Biotop-Pflegemaßnahmen für den Hecken-Wollafter Eriogaster catax, (LINNAEUS, 1758) bei Mayen (Lep., Lasiocampidae)

In Rheinland-Pfalz galt der Hecken-Wollafter lange Zeit als landesweit verschollen, bis im Jahr 1985 ein zuvor unbekanntes Vorkommen bei Idar-Oberstein entdeckt wurde. Im Rahmen einer Bestandsaufnahme der Tagfalter auf ökologischen Ausgleichsflächen im Auftrag des LBM Cochem-Koblenz wurde 2018 völlig überraschend ein weiteres Vorkommen im Großraum Mayen entdeckt (MÜLLER 2018).

Der Hecken-Wollafter (Eriogaster catax, Linnaeus, 1758) ist deutschlandweit vom Aussterben bedroht und wird als besonders zu schützende Art auch in den Anhängen II und IV der FFH-Richtlinie der EU aufgeführt. Inzwischen wurden Biotop-Pflegemaßnahmen zum Schutz des Hecken-Wollafters am Standort bei Mayen eingeleitet. Mit Vertretern des Landesbetriebs Mobilität Rheinland-Pfalz (LBM Cochem-Koblenz), Frau Valerius und Herrn Ebke, tagte am 18.12.2018 eine Expertenrunde auf Einladung von Dr. Axel Schmidt (Struktur- und Genehmigungsdirektion SGD-Nord), um den Kenntnisstand zur Biologie und Ökologie der Art als Grundlage von Pflegemaßnahmen zu erörtern.

Man kam überein, dass Pflegemaßnahmen auf die Erhaltung des momentanen Zustandes gerichtet sein sollen, um den zu erwartenden negativen Veränderungen in Folge natürlicher Sukzession  entgegenzuwirken. Es gilt dabei im Besonderen zunehmende Beschattung sonnig stehender Schlehen durch das Entfernen größerer Gehölze zu verhindern. Dort wo sie keine Schlehen beschatten, sollten höherwüchsige Gehölze verbleiben, bzw. nur bei Überhandnehmen reduziert werden, da sie zur strukturellen Vielfalt des Standortes beitragen, das Mikroklima günstig beeinflussen (z.B. durch Windschutz),  und ihr Schatten mit luftfeuchtem Mikroklima möglicherweise von ausgewachsenen Raupen zur Verpuppung aufgesucht werden. Bei einer daran anschließenden ersten Besichtigung des Mayener Standorts konnten quasi „nebenbei“ 26 Eigelege des Hecken-Wollafters gefunden werden.

Mit dem LBM Cochem-Koblenz wurde vereinbart, dass Pflegemaßnahmen in besonders sensiblen Bereichen ausschließlich von, bzw. unter Aufsicht von Fachleuten im Ehrenamt mit Fahrtkostenerstattung durchgeführt werden sollen. Maßnahmen in weniger sensiblen Bereichen sollen ausgeschrieben und von einer geeigneten Firma durchgeführt werden.

Zu einer ersten Pflegeaktion trafen sich am 14.09.2019 fünf Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Rheinisch Westfälischer Lepidopterologen (Volker Gayk, Thomas  Geier, Hermann Josef Heimbach, Daniel Müller und Heinz Schumacher) sowie (zeitweilig) Frau Andrea Valerius vom LBM Cochem-Koblenz. Eine Genehmigung zum Gehölzschnitt außerhalb der dafür zulässigen Zeit war zuvor bei der SDG Nord eingeholt worden.

Folgende Maßnahmen wurden durchgeführt: Auf einer Teilfläche, wo im Frühjahr zahlreiche Raupenkolonien gefunden worden waren, wurden Pflanzen entfernt, welche die dort vorhandenen Schlehen z.T. bereits beschatteten, darunter mehrere über mannshohe Feldahorn-Bäume, zahlreiche Sämlinge von Eschen, Eichen und Feldahorn, sowie Sträucher von Rosen, Hartriegel, Brombeeren, Besenginster u.a.

An einer Stelle, auf der im Frühjahr keine Raupenkolonien gefunden worden waren, wurden drei mehr als 5 m hohe Feldahorn-Bäume sowie die dazwischen wachsenden Rosen, Brombeeren und Pfaffenhütchen gerodet, um einen nördlich daran anschließenden, stark beschatteten Schlehen-Bestand freizustellen.

Ein Bereich, in dem bis zu 5 m hohe Eschen z.T. dahinter befindliche Schlehen beschatten, wurde markiert; die Fällung der Eschen soll durch einen Unternehmer im Auftrage des LBM Cochem-Koblenz erfolgen. Das bereits entfernte Material wurde am Wegesrand gelagert, der Landesbetrieb wird sich um einen baldigen Abtransport kümmern.

