sandtrockenrasen, in grasigen Heiden….. Nur an dürftigen, schütter bewachsenen Xerotherm-Standorten. In der Senne an eng begrenzten Standorten…….“ Die Falter sind leicht mit den dunklen Formen von Crambus perlella – Weißer Graszünsler zu verwechseln, so dass Falter per Foto schwer bestimmt werden können.

Die seltene Rostbinde Hipparchia semele (LINNAEUS, 1758) ist wie C. lythargyrella auf die wenigen noch vorhandenen trocken-sandigen Heidegebiete zurückgedrängt worden, auch diese Art lebt als Raupe an Gräsern. Das Abkäschern der blühenden Besenheide förderte zudem einige Raupen des Heidekrauteulchens Anarta myrtilli (LINNAEUS, 1761) zu Tage.

Eine kleine Überraschung brachte der spätere Nachmittag: In einer Pheromonfalle fing sich ein Männchen des Wespen-Glasflüglers Synanthedon vespiformis (LINNAEUS, 1761), jahreszeitlich weit außerhalb der Hauptflugzeit der Art im Juli.

Der eigentliche Höhepunkt des ersten Exkursionstages aber war der Lichtfang am Abend: Mit der geballten Power von sechs Leuchtanlagen offenbarten sich faunistische Schätze wie Rollflügel-Holzeule Xylena solidaginis (HÜBNER, [1800-1803]) und Ginsterheiden-Bodeneule Xestia castanea (ESPER, 1798). Die letztere war mit geschätzten 80! Faltern an Licht, Köderschnüren und vor allem an den Heideblüten geradezu massenhaft unterwegs. Dazu hier mal der Original-Kommentar von Frank Rosenbauer, der schon viele Nächte mit der Taschenlampe auf Truppenübungsplätzen unterwegs war:
„Die Häufigkeit der am Freitag an den Heideblüten gefundenen Faltern hing natürlich sehr eng mit dem schwülwarmen Wetter zusammen, was die Falter zur hohen Aktivität stimulierte. Da haben wir einfach Glück gehabt. In kühlen Nächten sieht man wesentlich weniger Individuen an den Blüten sitzen. Die mit Abstand beste und erfolgreichste Methode zum quantitativen Nachweis der Heidefalter (die in der Regel allesamt schlechte Lichtflieger sind und Aufgrund der konkurrierenden blühenden Heide wenig an den Rotweinköder gehen) ist das nächtliche Abkeschern der Calluna-Bestände im April und Mai, am besten bei leichtem Sprühregen bzw. hoher Luftfeuchtigkeit. Bei kühler Trockenheit kommen viele Raupen nicht hoch zum Fressen. Ähnliches gilt vermutlich für solidaginis an Heidelbeere.

Der Samstag-Vormittag war – auch Nachtfalter-Freaks müssen mal ausschlafen – der Erholung und Nachbereitung gewidmet, hier bestand ausgiebig Gelegenheit zum Fachsimpeln, und der eine oder andere Falter bekam noch einen Termin beim Fotografen.

Das Nachmittag- und Abendprogramm bestand aus Vorexkursion und Lichtfang in die Sandgrube Hasler in Oerlinghausen am Aufstieg zum Kamm des Teutoburger Waldes. An dieser auch geologisch interessanten Stelle kommen Kalk im Untergrund und Sand als dicke Auflage zusammen, in der Betriebsfläche stoßen trockene Besenheide-Flächen und Sandmagerrasen aufeinander und bilden einen für Insekten wie Entomologen höchst interessanten Lebensraum.

Geleuchtet wurde bis Mitternacht, nach zögerlichem Start hatten die Falter dann doch noch ein Einsehen mit den standfesten Exkursionsteilnehmern.

Und so standen am Ende doch mehr als 50 Großschmetterlingsarten auf den verschiedenen Listen, darunter wiederum Xestia castanea, die seltene Chi-Eule Antitype chi (LINNAEUS, 1758) und die in der Senne häufige Kiefernsaateule Agrotis vestigialis (HUFNAGEL, 1766). Hinzu kamen ein paar interessante „Mikros“ wie die an Heidekraut und Thymian lebende Pempelia palumbella ([DENIS & SCHIFFERMÜLLER], 1775).

