Winter is coming! Wear a mask!

Der Winter naht. Wer hätte vor einem Jahr geahnt, was uns das Jahr 2020 bringen würde? Nun müssen wir wohl erst einmal mit “COVID-19” leben. Während also die Mechanismen der Natur versuchen uns endlich los zu werden, halten wir dagegen – mit Abstand und Maske! Machen wir also das Beste daraus und sehen die Gesichtsmaske als neues Accessoire für die modebewusste Dame und den smarten Herrn an. Gerade die Herren können hier profitieren – waren doch vorher die einzigen modische Utensilien die Krawatte und die Armbanduhr. Lasst uns daher ein Statement für die Lepidopteren setzen – mit einer Mund-Nase Maske mit entsprechendem Motiv. Diese kann man inzwischen überall bestellen – einfach mal “Maske mit Foto” googeln! Ich habe bisher bei meinfoto.de bestellt. Die Premiumversion ist nicht ganz billig, aber waschbar und hochwertig. Unsere Familienmitglieder benutzen diese schon seit 6 Monaten, ohne dass ein Qualitätsverlust nach zahlreichen Waschgängen zu beobachten wäre. Unsere „Moth Hunters“ Maske für “Mottenzotten” ist inzwischen schon weit verbreitet. Ich habe hier mal eine Reihe Motivvorschläge zum Download und zur freien privaten Verwendung bereitgestellt, viel Spaß damit! Einfach das Bild anklicken, es öffnet sich dann in einem neuen Fenster, rechte Maustaste – Bild speichern unter…, dann nach gusto selbst hochladen und bestellen.

Hier das Wappentier unseres Vereins:

Vielleicht etwas für die “Frühlingstypen” unter den Damen (und Herren):

Für Nachteulen, mein Dank gilt hier Jonas Mittemeyer. Er hat Catocala fraxini gefangen, so dass ich das Tier nach dreißig Jahren Suche endlich gesehen und abgelichtet habe. Sieht im Ausdruck sehr edel aus und ist jetzt das Motiv meiner Lieblings-Maske!

Für die Ranger und Hartgesottenen unter uns mit leicht morbider Neigung:

Oder: der von Karl-Heinz Jelinek präparierte und fotografierte Totenkopfschwärmer im “Schweigen der Lämmer” – Stil. Tipp: den freigestellten Falter einfach mit Photoshop in ein Foto des eigenen Gesichts auf den Mund montieren!

Der Beamte würde sagen: “Aus gegebenem Anlass weise ich auf Parnassius apollo vinnigensis hin, mit der Bitte um Kenntnisnahme und weitere Veranlassung”:

Ein Wimmelbild für die ganze Familie:

Und die legendäre “Moth-Hunters” Maske… :

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Blaues Ordensband im Bergischen Land

Der September kommt und mit ihm gehen die Artenzahlen bei den Nachtfaltern herunter. Umso erstaunter war ich, als am 29. August 2020 ein Blaues Ordensband – Catocala fraxini in einer eigens gebauten Köderfalle saß.

Catocala fraxini, Ennepetal-Büttenberg, Schiefelbusch, 29. August 2020 (Foto: Jonas Mittemeyer)

Der männliche Falter hat eine beachtliche Flügelspannweite von knapp 10cm. Fundort des  Tieres ist das Biotop Schiefelbusch auf 270m.  Die Falle hing an einer Späten Traubenkirsche (Prunus serotina), unweit eines großen Pappelbestandes (Populus alba, P. tremula, P. nigra-Hybriden) Nach Funden von Eublemma purpurina und Helicoverpa armigera in unserem Garten ist das Blaue Ordensband sicherlich der spektakulärste Fund des Sommers 2020 vor meiner Haustür.

Köderfalle, Marke Eigenbau. Foto: Jonas Mittemeyer

Der Fundort Ennepetal-Büttenberg liegt im Bergischen Land, in dem C. fraxini in der Roten Liste von 2011 noch in der Kategorie 0 – ausgestorben oder verschollen – angegeben ist. Da gibt es jetzt Korrekturbedarf: 2020 gab es weitere Nachweise vom Blauen Ordensband im Bergischen Land, so in Hagen-Haspe und auch in Overath-Untereschbach, und schon 2018 einen Fund mitten im Stadtgebiet von Wuppertal.

