Das Silvester-Motten-Menü

Schwarzgefleckte Wintereule – Conistra rubiginosa, Haan, 23. Dezember 2020 (Foto: Dahl)

Warum immer nur Meisen, Finken und Kleiber füttern? Überwinternde Eulenfalter haben zur Zeit Hochkonjunktur, sie können mit einfachen Mitteln auch mitten im Winter beobachtet und gefördert werden.

Winterzeit ist Schmökerzeit! Dass wir im Jahr der Corona-Pandemie am besten zu Hause bleiben und niemanden besuchen sollen, um uns und andere nicht zu gefährden, kommt jetzt am Jahreswechsel 2020/2021 der Forschung zugute. Der digital verfügbare Literaturbestand wächst rasch und zur Vorbereitung der Saison 2021 bleibt Zeit zum ausgiebigen stöbern im Web. Nebenher werden weiter Daten aufgearbeitet, und die Eulenfalter gefüttert. Winterzeit ist auch Köderzeit!

Aber der Reihe nach: Erst mal ein Zitat aus längst vergangenen Tagen, gefunden in der österreichischen Datenbank zobodat.at, in der auch die älteren Melanargia-Artikel und vieles mehr zu finden sind:

Volle Schnur vor Weihnachten: Armin Radtke bei der Köder-Kontrolle, Haan, Spörkelnbruch, 20. Dezember 2020

„Es war gerade die Zeit, wo in den Hainbuchen (Carpinus betulus) der Saft stark cirkulirt und aus den Namenszügen und blutenden Herzen, welche hier und dort von schwärmerischen Spaziergängern in die Rinde dieser Stämme eingeschnitten
waren,in ziemlicher Menge Saft hervorquoll. An diesen Stellen traf ich denn jedesmal schon bald nach eingetretener Dämmerung, einzelne Noctuen, welche den Saft einsogen nämlich folgende Arten: Cerastis satellitia L. und vaccinii L., überwinterte, aber theilweise noch reine Exemplare, Orthosia stabilis Brkh. und instabilis WV., ferner mehrere Exemplare von Xylina rhizolitha Fabr.
Das Fliessen des Saftes hörte jedoch nach wenigen Tagen auf und ich kam auf den Gedanken denselben durch eine Syruplösung zu ersetzen. Ich strich demgemäss am nächsten Abend mit einem grossen Pinsel die Stämme der Reihe nach an und — in der That — ich hatte nicht fehlgegriffen; Nach einer Viertelstunde sass schon da und dort einer der erwähnten Schmetterlinge an den angestrichenen Bäumen. Sie saugten den Saft so begierig ein, dass sie sich ganz geduldig mit der Nadel aufstechen liessen.“

Was der in Stuttgart lebende Dr. Julius Hoffmann hier aus dem Frühjahr 1858 beschreibt, hat 160 Jahre später nichts an Aktualität verloren. Die Liebespaare laufen heute zwar nur noch selten mit dem Messer im Wald herum und schnitzen Herzen in die Bäume. Und dass sich Eulenfalter am Köder mit den damals üblichen Nikotinnadeln aufspießen ließen, das macht sich in einem Vortrag sicher gut, heute nimmt man besser die Digitalkamera mit.

Und natürlich fliegen heutzutage die Wintereulen bei jedem frostfreien Wetter, der Klimawandel lässt grüßen. Zu Hoffmanns Zeiten endete gerade die als „Kleine Eiszeit“ beschriebene Kaltphase, bis Mitte des 19. Jahrhunderts wuchsen die Alpengletscher noch einmal stark an, und die Winter waren entsprechend hart und lang.

Aber der Hasenbergwald westlich von Stuttgart samt historischem Brunnen ist noch da, was am Rande der raumgreifenden Großstadt keineswegs selbstverständlich ist. Das beschriebene Artenspektrum ist in weiten Teilen auch sicher noch vorhanden, auch wenn sich die wissenschaftlichen Namen der Arten geändert haben. In der kurzen Liste fehlt von Hoffmann fehlt auch die Rotkopf-Wintereule Conistra erythrocephala nicht, für die aus Baden-Württemberg merkwürdige Arealfluktuationen beschrieben sind (STEINER, 1997: 477). Einzig die von Hoffmann genannte Safran-Wintereule Hoporina croceago [heute Jodia croceago] ist heute großräumig verschwunden und gilt in Deutschland als „vom Aussterben bedroht“.

Nach diesem Ausflug in schwäbische Wälder zurück zur Winterfütterung: Wer im Garten Futterhäuschen für die angeblich leidenden Vögel aufhängt, der kann genauso gut auch etwas für die Falter tun, und muss nicht bis zum Saftfluss der Bäume im Frühjahr warten. Man (oder Frau!) kann eigentlich jederzeit – auch rund um Weihnachten –  die einheimischen Falter unterstützen. Hier mein privates Hausrezept, für das Motten-Wintermenü:

Jutestreifen rheinische Art mit Christkindl-Geschmack
Man nehme:

  • 5 Meter Jute-Wickelstreifen, Breite 15 cm
  • 5 Stücke dickeren grünen Zaundraht, ca 20 cm
  • 1 Liter vom billigsten Roten Glühwein
  • 250g Zucker
  • 1 größere leere Flasche zum Mischen
  • eine kleine Plastiktüte / Gefrierbeutel
  • 1 Clipverschluss
  • 1 Sprühflasche aus dem Gartenmarkt

Das Juteband (gibts im Baumarkt oder >> hier) in meterlange Stücke schneiden, die beiden Enden mit einem Knoten sichern.
Aus dem Draht pro Schnur einen Haken zum Aufhängen biegen, der jeweils durch den oberen Knoten gezogen wird. (wer keinen Zaundraht hat: zur Not kann man einen billigen Draht-Kleiderbügel in Teile zerlegen)
Den Glühwein mit Zucker mischen und komplett auflösen.
Juteschnüre samt Haken in eine Plastiktüte geben und ordentlich Glühwein-Zucker draufgeben, einweichen lassen. Achtung: Geklecker!