Das Timing stimmte, am Sonntag vormittag setzte der in Ostwestfalen lange erwartete Regen ein, und die Rheinländer schwammen über die Autobahn nach Hause.  Das Fazit einer dreitägigen Kurzexkursion fiel bei allen Beteiligten positiv aus: Die Organisation durch die Westfalen klappte wie am Schnürchen, die „Westfälische Wüste“ hatte einen Teil ihrer Schätze offenbart, und so kommen wir in den nächsten Jahren gerne wieder vorbei!


Literatur: Pähler R. & H. Dudler (210): Die Schmetterlingsfauna von Ostwestfalen-Lippe und angrenzender Gebiete in Nordhessen und Südniedersachsen. Band 1, 608 S., 793 Farbfotos, 208 Verbreitungskarten

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Athetmia ambusta – Birnbaum-Eule in Wiesbaden

Atethmia ambusta ([DENIS & SCHIFFERMÜLLER], 1775) - Birnbaumeule. Wiesbaden, 26. August 2016 am Licht (Foto: Elias Barnickel)

Atethmia ambusta ([DENIS & SCHIFFERMÜLLER], 1775) – Birnbaumeule. Wiesbaden, 26. August 2016 am Licht (Foto: Elias Barnickel)

Die Birnbaum-Eule Atethmia ambusta ([DENIS & SCHIFFERMÜLLER], 1775) ist mit Sicherheit eine der seltensten Großschmetterlingsarten des Arbeitsgebiets. Und daß ausgerechnet einem „Newcomer“ ein Nachweis gelingt, der sich erst seit vergleichsweise kurzer Zeit intensiv mit Schmetterlingen beschäftigt, kann als gutes Omen für die weitere Karriere gelten. Jedenfalls ist der aktuelle Fund mitten im Stadtgebiet von Wiesbaden der bisher nördlichste in den Daten der Arbeitsgemeinschaft. Und Motivation für alle die auch in der „Normallandschaft“ und sogar in den Städten Licht- oder Köderfang betreiben.
Der Fundort der seltenen Birnbaumeule ist nicht gerade ein Spitzenbiotop, ein relativ schmaler Grasstreifen zwischen Mietshäusern und einem Sportplatz in Rheinnähe. Direkt an der Leuchtstelle gibt es keinen Birnbaum, der ja die einzige bekannte Futterpflanze der ambusta-Raupe in Deutschland darstellt. Aber natürlich ist der Rheingau insgesamt eine Wärmeinsel, und vielleicht hat die thermophile Birnbaumeule ja in den Städten ein Refugium gefunden.

Die beste Methode zur Nachsuche nach ambusta soll übrigens nach Angabe des pfälzischen Experten Ernst Blum das „Raupen kratzen unter Birnen“ Ende April – Anfang Mai sein. „Dabei kratzt man heruntergefallenes, altes Laub an der Stammbasis des Birnbaumes mittels eines kleinen Rechens oder einem ähnlichen Werkzeug zur Seite und findet dort die ambusta-Raupen. Gelegentlich sitzen sie auch in den unteren Rindenritzen des Stammes. „

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Pieris mannii in rascher Ausbreitung

Liebe Kollegen,
momentan sieht es so aus als würde der Norden des Arbeitsgebiets von einer Pieris-mannii-Welle überrollt: Es häufen sich die Funde von Faltern mit entsprechenden Merkmalen (siehe Pieris mannii im Lepiforum), Eiablagen an Schleifenblumen und auch – wichtigstes Bestimmungsmerkmal – L1-Raupen mit schwarzem Kopf.

Um die offensichtliche Ausbreitung sauber zu dokumentieren hier die Bitte:

  • Alle verdächtigen Falter-Beobachtungen notieren und wenn möglich gute Fotos oder Belege anfertigen!
  • die entsprechenden Pflanzen (Schleifenblumen, Rucola etc.) auf Befallsspuren, Eier und Raupen untersuchen, die Entwicklung der Sommergenerationen geht rasant vonstatten!
  • entsprechende Funde melden, soweit noch nicht geschehen: entweder über die üblichen Internet-Plattformen (lepiforum, naturgucker u.a.) oder hier über das Kontaktformular: In einer der nächste Melanargia-Hefte soll dann zusammenfassend berichtet werden.

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