Mehr: Beobachtungen von Catocala fraxini in germany.observation.org

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Moore bei Meppen ein Jahr nach dem Brand

Hallo zusammen
wie die meisten von euch sicher wissen, gab es vor zwei Jahren in Westniedersachsen einen großen Moorbrand in der als militärisches Schießgelände genutzten “Tinner Dose”. Die “Tinner Dose” umfasst eines der letzten großen nordwestdeutschen Hochmoore, das aufgrund der militärischen Nutzung von industrieller Abtorfung verschont geblieben ist. Wir hatten vor dem Brand über mehrere Jahre die dortige Schmetterlingsfauna untersucht ( http://www.ag-rh-w-lepidopterologen.de/_mGala-16_Thea/wp-content/uploads/Melanargia-27H1.pdf und weiteres Manuskript in Vorbereitung).

Falls es den ein oder anderen interessiert, hier ein zwar nicht mehr ganz aktueller, aber informativer Fernsehbeitrag über die möglichen Folgeschäden des Brands:

Ich hoffe die Bundeswehr erteilt uns bald eine Genehmigung, die Brandfolgen auf die Schmetterlingsfauna untersuchen zu können.

Grüße
Frank

ROSENBAUER, F., HEINICKE, C., BOCZKI, R. & KOSTEWITZ, J. (2015): Der Schießplatz Meppen als bedeutendes Rückzugsgebiet für die Schmetterlingsfauna atlantischer Sand-Moorheidekomplexe (Lepidoptera) . Melanargia, 27 (1): 4-23

 

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Den Schmetterlingen geht es schlecht – es fehlt der Große Wurf!

Auszug aus dem FFH-Bericht 2019

Der FFH-Bericht zum Zustand der Tier- und Pflanzenarten spricht eine klare Sprache: Den Schmetterlingen geht es schlecht. Viele Menschen sagen: Das ist eine traurige Sache, “da muss man was tun”. Die Experten bewegen sich in einer “Schmetterlings-Blase”, das klare Bekenntnis der Politik zum Naturschutz fehlt noch immer, Behörden können beim Aussterben oft nur zuschauen.

Ein Meinungsbeitrag von Tim Laußmann

Natürlich tun wir in unseren Vereinen seit vielen Jahrzehnten etwas: Vorträge halten, Artikel schreiben, Blogbeiträge posten, Bücher verfassen, auf die Probleme in der industriellen Land- und Forstwirtschaft hinweisen, extensiv gepflegtes Offenland fördern, wo immer es geht. Wir berichten uns in unserer “Lepidopterologen-Blase” gegenseitig, wo die Probleme liegen. Viele von uns haben sich für kleinere und größere Projekte auf lokaler Ebene eingesetzt und tun dies immer noch. Oftmals stieß man auch auf Widerstand aus der Lokalpolitik – Ökonomie und Ökologie wurden gerne gegeneinander ausgespielt – und: letztlich endet alles beim Geld.

Fangen wir deshalb beim Geld an: Haben die Biostationen (oder vergleichbare Institutionen, wenn überhaupt vorhanden) genug Geld? Sind dort in ausreichender Anzahl fachkundige Personen dauerhaft angestellt? Ist genug Geld für professionelle Biotoppflege vorhanden? Können “Schutzzonen” um wertvolle Lebensräume aufgekauft werden? Wer koordiniert das Ganze: Bund, Land oder Kommune? Oder läuft das nach dem Motto: machst Du es nicht oder lass ich es liegen? Sicher können wir weiter auf lokaler Ebene mit Ehrenamtlern und engagierten Biostationen Biotope erhalten. Aber das steht und fällt mit einzelnen Personen, sowohl an den Biostationen als auch in den Vereinen.

Daher frage ich mich seit Jahren: Wo ist der große Wurf, wo das klare Bekenntnis der Politik zum Naturschutz, das Geld für echte Veränderungen? Werden “Naturschützer” immer noch als störend empfunden, als Querulanten mit Außenseiterhobby? Leute, die ja nur diese und jene Viecher schützen wollen, damit sie ihrem Hobby nachgehen können, aber dabei dem neuen Industriegebiet auf der grünen Wiese im Weg stehen? Ich meine, der Schutz der Natur und der Artenvielfalt muss eine allgemein anerkannte Gesellschaftsaufgabe sein!