Die Jute saugt den Wein auf, die Streifen werden danach im Garten oder am Waldrand in Augenhöhe an den Drahtbügeln aufgehängt. Das intensive Jute-Aroma mischt sich mit dem Rotwein zu einer intensiven Geruchsbombe, die hungrige Falter bei frostfreiem Wetter magisch anzieht. Die Knoten verhindern, dass das Band zu arg im Wind flattert, dort hält sich auch die Feuchtigkeit am längsten. Der Drahtbügel wir um dünne Äste gebogen, gegen starken Wind.
Der Rest der Glühwein-Mischung kommt in die Sprühflasche und dient zum abendlichen „Nachladen“ der Köderschnüre. Alles zusammen sind die Zutaten für unter 20 Euro zu haben. So ein Satz Köderstreifen wird mit der Zeit immer „besser“ und kann viele Monate lang benutzt werden.

Rotkopf-Wintereule – Conistra erythrocephala,Haan, 18. Dezember 2020 (Foto: Armin Dahl)

Kontrolliert wird am Abend wenn es richtig dunkel ist, und zwar bei jedem Wetter! Regen macht den einheimischen Eulenfaltern nichts aus, ebenso wenig wie Wind! Bei Temperaturen unter Null und Schnee muss man nicht rausgehen, aber das ist bei den warmen Wintern in der Klimakrise derzeit nur selten der Fall. Wer´s nicht glauben will, der muss es nur selbst ausprobieren oder in eine der öffentlichen Datenbanken schauen.

In meinem Hausgarten, mit Hecke rundherum und ein paar Obstbäumen, kommen an guten Tagen schon mal mehrere hundert Falter am Köder zusammen. Die Kontrolle ist jeden Tag in ca. fünf Minuten erledigt, und man erhält einen schönen Eindruck über den Verlauf der Jahreszeiten. Denn das alles klappt natürlich auch im Herbst und Frühjahr, und. Das ganze Phänomen mit den Wintereulen am Köder ist übrigens keine neue Erfindung, und von Armin Radtke (siehe Foto oben!) schon vor vielen Jahren in der Melanargia (Heft 6 (4) beschrieben worden.

Wer einmal Wintereulen aufziehen will: Die Paarung von Conistra, Eupsilia und Jodia-Arten erfolgt erst nach der Überwinterung, die Eier werden im zeitigen Frühjahr an die entsprechenden Gehölze (oder ins Zuchtgefäß) abgelegt.

Soweit für dieses Jahr, in den vergangenen Tagen sind ist der Datenbestand des Vereins um etliche tausend Datenzeilen vermehrt worden. Dank dafür an alle Beobachter und Melder. Ich hoffe, alle Vereinsmitglieder bleiben gesund, und wir sehen uns im kommenden Jahr 2021 in alter Frische!


An dieser Stelle noch ein Hinweis: Spenden an den Verein können natürlich von der Steuer abgesetzt werden, bis € 200,- auch ohne Spendenbescheinigung.
Kontodaten:
IBAN DE09 3205 0000 0049 0067 11
BIC SPKRDE33

Veröffentlicht unter Daten, Methoden | 3 Kommentare

Insektenschwund – Was macht Deutschland so speziell?

Buchen-Mischwald bei Grevenbroich

Abb. 1: Wenn die Wälder so aussehen, können wir Satyrium ilicis selbstverständlich vergessen. Eichen-Buchen-Mischwald bei Grevenbroich am 1. Juni 2020. Foto: A. Kaltenberg.

Spätestens seit 2017 wissen es alle: Wir haben im letzten Vierteljahrhundert Dreiviertel unserer Insekten verloren, und das in Schutzgebieten [1].

Man braucht die Windschutzscheibe nicht mehr zu reinigen, und kann an warmen Sommerabenden ungehemmt die Fenster der hell erleuchteten Zimmer offenlassen. Aber auch sonst fällt es jedem aufmerksamen Spaziergänger auf: Über die Feldwege rennen keine Laufkäfer mehr. Pterostichus und Amara sind weg.

Aber wie weit lässt sich dieses erschreckende Geschehen verallgemeinern? Betrifft es alle Insektengruppen? Auch die Wespen? Verschwinden die Insekten gleichermaßen auf Feld, Wiese und Wald, am Land und im Wasser? Ist die ganze Welt vom Insektenrückgang betroffen?

