Jungfernkinder in der Eifel

Zeitgleich mit dem Laubaustrieb bei Birke und Pappel fliegen die ersten tagaktiven Geometriden.

Die einheimischen Jungfernkinder lassen sich nur schwer beobachten. Es sei denn man hat den Dreh heraus – dann gelingen auch Beobachtungen „seltener“ Arten.
Als es am zweiten Aprilwochenende erstmals über 20 Grad warm wurde, habe ich bei einer Fahrradtour in der Eifel zufälligerweise einen für mich neuen, offenbar lohnenden Beobachtungsort gefunden: Wildfutterstellen im Wald, mit ihrem von Hirschgülle gesättigtem Schlamm rund um die Futtertröge.
An drei verschiedenen Stellen, in einem Umkreis von 1,5 km in zwei benachbarten TK-Quadranten, konnte ich das Mittlere Jungfernkind Boudinotiana notha (HÜBNER, [1800-1803]) beobachten, erkennbar an den gekämmten Fühlern der Männchen; an einer der Stellen flog an schlammigen Pfützen auf Waldwegen auch die andere in NRW vorkommende Art, das Birken-Jungfernkind Archiearis parthenias (LINNAEUS, 1761).

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Angesichts dieser einfachen Funde von B. notha trotz ROTE-LISTE-Status 0 im Naturraum Eifel schrieb Armin Dahl spontan, dass diese Art wohl unterkartiert sein müsste.
Und: Mag es sein, dass die Wildfutterstellen im Sommer vielleicht auch ein guter Beobachtungort für Schillerfalter sind? – Ich werde nachschauen!


[Anmerkung A. Dahl: Der letzte bekannte Eifel-Nachweis in unseren Daten stammt von PÜNGELER, 1937: „Umgebung Aachen n. selt.“ und aus dem Brohltal bei Niederzissen, vgl. dazu STAMM 1981: 157]

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Stellenausschreibung des BfN (Bonn) – Themenbereich Vogelschutz / Insektenrückgang

Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) sucht für die Dienststelle in Bonn-Bad Godesberg zum nächstmöglichen Zeitpunkt befristet für die Dauer von 3 Jahren (WissZeitVG)

eine/n wissenschaftliche/n Mitarbeiter/in
Vollzeit/Teilzeit
Kennziffer 182

für das Fachgebiet “II 1.1 – Zoologischer Artenschutz“.

Bewerbungsschluss ist der 25.04.2018

Weitere Informationen: https://www.bfn.de/stellen/stelle-182.html

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Zeit für’s Klopfen an Schlehenblüten und Weidenkätzchen

Pasiphila chloerata, Raupe an Schlehe. Düsseldorf, 17. April 2015 (Foto: Ludger Wirooks)

Pasiphila chloerata, Raupe an Schlehe. Düsseldorf, 17. April 2015 (Foto: Ludger Wirooks)

Pasiphila chloerata, Raupe an Schlehe. Düsseldorf, 17. April 2015 (Foto: Ludger Wirooks)

Der frühe Vogel fängt den Wurm – und nur der frühe Lepidopterologe kann Pasiphila chloerata (MABILLE, 1870) – Schlehen-Blütenspanner nachweisen – und so manch anderes!
Letzte Woche habe ich im Rahmen meiner Düsseldorfer Klimafolgemonitoringkartierung nicht nur Lichtfänge gemacht, sondern jeweils zuvor auch ein bischen „Raupenklopfen“,  und das wieder sehr erfolgreich. Beklopft wurden von mir Schlehen, die so gerade anfingen zu blühen, sowie blühende männliche Grauweiden.
Das Ganze hat pro Termin nicht länger als zwei Stunden gedauert und vor Ort noch nicht so ganz viele Raupen erbracht (außer Campaea margaritata, Opisthograptis luteolata sowie  zwei schon recht große L1 Raupen von Allophyes oxyacanthae von Schlehe).

Aber der Clou ist, dass man das Klopfsubstrat mitnehmen und aufbewahren sollte! So fand ich in den in verschiedenen Dosen aufbewahrten Schlehenblütenblättern und –knospen teilweise sogar nach fünf Tagen plötzlich an der Dosenwand oder beim Wühlen im Substrat erwachsene Raupen von P. chloerata.