Ja, ich liebe Schmetterlinge. Ich will nicht, dass sie verschwinden. Daher hier zwei Beispiele weshalb ich meine, dass es mit “kleinen, lokalen Projekten” alleine nicht mehr getan ist:

Der Dukatenfalter:

Lycaena virgaureae, Dukatenfalter, 13.07.2020 Kahler Asten (Foto: Tim Laußmann)

Jeden Frühling plane ich, welche gefährdeten Schmetterlingsarten ich dieses Jahr “besuchen” will. Viele schöne Biotope werden gut erhalten und sogar verbessert – da muss man nichts schlecht reden. Für dieses Jahr hatte ich mir den Dukatenfalter vorgenommen. Sorgen bereitete mir ein Bericht in der aktuellen “Melanargia” (Heft 2, XXXII. Jahrgang) in dem die Biostation Siegen Wittgenstein schreibt, dass die noch vor 10 Jahren sehr starke Population auf der Trupbacher Heide bei Siegen verschollen ist. Meine persönlichen Beobachtungen habe ich hier zusammengefasst.

Was mich aber überrascht hat: aus anderen Regionen Deutschlands kamen als Kommentar zu dem Blogbeitrag ähnliche Berichte: Die Bestände an Dukatenfaltern sind demnach in folgenden Gebieten rückläufig oder gar nicht mehr vorhanden: Rhön, Odenwald, Raum Offenbach, Raum Augsburg und im Spessart. Auch aus dem Saarland hört man nichts Gutes. Was ist da los? Das Bundesamt für Naturschutz schrieb mir am 28.07.2020 als Antwort auf meine Anfrage, dass keine Informationen zu den Beständen des Dukatenfalters vorlägen und verwies mich auf den bekannten Artikel von Zapp, Delattinia 35-36 (2010). Zudem teilte das Bundesamt für Naturschutz mit, dass man an einer Gefährdungsanalyse arbeite, deren Ergebnisse aber wahrscheinlich nicht vor 2022 zu erwarten sind.

Meine Anfrage beim “Rote-Liste-Zentrum” (fachliche Auskunft von Herr Dr. Caspari) ergab, dass die Dukatenfalter tatsächlich verschwinden: Klimawandel steht hier im Vordergrund: trockene Frühjahre, warme Winter, das ist nicht optimal für die im Ei überwinternden Raupen des Dukatenfalters. Zudem müssten die Biotope (aktuell z.B. noch im Hochsauerland) optimiert werden. Als Art, die gerne am Waldrand lebt, braucht sie offene Waldstrukturen mit blühenden Hochstauden im Sommer. Diese werden unnötigerweise durch die Waldwirtschaft zu früh abgemäht – eine Verschiebung der Mahd würde nicht einmal etwas kosten.

Der Apollofalter:

Mosel – Apollofalter, Parnassius apollo, Valwig (Mosel) 02.07.1995, aufgenommen am Apolloweg, Mitte zwischen Parkplatz und Brauselay, Falter wurden auf ca. 10-20 m nach einem Gewitterregen aus dem Sedum zusammengesammelt (Foto: Tim Laußmann)

Gut erinnere ich mich an die “legendären” Moselapollo-Exkursionen mit den Rheinisch-Westfälischen Lepidopterologen. Zwischen 1992 und 1995 habe ich mir jährlich das Spektakel mit den zahlreichen Apollofaltern beginnend an der Moseltalbrücke bis zum Apollofalter-Weg angesehen. Andächtig standen wir am Fuß der Brauselay bei Cochem und sahen bis zu 50 Falter auf einmal im Fels fliegen. Nach einem Gewitter konnte ich am “Apolloweg” auf 20 Metern sieben im Sedum ruhende Apollofalter zusammen tragen (Bild). Jahrelang dachte ich: da kann nichts passieren, die Biotope sind so beschaffen, dass man sie nicht bebauen, überdüngen oder sonst etwas damit machen kann.

