Acleris umbrana (HÜBNER, 1799) – Wiederfund für NRW und Erstfund für das Bergische Land

Der Wickler Acleris umbrana (HÜBNER, 1799) gilt nach der Roten Liste für Nordrhein-Westfalen als ausgestorben. In der Literatur waren nur Funde für das Weserbergland aus der Zeit vor 1930 vermerkt. Am 7. April 2019 flog nun ein Exemplar in Eitorf, im Naturraum Bergisches Land, ans Licht.

Acleris umbrana

Acleris umbrana, Eitorf-Alzenbach, 7. April 2019 (Foto: Brigitte Schmälter)

Bei einem Leuchtabend auf einer wechselfeuchten Maculinea-Wiese, zwischen fast verblühten Salweiden auf der einen und einer alten Schlehenhecke auf der anderen Seite, fand sich dieser Wickler als erster und eine Weile lang einziger Falter ein.

Die Fundstelle ist ein passendes Habitat. Im Internet werden als Futterpflanzen der Raupen Prunus-Arten, insbesondere P. spinosa, also Schlehe, zudem Weißdorn, Salweide und andere Laubgehölze genannt. Auch in der historischen Literatur wird Salweide angegeben. Die Falter schlüpfen schon im Sommer (Juli/August), gehen dann bald in ein Winterversteck, so dass sie im Frühjahr noch recht frisch wieder aktiv werden können.

Im Arbeitsgebiet der Rheinisch-Westfälischen Lepidopterologen ist die Art in den letzten Jahren nur wenige Male – ausschließlich in Rheinland-Pfalz – gefunden worden. Publiziert wurden in der Zeitschrift Melanargia drei Funde:
– 14.03.2017, Leutesdorf/Mittelrhein
– 26.06.2017, Erpel/Mittelrhein und
– 02.07.2018, Pommern/Mosel.

Ein weiterer Fund vom 26.06.2017 stammt ebenfalls vom Mittelrhein (Bad Breisig, Fotobeleg und det. Armin Hendrichs, conf. Schumacher). Der fünfte Meßtischblattquadrant, der in unserer Datenbank besetzt ist, verweist auf Funde bei Schloßböckelheim von 2011 und 2009. Aus Observation.org kommt ein Fund weiter moselaufwärts bei Leiwen von 2015 hinzu. In der öffentlichen Datenbank naturgucker.de wird ein weiter entfernter Fund vom 4. März 2019 aus Bruchmühlbach, Landkreis Kaiserslautern, genannt.

In der Roten Liste NRW (Schumacher et al. 2011) wird Acleris umbrana als ausgestorben für NRW genannt. Die letzten Nachweisen beziehen sich auf das Weserbergland von vor 1930 (UFFELN 1930). In den anderen Großlandschaften in NRW galt die Art als nicht vorkommend.

Wiederfundort von Aceris umbrana im MTB 5210,2 / Eitorf.
Quelle: www.schmetterlinge-nrw.de

 

Der Fund hvom 7. April 2019 in Eitorf dürfte damit der erste belegte Fund seit mindestens 90 Jahren in NRW und der erste überhaupt im Bergischen Land sein.

Auch aus den übrigen Bundesländern, soweit rasch verfügbare Daten einen Überblick erlauben, wird Acleris umbrana selten gemeldet. Besetzte Meßtisch-Blatt-Quadranten:

  • in Rheinland-Pfalz abgesicherte Funde in sieben Quadranten (s.o.),
  • in Hessen mindestens einer bei Groß-Gerau südwestlich von Frankfurt (s.

Datenbank Schmetterlinge AG Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen)

  • in Baden-Württemberg 11, davon einer 1996 und zehn seit der Jahrtausendwende
  • Für das kleine Saarland immerhin 9 Quadranten mit 10 Fundstellen, inklusive solcher auf der Landesgrenze zu Rheinland-Pfalz und zu Frankreich, die jeweils auch dort liegen könnten, und alle seit 2006.
  • Die im Aufbau begriffene Seite zu den Schmetterlingen Deutschlands zeigt derzeit aus Bayern nur Altfunde von vor 1900 in 5 Meßtischblättern. Allerdings wurde im Lepiforum ein Fund in München aus 2017 bekannt gemacht.