Hierzu erschienen in den letzten beiden Jahren mehrere aufschlussreiche Artikel, und das sogar in „Nature“ und „Science“. Die Aussage verblüfft schon etwas: Der Insektenschwund ist offenbar nirgends so drastisch wie in Deutschland. Waren wir nicht immer der Meinung, dass die Amerikaner oder die Asiaten in Feld und Garten noch mehr Gifte einsetzen als wir in Deutschland?

„Nature ecology & evolution“ berichtet in 2020 von der Erfassung hunderter von Arten aus den meisten herkömmlichen Insektenordnungen in 68 verschiedenen naturnahen und gemanagted Habitaten in den U.S.A. über einen Zeitraum von 4 – 36 Jahren bis 2019 [2]. Selbstverständlich fanden die Autoren bei den verschiedenen Taxa und an den verschiedenen Orten Schwankungen in den Artenzahlen und Individuenmengen. Aber die Netto-Bilanz der Biodiversität und Abundanz der Insekten in den letzten Jahrzehnten lag bei null. In den U.S.A. konnte kein generelles „Insektensterben“ nachgewiesen werden. Die Gewinner haben die Verlierer ausgeglichen. Das überrascht.

Weiterlesen

Veröffentlicht unter Allgemein, Insektensterben, Naturschutz | 12 Kommentare

Brauner Bär ist Schmetterling des Jahres 2021 – Lichtverschmutzung gefährdet die Art

Die BUND NRW Naturschutzstiftung und die Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen e.V. haben den Braunen Bär (Arctia caja) zum Schmetterling des Jahres 2021 gekürt. Sie weisen mit der Wahl des Nachtfalters auf die negativen Folgen von Lebensraumverschlechterung und künstlicher Beleuchtung hin. Die Art gilt als Bioindikator für naturnahe Lebensräume. 

Brauner Bär – Schmetterling des Jahres 2020 (Fotos: Tim Laußmann)

Der Braue Bär ist mit bis zu 65 Millimetern Spannweite einer der größeren Nachtfalter in Deutschland und kommt in den gemäßigten Zonen Europas, Asiens und Nordamerikas vor. Zu seinen Lebensräumen zählen lichte Wälder, Gebüsche, Wiesen und Heiden, aber auch naturnahe Gärten.

Die Vorderflügel sind dunkelbraun gefärbt mit einem großmaschigen weißen Muster. Mit zusammengelegten Vorderflügeln sind die Falter im Gewirr von Ästen mit Licht und Schatten hervorragend getarnt, während sie tagsüber rasten. Die Hinterflügel sind dagegen leuchtend rot mit runden blauschwarz gefärbten Punkten.

(Foto: Tim Laußmann)

Durch blitzschnelles Öffnen der Vorderflügel zeigt der Falter bei Gefahr diese roten Hinterflügel und kann Vögel erschrecken und selbst entkommen. Die auffälligen Hinterflügel warnen zugleich vor der Ungenießbarkeit des Schmetterlings, denn die Körperflüssigkeit der Falter enthält giftige Stoffe.

Die Schmetterlinge fliegen im Hochsommer und nehmen keine Nahrung auf. Sie leben daher nur für kurze Zeit. Die Raupen sind in der Lage, sich von vielen unterschiedlichen Pflanzen zu ernähren und überwintern am Boden. Die Art hat ihren Namen von der dichten, bräunlichen „bärenartigen“ Behaarung der älteren Raupen.

Der Braune Bär ist bundesweit rückläufig und steht auf der Vorwarnliste der bedrohten Tiere. Neben der Intensivierung der Landwirtschaft, dem Wegfall von Hecken und Feldgehölzen in der Landschaft und dem Flächenverbrauch ist die Lichtverschmutzung eine der Ursachen für den Rückgang der Art.

Jochen Behrmann von der BUND NRW Naturschutzstiftung: „Die Braunen Bären werden von nächtlichen Lichtquellen angelockt und flattern dann orientierungslos bis zur Erschöpfung um sie herum. Neben den direkten Verlusten geht den Insekten so wertvolle Energie und Zeit für Partnersuche und Fortpflanzung verloren, und Fressfeinde wie Fledermäuse haben ein leichtes Spiel.“

Wie die meisten nachtaktiven Insekten kann sich der Braune Bär bei schwachem Mond- oder Sternenlicht gut orientieren. Dagegen lockt speziell das grelle blaue Licht von den Hochdruck-Quecksilberdampflampen der Straßen- und Industriebeleuchtung die Tiere stark an. Diese Lampen sollten daher zeitweise ausgeschaltet oder durch Natriumdampflampen und moderne sparsame LED ersetzt werden, die wenig oder gar kein blaues Licht abstrahlen.


Steckbrief des Braunen Bären – Arctia caja (LINNAEUS, 1758)

Systematik: Der Braune Bär Arctia caja ist ein Nachtfalter aus der Familie der Erebidae. Diese besteht aus einigen Unterfamilien, darunter der Unterfamilie der Arctiinae, der Bärenspinner, kurz Bären. Die Bezeichnung „Bär“ erklärt sich mit Blick auf ihre stark behaarten Raupen. Wenn Bärenraupen gestört werden, weisen einige Arten eine tapsige, an die Bären erinnernde Fortbewegungsweise auf. Auch die Gattungsbezeichnung Arctia geht auf das griechische Wort arktos für Bär zurück.