Und bei den geklopften Weidenkätzchen tauchten nach mehreren Tagen beim Durchschütteln auf einmal dutzendweise kleine Raupen von Xanthia togata und Agrochola circellaris auf sowie auf einmal auch zwei ausgewachsene Eupithecia tenuiata. Die letztere Art finden man am ehesten, wenn man die Kätzchen vom Baum klopft während man die Eulen auch noch häufig dabei hat, wenn man die abgefallenen Kätzchen vom Boden saufammelt.
Pasiphila chloerata gilt zwar allgemein als selten, wäre es aber vielleicht gar nicht mehr, wenn mehr Leute gezielt nach der Raupe suchen würden. Den Falter hatte ich zwar auch einmal am Licht, aber die Flugzeit soll sehr kurz sein, weshalb man die Art mit dieser Methodie wohl nur selten einmal zufällig nachweisen kann.

Die Raupen sind ähnlich variabel wie die ihrer etwas später erst als Raupe auftauchenden Schwesterart P. rectangulata, von der sie sich nicht nur durch die anderer Erscheinungszeit, sondern auch durch das dicklichere Aussehen unterscheiden.  Aber Vorsicht: manche Formen haben eine gewisse Ähnlichkeit mit Operophtera brumata, die jedoch einen größeren Kopf hat, der auch normal nicht so gelblichbraun gefärbt ist wie der von P. chloerata.

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Neuer Bericht zum Klimafolgemonitoring der Stadt Düsseldorf Online

Auch im Jahr 2017 wurde wieder die Tag-und Nachtfalterfauna von zwei Untersuchungsgebieten in Düsseldorf untersucht: dem zur Niederrheinischen Bucht gehörigen UG Eller Forst und im UG Golfplatz Hubbelrath im Bergischen Land. Dabei konnten im neunten Untersuchungsjahr immerhin noch fünf bzw. sechs sechs Arten für das jeweilige Gebiet neu nachgewiesen werden. Dadurch stieg die Gesamtartenzahl im UG Hubbelrath auf 318 Arten (298 Nacht- und 20 Tagfalter), im UG Eller Forst auf 331 Arten (307 Nacht- und 24 Tagfalter). Dies zeigt sehr deutlich, dass man auch in eigentlich recht intensiv erforschten Gebieten nach mehreren Jahren  immer noch neue Arten nachweisen kann!

Auch die große Bedeutung der Suche von Präimaginalstadien wird bei der Betrachtung der Ergebnisse wieder deutlich, denn selbst der als Falter ja durchaus auch zum Licht fliegende Weißfleck-Rindenspanner Parectropis similaria wurde bei seinem Erstfund im UG Hubbelrath als Raupe registriert und nicht als Falter! Diese Art gehört übrigens zu den vielen Arealerweiterern in NRW, wo diese Art in vielen Regionen vor 20 – 30 Jahren noch nicht zu finden war.

Wissenschaftlich abgesicherte Klimaeffekte lassen sich aus dem in den Untersuchungsgebieten gewonnenen spärlichen Datenmaterial der letzten neun Jahre naturgemäß nicht unmittelbar ableiten, doch gab es nach dem besonders warmen März immerhin deutliche Anzeichen für entsprechend veränderte Phänologien. Nachdem bei den Pflanzen der Blattaustrieb infolge des warmen Frühlings besonders früh stattgefunden hatte, verwundert es z. B. nicht, dass im UG Hubbelrath schon am 10. April Eier des Zitronenfalters gefunden wurden nebst vielen Raupen von Spezies, die man früher erst Ende April zu finden hoffen konnte.

Eine Auswertung der vorliegenden faunistischen Schmetterlingsliteratur zeigte zudem, dass es auch 2017 wieder eine Reihe von höchstwahrscheinlich klimabedingten Arealerweiterungen in NRW zu vermelden gab. Hier seien in erster Linie der Erstfund für NRW von Stegania cararia erwähnt sowie die weitere Arealerweiterung der 2000 erstmals in NRW gefundenen Idaea rusticata und die aktuellen Nachweise der kulturfolgenden Idaea laevigata.

Der neue Gesamtbericht zum Klimafolgemonitoring der Stadt Düsseldorf, der neben den Schmetterlingen ja auch noch weitere Tiergruppen, Pflanzen und Flechten beinhaltet, kann hier eingesehen und als pdf heruntergeladen werden: http://www.ulfschmitz.de/Projekte.htm

viele Grüße,
Ludger Wirooks

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Schmetterlingssuche bei frostigen Temperaturen: Höhlenspanner und -Eulen

Der lange andauernde Winter stellt die Geduld der Feldentomologen auf eine harte Probe. Doch es gibt bei jedem Wetter etwas zu tun. Derzeit lohnt sich ein Blick in die Überwinterungsquartiere.