Jenseits der Bundesgrenzen sieht es nicht besser aus. Egal, ob man Waarneming.nl für die Niederlande (fünf Funde aus 2018) oder Observation.org für Belgien konsultiert, die online abrufbaren Ergebnisse sind überschaubar. Auch in Großbritannien wird die Art als „rare and local“ bezeichnet, wenngleich es in den letzten Jahren einige Funde aus dem Südwesten (Cornwall, South Devon, Sommerset) gegeben hat.

Da stellt sich die Frage, ob die vermehrten Funde aus jüngerer Zeit für einen – temporären? – Anstieg der Population sprechen oder aber – was ich persönlich eher glaube – der zunehmenden Kartieraktivität im Hinblick auf Mikrolepidoptera zuzuschreiben sind.

Literatur

  • Schumacher, H. (2018): Bemerkenswerte Falterfunde und Beobachtungen aus dem Arbeitsgebiet der Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen e. V., 30. Zusammenstellung – Melanargia, 30 (1): 7-31, Leverkusen, Seite 24
  • Schumacher, H. (2019): Bemerkenswerte Falterfunde und Beobachtungen aus dem Arbeitsgebiet der Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen e. V., 31. Zusammenstellung – Melanargia, 31 (1): 10-35, Leverkusen, Seite 29
  • Schumacher, H. (unter Mitarbeit von Vorbrüggen, W., Retzlaff, H. & Seliger, R.) (2012): Rote Liste und Artenverzeichnis der Schmetterlinge – Lepidoptera – in Nordrhein-Westfalen. 4. Fassung, Stand Juli 2010. – in: Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): Rote Liste der gefährdeten Pflanzen, Pilze und Tiere in Nordrhein-Westfalen, 4. Fassung. Bd. 2 – Tiere. – LANUV-Fachber., 36: 239-332, Recklinghausen. 317 (>> Rote Liste der Wickler in NRW)

Historische Literatur, auf die dankenswerterweise Heinz Schumacher hinwies:

  • Bei UFFELN  (1930) „Die sogenannten „Kleinschmetterlinge“ (Microlepidopteren) Westfalens“ ist zu lesen: „Bei Wbg. (Asseln, Iberg) vereinzelt im Herbst und Frühjahr nach der Überwinterung.“ (Wbg. = Warburg)
    Dies belegt einzelne Funde vor 1930 im Weserbergland im heutigen Nordrhein-Westfalen.
  • RÖSSLER, A. (1866) „Verzeichniß der Schmetterlinge des Herzogthums Nassau, mit besonderer Berücksichtigung der biologischen Verhältnisse und der Entwicklungsgeschichte. “erwähnt: „mehrmals in Saalweidenbüschen…. “ bei Wiesbaden. Dies belegt Funde vor 1866 in Hessen.
  • Stollwerck, F. (1863): Die Lepidopteren-Fauna der Preussischen Rheinlande“
    schreibt: „Trier ziemlich selten … im September auf Erlen…“
    Dies belegt Funde vor 1863 (1853) im heutigen Rheinland-Pfalz.

Internetquellen

 

 

 

 

Bilder: Mein Foto mit der dorsalen Ansicht und die Karte von schmetterlinge-de.de

 

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Biotop-Pflegeeinsatz in Schloßböckelheim im April 2019

Die von der Arbeitsgemeinschaft seit nunmehr fast 20 Jahren gepflegten Grundstücke am Felsenberg in Schloßböckelheim an der Nahe zählen entomologisch zu den bedeutendsten und artenreichsten Lebensräumen Deutschlands. Sollen die hier vorkommenden bundesweit stark gefährdeten Arten erhalten bleiben, so ist dies nur möglich, wenn regelmäßig der drohenden Verbuschung der Biotope durch Mahd entgegengewirkt wird.

Abb. 1: Blick von der oberen auf die untere Pflegefläche (rechts unten) und das Nahetal bei Schloßböckelheim (15.10.2011) Foto: H. Schumacher

Ursprünglich war der Termin auf den 13. April angesetzt. Wetterbedingt musste der Einsatz dann aber kurzfristig verschoben werden. Brigitte und Hajo Schmälter, die schon frühzeitig in Schloßböckelheim ein Zimmer gebucht hatten, reisten trotzdem an und leisteten schon gute Vorarbeit.