Lebensraum: Ökologische Vielfalt ist eine Hauptanforderung des Braunen Bären an seinen Lebensraum, er bevorzugt dabei strukturreiche, feuchte und kühle Habitate: im Wald etwa Wege und Schneisen, Binnen- und Außensäume, Lichtungen und Kahlschläge, feuchte Waldwiesen. Doch auch das gebüschreiche Offenland wird bewohnt, etwa extensiv bewirtschaftete, gern feuchtere Wiesen, auch Moore, Magerrasen bis hin zu Dämmen, Ufern, Böschungen, sogar Kiesgruben und naturnahe Gärten.

Dichter Bärenpelz hält Feinde ab: Raupe von Arctia caja (Foto: T. Laußmann)

Nahrung der Raupen: Die Raupen ernähren sich von unterschiedlichen Pflanzen, von Kräutern und Stauden bis zu Laubgehölzen. So wurden Raupen beispielsweise an Ampfer-Arten gefunden, an Löwenzahn und Brennesseln sowie an Mädesüß. Bei den Sträuchern sind Himbeeren und Brombeeren ebenso vertreten wie Weiden und Eichen sowie Eschen und noch viele weitere Pflanzenarten.

Beschreibung Imagines: Die Falter zählen mit einer Flügelspannweite von bis zu 65 Millimetern zu den größeren Nachtfaltern in Deutschland. Die Oberseite der Vorderflügel ist dunkelbraun mit einem großmaschigen weißen Muster. Die Hinterflügel dagegen sind leuchtend rot mit runden, blauschwarz gefärbten Punkten. Mit zusammengelegten, braun-weißen Vorderflügeln sind die Falter im Gewirr von Ästen mit Licht und Schatten hervorragend getarnt, wenn sie tagsüber etwa an Baumstämmen rasten. Durch blitzschnelles Öffnen der Vorderflügel zeigen die Falter die roten Hinterflügel mit den dunklen „Augen“ und können so Fressfeinde wie Vögel erschrecken und selbst entkommen, aber auch an ihre Ungenießbarkeit erinnern, denn die Körperflüssigkeit der Falter enthält giftige Stoffe.

Nahrung der Imagines: Die Saugrüssel der Falter sind zurückgebildet, sie können keinen Nektar saugen.

Generationen: Der Braune Bär bildet eine Faltergeneration im Jahr mit Hauptflugzeit im Juli und August aus.

Arctia caja (LINNAEUS, 1758) Brauner Bär , Eigelege (Foto: Tim Laußmann)

Puppe des Branen Bären (Foto: Tim Laußmann)

Lebenszyklus: Die Weibchen legen die Eier auf der Unterseite von Blättern ab, und zwar in kleineren oder größeren einlagigen sogenannten Eispiegeln, die mehrere hundert Eier umfassen können. Die Eier sind rund und sehen frisch gelegt cremeweiß aus, sie verfärben sich blaugrau, bevor die Raupen noch im Spätsommer schlüpfen. Die Raupen überwintern und können daher sowohl im Herbst als auch im Frühjahr bis etwa Juni gefunden werden. Schon die Ei- und Jungräupchen sind haarig und bilden ihren „Bärenpelz“ mit jeder Häutung besser aus. Die pelzigen, bis 6 cm langen erwachsenen Raupen werden im Frühsommer häufiger beobachtet als später die nachtaktiven Falter, wandern sie doch bei ihrer Suche nach Verpuppungsplatzen gern auch bei Tag über Straßen und Wege. Die Verpuppung erfolgt in einem Gespinst in Bodennähe.

Gefährdungsursachen: Wie bei vielen Insekten gibt es nicht die eine Gefährdungsursache. Es handelt sich um ein multifaktorielles Geschehen: Neben den direkten Verlusten durch Fressfeinde und Schwächungen geht den Insekten durch das erschöpfende Flattern um nächtliche Lichtquellen wertvolle Zeit für Partnersuche und Vermehrung verloren. Aber auch der Wegfall von Öd- und Unland, das Verschwinden Hecken und Feldgehölzen, dunkle und monotone Wälder als Ergebnis forstwirtschaftlicher Nutzung, Intensivierung der Landwirtschaft mit Dünger- und Pestizideisatz, intensive „Pflege“ von Straßen- und Wegrändern nebst Böschungen und Gräben, Zersiedlung der Landschaft und Verkehrsbelastung sind zu nennen. Neben der Zerstörung von Lebensraum und der Verschlechterung der Habitatqualität werden die verbleibenden „guten“ Flächen immer kleiner und liegen immer weiter auseinander, was die Isolation von Populationen begünstigen und Wiederbesiedlungen erschweren kann. Der Braune Bär gilt als Bioindikator für naturnahe Lebensgemeinschaften und als Kulturflüchter. Er reagiert empfindlich auf Störquellen.

Verbreitung: Der Brauen Bär ist eine Art kühl-gemäßigter Zonen auf der Nordhalbkugel und dort in Europa von der Iberischen Halbinsel über West- und Mitteleuropa bis nach Ostasien, aber auch in Nordamerika verbreitet.

Gefährdung / Rote Liste: In Deutschland insgesamt (Rote Liste 2011) ist es eine Art der Vorwarnliste, die Einstufung dieser Art gilt jedoch als schwierig. Die Bestände dieses ehemals sehr häufigen und bekannten, auffälligen Falters sind bundesweit rückläufig, auch wenn er in allen Bundesländern vorkommt. Unklar ist, warum diese früher fast allgegenwärtige und als Raupe an vielen Pflanzenarten lebende Art in den letzten 10–15 Jahren vielerorts selten gefunden wird oder ganz verschwunden ist.