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Für weitere Informationen zum Thema sei auf den in der nächsten Ausgabe der Melanargia erscheinenden Artikel von Thomas Geier verwiesen.

Literatur:

MÜLLER, D.: Ein weiterer Fundort von Eriogaster catax (LINNAEUS, 1758) für Rheinland-Pfalz (Lep., Lasiocampidae). Melanargia, 30 (4): 149-151.

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Artenvielfalt im freien Fall

Flächendeckender Rückgang von Schmetterlingen in Baden-Württemberg: In Scientific Reports stellen die Wissenschaftler Jan Christian Habel, Robert Trusch, Thomas Schmitt, Michael Ochse und Werner Ulrich ihre aktuellen Forschungsergebnisse zum Bestand von Schmetterlingen vor.

Dabei handelt es sich um die erste flächendeckende Langzeitstudie, die Daten über die tagaktiven Schmetterlinge in Südwestdeutschland bis zurück in das 18. Jahrhundert nutzt. Ihr Ergebnis verfestigt das Bild, das bereits die „Krefeld-Studie“ von 2017 zeichnete: Die Wahrscheinlichkeit, viele Individuen von vielen unterschiedlichen Schmetterlingsarten auf einem Spaziergang zu sehen, hat besonders in den letzten zwei Jahrzehnten deutlich abgenommen. Ökologische Systeme können bei der Überschreitung eines Grenzwertes leicht kippen. Dies könnte in Baden-Württemberg bereits vor etwa 20 Jahren passiert sein. Die Artenvielfalt befindet sich seitdem in freiem Fall.

Die aktuelle Studie belegt eine flächendeckende Reduktion der Häufigkeit der meisten Arten – ein Trend, der auch vor Naturschutzgebieten und extensiv genutzten Flächen nicht Halt macht, unabhängig von Nutzungsgrad und Nutzungsänderung. Dies sollte äußerst nachdenklich und besorgt stimmen, da sich offensichtlich die Landschaft in einer so schlechten allgemeinen Verfassung befindet, dass überregional Populationen verschwinden. Hier könnte ein Messprogramm für Insektizide, wie es von Wissenschaftlern längst gefordert wurde, helfen, die Vermutungen zum Insektensterben in Gebieten fernab intensiver Landnutzung auf eine sichere Datenbasis zu stellen.

Publikation in Scientific Report, einem Journal aus der Nature Publishing Group:

Habel JC, Trusch R, Schmitt T, Ochse M, Ulrich W (2019): Long-term large-scale decline in relative abundances of butterfly and burnet moth species across south-western Germany. Scientific Reports, DOI 10.1038/s41598-019-51424-1. https://www.nature.com/articles/s41598-019-51424-1

Zur vollständigen Pressemitteilung des Staatlichen Museums für Naturkunde Karlsruhe

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September – Exkursion am Schlangenberg.

Zuweilen passen länger im Voraus geplante Leuchttermine mit dem tatsächlich dann einsetzenden Wetter definitiv nicht überein. Zuweilen hingegen harmonieren sie in exzellenter Weise miteinander und man staunt beinahe, was beispielsweise zum ungefähren Zeitpunkt der Tag- und Nachtgleiche noch alles möglich ist.

Zum Beispiel eben, dass ein Wetter herrscht, das noch eindeutige Anklänge an den Sommer birgt. Weshalb man nicht erst zur festgelegten Uhrzeit für den von Dr. Wolfgang Vorbrüggen organisierten Leuchtabend am Schlangenberg, bei Stolberg, im Großraum Aachen, eintrifft, sondern bereits zu Beginn des Nachmittags, wenn die Sonne herrlich wärmt – und die Herbstzeitlosen malvenfarbig leuchten lässt.

Gewiss, die meisten Blüten sind verschwunden. Aber noch immer duften dezent einige Thymian-Polster in der Sonne, hier und da blüht noch das gelbe Galmei-Veilchen, der violette Kopf von Flockenblumen lockt noch das eine oder andere Insekt. Unter den Schmetterlingen ist an diesem 21. September der Kleine Feuerfalter (Lycaena phlaeas) der häufigste Falter, meist sind seine Farben noch sehr frisch. Das Kleine Wiesenvögelchen (Coenonympha pamphilus) verhält sich viel diskreter, auch der Gemeine oder Hauchhechel-Bläuling (Polyommatus icarus) hält mehr von Ungestörtheit als von Zurschaustellung. Aber sie sind da … Und dann fliegt noch entlang der sonnigen Flanken des Schlangenbergs ein Gelbling (Colias alfacariensis). Mehr noch: eine halbe Dutzend Postillionen (Colias croceus) eilen dort und patrouillieren und wenden. Und setzten sich gegen Ende des Nachmittags an nektarspendende Blüten. Die größere Überraschung liefern die Kleinen Perlmuttfalter (Issoria lathonia). Sie sonnen sich, besuchen manchmal eine Blüte, fliegen eifrig umher auf einer kleineren Fläche, auf der noch Galmei-Veilchen blühen, ein Pärchen finden zusammen, ein Weibchen legt zwei Eier …