Bei sonnigem Wetter und gefühlten 30 Grad trafen sich dann am Ostersamstag, 20. April, organisiert von Heinz Schumacher, 13 „Landschaftspfleger“, ausgestattet mit Freischneidegeräten, Astscheren und dicken Handschuhen in Schloßböckelheim, um den Schlehenjungwuchs – Wurzelaustriebe seit der letzten Pflegemaßnahme – wieder zu beseitigen. Die Mahd nach Austrieb der Schlehen im Frühjahr hat sich als besonders effektiv erwiesen, da sie die Pflanze nachhaltig schädigt und so ein Wiederaustrieb verzögert wird. Im Gegensatz zu diesem Frühjahrsschnitt wirkt der Herbst- und Winterschnitt auf die Gehölze wie ein Verjüngungsschnitt. Die Pflanzen reagieren darauf im kommenden Frühjahr mit verstärktem Wachstum.
Bei unserem Biotoppflegeeinsatz kamen Freischneider zum Einsatz. Oftmals ist aber auch mühsame Handarbeit erforderlich, um Schlehenschösslinge zu entfernen und dabei die zu erhaltenen Pflanzen, z.B. den Echten Haarstrang (Peucedanum officinale), die Futterpflanze der europaweit geschützten Haarstrangeule (Gortyna borelii), zu erhalten.
Weitere Zielarten unserer Pflegearbeiten sind neben der Haarstrangeule u. a. die Hofdame (Arctia aulica), das Felshalden-Flechtenbärchen (Setina roscida) und der Steppenheiden-Würfeldickkopffalter (Pyrgus carthami).

Abb. 2: Kaffeepause im Schatten des Felsenahorns: Schloßböckelheim, Felsenberg, 20.04.2019. Von links nach rechts: Rudi Seliger, Martine Goerigk, Petra Seliger, Fabian Fritzer, Oliver Eller, Volker Gayk (hinten), Hajo Heimbach, Thomas Geyer, Daniel Müller, Dorothea Schäfer, Hilde Schmitt, Armin Dahl, Uwe Eisenberg. Foto: Heinz Schumacher.

Dank unserer Arbeiten sind die gepflegten Flächen in einem relativ guten Zustand. Schaut man dagegen vom Felsenberg auf die gegenüber liegenden, inzwischen weitgehend verbuschten Hänge rund um das Naturschutzgebiet Nahegau, so kann man erahnen, wie unsere Pflegeflächen ohne unsere Arbeit aussehen würden.
Gelegenheit, die wunderschöne Landschaft zu genießen, interessante Gespräche zu führen und zahlreichen Segelfaltern zuzuschauen, hatten die Teilnehmer während der Kaffeepause im Schatten eines Felsen-Ahorns. Neben Martine Goerigk hatte, wie immer, Elisabeth Schumacher für Kaffee und selbstgebackenen Kuchen gesorgt.

Nicht hoch genug kann die Arbeit eines jeden Einzelnen, der Einsatz für Natur- und Artenschutz, gewürdigt werden, insbesondere, wenn man die weiten Anfahrtswege der meisten Teilnehmer berücksichtigt. Nur 3 Helfer kamen aus der näheren Umgebung.
Zwar bestehen Kontakte zum NABU Bad Kreuznach, zum NABU Bad Sobernheim und auch zur Gemeinde Schloßböckelheim, dennoch ist die Resonanz auf unsere Aufrufe zur Mitarbeit in der Regel sehr bescheiden. Offensichtlich haben diese Organisationen die Bedeutung der von uns gepflegten Flächen noch nicht verinnerlicht.
Wünschenswert wäre eine stärkere Unterstützung durch Kräfte vor Ort.

Ziegenbeweidung wird zwar immer wieder ins Gespräch gebracht, kann aber vermutlich für die recht kleinen Pflegeflächen keine Lösung sein. Neben der geringen Flächengröße sind die schwierigen Geländeverhältnisse und die Forderung nach Schonung der Haarstrangbestände begrenzende Faktoren.
Denkbar ist eine Beweidung nur bei Einbeziehung größerer angrenzender Flächen.
In Gesprächen mit allen Beteiligten und Fachkräften, mit Verbänden und Behörden wird hier nach einer Lösung gesucht werden müssen.

Text: Heinz Schumacher und Hermann-Josef Heimbach

 

 

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Gute Presse alleine reicht nicht!

Liebe Mitglieder und Freunde der Arbeitsgemeinschaft,

das  Insektensterben ist in aller Munde, Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten haben ungeahnte Sympathiewerte – bei der Umsetzung  von Maßnahmen gegen Artenschwund, Lebensraumzerstörung und Ignoranz ist dagegen noch reichlich Handlungsspielraum, vor allem in der Politik.