Eigene Funde melden: Beobachtungen, Fotos und Verbreitung des Braunen Bären können auf der Webseite www.observation.org eingesehen werden – dort können auch eigene Beobachtungen gemeldet werden, nicht nur solche des Braunen Bären. Die Identify-Funktion von observation hilft Ihnen zu erkennen, ob Ihre Bestimmung richtig war.

Schmetterlingsfans in Zeiten von Corona: Sie suchen eine Mundschutzmaske mit Bärenmotiv? Wir haben einige Entwürfe für Sie zusammengestellt.  Hier können Sie entsprechende Bilder downloaden und ihre Masken selbst gestalten.

Lichtverschmutzung erkennen und vermeiden: Ein aktueller Leitfaden zur Neugestaltung und Umrüstung von Außenbeleuchtungsanlagen findet sich hier.


Die BUND NRW Naturschutzstiftung und die Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen e.V. küren seit 2003 den Schmetterling des Jahres, um auf die Bedeutung und Bedrohung der Arten aufmerksam zu machen. Zur BUND NRW Naturschutzstiftung: Schmetterling des Jahres

Veröffentlicht unter Allgemein, Bärenjagd, Lichtverschmutzung, Schmetterling des Jahres | 1 Kommentar

Mit Selfie-Stick und Fernglas im Tunnel

Selbstporträt mit Durchblick. 1. November 2020

Passend zu Halloween hier mal eine kurze Abhandlung über einen schaurig-schönen Fundort in Düsseldorf, den die einheimischen FalterforscherInnen regelmäßig besuchen. Zum Beobachten gehören neben guten Nerven allerdings ein wenig Spezialausrüstung.

Im Südosten Düsseldorfs gab es früher ein unter Sammlern und Beobachtern bekanntes Gebiet, das wahlweise und je nach Startpunkt der Exkursionen den Namen „Eller“, „Vennhausen“, oder auch „Hildener Heide“ trug. Aus alten Aufzeichnungen ist bekannt, dass dort früher ein Sumpfgebiet lag, das von Düsseldorf-Unterbach über Gerresheim bis nach Mörsenbroich reichte.

Die gesamte Region ist allerdings mehrfach kräftig überformt worden, der heutige „Eller Forst“ ist umgeben von Baggerseen, durchschnitten von zwei Autobahnen, der Bahnlinie Köln-Düsseldorf, der heutige Ortsteil Vennhausen liegt auf den ehemaligen Moorböden der Randsenke. Reste der ehemaligen Bergischen Heideterrasse finden sich nur noch entlang der Leitungstrassen von Bahn und Gaspipelines und unter Stromleítungen.

Der ehemalige Sumpf wurde entwässert und aufgeforstet, der Rest der Fläche ist entweder bebaut oder verwaldet. Dazu kommt eine extreme Frequentierung als Naherholungsgebiet, an schönen Sommertagen kämpfen Radfahrer, Reiter und Fußgänger um den Platz auf dem eh schon dichten Wegenetz. Kein Platz an dem man große Erwartungen an die Falterfauna haben sollte.

Großer Frostspanner – Erannis defoliaria, auf bröckelndem Grafitti. Düsseldorf, 1. November 2020 (Foto Armin Dahl)

Trotzdem suchen die Düsseldorfer „Lepidioten“ den Eller Forst regelmäßig auf, Ziel ist ein besonders schauriger Platz, die – gut beleuchtete – Unterführung der Autobahn A46. Gute 50 Neonröhren, die Tag und Nacht brennen, und das schon seit etlichen Jahrzehnten: Hier kann man praktisch ganzjährig Falter beobachten, die vom Licht aus dem umgebenden Wald angelockt werden und im Tunnel an den Wänden sitzen. Der Besuch des Tunnels ist allerdings nichts für schreckhafte Menschen, man begegnet dort schon auch mal ein paar Obdachlosen, die Schutz vor dem Regen suchen, Leute bieten fragwürdige Dienstleistungen an, und nachts sind Sprayer unterwegs und verzieren die Wände.

Herbstfalter, schlecht getarnt: Colotois pennaria, Düsseldorf, 1. November 2020 (Foto Armin Dahl)

Aber was tut man nicht alles für Hobby und Wissenschaft! Der Tunnel ist knapp fünf  Meter hoch und die wenigsten Falter sitzen auf Augenhöhe. Wer dort beobachten will, braucht neben einer soliden Taschen- oder Stirnlampe erst einmal ein Fernglas, das sich auf kurze Entfernungen scharf stellen lässt. Ich habe dazu ein Glas der Firma Pentax im Handschuhfach, das sinnigerweise den Namen „Pentax Papilio“ trägt. Das stellt bis auf 50cm scharf und ist extrem praktisch für Beobachtungen von Tagfaltern, Libellen und anderem Kleinzeugs.