Wer zu Beginn des Herbstes den Schlangenberg besucht bekommt nur noch eine blasse Ahnung dessen, wie das Gebiet im Sommer aussieht: Abertausende von gelben Galmei-Veilchen überziehen dann das buckelige Gelände, rosa, violette, weiße Blumen sind dabei, und zahlreiche Schmetterlinge, die das Blütenangebot schätzen.

Einst war das Gebiet am Schlangenberg ein Abbaugebiet für Schwermetalle, wie Zink, Blei und Cadmium. Bereits die Römer gruben dort Löcher, um die seltenen Erze, darunter auch den Galmei (Sammelbegriff für verschiedene schwefelfreie Zinkerze) zu gewinnen. Bis ins 18. Jahrhundert wurde kleinräumiger Tagebau betrieben – die zahlreichen Löcher und Buckel auf dem Gelände (Abbautrichter und –halden) zeugen noch davon. Vom späteren unterirdischen Abbau in Stollen ahnt der Besucher nichts mehr; die Benutzung des Gebiets durch die Bundeswehr im 20. Jahrhundert gehört nun auch der Vergangenheit an. Verblieben sind die immer noch schwermetallhaltigen Böden, die es einer herkömmlichen Flora schwer machen, sich üppig zu entfalten. Stattdessen nehmen Spezialisten mit den giftigen Bodenverhältnissen vorlieb. Das deutschlandweit einzigartige gelbe Galmei-Veilchen (Viola lutea ssp. calaminaria), die rosa blühende Galmei-Grasnelke (Armeria maritima ssp. halleri), die weiße Frühligsmiere (Minuartia verna), das Galmei-Hellerkraut (Thlaspi calaminare) haben Techniken und Taktiken entwickelt, um die Schwermetalle entweder unschädlich zu machen oder gewinnbringend einzusetzen. Wofür bewundernde Botaniker von weither anreisen.

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Wie gesagt: Von dieser sommerlichen Blütenpracht ist an diesem 21. September nicht mehr sehr viel zu sehen. Von der Anhöhe des Schlangenbergs (276 m) blickt man auf eine eher steppenähnliche Pflanzenstruktur hin. Einzelne Kiefer stehen im Gelände, nach Osten hin begrenzt das Gebiet ein Wald mit Saum aus Kiefern und Birken, davor gedeiht in einzelnen Büschen das Heidekraut (Calluna); nach Norden sind Fichten und Buchen zu erkennen. Im Übergang von Waldsaum zur Grasfläche gedeihen einzelne Sträucher (Schlehe, Rose, Brombeere…).

Die Leuchttürme zur Anlockung der Nachtfalter stellen wir am Ostrand des Geländes auf. Ein klarer Nachthimmel breitet sich aus, es kühlt zwar etwas ab, aber die Jacke wird nicht benötigt. Wo noch einzelne Bäume beiderseits des Weges stehen bilden sich erstaunlichen Wärmeinseln …

Was erwartet einen Nachtfalterfreund bei solcher Witterung in einem solchen Gelände bei dieser Jahreszeit? Natürlich einige Herbsteule wie die Bleich-Gelbeule (Cirrhia icteritia), die Violett-Gelbeule (Xanthia togata), die Rotbuchen-Gelbeule (Tiliacea aurago), die Rötliche Herbsteule (Agrochola helvola) oder die Schwarzgefleckte Herbsteule (Agrochola litura). Aber auch einzelne weniger gängige Arten, wie der Herbst-Kiefern-Nadelholzspanner (Pennithera firmata), die Graue Spätsommer-Bodeneule (Eugnorisma glareosa) – ein typisches Heidetier – oder die Graubraune Frühherbsteule (Ammoconia caecimacula), die als wärmeliebende Art gern Offenland-Biotope wie Magerrasen und südlich ausgerichtete Hänge besiedelt. Erstaunlicherweise ist an diesem Abend aber der Buchsbaumzünsler am besten vertreten, sowohl in weißen wie in dunklen Exemplaren, obgleich auf dem gesamten Schlangenberg kein einziger Buchs wächst.