Äußerst spannend war es für mich, im kalten Winter in Höhlen nach Schmetterlingen zu suchen, die an den Wänden sitzen und auf diese Weise den Winter überdauern.
Ein verlassener Stollen in Altenbeken (Kreis Paderborn), der sich in der Nähe der Eisenbahngleise befindet, war mein erstes Ziel. Dieser Stollen ist jedoch nicht frei zugänglich, Stollenein- und -ausgang sind mit einer Bretterwand fest verschlossen. Lediglich ein kleines Einflugloch ermöglicht es Fledermäusen und Schmetterlingen in den Höhlenbereich zu gelangen.

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Während einer gemeinsamen Erkundung mit Fledermausexperten, die die Höhle im Rahmen eines Monitorings nach Fledermäusen regelmäßig besichtigen, wurde ich am 27. Januar 2013 fündig. An den Wänden saßen sieben Falter vom Olivbraunen Höhlenspanner Triphosa dubitata (LINNAEUS, 1758) sowie einige Falter der Zimteule Scoliopteryx libatrix (LINNAEUS, 1758). Die Höhle wird von einigen Fledermausarten besiedelt, ein vorsichtiges Ableuchten der Wände mit der Taschenlampe war deshalb selbstverständlich, um die Tiere nicht zu stören.

In einer kleinen Höhle in Marsberg-Beringhausen (Hochsauerlandkreis), die ich am 16. Februar 2013 beging, zählte ich 37 T. dubitata sowie  neun S. libatrix.
Die Falter fand ich überwiegend im schwach hellen bis dunklen Bereich. Sie sind leicht zu finden, denn sie sitzen mit ausgebreiteten Flügeln an den Steinen.
Sobald die Weidenkätzchen blühen, verlassen die Höhlenspanner ihre Winterquartiere. Wer Höhlen/Stollen kennt und ebenfalls Lust verspürt, sich auf diese spannende Faltersuche zu begeben, sollte deshalb nicht allzu lange warten.

Das Sommerprogramm der Arbeitsgemeinschaft ist übrigens schon jetzt prall gefüllt mit Exkursionen zu den unterschiedlichsten Zielen, alle Termine finden sich wie gewohnt auf der  Terminliste.

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Wintersport Teil III: Suche nach Kardenwickler-Raupen

Die Kleinschmetterlinge oder „Mikros“ sind generell unterkartiert, obwohl sich viele Arten sehr leicht finden und auch bestimmen lassen. Die zu den Wicklern (Tortricidae) zählende Endothenia gentianaeana (HÜBNER, [1799]) lebt in den Blütenköpfen der Karde (Dipsacus fullonum), im Winter findet man die Raupen leicht in den trockenen Blütenständen.

Die Wilde Karde (Dipsacus fullonum) ist an den Ruderalstandortn der Region im Winter nicht zu übersehen. Die trockenen mannshohen Blütenstände mit dem stacheligen Stengel und dem hübschen Blütenstand sind dekorativ und landen oft auch mal in Trockensträußen und Weihnachtsdekoration.
Packt man einmal herzhaft in die gefährlich aussehende Blütendolde, zeigt diese sich überraschend weich und läßt sich mit den Fingern leicht auseinanderreißen. Der Blütenboden ist eine hohle Kammer, die mit faserigem Mark ausgekleidet ist. Aber nur wenn sich nicht eine Raupe als Untermieter darin einquartiert hat! Denn dann hat dieser bleiche „Wurm“, der aussieht wie eine Fliegenmade mit dunklem Kopf, den Blütenboden mit Kotbällchen und Gespinst angefüllt.

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Plötzlich ans Licht gezerrt versucht die Raupe meist sich in den Stengel zurückzuziehen, und es schaut nur noch der Kopf heraus. Dann heißt es zur exakten Artbestimmung auch noch den Stengel aufreißen: Zwei sehr ähnliche Arten leben in der Karde, neben der bereits erwähnten Endothenia gentianaeana findet man auch auch E. marginana, die im Unterschied zur abgebildeten Art am Hinterende eine schwarze Genitalplatte trägt.

Beide Arten dürften bei entsprechender Suche in den niedrigeren Lagen des Arbeitsgebiets nachzuweisen sein. Ob die Februar-Raupen schon ausgewachsen sind, das Freilegen unbeschadet überstanden haben und sich noch erfolgreich zum Falter entwickeln, das werden wir dann im Frühjahr sehen.