Weiter nehme ich im Tunnel das Mobiltelefon mit, bzw. die darauf installierte App von observation.org, zum Dokumentieren der Falter und anderer Funde wie Schnecken, Käfern und Spinnen. Und weil die Tiere immer dort sitzen, wo man gerade nicht mehr hinkommt, benutze ich fürs Fotografieren das Handy über einen ordinären Selfie-Stick.  So kann ich, ohne mich in den Dreck zu knien, die bodennah sitzenden Falter fotografieren und auch mal bis in 2,50 Höhe sitzende Tiere „am langen Arm“ ablichten. Die Qualität der Fotos spielt da erstmal keine große Rolle, die App bestimmt in aller Regel auch unscharfe Belegfotos richtig.

Ergebnis einer halben Stunde Tunnelkunde: Über 100 Halloween-Falter im Protokoll-Screenshot der iobs-app, 1. November 2020

Das ganze Unternehmen sieht wohl ein wenig anrüchig aus, vielleicht glauben die Passanten dass ich dort die Graffitis inspiziere oder irgendwas unanständiges tue. Spaziergänger, Jogger und Fahrradfahrer drücken sich jedenfalls meist schnell vorbei, niemand will wissen was ich dort eigentlich genau mache, mit Fernglas Lampe und dem Handystock. Das ist mir an dieser Stelle aber auch herzlich egal, wichtig ist allein die Ausbeute: Spätherbst ist im A46-Tunnel die beste Zeit, an manchen Tagen sind dort hunderte von Faltern zu finden, und weit über 100 Großschmetterlingsarten haben wir dort insgesamt schon nachgewiesen, vom Ulmen-Zipfelfalter bis zu schönen Nachtfaltern wie dem Weißen Zahnspinner Leucodonta bicoloria.

Sphinxeule – Asteroscopus sphinx. Auf blau gekacheltem Untergrund hilft die schönste Tarnfärbung nichts. Düsseldorf, 1. November 2020 (Foto Armin Dahl)

Wichtig ist der Platz auch deshalb, weil man dort die regionalen Flugzeiten der Falter so schön verfolgen kann. Star des Tunnels im November ist die graue, zottig behaarte Spinx-Eule Asteroscopus sphinx, von der man in einem Durchgang durch den A46-Tunnel schon mal 40 Tiere und mehr beobachten kann.

Die Kehrseite der Medaille ist natürlich die starke Lockwirkung der Tunnelbeleuchtung  auf die Nachtfalter der Umgebung. Gerade Tiere von A. sphinx sitzen oft tagelang auf einem Fleck und bewegen sich nicht von der Stelle, anstatt sich „ordentlich“ fortzupflanzen. Ein Heer von Spinnen rund um die Lampen bedient sich außerdem an den anfliegenden Insekten.

Mal ganz abgesehen von dem unsinnigen Stromverbrauch, der mit etwa 1800 Watt x 24h x 365 Tagen bei über 15.000 Kilowattstunden pro Jahr liegt. Würde der A46 Tunnel mal auf moderne LED-Technik umgerüstet, hätte man das (Steuer-)Geld für den Betrieb der Lampen sicher in wenigen Monaten eingespart. Und statt zu Düsseldorfs größter Lichtfalle zu pilgern, müssten wir uns einen neuen Platz suchen.

Links:

Beobachtungen des Autors auf observation.org/

Schulungsvideo: NRW.Observation.org | Online-Kurs | Teil 1

Veröffentlicht unter Daten, Lichtverschmutzung, Phänologie / Klimawandel | 3 Kommentare

Nachtfalter-Untersuchungen im Süden des Ruhrgebiets

Griposia aprilina, Bochum-Stiepel, 27. Oktober 2020 (Foto: Armin Jagel) Im Meßtischblatt 4509 Bochum war G. aprilina seit 1911 nicht mehr nachgewiesen.

Seit dem Jahr 2017 extensiviere ich zusammen mit Corinne Buch die ca. 0.5 Hektar große BUND-Streuobstwiese an der Schattbachstraße in Bochum am Rand des Bergischen Landes. Im Sommer 2020 haben wir damit begonnen dort auch die Nachtfalter halbwegs systematisch zu erfassen – mit erstaunlichen Ergebnissen.

In den Jahren 2018 und 2019 haben wir versucht, neben den Pflanzen auch alle anderen möglichen Lebenswesen zu erfassen, um eine Vorstellung der Grundausstattung der Wiese zu erhalten. Wir erhoffen uns, Jahre später durch eine neue Erhebung Erfolge unserer neu eingesetzten Pflegemaßnahmen beurteilen zu können. Alle unbekannten Arten wurden anhand von Fotos und/oder Belegen von Dr. Christian Schmidt (Senckenbergmuseum Dresden) bestimmt. Die Ergebnisse sind bereits öffentlich zugänglich: JAGEL & al. 2020 .

Eine Erfassung der Nachtfauna der Wiese erfolgte aber bisher nicht, und unter den bis dahin 710 Arten fanden sich lediglich 41 Schmetterlings-Arten, darunter 26 Nachtfalter. Um diese Lücke anzugehen, luden wir am 15./16.08.2020 Armin Dahl und Armin Radtke ein und trafen uns zusammen mit weiteren Falterfreaks (Jonas Mittemeyer, Julia Niermann, Hendrik Weindorf) und vier Leuchttürmen sowie Ködernschnüren auf der Wiese. Corinne zauberte den passenden Leuchtkuchen dazu. An dem Abend konnten wir insgesamt 92 Arten erfassen, darunter 60 Nachtfalter-Arten, von denen 54 neu für die Wiese waren.