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Als gegen Mitternacht etwas Wind aufkommt, daraufhin der Mond sich ankündigt, haben die Nachtfalter längst beschlossen, dass es gewinnbringendere Aufenthaltsorte gebe als an den beleuchteten Stoffzylindern der zweibeinigen Homo sapiens. Und so zieht auch diese Spezies – durchaus zufrieden mit dem Tag – sich ebenfalls zurück.

Quellenverzeichnis:

STEINER, A. et al. (2014): Die Nachtfalter Deutschlands. Ein Feldführer. – BugBook Publishing, 878 Seiten. Oestermarie (Dänemark)

BOTHE, H. (2014):  Die Pflanzenwelt der Eifel. 26 faszinierende Entdeckungstouren auf Rundwanderwegen, Quelle & Meyer Verlag, 328 Seiten. Wiebelsheim.

www.lepiforum.de
www.wikipedia.de

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Beifuß-Mönch: Gut versteckt im Blütengewirr

Der Beifuß-Mönch Cucullia absinthii hat seinen Verbreitungsschwerpunkt in – Wuppertal-Elberfeld. Und zwar deutschlandweit! Nicht zu glauben? Stimmt aber, jedenfalls wenn man einen Blick in die Nachweiskarte der Schmetterlinge Deutschlands wirft.
In dem Projekt, in welches auch die Daten der Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft einfließen, kann man sich Verbreitungskarten der einheimischen Falterarten anschauen. Seit neuestem hat dort jede Art auch einen festen Link, das dient der Nutzbarkeit des Portals für Publikationen und die Kommunikation unter Kollegen. Und kein Zweifel, das Meßtischblatt Wuppertal-Elberfeld hat dort mit über 25 absinthii-Nachweisen aus den letzten 16 Jahren den Vogel abgeschossen, deutschlandweit.

Eine Nachweiskarte ist noch keine Verbreitungskarte! Beifuß-Mönch, auch Wermut-Graumönch Cucullia absinthii (Linnaeus, 1761) in Westdeutschland.

 

Das Ganze ist natürlich ein herrlicher Blödsinn, und liegt ausschließlich daran, dass der Kollege Armin Radtke seit vielen Jahren im Raum Wuppertal zur richtigen Zeit nach den absinthii-Raupen sucht. Und so etwas wirkt ansteckend auf die Kollegen, und so kommt auch der angebliche „Verbreitungsschwerpunkt“ zu Stande.

Die absinthii-Raupe ernährt sich von verschiedenen Artemisia-Arten, wie Artemisia vulgaris (Gewöhnlicher Beifuß), A. campestris (Feld-Beifuß), A. absinthium (Wermut). In unserer Region wächst der „Gewöhnliche“ Beifuß an vielen trockenen Ruderal-Stellen, und die Raupen sind Anfang September fast ausgewachsen.

Vielleicht hat der eine oder andere die Art noch nie gesehen und / oder Lust „sein“ Meßtischblatt mit einem grünen Kästchen zu verzieren: Die Raupen von Cucullia absinthii sind zwar gut getarnt, aber mit ein wenig Zeit tagsüber in den Blütenständen des Gemeinen Beifußes (Artemisia vulgaris) leicht zu finden. Noch besser geht das nachts mit Hilfe der Taschenlampe, dann „leuchten“ die Raupen regelrecht aus dem Blütengewirr.

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Drei an Kreuzdorn minierende Kleinschmetterlinge

An Purgier-Kreuzdorn (Rhamnus cathartica L.) kommen in unserem Arbeitsgebiet drei blattminierende Kleinschmetterlingsarten vor:
Bucculatrix frangutella (GOEZE, 1783), Stigmella catharticella (STAINTON, 1853) und Stigmella rhamnella (HERRICH-SCHÄFFER, 1860). Aktuelle Funde und Hinweise zum Auffinden vornehmlich der seltenen Stigmella-Arten sollen einen Anreiz geben, die Verbreitung in unserem Arbeitsgebiet zu erforschen.

Armin Dahl gab mir kürzlich einen Hinweis auf einen Minenfund von Stigmella rhamnella in Klotten an der Mosel, den Violet Middelmann und Remco Vos im Sepember 2018 erbracht hatten und der vom niederländischen Mikro-Experten Erik J. van Nieukerken bestimmt wurde. Dieser Fund spornte mich an, in meinem Wohnort Schloß Holte-Stukenbrock (Kreis Gütersloh, Nordrhein-Westfalen) an Purgier-Kreuzdorn nach Minen zu suchen. Ausreichende Kreuzdorn-Bestände befinden sich in meinem näheren Wohnumfeld an Straßen, die über die Autobahn A 33 führen. Diese Böschungen wurden in den 1970er Jahren mit unterschiedlichen Gehölzen bepflanzt, um Erdrutsche zu vermeiden.