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Ulmen-Zipfelfalter – im Winter deutlich leichter zu kartieren als im Sommer

Der Ulmen-Zipfelfalter Satyrium w-album (KNOCH, 1782) lässt sich als Imago nur schwer gezielt nachweisen, da sich die Falter überwiegend im Kronenbereich von Bäumen aufhalten. Mitunter werden aus diesem Grund vor allem kleine, individuenarme Populationen übersehen. Es ist somit davon auszugehen, dass die Art in unserem Arbeitsgebiet deutlich weiter und flächendeckender verbreitet ist, als die bisherigen Meldungen erahnen lassen. Möglicherweise wird sogar aufgrund der wenigen vorhandenen Daten die Gefährdungssituation des Ulmen-Zipfelfalters völlig falsch eingeschätzt. So gilt die Art nach den aktuellen Roten Listen in RLP als stark gefährdet und in NRW sogar als vom Aussterben bedroht.

Ein Ei des Ulmen-Zipfelfalters, welches sich an einer Endknospe der Berg-Ulme Ulmus glabra HUDS. befindet. – Klotten, Februar 2017, Foto: Daniel Müller


Um ein genaueres Bild über die derzeitige Bestandssituation des Falters zu bekommen, sollte der Nachweis dieser wahrscheinlich gar nicht so seltenen Art vermehrt im Winter über die Suche nach den Eiern erfolgen. Die größte anfängliche Schwierigkeit besteht meist darin, eine blühfähige Ulme in der kalten Jahreszeit als solche zu identifizieren. Am einfachsten lässt sich dieses Problem lösen, indem man sich bereits im Sommer die Standorte von Ulmen notiert und diese dann im Winter aufsucht. Die Umgebung, in der sich das Wirtsgehölz befindet, scheint im Übrigen für den Falter von geringer Bedeutung zu sein. So kann die Art mitunter auch innerhalb von Städten nachgewiesen werden.
Das für Zipfelfalter ungewöhnlich abgeflachte Ei, welches dunkelgrau gefärbt ist und einen auffälligen weißen Saum besitzt, lässt sich dagegen recht einfach finden. In der Regel werden die Eier von den Weibchen einzeln an die Basis der Endknospe eines Haupt- oder Seitentriebs abgelegt. Seltener dienen jedoch auch die kleineren Seitenknospen oder zuweilen sogar die Blütenknospen als Eiablageort. Mitunter kann ein beachtlicher Teil der Eier parasitiert sein. Diese erscheinen dann in der Grundfarbe eher bräunlich und weisen an der Seite ein kleines Loch auf. Befindet sich jedoch ein größeres, zentral gelegenes Loch im Ei, so kann davon ausgegangen werden, dass aus diesem bereits die Raupe geschlüpft ist.

Parasitiertes Ei des Ulmen-Zipfelfalters an einer Seitenknospe der Berg-Ulme. Gut zu erkennen ist das kleine, seitlich gelegene Ausschlupfloch des Parasiten. – Niederfell, Januar 2018, Foto: Daniel Müller

Vielleicht kann sich nun der eine oder andere für die winterliche Suche nach den Eiern des Ulmen-Zipfelfalters begeistern, sodass wir in einigen Jahren mehr über die aktuelle Verbreitung und Häufigkeit dieser Art wissen.

Literatur
HERMANN, G. (2007):Tagfalter suchen im Winter: Zipfelfalter, Schillerfalter und Eisvögel. Searching for Butterflies in Winter: Hairstreaks, Purple Emperors, Poplar Admiral & White Admirals. – 224 S.; Norderstedt (Books on Demand GmbH).

SETTELE, J., STEINER, R., REINHARDT, R., FELDMANN, R. & HERMANN, G. (2009): Schmetterlinge: Die Tagfalter Deutschlands. 2. Auflage. – 256 S.; Stuttgart (Ulmer).

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Schwarze Löcher, weiße Kugeln: Winterliche Eiersuche nach Thecla betulae

Der Nierenfleck-Zipfelfalter Thecla betulae (LINNAEUS, 1758) ist als Ei viel leichter denn als Falter nachzuweisen. Das können etliche Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft aus eigener Erfahrung bestätigen, auch wenn in der Vereinsdatenbank den „schwarzen Löchern“ nicht anzusehen ist, ob sich hinter den Einträgen von Eierfunde oder aber Faltersichtungen verbergen.