Heute habe ich erfahren, dass es eine Petition im Bundestag gibt, bei der jeder einzelne von uns einen Beitrag gegen das Insektensterben leisten kann:

https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2019/_03/_20/Petition_92382.nc.html

Diese Petition habe ich soeben mitgezeichnet und ich möchte Euch/Ihnen hiermit die Möglichkeit geben (und darum bitten), dies auch zu tun. Bis 1. Mai 2019 müssen 50.000 Menschen unterzeichnet haben. Gegenwärtig fehlen noch etwa 20.000 Unterschriften.

Man muss sich für diese Petition beim Deutschen Bundestag registrieren. Bitte nicht davon abschrecken lassen, geht einfach und schnell!

Mit besten Grüßen!

Armin Dahl

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Sechs Jahre Insectis Online – www.schmetterlinge-nrw.de

Im Vorfeld der Mitgliederversammlung hier auf die Schnelle mal ein paar Zahlen zu unserer „Landesdatenbank“

Die folgende Übersichtsgrafik zeigt den Bearbeitungsstand: Zum Start des online-Auftritts  im Fühjahr 2013 hatten wir ganze zwölf Meßtischblätter mit mehr als 600 nachgewiesenen Arten. Aktuell sind es über 60 „schwarze“ MTBs.


Die Datendichte hat also erheblich zugenommen, zählbar sind dabei die Exportierten Datensätze, diese haben sich in etwa vervierfacht, auf aktuell etwas mehr als 600.000

Das Ganze setzt sich zusammen aus bereits erfassten Sammlungsdaten (vor allem aus dem Löbbecke-Museum), Angaben aus der Literatur, und einem zunehmenden Strom an aktuellen Beobachtungen. Mein Eindruck ist, daß die Arbeitsgemeinschaft durch die online-Präsentation der Daten an Attraktivität gewonnen hat. Meßbar ist das unter anderem in einer stabilen Mitgliederzahl, wovon andere Vereine nur träumen können.

Dabei genügt die Darstellung der Fundkarten, wie wir sie unter www.schmetterlinge-nrw.de erstellen, modernen Ansprüchen nicht mehr! Die Technik, mit der diese Seiten erstellt werden, ist schon weit über zehn Jahre alt, hier werden wir hoffentlich bald nachbessern können. Für die zukünftige Darstellung ist das Projekt „Schmetterlinge Deutschlands“ eine von verschiedenen möglichen Vorlagen, anzuschauen z.B. unter www.schmetterlinge-d.de/.

Noch zwei Dinge zum Thema Internet: Beiträge von dieser Webseite können abonniert werden, d.h. bei Erscheinen eines neuen Textes bekommen die Abonnenten automatisch eine E-Mail mit einem Link af den neuen Text. Wer das will kann im Menü oben rechts enfach seine Mailadresse hinterlassen. Das Internet dient dazu sich zu vernetzen und Inhalte miteinander zu teilen. Auch die Arbeitsgemeinschaft hat deshalb eine eigene Facebook-Seite eingerichtet, die auch schon regen Zulauf bekommt.

Ganz analog liegt die nächste Ausgabe der „Melanargia“ in den kommenden Tagen in Euren Briefkästen, Schriftleiter Günter Swoboda hat in bewährter Manier das Heft 1 im 31. Jahrgang zusammengestellt. Das Hitzejahr 2018 hat Spuren in der Fauna hinterlassen, wobei man nicht weiß, ob man sich über zahlreiche Ausreißer bei den Flugzeiten wirklich freuen soll: Klimawandel und auch das Insektensterben sind in aller Munde. Trotzdem viel Spaß beim Lesen!

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Schütteln und Wühlen: Raupensuche an Weidenkätzchen

Die Wärme um die Monatswende Februar/März ließ in Aachen schon ein paar Salweiden erblühen. Auch die an Salweide lebenden Raupen sind  jetzt schon aktiv!

Da eine von mir betreute Bachelor-Studentin dieses Jahr ohnehin u.a. Kätzchen sammeln sollte, haben wir am 7. und 13. März , jeweils kurz nach den heftigen Stürmen, die Gunst der Stunde genutzt, und von zwei männlichen Salweidenbäumen an der Uni  Aachen die vom Sturm herabgewehten männlichen Kätzchen gesammelt.