Bucculatrix frangutella (GOEZE, 1783)
Die typischen Minen von Bucculatrix frangutella fielen mir sofort ins Auge. Die Raupe hinterlässt zuerst einen spiralförmigen Gang und frisst ein kurzes Stück geradlinig weiter. Dann verlässt die Raupe die Mine und lebt dabei frei auf dem Blatt. Sie erzeugt dabei  einen Lochfraß und verpuppt sich in einem gerippten Kokon. Eine 8-fach Lupe erleichtert die Begutachtung der winzigen, spiralförmigen Gänge. Die Art hatte ich bislang häufig an Faulbaum (Frangula alnus) gefunden, vornehmlich in beschatteten Bereichen. BIESENBAUM (2010) gibt die Flugzeit von Ende Mai bis Juli an.

Buccularix frangutella, Stukenbrock, Zuchtfalter, 16. März 2016 an Faulbaum (Foto: Dieter Robrecht)

Buccularix frangutella, Minen an Kreuzdorn, Stukenbrock, 11. August 2019 (Foto: Dieter Robrecht). Ohne Lupe sind die spiralförmigen Kreise nur schwer zu erkennen. Erst die Kotspur mit dem hellen Ende des Fraßganges fällt ins Auge.

Buccularix frangutella, Minen an Kreuzdorn, Stukenbrock, 11. August 2019 (Foto: Dieter Robrecht)

Buccularix frangutella, spiralförmige Mine an Kreuzdorn, Stukenbrock, 11. August 2019 (Foto: Dieter Robrecht)

Buccularix frangutella, Raupen und Lochfraß an Faulbaum, Stukenbrock, 7. September 2015  (Foto: Dieter Robrecht)

Schwieriger als bei B. frangutella ist die Bestimmung der Minen der beiden Nepticulidae-Arten, die ich ebenfalls an den oben genannten Stellen fand und die zu diesem Zeitpunkt von den Raupen bereits alle verlassen waren.

Stigmella catharticella (STAINTON, 1853)
S. catharticella fertigt eine Mine an, die anfangs gerade oder wenig gewunden verläuft und in ganzer Breite regelmäßig mit Kot gefüllt ist. Die Mine kann über eine längere Strecke dem Blattrand folgen. Geschieht dies nicht, wird sie in engen Schleifen verlegt und ist in ihrem Verlauf nicht auffällig verbreitert. In Nordrhein-Westfalen scheint die Art zwei Generationen zu bilden. Etwa 15 Minen konnte ich nach einer einstündigen Suche zählen.

Stigmella catharticella, Volkmarsen-Hörle, NSG Iberg, 29.09.2017 an Kreuzdorn (Foto: Dieter Robrecht)

Stigmella catharticella, Stukenbrock, 11. August 2019 an Kreuzdorn (Foto: Dieter Robrecht)

Stigmella catharticella, Stukenbrock, 11. August 2019 an Kreuzdorn (Foto: Dieter Robrecht)

 

Stigmella rhamnella (HERRICH-SCHÄFFER, 1860)
Von S. rhamnella fand ich nur wenige Minen. Die Raupen fertigen eine Mine an, die am Anfang „darmartig“ gewunden und schmal ist (nur wenn er am Blattrand liegt, kann er den Blattzähnen folgen). Der Minengang verbreitert sich gegen Ende stark  und bildet eine sogenannte Platzmine aus. Die Art fliegt in zwei Generationen.

Stigmella rhamnella, Stukenbrock, 11. August 2019 an Kreuzdorn (Foto: Dieter Robrecht).

Stigmella rhamnella, Stukenbrock, 11. August 2019 an Kreuzdorn (Foto: Dieter Robrecht).

Stigmella rhamnella, Stukenbrock, 11. August 2019 an Kreuzdorn (Foto: Dieter Robrecht). Zwei Minen in einem Blatt, eine davon miniert am Blattrand.

 

In der Deutschlandliste (GAEDIKE et al. 2017) ist Stigmella rhamnella für Nordrhein-Westfalen nicht aufgeführt. Eine Literatur-Recherche ergab jedoch, dass bei LUDWIG (1952) zu lesen ist „Gangmine, Olpe, Dillkreis“.