Thecla betulae: „Schwarze Löcher“ auf den Nachweiskarten der Vereinsdatenbank zeigen den aktuellen Kenntnisstand.

Was jedoch bereits in der Färbung der Quadranten erkennbar ist, sind die bevorzugten „Suchgebiete“, die – durchaus nicht zufällig – um die Wohnorte einiger Suchender gruppiert sind. Und wenn man mit dem Cursor online über die Verbreitungskarte fährt, fällt auch auf, wie viele Funde gerade in 2016 und 2017 hinzugekommen sind. Und mit den Dateneinspeisungen für 2018 wird es wieder viele „Farbwechsel“ geben, das steht jetzt schon fest!

Denn mindestens drei Vereinsmitglieder sind nachgerade süchtig nach der Eiersuche und haben teils ihre Ehefrauen bzw. – männer auch infiziert. Wobei sie das Glück haben, dass im direkten Umfeld – wie bei uns sogar im eigenen Garten, jahrzehntelang unbemerkt?! – Thecla betulae vorkommt.

 

Ei von Thecla betulae. (Foto: Hubertus Trilling)

Das Ei von Thecla betulae sieht aus wie ein winziges Seeigel-Innenskelett. Hat man sich erst einmal „eingesehen“, sind die Eier plötzlich fast überall zu finden. (Foto: Hubertus Trilling)

Dabei ist die Eiersuche keineswegs aufwendig. Wenn man ohnehin Ausflüge und Wanderungen unternimmt, man dabei an einem Schlehengebüsch vorbeikommt, dauert die eigentliche Suche oft nur ein paar Minuten. Für den Nachweis reicht das, aber man kann dann natürlich weitersuchen und findet oft noch mehr. Manchmal ist sogar ersichtlich, wo ein Weibchen entlanggeflogen und wo es abgebogen ist. Die Eier sind wirklich leicht zu finden und bescheren schöne Erfolgserlebnisse.

Irgendwann wird man dann die Wanderungen gezielter planen und zuvor, wenn man die Gegend nicht so gut kennt, auf Satellitenkarten nach kleinräumig strukturierten Offenlandgebieten mit vielen Hecken oder auch Waldrändern Ausschau halten. Und ein Schelm, wer Böses dabei denkt, wenn man dabei auch noch im Blick hat, in welchem Meßtischblatt-Quadranten die Gegend liegt … .

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Im Rhein-Sieg-Kreis etwa, wo Thecla betulae auf der Roten Liste von 2011 in Kategorie 3 eingestuft ist, konnten mein Mann Hajo und ich bisher an fast jeder größeren Schlehenhecke die schönen weißen Eier nachweisen. Hauptsächlich, aber nicht nur, wurden die Funde an Schlehenhecken und Gebüschen sonnig-warmer Standorte gemacht, auch wenn die Eier selbst dann oft im Halbschatten waren. Die Fundorte sind meist ganz unspektakulär, zum Beispiel fanden wir die Eier häufig einfach an Wegrändern, an „Straßenbegleitgrün“ von Kreis- bis Schnellstraße, an der gebüschreichen Umzäunung von Sendemasten, Klärwerken oder Wasserbehältern, an Bahndämmen, sogar innerhalb von Dörfern und Städten.
Wie das auch in der Literatur beschrieben wird, werden die Eier meist einzeln, teils auch paarweise oder selten zu dritt abgelegt. Junge, noch nicht deutlich von Flechten bewachsene Zweige von Prunus spinosa werden auch nach unserer Erfahrung bevorzugt. Wir schauen von etwa Kniehöhe so hoch, wie es bequem möglich ist. Bei bedecktem Himmel sieht man sie leichter als bei Sonnenschein – und die Belegfotos werden besser. Häufig sind die jungen Ausläufer von am Rand immer wieder geschnittenen Gebüschen besonders beliebt, nicht so sehr alte vergreiste Bereiche der Gebüsche. Die Eier finden wir meist in den Astgabeln kleiner Nebenzweige oder Dornen, ausnahmsweise auch einfach am Zweig selbst. Es lohnt sich übrigens, auch an Pflaumen- oder Zwetschgenbäumen (Prunus domestica) nachzuschauen, wenn man die Äste erreichen kann – ein paar der Funde haben wir an Pflaumen gemacht.