Und siehe da: nach ein paar Tagen wurden die ersten Raupen gefunden! Sowohl Eupithecia tenuiata als auch Agrocholoa circellaris und auch die sonst seltener gefundene Xanthia icteritia waren schon dabei – teilweise nicht leicht zu entdecken bzw. erst nach heftigem Wühlen und Schütteln. Gerade vorhin (17.3.) habe ich in den so langsam gammelnden Kätzchen vom 7.3. neben so einigen A. circellaris noch zwei schon verpuppungsbereite E. tenuiata Raupen gefunden, von denen zwei Tage zuvor noch nichts zu sehen war trotz Schütteln und Wühlen!

Eine am 14.3. in den zuvor gesammelten Weidenkätzchenproben gefundene ausgewachsene Raupe von Eupithecia tenuiata. (Foto: L. Wirooks)


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Wickler-Arten in Zweigen und Stämmen der Lärche

Meine Raupensuche nach Cydia millenniana (ADAMCZEWSKI, 1967) war bislang stets ein Misserfolg. Lag es an der falschen Herangehensweise? Denn bisher hatte ich in Ostwestfalen-Lippe die Zweige älterer Lärchen abgesucht. Mitte Februar 2019 suchte ich gezielt in jüngeren Lärchenbeständen (Larix decidua) nach den Raupen zweier Wickler-Arten – mit vorläufigem Erfolg!
Junge Lärchen hatte ich in den letzten Jahren vergeblich gesucht, bis ich 2018 auf einer Wanderung auf dem Hermannsweg in Detmold-Hiddesen in 330 m NHN zufällig einen natürlichen Lärchenaufwuchs sah.

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Im Lepiforum zeigt Friedmar Graf Fotos von einem jungen Lärchenaufwuchs in Sachsen in 325 m NHN, in dem er die Raupen finden konnte.
Die Raupen leben zweijährig in jungen Zweigen. An der Stelle der Raupenwohnung tritt Harz hervor, der sich zu kleinen Klumpen formt und so die Anwesenheit der Raupe verrät. Ich fand diese Harzklumpen, an denen nur wenige Kotbällchen klebten, in Astgabeln etwa 40 bis 60 cm von der Zweigspitze entfernt. Die Raupe lebt in einem dicht ausgesponnenen Fraßgang.
Rudolf Bryner weist im Lepiforum darauf hin, dass die Art selten zum Licht kommt. Obwohl ich am o.g. Fundort im letzten Jahr vom 31.05. bis zum 4.7. 2018 viermal geleuchtet hatte, flog kein Falter zum Licht. Der Artnachweis scheint durch eine gezielte Raupensuche deshalb eher zu gelingen.

Hans Retzlaff und Rudi Seliger stellen im Jahr 2002 in der MELANARGIA, 14 (4): 123-125, die Frage, ob der Lärchengallenwickler C. millenniana eine in Deutschland seltene oder nur übersehene Art sei. Am 30.4.2001 gelang nämlich Rudi Seliger bei Zwergen im Diemeltal der Erstnachweis für Hessen. Durch gezielte Nachsuche im Jahr 2002 fanden sie sodann im nordhessischen Diemeltalbereich nur zwei einjährige Raupen und mehrere alte Harzgallen. Weitere Funde in Nordrhein-Westfalen aus Höxter, Ottbergen und Oerlinghausen kamen hinzu. In den Jahren 2004 und 2005 wurden durch Hans Retzlaff Gallen- und Raupenfunde in Stukenbrock, Trendelburg und Willebadessen gemeldet (MELANARGIA, 20 (1): 23.). Rudi Seliger fand 2015 eine Raupe im NP Eifel (MELANARGIA, 28 (1): 24).

Am 17.02.2019 fand Hubertus Trilling an einer älteren Lärche in Hessen, Volkmarsen-Hörle, NSG Iberg, 235 m, nur eine einzige Raupenwohnung an einem unteren Zweig. Es ist sicher so, dass die Raupen bis in die Baumkronen minieren und man diese Stellen dann schlecht sehen kann. Da die unteren Zweige älterer Lärchen i.d.R. stark verholzt sind, kann das vielleicht auch ein Grund dafür sein, dass an solchen unteren Ästen die Art seltener gefunden wird. Zumindest ist das ein Erklärungsversuch, warum in aufwachsendem Lärchenbestand mit seinen frischen Zweigen die Suche effektiver zu sein scheint. Eine Nachfrage bei den Forstämtern, wo ggf. Lärchen gefällt wurden, würde die Gallen- bzw. Raupensuche in den Baumkronen erleichtern und zur Klärung solcher Fragen beitragen.