Zum Abschluss noch ein Tipp: Mir fiel bei der Suche auf, dass alle drei Arten scheinbar eher den schattigen bis halbschattigen Bereich bevorzugen.

 

Blattminierer-Seiten im Internet:
Lepiforum: Bucculatrix frangutella
Lepiforum: Stigmella rhamnella und S. catharticella
www.bladmineerders.nl (Niederlande)
www.bladmineerders.be/nl (Belgien)
www.leafmines.co.uk (Großbritannien)

Literatur:
BIESENBAUM, W. (2010): Die Lepidopterenfauna der Rheinlande und Westfalens, Bd 15, Familie: Bucculatricidae
GAEDIKE, R., NUSS, M., STEINER, A. & TRUSCH, R. (Hrsg.) (2017): Verzeichnis der Schmetterlinge Deutschlands
LUDWIG (1952): Die Blattminen des Siegerlandes und der angrenzenden Gebiete. Abh. Landesmus. Naturkd. Münster 15 (2): 1-48, Münster

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Malveneule Acontia lucida an der Untermosel angekommen

Lichtfänge an der Mosel sind immer etwas Besonderes:  Wenn das Wetter mitspielt sind vergleichsweise lange Artenlisten garantiert, besonders im tief eingeschnittenen Unteren Moseltal sind zahlreiche wärmeliebende Felsbewohner zu finden, die dort seit langem bekannte Reliktstandorte haben. Aber immer wieder gibt es auch Überraschungen!

In den Tagen um die Sommersonnenwende herum kann so ein Leuchtabend richtig anstrengend werden, mehr als 100 Arten Großschmetterlinge sind dann die Regel: Erst nachts um 23.00 Uhr wird es dunkel genug für den Lichtfang, und morgens um halb vier, wenn die Vögel schon wieder pfeifen, kommen immer noch neue Arten hinzu.

Solche „Bombenabende“ mit Massenanflug an Insekten sind unvergessliche Erlebnisse, und das entschädigt unsereinen – zumal die An- und Abfahrt sich in die Länge zieht – für alle Mühen. Denn auch für eingefleischte „Alte Hasen“ gibt es immer etwas Neues zu entdecken: Die Weinbaulagen in Verbindung mit Felsen sind eh schon extrem artenreich. Der Klimawandel schickt zudem ständig neue Arten auf die Reise Richtung Norden, die sich dann an den Hängen des Rheinischen Schiefergebirges bei subtropischen Temperaturen und großer Trockenheit heimisch fühlen. In den vergangenen Jahren war das zu Beispiel das Purpur-Zwergeulchen Eublemma purpurina, das auch 2019 wieder im Moseltal fliegt.

Am Tag vor Fronleichnam 2019 waren zwar kleinere Unwetter gemeldet, zudem Dreiviertel-Mond, aber das musste riskiert werden. Also trafen wir uns in der Dämmerung am Oberhang westlich von Klotten, dort findet sich ein Mix aus Weinbergsbrachen, von Felsen durchsetzten Hecken, Mischwald mit Eiche und Kiefer, alles auf engem Raum zusammengedrängt und noch dazu windgeschützt. Lichtfang mit Freunden macht am meisten Spaß, und so waren die niederländischen Kollegen Violet Middelman und Remco Vos mit am Start, ausgewiesene Mikro-Spezialisten, die bereits 2018 in der Region aktiv waren (MIDDELMAN et al. 2018). Die beiden sind ein eingespieltes Team, alles wird mittels Digitalkamera dokumentiert, parallel per App in die Datenbank übertragen, und dreierlei Käsewürfel beim Lichtfang bekommt man auch nicht alle Tage!

Der Abend entwickelte sich wie erwartet, schon um Mitternacht waren etwa 100 Makro- und Mikrolepidoptern registriert, darunter die für Steppen- und Felsheide typische Kammerjungfer Dysauxes ancilla und selten nachgewiesene Arten wie das Hellgraue Graueulchen Meganola strigula. Nach Mitternacht kamen dann in rascher Folge die moseltypischen „Highlights“ ans Licht,  unter anderen  Dichagyris forcipula, Dichagyris candelisequa und Chersotis multangula, alle drei in Felsgeröllhalden zu finden.