Aber trotzdem: seit etwa zehn Jahren geht es auch dort bergab (Müller und Hanisch, Melanargia Heft 1, XXXII. Jahrgang). Was ist los? Extreme Wetterereignisse und milde Winter werden hier eine Rolle spielen. Aber auch der Verlust an blühenden Pflanzen. Das kann jeder sehen, der darauf achtet. Kann man hier nicht konsequent umliegende Flächen so einsäen und pflegen, dass die Apollofalter weiter eine Nektarquelle haben? Ist genügend Geld für solche Sofortmaßnahmen vorhanden? Das Bundesamt für Naturschutz teilte mir mit, dass ich mich an die lokalen entomologischen Vereine (also an uns selbst?) wenden soll. Ich weise an dieser Stelle darauf hin, dass der Apollofalter eine weltweit besonders geschützte Art und zudem eine FFH-Art ist. Wenn wir diese verlieren, wird die Bundesrepublik Deutschland darlegen müssen, wie das passieren konnte. Ggf. kann es auch zu Klagen und Strafzahlungen kommen.

Was tun!

Meine Frage: Werden solche, teils bundeslandübergreifenden Phänomene überhaupt öffentlich wahrgenommen? Sollten wir das nicht richtig publik machen? Wenn schon Klimawandel im Spiel ist, können der Apollofalter und der Dukatenfalter vielleicht zusammen mit dem Lilagold-Feuerfalter und dem Blauschillernden Feuerfalter nicht als Paradebeispiele dienen, dass viel, viel mehr gegen den Klimawandel und für den Biotopschutz getan werden muss? Sie sind bunt und attraktiv – das finden bestimmt auch “normale Menschen” schade, wenn diese Arten weg wären. Kann man auf politischer Ebene für mehr Geld für vernünftige Biotoppflege sorgen?

Welcher hochranginge Politiker würde sich das auf die Fahne schreiben und hat das Rückgrad zu sagen: ja, ich unterstütze den Naturschutz, ich stelle mich persönlich vor die Naturschützer, die Biostationen, die Behörden und sitze den Lobbisten nicht mehr auf dem Schoß? Finden sich engagierte Sponsoren (Firmen, Privatpersonen)? Ein Engagement im Naturschutz stünde mancher großen Firma, die sich in dieser Hinsicht nicht mit Ruhm bekleckert hat, vielleicht ganz gut zu Gesicht, oder? Da kann man ja auch drüber reden: “Tue Gutes und rede darüber!”. Auch das Sterben der Fichtenwälder könnte hier eine Chance sein, die noch vorhandenen Lebensräume (Dukatenfalter) zu erhalten bzw. zu vergrößern und zu verbessern. Und: kann man nicht öffentliche Flächen viel konsequenter insektenfreundlich pflegen, wo immer das möglich ist – “Balkenmäher statt Schlegelmulcher”? Auf Bundesebene wäre  die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben zuständig – da kann der Bund selbst aktiv werden und müsste nicht auf das “klein-klein” der Kommunen warten! Beispiele gibt es schon. Auch das wäre kostenneutral zu leisten. Kurz gesagt: Ideen gibt es genug, um etwas zu tun. Und diese simplen “Ideen” sind auch plausibel und logisch – da braucht man keine Arbeitsgruppe, keine Analyse, nicht noch ein Gutachten, keine Beraterfirma. Will man uns für dumm verkaufen?

Um das mal ganz klar zu machen: Ich gebe hier keiner Behörde, keiner Biostation die Schuld. Chronisch unterfinanziert, mit Personalmangel, befristeten Stellen usw. tun sie sicher ihr Bestes. Diese müssen gestärkt werden mit Geld, Personal, Infrastruktur und vor allem: POLITISCHEM WILLEN. Ich gehe zudem davon aus, dass kein Bauer übers Feld fährt und sagt: “jetzt kann ich endlich den letzten Schachbrettfalter erledigen”. Ich glaube immer noch an die friedliche Koexistenz von Landwirtschaft und Naturschutz! Aber: nur mit Forderungen an die Landwirtschaft wird es nicht gelingen, auch hier muss Geld fließen, andere Anreize müssen gesetzt werden. Bauern für die “Produktion” von Insekten bezahlen! So funktioniert unsere Gesellschaft nun mal.