Ebenfalls an Lärche kommen zwei weitere Wickler-Arten vor, die allerdings in der Rinde leben: Cydia zebeana und Cydia grunertiana. Ein Bohrmehlauswurf im Bereich der Äste verrät die Anwesenheit der Raupen dieser Arten.

C. grunertiana wurde von Josef Bücker am 03.04.2017 erstmals für unser Arbeitsgebiet nachgewiesen, Josef schreibt im Lepiforum u.a. dazu: „An vielen etwas älteren Lärchen fand ich unter zumeist abgestorbenen Ästen Bohrmehlauswurf mit Harztropfen- insgesamt etwa 50 Befunde. Zahlreiche davon waren "besetzt"“. Heinz Schumacher und Josef Bücker fanden sodann in Anzahl weitere Puppen zwischen dem 03. und 24.04.2017. (MELANARGIA, 30 (1): 26). Armin Dahl meldet ebenfalls für 2017 einen Fund (InsectIS-online).

An o.g. Stelle in Hiddesen fand ich mehrere Harz- und Kotklumpen an jungen Lärchen (ca. 15 cm dick) unter einem lebenden (!) Ast in etwa einem Meter Höhe.

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Um welche Art es sich bei meinen Funden handelt, bleibt bis zum Falterschlupf abzuwarten. Bis Anfang April werde ich weitere Bäume absuchen und mit dem Heraussägen der Fraßstelle(n) warten, um einen Zuchterfolg nicht zu gefährden.

Micro-Tagung Oktober in Willebadessen

Mehr über Kleinschmetterlinge, Treffen mit Experten, gemeinsame Exkursion etc. gibt es beim Treffen der Micro-Lepidopterologen vom 11.- 13.10.2019 in Ostwestfalen.

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Aktuelle Ergebnisse des Klimafolgenmonitorings der Stadt Düsseldorf im Rekordsommer 2018

Die Tag- und Nachtfalterfauna wurde auch im Jahr 2018 wieder in zwei Gebieten in Düsseldorf untersucht: im zur Niederrheinischen Bucht gehörigen Eller Forst und auf dem Golfplatz Hubbelrath im Bergischen Land.
Dabei konnten im Eller Forst sieben, in Hubbelrath acht neue Schmetterlingsarten nachgewiesen werden. Den interessantesten Neufund stellte dabei der Flussauen-Waldrebenspanner Horsime radicaria dar, von dem im Sommer eine Raupe in Hubbelrath nachgewiesen wurde (näheres dazu in der Melanargia XXXI Heft 1). Diese Art breitet sich seit einigen Jahren nordwärts aus und war zuletzt bis Köln gekommen, so dass der Neufund in Düsseldorf also den bisher nördlichsten bekannte Fundort in NRW markiert. Ebenfalls erwähnenswert ist der Erstfund des Südlichen Zwergspanners Idaea rusticata im Eller Forst, der allerdings zu erwarten war nachdem die Art im Zuge ihrer nordwärts gerichteten Ausbreitung in den letzten Jahren Düsseldorf erreicht hatte.

Die Raupe dieses am 25.7.2018 geschlüpften Flussauen-Waldrebenspanners (= Horisme radicaria) war am 29.6.2018 in Düsseldorf-Hubbelrath geklopft worden. Diese wärmeliebende Art war aus dem Süden kommend bisher bis Köln vorgedrungen und hat seit spätestens 2017 nun auch Düsseldorf erreicht. (Foto: L. Wirooks)