Wie weit drei der Suchenden mit dieser Methode schon gekommen sind, ist immer aktuell der Verbreitungskarte von Thecla betulae in naturgucker zu entnehmen, vgl. https://naturgucker.de. Denn Michael Benteler, Hubertus Trilling und ich notieren unsere Funde stets zeitnah und komplett dort. So haben wir in den ersten beiden Monaten 2017 allein in Nordrhein-Westfalen insgesamt über 80 Thecla-betulae-Eier gefunden, und seit September bis Jahresende 2017 sogar 120. Viele davon liegen in „neuen“ Quadranten.

Übrigens stehen in naturgucker den bisher für NRW in 2017 gemeldeten insgesamt, wenn ich richtig gezählt habe, 224 Eiern nur 8 Faltersichtungen gegenüber. Man kann die Falter durchaus entdecken – doch braucht es dazu Geduld und Zeit, wobei vor allem letztere während der Sommermonate lieber in andere Beobachtungen investiert wird.
Und es gibt es immer wieder einmal interessante „Beifänge“. Relativ häufig findet man die ebenfalls weißen, aber anders geformten Eier des Milchweißen Bindenspanners Plemyria rubiginata (DENIS & SCHIFFERMÜLLER, 1775). Nach der kleinen Fundstatistik von meinem Mann und mir seit Januar 2016 kam bei uns ungefähr ein Ei von Plemyria rubiginata auf fünf Eier von Thecla betulae. Die Weißdorn-Eule Allophyes oxyacanthae (LINNAEUS, 1758) ist als Falter nicht selten am Licht oder Köder, Eier haben wir allerdings bisher nur 4 im Arbeitsgebiet gefunden. Und wenn man schon unterwegs ist, kann man natürlich auch nach den Ausfluglöchern des Hornissen-Glasflüglers Sesia apiformis (CLERCK, 1759) in Pappeln schauen, die bei uns ebenfalls leicht zu finden sind.

Absolut begeisternd finde ich jedoch die wirklich seltenen Überraschungen. Dazu zähle ich die Eier des Pflaumen-Zipfelfalters Satyrium pruni (LINNAEUS, 1758), die sowohl vom Michael Benteler als auch von meinem Mann und mir 2017 gefunden wurden, insgesamt vier Stück. Zudem wollte hier im Rhein-Sieg-Kreis augenscheinlich eine Raupe des Eichenspinners Lasiocampa quercus (LINNAEUS, 1758), in unserer Region Rote Liste 2, auf einem Schlehenzweig überwintern. Wollte man die Schlehen ausschließlich nach diesen Arten absuchen, wäre das ein ziemlich frustrierendes Unterfangen. Doch soviel Glück wie Hubertus Trilling, der in seiner Gegend auch Eier von Satyrium spini (DENIS & SCHIFFERMÜLLER, 1775) an Kreuzdorn gefunden hat, kann nicht jeder haben – schließlich ist der Kreuzdorn-Zipfelfalter nur sehr lokal verbreitet.

Wir sind gespannt, wie viele Nachweise von Thecla betulae in dieser winterlichen Suchsaison noch zusammenkommen, schließlich ist sie noch lang – und es spornt durchaus an zu sehen, wie aktiv die anderen sind und was sie gefunden haben. Wir werden dann zu gegebener Zeit darüber berichten.

Wobei das wissenschaftliche Interesse an den Nachweisen sehr schöne Nebenwirkungen hat – es motiviert, auch bei schlechtem Wetter rauszugehen, fördert die Gesundheit, dient dem bessern Kennenlernen der näheren und weiteren Wohnumgebung, regt an, neue Wanderwege auszuprobieren, und hilft, den Blick für die Gebüsche am Wegesrand zu schärfen. Kenntnis von schönen Schlehenbeständen ist schließlich auch für andere lepidopterologische Zwecke nützlich – wenn man etwa im Frühjahr in eher älteren Gebüschen nach Theria primaria (HAWORTH, 1809) oder Theria rupicapraria (DENIS & SCHIFFERMÜLLER, 1775) Ausschau halten will. Also nichts wie raus!

Buch- und sonstige Empfehlungen:
HERMANN, G. (2007): Tagfalter suchen im Winter – Searching for Butterflies in Winter. – 224 Seiten, Norderstedt (Books on Demand GmbH)

http://www.schmetterling-raupe.de
Hinweise zur winterlichen Suche nach Eiern

http://www.orchids.de/haynold/tkq/KoordinatenErmittler.php
Karten oder Satellitenbilder mit zuschaltbarer MTB-Einteilung

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