Acontia lucida (HUFNAGEL, 1766) – Malveneule. Klotten (Mosel), 19. Juni 2019 (Foto: Armin Dahl)

Und dann der faunistische Höhepunkt des Abends: Als Violet Middelman mir das erste unscharfe Foto von Acontia lucida zeigte, – der Falter war erst einmal wieder verschwunden – traute ich meinen Augen kaum. Die Malveneule, ehemals in Deutschland ausgestorben, ist erst seit 2013 wieder nachgewiesen. Zuerst am Kaiserstuhl in Südbaden, und seit 2016 am Rand des Pfälzerwalds in Rheinland-Pfalz. Der letztgenannte Fundort liegt ziemlich genau 100 Kilometer Luftlinie entfernt im Südosten von Klotten.  Dort ist die Art mittlerweile gar nicht so selten, so berichtet Michael Ochse in einem Beitrag für das Lepiforum von  sieben Exemplaren bei einem Lichtfang  Mitte Juli 2017, und fand auch Raupen an Malva sylvestris und Malva moschata.  Aktuell (6. Juni 2019) gibt es auch einen Nachweis aus dem Hessischen Ried bei Lampertheim, der bei naturgucker.de veröffentlicht wurde.

Beim Lichtfang begann jetzt das Geduldspiel, ob der Fakter sich wohl noch einmal zeigen wollte? Und nach zwei weitere Stunden war es dann so weit, wir konnten das offenbar frisch geschlüpfte Tier in Ruhe bewundern und fotografieren. Der Leuchtabend endete übrigens wie gewohnt in der Morgendämmerung, alleine in meinen Unterlagen standen zu dem Zeitpunkt mehr als 140 Großschmetterlingsarten.

Ein paar Eindrücke vom vom Lichtfang

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Malveneulen kannte ich selbst bisher aus Südeuropa und von den Kanarischen Inseln, nach HOFMANN (1997) hat die Art ihre Arealgrenze im vergangenen Jahrhundert deutlich nach Süden verschoben – das war bevor der Klimawandel Thema wurde. Dass sich eine einzelne Acontia lucida von der Pfalz-Population ausgerechnet ins Moseltal verirrt und dort zufällig beim Lichtfang nachgewiesen wird, darf man getrost auschließen. Mit weiteren Funden der – normalerweise tagaktiven – Malveneule an der Mosel ist zu rechnen.

Literatur und Links

DUEHR, K. 2016: Malveneule – Wiederfunde in Deutschland. https://naturwerke.net/?beitrag=655  [Abgerufen 23. Juni 2019]

HOFMANN, A. (1997): Acontia lucida. – in EBERT, G. [Hrsg.] (1997 a): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 5: Nachtfalter III. – 575 S.; Stuttgart (Ulmer).

MIDDELMAN,V., VOS, R. & DAHL, A.: Ein weiterer Fund von Heliothela wulfeniana (SCOPOLI,1763) in der Eifel (Lep., Crambidae). – Melanargia 30 (4): 173-175

Malveneule bei naturgucker.de: https://www.naturgucker.de/?art=749381769

 

 

 

 

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Chrysoclista linneella (CLERCK, 1759), eine selten nachgewiesene Art im Arbeitsgebiet (Lepidoptera, Elachistidae)

Es wird über den Fund von Chrysoclista linneella (CLERCK, 1759) in Krefeld berichtet. Die Art ist im Arbeitsgebiet der Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen noch recht selten beobachtet worden.

Chrysoclista linneella

Chrysoclista linneella (CLERCK 1759), Nordrhein-Westfalen, Krefeld-Zoo, 20. Juli 2018, det./gen: Monika Weithmann. Foto: Thomas Hörren.

Im Juli 2017 ist es uns (Andreas Bäumler, Veronika Huismann-Fiegen, Andreas Müller und Monika Weithmann) gelungen im Rahmen eines Leuchtabends im Krefelder Zoo die Schmetterlingsart Chrysoclista linneella (CLERCK, 1759) nachzuweisen. Die Leuchttürme waren Ende Juli direkt neben einer sehr alten Lindenallee (Tilia sp.) aufgebaut worden und zwei Falter von C. linneella kamen an diesem Abend ans Licht.

Schon GRABE (1955) hatte die Art für das Ruhrgebiet nachgewiesen. Dort steht: „Falter in 2 Gen. vom 3.6. bis 20.8. in Dortmund, D.-Marten, Hamm und Lippholthausen in großen Mengen an Lindenstämmen.” In den 60-iger Jahren wurde die Art in Essen (Altenessen) von BIESENBAUM mehrfach gefunden. Der letzte veröffentlichte Nachweis für Nordrhein-Westfalen ist in der Online-Datenbank „Naturgucker.de” eingetragen. Dort hat Gaby SCHULEMANN-MAIER eine Beobachtung am 10.06.2010 in Düsseldorf-Flingern mit Fotonachweis gemeldet.