Unter den jeweiligen Neufunden waren auch einigen Arten, die offenbar von dem trockenwarmen Rekordsommer profitiert haben und allgemein in weitaus größeren Individuenzahlen auftauchten als in normalen Jahren. Es stellt sich dabei wohl die Frage, ob der normalerweise nur sehr sporadisch und selten nachgewiesene Große Eichenkarmin Catocala sponsa im Eller Forst womöglich schon immer bodenständig war und in den Vorjahren nur unter der Nachweisschwelle lag und ob sein Nachweis auf dem Golfplatz in Hubbelrath überhaupt als dauerhafte Besiedlung angesehen werden kann oder dort nur einen vergeblichen Kolonisationsversuch darstellt. Als solchen kann man auf dem Golfplatz auch das erstmalige Auftauchen der xerothermophilen Bleichen Graseule Mythimna pallens deuten, von der neben Faltern zwar auch eine Raupe gefunden wurde, bei der es aber dennoch fraglich ist, ob die Art dort wirklich langfristig bodenständig werden kann. Auch die Tatsache, dass der vornehmlich im Flachland siedelnde und aus dem Süden stammende Arealerweiterer Dreifleck-Pappelspanner Stegania trimaculata zum ersten Mal auch in Hubbelrath, also etwas höher gelegen, auftauchte könnte eine Folge der Klimaerwärmung und/oder des warmen Sommers sein.

Nähere Informationen können dem Gesamtbericht des Klimafolgenmonitorings der Stadt Düsseldorf 2018 entnommen werden, welcher sich hier herunterladen läßt:
www.ulfschmitz.de/Projekte.htm

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Anmerkungen zum Artenkomplex Ephestia parasitella / unicolorella / woodiella

In der Vereinsdatenbank der Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen und entsprechend auch in der Online-Karte (http://nrw.schmetterlinge-bw.de) waren aus diesem Artenkomplex bis vor kurzem Angaben zu allen drei Arten zu finden. Gemeint war allerdings nur eine Art, Ephestia woodiella RICHARDS & THOMSON, 1932.

Früher wurde E. woodiella als Unterart unicolorella von Ephestia parasitella Staudinger, 1859 geführt. Als dann E. unicolorella als eigene, neue Art beschrieben und auch akzeptiert wurde, wurden Funde des Falters als Ephestia unicolorella ssp. woodiella RICHARDS & THOMSON, 1932 gemeldet.

Inzwischen wird auch Ephestia woodiella RICHARDS & THOMSON, 1932 als eigene Art geführt.

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Nach derzeitigem Kenntnistand ist Ephestia unicolorella STAUDINGER, 1881  nur aus der Türkei und Syrien bekannt, und kommt nicht in Europa vor. Ephestia parasitella STAUDINGER, 1859 ist auf das Mittelmeergebiet beschränkt. Einzig Ephestia woodiella RICHARDS & THOMSON, 1932 kommt in Mitteleuropa und auch in unserem Arbeitsgebiet vor.

Da sich also ältere Meldungen von Ephestia parasitella und von Ephestia unicolorella allesamt auf Ephestia woodiella beziehen, haben wir in der Vereinsdatenbank diese Daten adäquat dem derzeitigen Kenntnisstand zu Ephestia woodiella verschoben.

Entsprechend diesen Entwicklungen bitten wir alle Datenlieferanten, Meldungen/Beobachtungen in Zukunft nicht mehr als Ephestia parasitella oder unicolorella, sondern als Ephestia woodiella zu schicken. Benutzer der Datenbank InsectIS müssen dazu allerdings den neuesten Hauptkatalog verwenden, da in älteren Hauptkatalogen diese Art noch nicht enthalten ist. (Fragen hierzu gerne an Heinz Schumacher oder Armin Dahl).

Ephestia woodiella ist nach äußeren Merkmalen nicht von Ephestia elutella (Hübner, 1796) zu unterscheiden. Zur sicheren Unterscheidung ist ein Genitalpräparat erforderlich.
Aus unserem Arbeitsgebiet liegen für E. woodiella zahlreiche Fundmeldungen vor. Diese Meldungen stammen im Wesentlichen aus den Wärmegebieten des Rheinlandes (einschließlich Mosel und Nahe) und des Niederrheinischen Tieflandes (s. Karte, Stand 02.01.2019). Von Ephestia elutella liegen dagegen nur relativ wenige aktuelle Funde vor.
E. elutella, mit deutschem Namen auch Kakao- oder Speichermotte genannt, ist ein Nahrungsmittel-Schädling, der nach unseren Beobachtungen im Gegensatz zu E. woodiella nur selten im Freiland beobachtet wird.
Da nicht alle Meldungen überprüft wurden bzw. überprüfbar sind, gehen wir davon aus, dass in Zukunft in Bezug auf diese beiden Arten noch die eine oder andere Korrektur erfolgen wird.

Abb.: Nachweise von Ephestia woodiella im Arbeitsgebiet der Arbeitsgemeinschaft Rhein.-Westf. Lepidopterologen – Stand: 02.01.2019

Literatur:

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