Nachtfalter-Beobachtungen am Leuchtturm. Foto: Hendrik Weindorf

Damit war das Interesse geweckt und wir haben im Bochumer Kreis noch drei weitere Male geleuchtet, wobei zwei Oktober-Termine aber lediglich drei neue Falterarten ergaben.

Darüber hinaus begann ich mit 24/7-Unterstützung von Jonas Mittemeyer Anfang September mit der Köderung, indem ich regelmäßig 15 Bäume mit Köder bestrich und zusätzlich halbierte, mit Köder versehende Äpfel im Gelände installierte. Zwischen dem 15.09. und dem 24.10.2020 fanden die Kontrollen (mit einer Ausnahme) täglich statt.

Übersicht: Köderfänge im Herbst 2020 (Daten: Armin Jagel)

Die Ergebnisse dieser knapp sechswöchigen Untersuchung ergaben 42 Nachtfalter-Arten (in Klammern, die Anzahl der Nachweistage): Abrostola triplasia (1), Agrochola circellaris (28), A. lota (15), A. lunosa (15), A. macilenta (9), Agrotis puta (1), Allophyes oxyacanthae (5), Amphipyra pyramidea/berbera (27), Campaea margaritaria (1), Caradrina clavipalpis (1), C. kadenii (1), Catocala nupta (1), C. sponsa (1), Conistra erythrocephala (26), C. ligula (7), C. rubiginea (9), C. vaccinii (29), Dryobotodes eremita (14), Emmelina monodactyla (2), Epirrita spec. (1), Eupsilia transversa (17), Hypena proboscidalis (4), Lithophane ornitopus (1), L. semibrunnea (1), Mormo maura (3), Mythimna l-album (12), Noctua comes (6), N. fimbriata (2), N. janthe (1), N. pronuba (15), Opisthograptis luteolata (1), Peribatodes rhomboidaria (1), Phlogophora meticulosa (11), Scoliopterys libatrix (1), Tilacea aurago (8), T. citrago (4), Tinea semifulvella (1), Udea ferrugalis (1), Xanthia gilvago (2), X. icteritia (6), X. togata (5), Xestia xanthographa (15).

Olivgrüne Eicheneule – Dryobotodes eremita, Bochum-Laer/Querenburg – Obstwiese Schattbachstraße, 21. Oktober 2020 (Foto: Armin Jagel)

Ulmen-Gelbeule – Xanthia gilvago, Bochum-Laer/Querenburg – Obstwiese Schattbachstraße, 22. Oktober 2020 (Foto: Armin Jagel)

Als besondere Highlights können wohl die Olivgrüne Eicheneule (Dryobotodes eremita, 14 x jeweils 1 Ex., 17.09.–21.10.) und die Ulmen-Gelbeule (Xanthia gilvago, 2x jeweils ein Ex., 19.09., 22.10.) gelten. Letztere profitiert sicherlich von der großen, zweistämmigen Feld-Ulme in der Randbepflanzung, die jährlich zahlreich blüht und fruchtet.

Strukturreiche, extensive Obstwiesen gelten weithin als artenreich. Gründe für den Artenreichtum auf der Bochumer BUND-Wiese dürften zwar auch in der strukturreichen Umgebung der Wiese zu suchen sein (Friedhof, Wohnbesiedlung mit Gärten, Wald, Bachaue, Pferde- und Schafweide, Acker). Aber wahrscheinlich auch in der bereits schon jetzt guten Qualität der Wiese, die seit mehr als 100 Jahre keiner landwirtschaftlichen Nutzung unterliegt.

Die Nachtfalter-Untersuchungen auf unserer Obstwiese sollen weitergeführt werden und nach den bisherigen Ergebnissen kann man erwarten, dass noch weitere interessante Funde gelingen werden. Zu erreichen bin ich unter armin@jagel.nrw

Veröffentlicht unter Daten, Naturschutz, Pflegemaßnahmen, Seltene Arten | Verschlagwortet mit , , , | 6 Kommentare

Winter is coming! Wear a mask!

Der Winter naht. Wer hätte vor einem Jahr geahnt, was uns das Jahr 2020 bringen würde? Nun müssen wir wohl erst einmal mit „COVID-19“ leben. Während also die Mechanismen der Natur versuchen uns endlich los zu werden, halten wir dagegen – mit Abstand und Maske! Machen wir also das Beste daraus und sehen die Gesichtsmaske als neues Accessoire für die modebewusste Dame und den smarten Herrn an. Gerade die Herren können hier profitieren – waren doch vorher die einzigen modische Utensilien die Krawatte und die Armbanduhr. Lasst uns daher ein Statement für die Lepidopteren setzen – mit einer Mund-Nase Maske mit entsprechendem Motiv. Diese kann man inzwischen überall bestellen – einfach mal „Maske mit Foto“ googeln! Ich habe bisher bei meinfoto.de bestellt. Die Premiumversion ist nicht ganz billig, aber waschbar und hochwertig. Unsere Familienmitglieder benutzen diese schon seit sechs Monaten, ohne dass ein Qualitätsverlust nach zahlreichen Waschgängen zu beobachten wäre. Unsere „Moth Hunters“ Maske für „Mottenzotten“ ist inzwischen schon weit verbreitet. Ich habe hier mal eine Reihe Motivvorschläge zum Download und zur freien privaten Verwendung bereitgestellt, viel Spaß damit! Einfach das Bild anklicken, es öffnet sich dann in einem neuen Fenster, rechte Maustaste – Bild speichern unter…, dann nach gusto selbst hochladen und bestellen.