Also: wie können wir die Politik beeinflussen? Auf irgendjemanden zu warten, der die Sache anpackt, hat meiner Meinung nach keinen Sinn. Oder soll sich der Artenschutz hinter anderen “Erfolgsprojekten” wie der Energiewende, Verkehrswende, Bildungsoffensive, Digitalisierung,… einreihen? Schade, dass unsere Volksvertreter ihre von uns allen verliehene Macht nicht nutzen: Selbst einfachste, kostenneutrale Dinge, wie oben beschrieben, werden unter der selbst geschaffenen Bürokratie begraben. Wenn man politisch etwas verhindern will, findet sich für alles ein Bedenkenträger. Liebe Leute: sprecht über Lösungen, nicht über Probleme!

Was wir brauchen, sind Personen mit “Gewicht”. Wir “Hobbyentomologen”, die zwar eine sehr gute Artenkenntnis, aber letztlich keine Stimme haben, werden wahrscheinlich kaum etwas erreichen. Wir predigen schon so viele Jahre, viele von uns sind auch entmutigt und desillusioniert. Ich würde mir auch noch viel mehr Unterstützung und Rückendeckung aus dem akademischen Bereich wünschen! Zu schnell werden unsere jahrelangen Beobachtungen als “lediglich deskriptiv”, “wissenschaftlich fragwürdig” oder als “Erkenntnisse aus dem Amateurbereich” abgetan (siehe die “Krefeld-Studie”). Das hilft der Sache nicht. Wir müssen uns gegenseitig fördern! Hochrangige Professoren würden vielleicht angehört zu werden. Damit meine ich letzten Endes nicht nur Biologen, ich halte unseren Umgang mit der Natur und deren Ressourcen für desaströs – das wird uns langfristig ruinieren, nur um jetzt das schnelle Geld zu machen? Die Schmetterlinge sind doch nur die empfindlichen Vorboten dessen, was da auf uns zukommt. Also, liebe Ökonomen, wo ist Eure Stimme? Auch “Fridays for Future” halte ich in diesem Zusammenhang für einen guten Ansprechpartner!

Übrigens: letztes Jahr bekam ich zwei ernst gemeinte Anfragen, ob wir (der Naturwissenschaftliche Verein Wuppertal) Schmetterlinge (gewünscht waren Segelfalter, Schwalbenschwanz, Schillerfalter,… ich vermute, dass hier ein buntes Bestimmungsbuch bemüht wurde) zur Ansiedlung im Garten verkaufen würden und was diese kosten würden. Auch wenn so ein Projekt zum Scheitern verurteilt und auch rechtlich mehr als fragwürdig ist, zeigt es mir, dass das Problem Insektensterben – auch über die Honigbienen hinaus (sind ja eigentlich auch „Nutztiere“!) – so langsam in der breiten Öffentlichkeit ankommt. Gut, der Ansatz „Wiederansiedlung“ ist hier noch ausbaufähig, aber nach einer kurzen Beratung waren die Anfragenden ganz begeistert, dass sie selbst ihren Garten schmetterlingsfreundlich gestalten können.

Jedoch muss man zumindest für Dukatenfalter und Apollofalter sagen: wenn weg, dann weg, dann hilft auch alles Geld nicht mehr! Wenn  jetzt nicht gehandelt wird, wann dann? Und bitte, liebe Politik: nicht noch eine Arbeitsgruppe, noch eine Anhörung, noch eine Beraterfirma… ich persönlich habe ein echtes Problem mit dieser „Ankündigungspolitik“ – einfach mal machen! – Wir können das besser – alle zusammen!

Kommentare (s.u.) willkommen!

Lesen Sie hierzu einen Beitrag von Prof. Dr. Kunz, Institut für Genetik, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.


Dr. Tim Laußmann ist Leiter der Entomologischen Sektion des Naturwissenschaftlichen Vereins Wuppertal, der im kommenden Jahr 175 Jahre alt wird. Der Diplom-​​Chemiker lebt in Leverkusen.
https://www.researchgate.net/profile/Tim_Laussmann

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Die Helle Pfeifengras-Grasbüschel-Eule und das Sommerloch

Nicht alles was in der Zeitung steht muss stimmen! Im Fall von Pabulatrix pabulatricula hätte ein bisschen mehr Recherche gut getan.