In den Nachbarländern Belgien und den Niederlanden gab es laut der Online-Datenbank „euro.observation.org” für das letzte Jahr (2018) insgesamt 21 Nachweise, davon 13 Meldungen für Imagines. Interessanterweise haben alle eines gemeinsam: Die Fundorte befinden sich hauptsächlich in Städten und nicht auf dem Land.

Die Art ist in Europa zwar weit verbreitet, wird aber selten nachgewiesen und kann mit Chrysoclista lathamella (FLETSCHER, 1936) oder Chrysoclista splendida KARSHOLT, 1997, beide Arten leben monophag an Weide (Salix sp.), verwechselt werden. Jedoch gibt es in Nordrhein-Westfalen für die beiden anderen Arten bisher noch keine Nachweise. (vgl. GAEDICKE et al. 2017)

Dass die Nachweise im Arbeitsgebiet so selten sind, hängt vermutlich mit der Lebensweise der Art zusammen. Die Raupe lebt monophag von August bis Mai unter der Rinde von Lindenbäumen und bevorzugt alte und/oder stark beschnittene Bäume. Dort legt die Raupe Gänge und Kammern an. Im Frühjahr (März bis Mai) ist es besonders leicht, die Raupe zu finden. Der Baumstamm muss nur nach Bohrlöchern mit rötlichen Kotballen abgesucht werden. Zur Flugzeit sitzen die Falter auch an den Stämmen der Bäume.

Alte Lindenbäume sind in NRW sehr selten geworden. Die meisten alten Linden befinden sich in den Parks oder als Straßenbäume in den Städten. Alles Orte, die normalerweise nicht als bevorzugter Leuchtplatz für den Nachweis von Nachtfaltern dienen und kaum beachtet werden. Daher lohnt es sich im Frühjahr die Baumstämme von Linden in Stadtparks und an Straßenrändern, besonders wenn es Lindenalleen sind, genau anzuschauen und nach Lebenszeichen von C. linneella zu suchen.

Einen herzlichen Dank an die Kuratorin Dipl. Biol. Cornelia Bernhard für die Möglichkeit des Leuchtabends im Krefelder Zoo und an Herrn Heinz Schumacher für den Literaturhinweis. Zudem bedanke ich mich für das Foto bei Thomas Hörren und Günter Swoboda für die kritische Durchsicht des Manuskripts.

Literatur:

GAEDICKE et al. 2017:  Tabelle (Druckfassung)  aus: GAEDICKE, R., NUSS, M., STEINER, A. & TRUSCH, R. (Hrsg.) (2017): Verzeichnis der Schmetterlinge Deutschlands (Lepidoptera). 2. überarbeitete Auflage. – Entomologische Nachrichten und Berichte (Dresden), Beiheft 21: 1-362.

GRABE, A. (1955): Kleinschmetterlinge des Ruhrgebietes. — Mitt. Ruhrld.mus. Essen, 177: 99, Essen

KOSTER, S. & SINEV, S. (2003): Momphidae, Batrachedridae, Stathmopodidae, Agonoxenidae, Cosmopterigidae, Chrysopeleiidae. — in: HUEMER, P., KAR5SHOLT, O. & LYNE¬BORG, L. (Hrsg.): Microlepidoptera of Europe, Vol. 5. Momphidae s.l. — S. 86-87, Apollo Books, Stenstrup

Internet:
naturgucker.de/?bild=-1930981536

Nachweise von C. linneella bei euro.observation.org

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Mosel-Exkursion 2019 – entomologische Highlights und nasse Socken

Wie jedes Jahr (seit 2011!) ist die Mosel-Exkursion des Vereins ein lepidopterologisches Highlight. Wie schon 2018 führte uns die von Armin Dahl organisierte Tour in die Umgebung des Mosel-Dörfchens Leiwen, und wird wohl vielen von uns durch nasse Schuhe, Hosen und Leuchttürme in Erinnerung bleiben. Beim Wetter gab es diesmal sicher Luft nach oben, kleinere Wolkenbrüche und nasse Wiesen prägten das Geschehen.

Dennoch konnten wir die trockenen Stunden (tagsüber gab es sogar mal ein paar Minuten Sonnenschein) bestens nutzen, und die entomologischen Besonderheiten der Mosel bewundern.

Mit insgesamt sieben Lichtfang-Anlagen wurden nachts die Weinberge im großen Stil illuminiert, so dass mancher Anwohner bereits einen größeren Polizeieinsatz vermutete. Während unsere Artenlisten immer länger wurden, wurden die Nächte immer kürzer. Nun ist es Zeit auszuruhen und einen Blick auf einen kleinen Ausschnitt der diesjährigen Ausbeute zu werfen:

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