Hier das Wappentier unseres Vereins:

Vielleicht etwas für die „Frühlingstypen“ unter den Damen (und Herren):

Wie wäre es mit einem „Blutströpfen“ auf einer Wiesen-Witwenblume?

 

Oder lieber ein Schwalbenschwanz?

Für Nachteulen, mein Dank gilt hier Jonas Mittemeyer. Er hat Catocala fraxini gefangen, so dass ich das Tier nach dreißig Jahren Suche endlich gesehen und abgelichtet habe. Sieht im Ausdruck sehr edel aus und ist jetzt das Motiv meiner Lieblings-Maske!

Für die Ranger und Hartgesottenen unter uns mit leicht morbider Neigung:

Oder: der von Karl-Heinz Jelinek präparierte und fotografierte Totenkopfschwärmer im „Schweigen der Lämmer“ – Stil. Tipp: den freigestellten Falter einfach mit Photoshop in ein Foto des eigenen Gesichts auf den Mund montieren!

Der Beamte würde sagen: „Aus gegebenem Anlass weise ich auf Parnassius apollo vinnigensis hin, mit der Bitte um Kenntnisnahme und weitere Veranlassung“:

Maskenmotiv Apollofalter

Oder: ein sommerlicher Brauner Bär (Arctia caja), mit Raupe.

Alternativ etwas stylischer vor dem Sternenhimmel:

Ein Wimmelbild für die ganze Familie:

Und die legendäre „Moth-Hunters“ Maske… :

Veröffentlicht unter Allgemein, Schmetterling des Jahres, Seltene Arten | Verschlagwortet mit , , , , , , | 2 Kommentare

Blaues Ordensband im Bergischen Land

Der September kommt und mit ihm gehen die Artenzahlen bei den Nachtfaltern herunter. Umso erstaunter war ich, als am 29. August 2020 ein Blaues Ordensband – Catocala fraxini in einer eigens gebauten Köderfalle saß.

Catocala fraxini, Ennepetal-Büttenberg, Schiefelbusch, 29. August 2020 (Foto: Jonas Mittemeyer)

Der männliche Falter hat eine beachtliche Flügelspannweite von knapp 10cm. Fundort des  Tieres ist das Biotop Schiefelbusch auf 270m.  Die Falle hing an einer Späten Traubenkirsche (Prunus serotina), unweit eines großen Pappelbestandes (Populus alba, P. tremula, P. nigra-Hybriden) Nach Funden von Eublemma purpurina und Helicoverpa armigera in unserem Garten ist das Blaue Ordensband sicherlich der spektakulärste Fund des Sommers 2020 vor meiner Haustür.

Köderfalle, Marke Eigenbau. Foto: Jonas Mittemeyer

Der Fundort Ennepetal-Büttenberg liegt im Bergischen Land, in dem C. fraxini in der Roten Liste von 2011 noch in der Kategorie 0 – ausgestorben oder verschollen – angegeben ist. Da gibt es jetzt Korrekturbedarf: 2020 gab es weitere Nachweise vom Blauen Ordensband im Bergischen Land, so in Hagen-Haspe und auch in Overath-Untereschbach, und schon 2018 einen Fund mitten im Stadtgebiet von Wuppertal.

Mehr: Beobachtungen von Catocala fraxini in germany.observation.org

Veröffentlicht unter Seltene Arten | 1 Kommentar

Moore bei Meppen ein Jahr nach dem Brand

Hallo zusammen
wie die meisten von euch sicher wissen, gab es vor zwei Jahren in Westniedersachsen einen großen Moorbrand in der als militärisches Schießgelände genutzten „Tinner Dose“. Die „Tinner Dose“ umfasst eines der letzten großen nordwestdeutschen Hochmoore, das aufgrund der militärischen Nutzung von industrieller Abtorfung verschont geblieben ist. Wir hatten vor dem Brand über mehrere Jahre die dortige Schmetterlingsfauna untersucht ( http://www.ag-rh-w-lepidopterologen.de/_mGala-16_Thea/wp-content/uploads/Melanargia-27H1.pdf und weiteres Manuskript in Vorbereitung).

Falls es den ein oder anderen interessiert, hier ein zwar nicht mehr ganz aktueller, aber informativer Fernsehbeitrag über die möglichen Folgeschäden des Brands:

Ich hoffe die Bundeswehr erteilt uns bald eine Genehmigung, die Brandfolgen auf die Schmetterlingsfauna untersuchen zu können.

Grüße
Frank

ROSENBAUER, F., HEINICKE, C., BOCZKI, R. & KOSTEWITZ, J. (2015): Der Schießplatz Meppen als bedeutendes Rückzugsgebiet für die Schmetterlingsfauna atlantischer Sand-Moorheidekomplexe (Lepidoptera) . Melanargia, 27 (1): 4-23

 

Veröffentlicht unter Allgemein, Pflegemaßnahmen, Seltene Arten | Kommentare deaktiviert für Moore bei Meppen ein Jahr nach dem Brand