Eine kleine faunistische Sensation treibt die Kollegen in Bayern um: in einem Wald bei Wiesentheid in Unterfranken östlich von Würzburg ist Pabulatrix pabulatricula aufgetaucht, die “Helle Pfeifengras-Grasbüscheleule”. Die Kollegen von der Uni Würzburg, die dort die Fauna erfassen, diktierten der Deutschen Presseagentur (dpa)  in den Block:

“in einem Eichenwald in Unterfranken haben Wissenschaftler einen als in Mitteleuropa ausgestorben geltenden Nachtfalter entdeckt. [….]  Der Nachtfalter verschwand demnach vor 100 bis 150 Jahren aus den mitteleuropäischen Wälder […] Der erste überraschende Fund eines Exemplars gelang den Angaben zufolge im Juli 2019, inzwischen seien bei gezielten Suchaktionen im Sommer 2020 gleich mehrere Exemplare des seltenen Falters nachgewiesen worden.”

Der Sensationsfund wurde landauf landab in den Zeitungen abgedruckt, und schaffte es sogar auf die Webseiten des Bayerischen Rundfunks und von seriösen Medien wie Deutschlandfunk Nova. Insekten die aussterben und wieder auferstehen, und das auch noch ausgerechnet in Bayern, das ist ein toller Füllstoff für das Sommerloch!

Was nun die angeblich ausgestorbene Eulenfalter-Art angeht, so ist die Aussage definitiv falsch: Pabulatris pabulatricula war in Deutschland keineswegs ausgestorben! Weiterlesen

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Ältere Beobachtungsdaten vom Moselapollo benötigt!

Weibchen des Moselapollos (Parnassius apollo vinningensis) – Juni 2020, Umgebung Klotten. Foto: Daniel Müller

Daniel Müller bittet für seine Forschungsarbeit zum Mosel-Apollo um exakte Beobachtungsdaten, vor allem aus der Zeit vor 2010.

Der Moselapollo – Parnassius apollo vinningensis (STICHEL, 1899) – konnte sich offenbar von seinem letztjährigen Bestandseinbruch kaum erholen. Zwar wurden in den vergangenen Wochen entlang der zwischen Kobern-Gondorf und Winningen gelegenen Bahnlinie sowie am Apolloweg bei Valwig mehrmals zweistellige Individuenzahlen erfasst, allerdings ließen sich an allen übrigen Fundorten zumeist nur noch einzelne Tiere beobachten.

Am Ausoniusstein bei Kattenes und am Galgenberg bei Pommern ist die Art möglicherweise sogar schon verschwunden, denn aus diesen beiden Gebieten fehlen bislang aktuelle Nachweise. Es ist zu befürchten, dass sich der Rückgang der Art im unteren Moseltal in den nächsten Jahren fortsetzt, sofern keine geeigneten Schutzmaßnahmen eingeleitet werden. Diese können natürlich nur dann greifen, wenn den entsprechenden Ursachen entgegengewirkt wird.

Im Zuge meines Studiums an der Uni Mainz möchte ich in einer Forschungsarbeit die Gründe für den Rückgang des Moselapollos zunächst mittels bioinformatischer Methoden eingrenzen, um gegenenenfalls später zielgerichtete Freilanduntersuchungen zu tätigen. Dazu benötige ich Beobachtungsdaten, und zwar vor allem aus der Zeit von vor 2010. Schließlich wurden diese älteren Nachweise in den online einsehbaren Datenbanken meist noch nicht eingepflegt.

Sollten Sie entsprechende Beobachtungsdaten zum Moselapollo besitzen und mir diese für die Forschungsarbeit zur Verfügung stellen wollen, dann würde es mich freuen, wenn Sie sich mit mir über das Kontaktformular in Verbindung setzen.


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Mitgliederversammlung 2020, WET und Microtreffen abgesagt

Vorstand bei der Arbeit. v.l. Heinz Schumacher, Wolfgang Vorbrüggen, Günter Swoboda, Thomas C. Reifenberg, Karl-Heinz Jelinek, Brigitte Schmälter.

Hier kurz ein Ergebnis der Vorstandssitzung der Arbeitsgemeinschaft vom 16. Juli in Leverkusen, für Eure Planungen:

Die diesjährige, bereits einmal vertagte Mitgliederversammlung des Vereins fällt aus! Die Corona-Pandemie und der hohe Anteil an Mitgliedern in der Risikogruppe lassen es nicht zu, die Veranstaltung sinnvoll durchzuführen. Es macht auch keinen Sinn sich im Herbst zu treffen, und dann wieder im normalen Turnus im März. Die nächste Versammlung findet also – geplant – im  März 2021 statt. Ort und Datum werden noch genau festgelegt und finden sich dann im Terminkalender.

Zum Westdeutschen Entomologentag schreibt Dr. Stefan Curth, Kurator am Löbbecke-Museum: “Der Westdeutsche Entomologentag ist seit vielen Jahren, sogar Jahrzehnten, eine feste Institution – nicht nur unter Entomologen. […] Schweren Herzens mussten wir in diesem Jahr die Entscheidung treffen, den WET 2020 ausfallen zu lassen. Unter den aktuellen Maßnahmen zur Corona-Schutzverordnung wären wir nicht in der Lage, die Veranstaltung durchführen zu können”.

Auch für die Kleinschmetterlingsfreunde gibt es keine guten Nachrichten: Christoph Kayser, der das diesjährige Micro-Treffen in Schneverdingen organisiert hatte, schreibt dazu: “Nach langem und reiflichem Überlegen bin ich zu der Auffassung gelangt, dass ein Treffen in dieser unsicheren Zeit mit m.E. unverhältnismäßigen Risiken behaftet wäre. Deswegen sage ich hiermit unser für den Zeitraum vom 9. bis 11. Oktober geplantes Treffen ab. ”

Das alles soll Euch natürlich nicht abhalten, im kleinen Kreis Eurem Hobby und der Wissenschaft nachzugehen. Zwar sind Tagungen und Exkursionen weitgehend abgesagt, aber die Erforschung der einheimischen Fauna geht natürlich weiter wie bisher. Hauptsache Ihr bleibt gesund!


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Kamillenmönch Cucullia chamomillae auf dem Vormarsch

NRW – Gilsdorf/Eifel, Juni 2019 (Foto: Ralf Dahlheuser)

Die langen und teils extremen Trockenperioden der letzten Jahre, verbunden mit durchgängig milden bis heißen Temperaturen führen zu teils gut feststellbaren Veränderungen im Artengefüge und der Individuenzahl, ohne dies dramatisieren zu wollen. Es scheint aber auch Profiteure dieser Bedingungen zu geben, und von einem vermeintlichen möchte ich berichten.
Man hört und liest in den sozialen Medien immer öfter von Raupenfunden des Kamillen-Graumönch (Cucullia chamomillae). Neben den für diese Wärme liebende Art typischen Biotopen werden immer häufiger Funde an Ackerrandstreifen bekannt, an denen sich zunehmend Kamille etabliert hat.

Foto: Ralf Dahlheuser
Gilsdorf/Eifel NRW
Juni 2019

Foto: Ralf Dahlheuser
Gilsdorf/Eifel NRW
Juni 2019


Mehrere Funde der jüngeren Zeit (Remscheid-Grund, Frödenberg an der Ruhr, Nümbrecht, Gilsdorf in der Eifel und jüngst auch Düsseldorf und Jülich sowie aus Neuenstein/Mühlbach in Hessen) belegen dies.
Die sehr hübschen und farbvariablen Raupen finden sich an Matricaria- und Anthemisarten und sind recht leicht zu finden. Sie sitzen oft an den Stängeln der Futterpflanze, oder auch eingerollt auf den Blüten.

Foto: Ralf Dahlheuser
Gilsdorf/Eifel NRW
Juni 2020

Foto: Ralf Dahlheuser
Gilsdorf/Eifel NRW
Juni 2020

Foto: Christof Hielscher
Neuenstein/Mühlbach/Hessen Juni 2020

Foto Christof Hielscher
Neuenstein/Mühlbach/Hessen Juni 2020

Foto: Ralf Dahlheuser
Gilsdorf/Eifel NRW
Juni 2020


Im Gegensatz zu den jüngsten Funden zeigt die Verbreitungskarte sehr viele weiße Flecken und die Meldungen liegen überwiegend schon recht lange zurück.
Anlass genug, das Augenmerk auf diese Art zu richten und um die Meldung von weiteren Funden dieser Art zu bitten.

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